Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 13 (1.7.1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-—122 —' mcinbe Prag'- suchen soll, die leider rettungslos verloren ist, wenn sie nicht neue und gesunde Kräfte erhält. Sollte aber die jüdische Vertretung Prag« aus Courtoisie oder aus falscher Scham, der Einladung gefolgt sein, so ist steilich dabei nichtverloren als die Spesen de- Deputirten, mit denen da- Conto der Gemeinde belastet wird.__ ES ist allerdings schon mume chose, ob das Budget bei seiner unverschämten Gestalt durch unnütze Ausgaben noch vermehrt wird, allein die Vertretung der hiesigen Gemeinde, wenn sie sich schon nicht entschließen wollte, einen Abgordneten nach dem ersten besten Orte in Böhmen zu schicken, wobei die Spesen nicht so hoch und das hohe Agio erspart worden wäre, um die geregelteren Gcmeindeverhältnisse daselbst prüfen zu lassen und diesen Tag der Prüfung zu ihrem Gemeindetag zu machen, hätte sich von Wien, diesem Mnster der Gemeinden Oesterreich-, das CultuSstatut, die Organisation de- Armen- und SclbstbestcuerungSwesenS kommen lassen, um diese nachzuahmen, wäre gewiß der schönste und billigste Gemeindetag gewesen. ES kommt nur darauf an, ob man will, und an dem Wollen scheint cs der hiesigen Vertretung total zn fehlen. Wir wünschen, der Gcmeindetag in Leipzig möge gedeihen, den Deputirten aber, der daS Glück hatte Leipzig zu besuchen, wo dießmal ausnahmsweise das große Waarenlager von Reformartikeln auf dem Gebiete der Religion durch die Synode, auf dem Gebiete der Gemeinden durch die Repräsentanten, derselben gebracht wird, machen wir aufmerksam, Folgendeder verehrlichcn Versammlung des Gemeindctages als Ausstellungsgegenstände vorznlegcn, eS durfte sein, daß fie Manche« davon acceptirt. 1. Einen patentirlcn Wahlmodus, mittelst dem man sich seinen „Ehrcnsitz" sichern kann- 2. Eine Ehehimmelauf der Erde AufstcllungSgebühr. 3. DaS Modell einer höhcrn Talmud-Thora - Schule mit einem Kunstwerke, demgemäß vier gehaltvolle Lehrer lehren, drei gehaltlose Schüler nichts lernen. Dem Herrn Deputirten, mit dem Mechanismus vertraut, dürfte die Erklärung nicht schwer fallen. 4. Den Plan eines neuen Waisenhauses, das für 15000 fl. gekauft wurde und 8000-Gulden Reparatur erheischt, wenn man daraus waö bekommen will. Die Lage des Hauses ist in einer der anmuthigstcn und romantischsten Gegenden der Stadt.--- 5. Den neu angestelltcn Oberrabbincr, der dem Zeitgeiste dadurch vollkommen entspricht, daß er sich weder zu dm Orthodoxen noch zu den Reformern zählt. Man sicht ihn nicht und hört ihn nicht und er kostet mir jährlich COO Gulden. 6. Die jüdische Gemcindebibliothek, die die CultuSgemeinde-Vertretung aus purer Begeisterung für das Judenthum in die Universitätsbibliothek versetzen wollte, aber nicht angenommen wurde, weil sic aus den „Schein" der Vertretung nichts geben wollte. 7. Den Finanzplan, wonach die Gemeinde mit 14000 Gulden jährlich besteuert wird, während die AmtSkanzlei nahe an 8000 fl. verschlingt und endlich 8. Das Bild vom jüdischen Rathhanse, mit Allem was *n demselben vorgcht. Ein Mschtrdsbillet an Herrn Professor Dr. Wolfgang Wessely. Obmann der Talmudthora.Schule Don einer Hand, die zu fassen, Cie vielleicht mit Abschm erfüllt, einen Gruß des Abschiedes aus der Ferne zu erhalten, dürfte Ihnen den Begriff einer Anmaßung beibringen, wie sie nur einem Bachur zugemutbet werden kann, aber doch kaum den Gedanken an Undankbarkeit, die von mir einem Schüler von Ihnen gehegt werden könnte, in Ihnen erwecken. Der thränenlose Abschied, bei dem ich in Ihrer nahe einer Ihnen unliebsamen Redaktion gelegmen Wohnung schmerzerfüllt, ob der verlorenen drei Jahre, .die ich unter Ihrer obmännischen Aegide nutzlos zugebracht, dastand, fürchtend, ihr Kathederblick könnte mich durchbohren und Ihre zweischneidige Zunge mich verwunden, dieser Abschied, bei -dem-Sie mir armen, hungerndm Menschen, der sein Bündel schnürte, um in die Welt hinauszugehen, dort Etwas zu finden, was dem zwecklosen Zeitraube in der jüdischen Hochschule des Talmuds zu Prag vorzuziehen ist, ein Fre« qucntationszeugnis der Talmutthoraschule verweigerten, weil ich durch Lektionengeben verhindert war, Ihren außerordentlichen Borträgen der Universität nicht ordentlich beizuwohnen, dieser Abschied eines gedrückten 24jährigen Jüngling« von einem wohlhabenden Professor, bestimmt mich Ihnen diese Zeilen zu widmen, welche ich mit Hilfe eines edlen Menschenfreundes. da ich als Schüler der Präger Talmudthora viel zu schwach bin, meine Gedanken in Worte einzukleiden, in die Spalten diesegerechten und freimüthigen Blatteeinschalte. Sie verweigerten mir da-Zeugnis, während Ihr schätzbarer College Herr Prof. vr. Kämpf, so viel Rücksicht auf meine Armuth, meine Zukunft und zerrüttete Lage übte, und mir ein Zeugnis ausstellte, daß ich seine Vorträge gehört habe. Sie dürften als Professor de- Straftechtewohl wissen, daß Niemanden ein Zeugnis verweigert werden darf, in so lange Jmoralität nicht als Grund gilt. Oder wissen Sie enicht? Dann bedauere ich Sie. Wohlgeborner, allzugestrenger Herr Professor! Sie hatten mit mir eine eben solche Geduld, wie ich mit Ihnen. Und wie denn anders? Man frage nur die Mauern de« Lehrsaales Nr. 5. im 1. Stock des UnivcrsitätSgebäudes (Clementinum) sie werden erzählen, wie Er da sitzt am Katheder Bei fünf oft gar keinem Schüler im Cheder, Wie man da hört, Wie er den Kusri lehrt, und dieß Allefür 800 Gulden Gehalt! Ich in Ihren Augen gewiß ein Nichtbedeutender Mensch, vielleicht gar auch ein „miserable- Subjekt," wie weiland mein College Herr Fränll, gegenwärtig in Berlin, dem Sie diese- Prädikat gewidmet haben, will den Abschied damit feiern, daß ich da- Bild der Talmud-Thora völlig entschleiere. Seitdem Seitender löbl. Redaktion diese- Blattewurde, ward mehr feinr Erwähnung von dieser Anstalt gemacht, vielmehr fühlten sich die CommiffionSmitglieder durch deren Fortbestand sehr behaglich. Herr Prof. vr. Wessely und sein College Herr Georg Feigl, die beide, die Anstalt eben so wenig lassen können, wie die Katze daS Mausen, besuchten, was freilich selten vorkam, die Anstalt und befragten Hrn. Heller, den die „Gegenwart," waS seine früher zur Geltung gebrachten religiösen Anschauungen betrifft, gebessert hat, nach den Fortschritten der Zöglinge und deren Aufführung, die in günstigster Weise bezeichnet wurden. Und in der Thal ist Herr Heller ein gewissenhafter Lehrer, der jedoch für eine Thalmud-Thoraschule nicht im Geringsten geeignet ist. Bei dieser Jnspicirung der Anstalt kam auch Herr vr. Langfelder Lehrer der Realien zur Sprache, und cS stellte sich heraus, daß die Redaktion der Gegenwart diesen Mann seiner Zeit, als sie das Protektionswesen tadelte, ganz gut bcurtheilte und eS heute eingesehen werden muß, daß Herr Phil. Dr. Raudnitz eine glänzende Acquisition gewesen wäre. Nachdem einige Zöglinge sich beschwerten, Herr vr. Langfelder sei nicht im Stande die Mathematik seinen Schülern verständlich zu machen, da wurden sie vom Herrn Professor als frech verschrieen, nachdem ein Zögling sogar bemerkte, Herr Langfelder verstehe nicht einige Lehrsätze zu lösen, da entschuldigte Herr Professor Wessely ersteren mit den Worten: „Sogar der beste Mathematiker sei nicht im Stande jeden Satz zu welcher Stunde immer zu lösen!" Die Prüfung aus den Realien mit den Schülern der Anstalt fiel äußerst ungünstig au-, worauf der Herr Obmann denselben Vorstellungen machtt, wie viel jedes Haupt kostet und .\