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Die Gegenwart · 1869-07-01 · 13 (1.7.1869) · p. Seite 126

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
13 (1.7.1869)
Date
1869-07-01
Page
Seite 126 (sequence 8)
Language
German
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126 die von keinem großen Gewichte scheint, vermeidet, um friedlich und ungestört seine Bahn zu verfolgen, und da» vor« gesteckte Ziel zu erstreben; so fühle ich mich berufen, jenen vorgeblichen Irrthum vom Hr. A. Kohut öffentlich zu rügen. In Journalen zumal haben Berichtigungen, denen die Gegenwart welche ihren wohtbegründrtrn Ruf als unparteiisches Crgcm jüdischer Interessen mit Einsicht und Red« lichkcit zu bewahren weiß, nie ihre Spalten verschloß, ein ganz besonderes Interesse. Da dieselben auch in Kreisen gelesen werden, wo man die einseitig besprochenen, gleich viel ob gelobten oder getadelten Zustände und Verhältnisse auS persönlicher Anschauung genau und bis auf die kleinsten Einzclnheiten kennt; so fängt ein nicht kleiner Theil deS Publicum-, der dir Redaction von ihrem Korrespondenten noch nicht recht zu unterscheiden versteht, sogleich an der lM»'tern das Wirkliche oder vermeintliche Unrecht Letzterer ai. zurechnen. Ich habe daher alle Zuversicht, daß es Ihnen angenehm sein wird, Herrn Kohut über die gegen Vr. A. Raber ausgesprochene Ansicht deS Worte- Metatron durch folgende Angaben zu verständigen. Obwohl Herr Kohut in seiner Rüge sehr höflich und bescheiden zu sein scheint, ist mir dennoch unverständlich, wie er Herr vr. A. Raber zurufcn kann, weil er daS Buch seineehrwürdigen Hr. Brudernicht gelesen und seine Ansicht nicht billigt. „Sie haben sich geirrt." Geschickte und au-gelerntc Schmeichler mischen zuweilen unter ihre vielen langen Lobsprüche einen kleinen Tadel und brauchen die Frcimüthigkcit gleichsam als eine Würze der Schmeichelei, eben so schicken boshafte Schreiber gern einige- Lob voraus, um ihre Ansichten desto eher Glauben zu verschaffen. Auf dieser Art hätte Vr. A. Raber die Ansichten eines Grätz, Icllinek, Luzzato, Hirschfeld, Frankl, Sachfür irrig erklären müssen, welcheer wohl nicht that, da er zu bescheiden ist' das mühsame Forschen jener Männer in den rabbinischen und philosophischen Schriften für null und nichtig zu erklären. Wenn ans irgend Jemanden die Stelle Homers im 9. Buche der Iliade B. 5)5,. sich gut anwenden läfft, so ist e« gewiß auf jene Männer, die andere corrigiren wollen, ohne ihnen hiezu irgend eine Lehre oder Wiffenschaft ertheilcn zu können, und denen ähnlich sind, die zwar die Lampen putzen, aber kein Oehl haben, einzugießen. Ich, der ich das Glück habe, meine talmüdischen und philosophischen Studien bei dem Herrn vr. A. Raber fortzusetzen, ihn genau kenne, wie auch das Vergnügen habe Sie von Breslau aus, kennen gelernt zu haben, kann Ihnen nur aus purer Freundschaft zurusen, jede Achtung und Ehrcrbiethung diesem großen Manne zu zollen, und ein andere-mal vorsichtiger mit Ihrer Feder zu sein. Abraham Kränke!. Locales. *«,* (Landesirrenanstalt) Gestern wurde der bisherige Direktor der hiesigen Landesirrenanstalt in den Ruhestand versetzt. Bis zur definitiven neuen Besetzung dieser Stelle hat sich der rühmlichst bekannte Psychiatriker, Herr vr. Fische! bereit erklärt, die Leitung der Irrenanstalt zu übernehmen, mit dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß er sich um die definitive Anstellung nicht bewerben werde. Der Landesau-schuß hat dem Herrn vr. Fischl ein Honorar von 15 fl. per Lag für die Zeit seiner Substitution aogewiesrn. Bekanntlich machte diesein großen Spezialisten das starre Festhalten an seinem Glauben zur Zeit des Bach'schen Regimes, die Erreichung der Direktorstelle in der Landesirrenanstalt unmöglich. Herr vr. Fischet ist ein gediegener Cha« rakter und die verkörperte Bescheidenheit. *** Die in Prag erscheinende illustrirte böhmische Wochenschrift „Srstoror* vom 18. v. M. bringt, eine wohl« getroste« Abbildung bis hiesigen «ne« ifrnelitische» Tempels. nebst einer geschichtlichen Skizze dieses ursprünglich unter dem Namen Altsynagoge bekannten Gebäudes. Unter Anderem wird in dieser Skizze folgendegesagt: „Dieses neue. zierlich und geschmackvoll auSgcführte Gebäude ist folender Weife entstanden: Schon vor 30 Jahren tauchte in er wohlhabenden und Intelligenten Klaffe der prager Judenheit der Wunsch auf, daß in einem Tempel beim Gottesdienste zeitgemäße Reformen, besonders Kanzelrede und Chorgesang mit Orgelbegleitung eingeführt werden, wie sie bereitandere Städte aufzuweisen hatten. Man fand die Synagoge in der Geistgaffe für diesen Zweck besonders geeignet, weil sie außerhalb des schmalen und unreinen Stadtviertelder Iudenstadt liegt und überhaupt von der wohlhabenden und intelligenten Klasse besucht wird. Lämel, der zur damaligen Zeit reichste unter seineu Glaubensgenossen, hat sich mit großem Eifer bestrebt, diese Idee zu realisiren, welche auch in kurzer Zeit verwirklicht wurde; die Synagoge wurde im Innern renovirt und eine Orgel aufgestellt. Die eingeführten Erneuerungen erfreuten sich nach und nach einegrößern Anhänge-, der besonderseit jener Zeit einen Umfang genommen, wo (1845) der berühmte vr. Saul Isak Kämpf (gebor. in polnisch Lcschna 1818) da- Amt eines Kanzelredners bekleidete, welcher auch außerhalb der Synagoge seiner Schriften und gründlichen Kenntniß der semitischen Sprachen wegen, die er an den hiesigen Schulen als Professor lehrt, einen bedeutenden Ruf erlangt hat. Auch in politischer Beziehung hat ec sich einen nicht unbedeutende» Namen erworben, indem er nicht zu jenen seiner Glaubensgenossen zählt, welche leider zahlreiche Feinde unserer Nation alitüt und unserer Bestrebungen sind, sondern er hat sich zu öfter» Malen gegen die ausschließlich deutschen Bestrebungen in unserem Vaterland«: ausgesprochen. Weiter handelt die Schilderung von dem Aufbaue deneuen Tempels und die Personen, die den größten Ant heil der Thätigkeit daran genommen haben. Zum Schluffe heißt eS: „Vom Herzen gönnen wir unfern jüdischen Landsleuten dieses würdevolle Heiligthnm, welchegewiß auch zur Verschönerung Prag'- beiträgt, und wir würden uns noch mehr freuen, so bald wir unS der Ucberzeugung nicht verschließen werden, daß diese- Heiligenthum auch der Quell der Liebe zu dem Lande werde, welches uns allen ein gemeinschaftliche- Vaterland ist, wie sich in diesem Sinne zu wiederholten Malen vr. Kämpf, ihr ausgezeichneter Prediger ausgesprochen hat. %* (Harmonie) Den 24. v. M. fand im Saale der Bohemia daerste Concert de- Vereines „Harmonie" statt, dessen Zweck Hebung dekirchlichen und weltlichen Gesanges ist. In erster :'»eihe ist edem Herrn Musikinstitutsdirektor D. Rubin Dirigenten des Vereines, so dann den Mitwirkenden, die zum größten Theile sich über da- Niveau deS DilletantiSmuerheben, zu danken, daß der Erfolg des ConcerteS ein überaus befriedigender war. Nicht nur in der Wahl der Piecen, unter denen da- Trio für Pianoforte, Violin, und Biolincell von Best, so wie Gounod'S Duo au» Faust und Margarethe für Clavier und Harmonium hervorzuheben sind, zeigte sich Geschmack, sondern eS war auch die Cxekutirung der Chöre, dirigirt von H. Rubin, in schönster Harmonie. Der Knabenchor von Grell mit Harmoniumbegleitung: Der 128. Psalm David-: Wohl dem, der den Herrn fürchtet" auSgeführt von den ^BereinSzöglingen und Herrn F. Danzer (Harmonium) war präci» und jedenfalls originell. Die Damen Fräul. Charlotte Hartan, Antonia Amann, so wie die Herren Rubiu (Violine) Brichta (Cello) Danzer (Harmonium) Pohl, Landau und Eglauer (Gesang) trugen zum Erfolge daihrige bei und ernteten reichliche« Beifall. Dagegen haben wir die Statuten des Vereins zu tadeln; denn während in einem Paragraph derselben, Hebung des kirchlichen und weltlichen Gesängezum Zwecke «s Vereines gemacht wird, heißt es in eine« nähern, es sei Anfgnbe des Vereines, bei FestgoUesbienstea in

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