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Die Gegenwart · 1869-07-01 · 13 (1.7.1869) · p. Seite 121

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
13 (1.7.1869)
Date
1869-07-01
Page
Seite 121 (sequence 3)
Language
German
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BolkSschulmänner bedacht sein sollen, insofern man wirklich die konfessionellen Interessen im Echulrathe vertteten wissen, und der intelligenten prager Israeliten-Gemeinde nicht ein ArmuthszeugniS auSstellen wollte, als gäbe es unter so vielen israelitischen Pädagogen und Lehrkräften in Prag und auf dem Lande, die wir in Furcht, man könnte unS prrsSnlichcr Interessen zeihen, nicht anführen mögen, auch nicht Einen, der für den Schulrath geeignet wäre. Denn so weit ist cS. der Vorsehung sei Dank, noch nicht gekommen, daß nur Advokaten und Mediziner mst der Schulbildung und pädagogischer Fachkenntniß hcrhalten müssen, sie existiren noch jene Männer, unter deren Lcitling die ersteren die Bildung genossen. Frankreich hat auch seine jüdischen Advokaten, eS hat seinen Oremieux, einen Stern erster Größe auf dem Firmamente des Judenthums, der nicht nur berühmt als Bertheidiger im GerichtSsaalc, sondern auch als solcher des IndenthumS stets da eingetreten ist, wo demselben nahe getreten wurde oder in dessen Heiligthümer barbarischer VandaliSmuS eingezogen ist. Und wer erinnert sich nicht der denkwürdigen Damaskus Geschichte, in der er die mittelqlterlichsten Vcrläumdungen durch persönliche Intervention mit dem scharfen Schwerte seiner Zunge abgewehrt und die Eonsequenzen jener widersinnigen Beschuldigungen, Greulthatcn, Barbarei und Vernichtung verhütet hat, wer erinnert sich nicht noch seiner großen Aufgabe der Humanität, die er noch vor Kurzem in den Donaufürstenthümern so wacker gelöst hat, in denen Civilisation und Menschenrechte in den Schandpfuhl getreten wurden? Und, wenn dieß Alles geschah, daß 6renüeux bald da, balö dort, wie ein rettender Genius erschien, um seine bedrückten Glaubensgenossen vor Inquisition und Folterbank zu schützen, ihnen die Wucht der Knechtschaft zu erleichtern, so rührt eS nicht davon her, weil Crenüeux Advokat ist, cs findet seinen Grund hierin, daß er begeistert für daS Judenthum, dasselbe liebt, für dasselbe lebt und strebt, es findet noch einen Grund in seinem eminenten jüdischen Wificn. daS ihm bei Allem zum Commentar dient, und das er bei vielen Gelegenheiten kund gegeben hat. Und wenn Oremieux auch Advokat ist und selbst in einer der Eher den Tod! rief sie mit milder Leidenschaft. Du kannst nicht begreifen, wie Hingebung und Ebrfurcht.in Haß und Verachtung sich verwandeln; aber daS ist c8 ja eben, was mir fast den Verstand nimmt, daß er mir einst erschien gleich dem Engel des Himmels, der mich führen wollte in das ewige Licht und daß ich dann, als ich in meinen Glauben an ihn Alles, ach Alles verließ, was' mir lieb und heilig war. ihn abstrcifcn sah die Verklär» :g, die nach geblendet hatte, und sich zeigen in seiner wahren Gestalt als den niedrigen Sklaven brutaler Sinnlichkeit, der so mn Himmel und Erde, um Gott und Familie, um Zukunft und Vergangenheit zugleich mich beturg, daß mir in dein Elend der Gegenwart nichts bleibt als mein Dolch, der ulich dein Tode retten wird, wenn Du. mich dem Leben nicht retten willst! Sie hielt erschöpft an. und preßte beide Hände auf die gewaltsam wogende Brust, doch nur einen Augenblick, dann rief sie nüt düsterer Energie: Er glaubt mir den Dolch im Schlafe entivinden zu können, aber er wird sehen, daß. wenn ich hier einschlummern muß. der ewige Schlaf cs ist, der mich mit kühlen Armen umfängt, und das, o Gott der Rache, wird sterbend meine Lust fein, wenn ich denke, wie er verzweifelnd neben meinet Leiche nicdcrsinken und dann ivild auffahrend die verruchte Stirn wider die Mauer stoßen und sich selbst den Tod wünschen wird. Härter, grausamer, vollgiltigcr für meine Rache könnte ich ihn niemals trcf. fen, eS sei denn, daß er mich lebend für sich verloren und in den Armen eines Andern wüßte, unerreichbar für seine Macht, weit weit von hier und diesen unseligen Mauern und wärS im fernften Westen der neuen Welt, wo noch nie eines Menschen Tritt oder Wort das Paradicscslcben der Wildniß störte I Sie schwieg von Neuem auf einen Moment und fragte bann brn verstummten Klosterbruder mit leiser, lockender Stimme: Hast Du Muth? (Fortsetzung folgt.) stürmischsten Zeiten Justizministe'r war, er stand, was seinen Glauben, was das Judenthum betrifft, stets auf der Höhe der Zeit, er bleibt eine Zierde des JudenthumS. Und trotzdem er der rastlose Vorkämpfer deS JudenthumS, der Vater der wohlthuenden Alliauce Israelite ist, trotzdem er jene Schulen, wo jüdische Wissenschaft gelehrt wird, fleißig besucht, sie fördern hilft, saß er nie und sitzt er nicht in einem Schulrathe. Sind eben unsere jüdischen Advokaten speciell in Prag keine Orenüeux, so mögen jene unter ihnen auch anderweitig nicht als Märt»)rer des Judenthums erscheinen wollen, um bloß ihren Ehrenscheitel mit dem Lorbeer deS EhrgeitzeS zu schmücken, während sie dem Judcnthumc die Dornenkrone aufsetzen. Von Hrn. vr. Wiener, auch einem Märtyrer des JudenthumS, der heute allerdings ein ihin verliehenes Amt nicht zurttckweisen soll, haben wir erwartet, daß er seiner Zeit, bevor eS sich noch um eine Wahl gehandelt hat, in genauer Erwägung seines.Erkenne dich selbst, in gerechter Beurthcilung der Verwahrlosung der israelitischen Schulen, in Wür digung deS jüdischen Wissens, für das er gewiß nie sich empfänglich zeigte, die Meinung dahin abgegeben hätte: M e i n e H e r r e n, b r i n g c n S i c, u m dem Zwecke zu entsprechen, einen Schulmann in Vors ch l a g, der si ch auf d e m Felde der Erziehung, deS Unterrichtes Erfahrung gesammelt hat, ich bin weder S ch u l in a n n noch Pädagog, ich bin Advokat!" DaS wäre der rechte Ton gewesen und in diesen hätten gewiß sümmtliche Jsracliten-Gemcinden in Böhmen eingestimmt. Herrn I)r. Wiener, der nun schauen möge, wie es gehe, beglückwünschen wir in seiner neuen Stellung als Rath, die Israeliten-Gemeinde in Prag braucht auch einen — Rath. ' B. Der Gemeindetag in Leipzig: Mein Leipzig lob ich mir, Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute. Göthes „Faust." Verfloffencnen Montag begab sich Herr Georg Fcigl als der von der hiesigen EultuSgemcindc-Verwaltung gewählte Ablegat der hiesigen Jkracliten-Gcmeinde nach Leipzig, um an den Berathungen des daselbst stattsindcnden GemeindetagcS Theil zu nehmen. Sind wir auch mit dem Prinzipe einer Verbesserung und Organisirung der isr. EultnS- Gemeindeverhältniffe im Allgcmcincit vollkommen einverstanden, so scheint unS denn doch nicht Leipzig als der geeignete Ort und daö Programm des GcmcindctagcS nicht für genug präeiS und der lebendigen Praxis genug entsprechend. Wohl braucht nicht erst hervorgchoben zu werden, daß die Zustände der Gemeinde in Deutschland zu denen in Oesterreich eine . diametrale Richtung einnchmcn und crstere gewiß nicht an jene Destruktion leiden, wie sie an letzteren wahrgenommen wird. Zudem sind die einzelnen ProgrammSpunktc so vager Natur, und, wenn man noch hinznfügt die Instruktionen, der Abgesandte habe die Thcilnahmc des Rabbiners als solchen an den Beschlüssen der Vertretung abzulehncn, ohne ihn wenigstens bei spezifisch religiösen Fällen einer Virilstimme zu gedenken, der Abgesandte habe ferner dahin zu wirken, daß auf die StaatSgrundgesctzc, als auf die intcrconfcffioncllen Gesetze, welche an nnd für sich in voraussichtlicher Weise den ganzen Zweck der Beschickung paralisiren dürsten, von der Versammlung Rücksicht genommen werden, so wird man den Nutzen des Leipziger Gcmeindctagcs für die brillanten Zustände der Prager Gcmeindcverhältnisse erfahren, die seit der in Prag stattgcfnndencn Notablcnvcrsammlung im Jahre 1h<>2 immer erbärmlicher sich gestalten. ES ist ein trauriges Zeichen der Zeit, nicht im eigenen Baterlandc, nicht im Brennpunkte der böhmischeu Israeliten- Gemeinden, das richtige Heilmittel zu finden, durch das die kranken und siech gewordenen Gemeindekörper zu sich kommen könnten, ein noch traurigeres, daß man über die Grenzen des Vaterlandes hinaus das künftige Heil für die Ge- 13*

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