Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 13 (1.7.1869)
- Date
- 1869-07-01
- Page
- Seite 120 (sequence 2)
- Language
- German
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120 ttannt wurde. Ohne den Wirkungskreis, der uns bisher noch unbekannt ist, ermessen zu wollen, wollen wir nur daS Gesetz vom 25». Mai v. I. unö rin wenig näher betrachten. Dem gemäß wird bekanntlich in jedem Lande zur Leitung und Aufsicht über das Erziehungswesen, dann über die Volksschulen und Lehrerbildungsanstalten ein LandeSschulrach IsraelitengeoiAtde so kennen würde, wie wir sie kennen, die als oberste Landesschulbehörde bestellt, in welchem unter dem Vorsitze deS LandcSchefS oder seines Stellvertreters Mitglieber der politischen Landeöstelle, Geistliche aus den im Lande bestehenden Eonfessionen und Fachmänner im Lehrwesen zu berufen sind. Bei Betrachtung dieses mixtum compositum erfahren wir nur so viel, daß der ernannte llr. Wiener keinem dieser Stände angehört, da er, so viel uns bekannt, weder Geistliche noch Fachmann im Lehrwesen ist. Ferne sei es von uns, dir Regierung oder das Ministerium für diese Ernennung verantworlich zu machen, wir können nnS nur nicht jenes Vorwurfes erwehren, der in erster Linie H. vr. TcdcSco trifft, welcher durch sein Amendement den Weg zu einer solchen Nomination gebahnt hat. in zweiter Linie die Präger Israclitengcmeinde, welche bei der Wahl ihrer Mandataren nicht genug vorsichtig, planlos, mit der größten Indolenz zu Werke geht, ohne die Folgen, die durch solche Uebcrcilung, mit welcher sie ihr Wahlrecht unter Curatcl unberufener Agitatoren stellt, erwachsen können. Dann kommt freilich der Zeitpunkt, wo sich die begangenen Fehler fühlbar machen, allein es ist zu spät. Gestehen wir offen, daß eS uns ebenso glcichgiltig ist, ob Herr Vr. Wiener, dem wir gewiß unsere Achtung nicht versagen, Mitglied deS SchnlratheS ist, als ob ihn seine College« in der lüdischcn Gemeindevertretung zum Oberrabbincr ernennen, unser Egoismus geht nicht dahin, ihn um die eine oder andere Stelle zu beneiden, uns kümmert aber die öffentliche Meinung, die gewiß von der Ansicht auSgeht, daß Herr Wiener ebenso zum Schulrath wie zum Oberrabbincr paßt. z. ES scheint so zu sein, als habe man in gewissen Kreiscu nicht den einfachsten Begriff von dem Wirkungskreise einer jüdischen Vertretung, die überall und ebenso in Prag zu nichts anderem da ist, als Steuern für die nothwendigste Existenz einer Israeliten - Gemeinde auszuschreiben, das StiftungSwcscn zu besorgen und Beamten einer Kanzlei zu erhalten, die ein überflüssiges Ding sind, es scheint als verwechsle man bei den betreffenden Behörden den CultuSvor« stand mit dem Religionsvorstand, und durch diese Verwechslung der Begriffe entstehen Mißverständnisse, die den Keim innerer Zerwürfnis enthalten. ES wäre wünschenSwerth, wenn die h. ReglerAug die einzelnen Vertreter der ^Präger Genesis ihrer VerttetirngSperiode, so wie die Skala ihrer Chrenstellen-AvanennentS wären für sic gewiß ein interessantes Stubtum. Wurde schon in der Vorlage und dieß nur auf Veranlassung des Iosefstädter BertteterS Herrn vr. TedeSco im Landtage beschlossen, den Rabbiner aus dem Schulrathe auszuschließen, während jede andere GlaubenSgenoffcnschast, deren Seelcnzahl mehr als 500 beträgt, durch .einen Geistlichen zu vertreten ist, so wollen wir zwar für unsere namentlich prager Seelenhirten keine Lanze einlegen, weil sie bei hochwichtig religiösen Fragen auch für unS keine Lanze einlegten, und nur ruhig zusahen, aber billigen können wir eS denn doch nicht, daß gegen den geistlichen Stand bei den Israeliten, von deren Vertretung so wenig Rücksicht geübt wird, als würde er den Parias gleichgestellt sein. Ein solcher Vorgang läßt darauf schließen, daß die jüdische Vertretung deshalb seit nahe zwei Jahren mit der Anstellung eines Oberrabbiners zögert, weil sie, oder vielmehr der eine oder der andere der Vertretung befürchten, derselbe hätte sich durch Intelligenz, hohe Bildung, Schultüchtigkeit, in seiner Eigenschaft als Oberrabbiner am besten zum Mitgliede des SchulratheS geeignet, und.nicht so leicht, wie die andern Rabbinen doSavoüirt' werden können, wenn man sich nicht der Behörde gegenüber eine auffallende Taktlosigkeit hätte wollen zu Schulden kommen lassen. Während wir unter der zu SchulrathSmitgliedern Designirten einen Domscholastiker und einen Domherrn als Vertreter der christkatholischrn, einen evangelischen Pfarrer als Vertreter der protestantischen Confeffion verzeichnet finden, wird sonderbarer Weise die jüdische Confeffion durch keinen Rabbiner repräsentirt und dieser durch einen LandeSadvokaten ersetzt, der im ganzen ämtlichen Verzeichnisse weiter nicht zu finden ist und von den UniversitätSprofefforen, Direktoren und Professoren der Gymnasien und Oberreal-Schulen in auffallender Weise absticht. - Hat man schon einen gewissen Widerwillen gegen den jüdischen CleruS gehabt, so hätte man auf lngeschlunnnrrt bist, dann wird man dir die Waffe uclpm und j dem frommen Pater Wiaamin Gelegenheit gebe», Deiner Rück- \ fälligkeit in dir alten Sünden Herr zu werden. i Finch ihm in Ewigkeit! rief sie mit blitzenden Angen. ] Du solltest lhm Dank iviffcn. rief Bruder Martin, daß er i Dir d:n Weg der Gnade gezeigt und erschloffen hat. ... j DH. nicht um meine Seele war» ihm zu thun, cntgegnetc daS unglückliche Mädchen; tmr um meinen Leib, den sündigen Leib, den der Fimmel mit den Reizen gezüchtigt hat, die ich hier ans der Ticke meines Elende» vcrstnchc I I Bruder Martin zuckte die Achseln: DaS ist nun einmal Dei-! ne fixe Idee, und icl, glaube, daß Du sie bloß gefaßt hast, weil der Pater von einer Schönheit ist. die man für aste Weiberherzen j unwiderstehlich nennen könnte. Du sülchtest doch nur, daß Du, weun j er wirklich mit seiner Liebe Dich bestürmen möchte, mit Deinem j schwachen Herzen erliegen wirst. > Sie erglühte, aber nicht in Schani, sondern in leichtem Un- «Villen. Doch sie bezwang sich und sagte : Ich will es nicht leugnen, daß seine Erscheinung auf mich einen tiefen Eindruck gemacht hatte; ' aber wa» mich feffelte und fortriß. daS war doch der unbeschreib.! liche Wohllaut seiner Stimme und der Jaul -r seiner Rede. Ja, j Bruder Martin, er redet aste Engel vom Himmel heninter, und wenn ich bei ihm in der Kirche stand und de c herrliche Chorg esang schwieg und seine tiefe, glockenthönige Stimme ließ sich vernehmen, dann war e» mir als ob au» seiner Brust der Inbegriff aller ent« Zückende« Hannonie ströme. So dachte ich mir den Meffia», den eingeborenen Gottessohn unter den Palmen des gelobten Lande» meiner Väter wandeln, und w.enn seine großen dunkle» Augen mit Wilder Gluch mich anschautrn und ei» sellges Lächeln seine nun« j derbarcn Züge verklärte, dann konnte ich nur auf die Knie sinken und mit Inbrunst rufen: „Befiehl über Deine Magd, o Herr, sie hat keinen Willen neben Dir." Bruder Martin schüttelte den Kopf: So seid Ihr thörichte» Weibervolk. Jede» Gefühl habt Ihr im Uebennaß, und weder im Herzen noch Hirn herrscht die gehörige Ordnung. Und nun glaubst du noch, daß Du den Pater nicht liebst? ..... Ich Haffe ihn! ries sie mit Leidenschaft; ich Haffe ihn. wie Lucifer, wie den gefallenen Engel, mit deffen Äugen er mich anfieht, seit ich Christin ward! Da» geht wich nicht» an, sagte Bruder Martin. Sieh zu, wie Du mit ihm fertig wirst. Ich muß nun fort und Deine Zelle von Außen zuschlicßen. Er wollte hinaus, doch sie sprang auf und ergriff seine Hand: Bleib noch einen Augenblick rief sie schmeichelnd. Martin, lieber Martin geh' »och nicht I Was aber soll ich Dir noch? fragte er zögemd. Mich retten! sagte sie einfach und traf ihn au» ihren großen, nachtdnnklen Augen mit einem Blick, dessen Drmantschrin bi» in seine tiefste Seele drang. Sie hgtte ihren Entschluß gefaßt. Mich retten! wiederholte sie und lächelte ihn mit halbgeöffneten Lippen, auS deren Rosengluth die Perlenrrihe der kleinen Zähne leuchtete, so paradieseSsüß an, daß e» ihn wie ein Schauer überlief. Aber Bruder Marttn war so leicht nicht zu fangen. Er blieb zwar, denn er grttaute sich zu, auch solcher Versuchung zu widerstehen, doch sagte er barsch : Daß ich rin Rarr wirr — Drinerschönen Augm «gen mir Angelegenheiten zu macht« l Lächle n«t einmal so den Pater Giacomo an und Du bist a>B bleser AtOt MfN& i