Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 13 (1.7.1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- Seite 129 (sequence 11)
- Language
- German
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— 129 — samkeit treten, »für daS jüdische Knlturleben,überhaupt und für das ungarische insbesondere von der verhäng« ißvollsten Tragweite,sesn > wordßw Md daß dem mehrmonatlichen Tagen des Congresses vvrauSfichtltch folgen müffen: viele, viele Jahre und Tage der religiösen Oede. »Tage in denen fcte JBHU&f. wie die SLriss lagt,, kein -attju», üchter jüdicher Willen zur unverbrüchlichen Aufrechthaltung der religiösen Institutionen und der Thora selbst, kein Wille zur Theilnahme an öffeitzlichm Angelegenheiten, dm nur selbstbewußte Autonomie und GewiffenSruhe anfachen, schaffe» und lebendig erhalten, kann, kein Wille zur Mithilfe an der Erfüllung der an ganz Israel gestellten Aufgabe, die. Thora zu lernen und zu lehren." Jedoch die Vorsehung versteht eS, selbst auS der schlechtesten That der Schlechtesten fürs Allgemeine stets etwas Gutes zu gewinnen. Der Congreß ist auf Jnstiative der Neologen von der Regierung einberufen wordm; es ist diesen großentheilS auch gelungen, dmfelben auf ihreWeife au'Szubmtm und zur Verwirklichung ihrer unheilschwangeren i Absichten auSzunützen. — Jedoch hatte unleugbar der Eon-! greß wenigstmS'doch'die Eine heilbringende Folge, daß die liberale Orthodoxie in demselben sich als zusammengehörige , Partei erkannt, öffentlich ausgesprochen und eonstituirt hat. Früher wagte in den verschiedenen Gemeinden Ungarns der vereinzelte Bekenner dieser hierzulande nmen Richtung kaum seine Stimme zu erheben. That er dies, so wurde er ohne Weitere« vor den GlaubenSbrüdem als Abttünniger angesehen, auSgestoßcn, mindestens gemieden. Man kantste in dieser Beziehung nur ein exclusives »Entweder- Oder." Entweder der ungarische Zehudi hielt am Glauben seiner Väter, dann mußte er sich beileibe allem Einflüsse von Cultur und Gesittung entziehen. Oder er befliß sich der Bildung und Sitte, dann aber war gewiß, daß er längst der Thora den Rücken gekehrt und dem jüdischen Lebm Hohn spricht. Diese beiden Erscheinungen bedingten sich wechselseitig als Ursache und Wirkung. Weil dem besorgten Glaubenstreuen die Erfahrung zeigte, daß Bildung stets mit Abfall vom Glauben sich paarte, darum war ihm alle Bildung, als Feind seines Seelenheiles, ein gottverhaßter Gräuel. Weil anderseits die Ungläubigen allein den Vorzug der Cultur und Aufklärung für sich hatten, darum gelang es-ihnen, besonders unter der Bildungsbeflissenen Jugend, immer mehr Opfer dem Glauben ihrer Väter zu entführe«. Ans diesem Wege müsste das vaterländische, Indenthnm, unrettbar dem verschlingenden Abgrunde entgegen gehen. Doch, Dank der allwaltenden Vorsehung, die« ist nun ander« geworden! Im Congresse ist es durch das Auftreten der Fünfunddreißiger Partei, besonders aber durch das Auftreten ihrer Stimmsühxer, der Herren vr. Hildesheimer, Weiße, Fischmann, Pappenheim u. s. w. mit Eins gleich einem Lichtstrahle von oben in die ungarische Iudenheit gedrungen, der sie den lang gehegten Jrrthum erkennen und die Uiberzeugung gewinnen ließ, daß Glaubenstreue und Bildung zwei, nicht nur sehr vereinbare, sondern sich gegenseitig sogar fördernde und stärkende Elemente feien. Wer'die berühmte tief« talmudische Gelehrsamkeit und den rigoros religiösen Lebenswandel eines Hrn. vr. Hildesheimer kennt und dessen in vorliegender Schrift abgedruckte, von immenser Bildung und glänzender Suada zeugende fulminante parlamentarisch^ Reden liest, wer die, hier ebenfalls wiedergegebenen, gediegenen Reden der talmudische» Größen: Fischmann und Weiße der durch Frömmigkeit rühmlichst ausgezeichneten Kaufmänner Pappenheim, Horowitz, Friedlieber, Eisler u. f. w. bettachtet, kr wird sich wohl der Wahrheit nicht verschließen können, daß die gewiffenhastestt Pflege unserer heiligen Lehre, sowie dir strengste Observanz aller Gesetze nicht nur dulden,sondern, bei der Richtung unserer Zeit, sogar fördern, auch der Aufklärung und Erleuchtung, der wahren Wissenschaft und dem gemäßigten Fortschritte der Kulkjjr und Gesittung Köpfend Herz zu öffnen. Nur jn dWr Erkenutnlß liegt Hell And Rettung! Dank daher, großen Dank den Herausgebern dieser Schritt. Dadurch werde« ihre einzig und allein zeitgemäßen und der Zukunft heilbringenden Prinzipien auch dahin dringen, wohin kein Nach-, fall ihrer begeisterten und begeisternden Congreß,Rsden gelangte. Und auch durch diese Schrift wird^ so hoffen, wir. die «ach Uiberzeugung aller Einsichtsvollen, allein Bestandes- und Lebensfähige Partei immer mehr und mehr im Herzen unserer Brüder erstarken. ' N. Threufeld, Doktorand der Philosophie., Urdrologir. Julie Saar, «starben den 2t. Juni 1869. (tomufl 5629.) J im 66. Leb entfahre. V- ■ Tt Kaum haben. wir die Feder niedergelegt,, um auSzuruhen von'den Schilderungen biederer und edler Männer die der Tod der Gemeinde enttissen, sind wir heute wieder veranlaßt, das Hinscheiden und zwar diesmal enter wackern Frau, der Frau Julie Saar, zu beklagen und ihr den gebührenden Nachruf zu widmen. Nicht nur die Männer in Israel auch seine Frauen haben für gute und edle Thaten ein Anrecht auf Anerkennung im Leben und nach ihrem Leben. Zu diesen Frauen in Israü gehörte unstreitig Frau Julie Saax. Denn wo es galt, aus dem Born ihres Herzens zu schöpfen, um Armen das Elend zu mildern, wo es galt Leidenden beizustehen, Gedrückte zu trösten, da war eS immer Frau Julie Saar, die bereitwillig da stand, ohne die guten Thaten für große Opfer anzusehen. Und so wie die dahingeschiedene gottergeben und fromm der heiligen Religion nur lebte, so fand sie in dem Liebesdienst, den sie den Verstorbenen ob reich» ob arm weihte, den Gegensatz zu den Wolthaten, die sie gegen die Lebenden übte. Fromm und gotttrgeben, theilnehmend an das Schicksal ihrer Mitmenschen, leutseelig und rathgebend gegen Jeden, der an die Saiten ihres Herzens schlug, ward sie ein Muster der Frauen in unserer Gemeinde zu nennen, in welcher sie durch eine lange Reih^ von Iahxen als Borstcherin de« isr. BeerdigungS-Frau-, envereine's fungirtt, um den sie sich durch Förderung desselben große Verdienste erworben hak. Am 22. d. M. Nachmittag« 4 Uhr fand unter zahlreicher Theilnahme von Seite der Israeliten das Leichenbegängnis statt. An der Bahre der Dahingeschiedenen rühmte der Prediger Herr Prof. vr. Kämpf, ihr von den edelsten Tugenden durchwirlteS Leben in wahrhaft rührender Weise, worauf sie in das Grab gesenkt wurde, um in Ewigkeit zu ruhen. Briefkasten der Redaktion. Herr» L. ®. in B. Beginnt mit der nächsten Stummer. — Herr», R. in O. Kommt nächsten«, bitten um Schluß. — Herrn Sch. in O.' Um weiterer Polemik, die unerquicklich werden könnte, vorzubeugen, haben wir Ihre Apologie nicht ausgenommen, e« lag uberdleß in de». Worten de« Corresp. keine Beleidigung. H.?. in R. Wir wünschen^ Ihrem Körper dieselbe Rührigkeit des Geiste« und bedauern Ihr Nu-, wolsein. Briefkasten der Administration. Herr D. M. in P. Abonnement lies mit der 10. Nummer ab, wa». unsere Lontroste au-weist. — Herr 1'. L. Der ringesandte Coupon, be»' trug durch Abgang der % nur 1 fl. 99 kr. daher Sie noch 11 kr. ei«- senden wollen. —H. St. in R. Ihr Abonn. lies schon mit der vorige» Nummer ab und da« Insert bettilgt einmal 76 kr. dreimal 1 fl. 73 kr. Bitte», um Einsendung der Beträge uud srageu ob weiter inseriren.— Hrn. Rabb. ffi. in W. Da« Buch beim vrrsasser zu haben. ... .'. . ■ ■*■■■