Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 12 (15.6.1869)
- Date
- 1869-06-15
- Page
- Seite 116 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4890378-5433914-5433971--318-4890661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
116 in jeder Gemeinde, die er mit seinem Besuche beehrt, dem Borstande als Oräch Hagun' sich präsentirte. Auf die Frage: ob er etwa ein kam da n sei? erwiederte er: neiu! etwa ein Cha s an? ebenfalls: nein! ein abgekommrner Oscher? auch nicht! Was denn? ein Oräch Hagun! Auch gut! Hans'l macht dich groß1_—_(Mag. Zsids.)- Vom Mcherlische. תפלת נערי בני ישראל כבית הספר מתורגם ללשון אשבנז נזלה במלה מאת אליעור לעדערער מורה דת ישמן׳ בעיר ענד יצ״ו. Gebete zum Gebrauche für die israelitische BolkSschul- Jugend übersetzt von PH. Lederer Religionslehrer in Eger. Präg 1800. Druck von Senders und Brandeis. Das voranstchende Werkchen hat den Zweck, dem Un« terrichte im Urbcrsrhcn der Gebete förderlich, ferner soll «S angehenden Lehrern ein Wegweiser für den Unterricht der Bibel sein. Bei dem Mangel an eigentlichen HilfS« Mitteln für den Unterricht im Hebräischen müssen wir das Unternehmen des Hrn. Lederer lobend hervorheben und wünschen demselben zum Gedeihen der Schule die weiteste Verbreitung. Auf den Inhalt des WerlchcnS übergehend, finden wir in demselben die für die Volksschule nothwcndigstcn Gebctstücke systematisch an einander gereiht undso gut dich eben sich thun ließ, wortgetreu übersetzt, derart, daß neben jedem Worte die dcutsclic Ucbcrsetzung sieht, was für die Anschauung sehr ersprießlich ist und diesen Unterrichtsgegenstand der Volksschule sehr erleichtert. Es sind ferner Parallelstellcn zum Pentateuch, ebenfalls wortgetreu übersetzt, angefügt. Wir finden bei diesen Texten diejenigen Stellen der Thora bezeichnet, mit deren Inhalt sie harmoniren und würden schon daran die Absicht des Verfassers erkennen. Doch gibt derselbe zum bessern Verständnis ein Musterbild für den Unterricht in dem Pentateuch und wählt hierzu eine der schwierigsten Partien dieses heiligen Buches, nämlich פרשת משפטים. Er hat seine Aufgabe vortrefflich gelöst, was uns gewiß jeder Lehrer des biblischen Urtextes bezeugen wird. __ fassüng und Begründung so lange durchwandern muffte, ohne den Embryo in der Rechtsidee zu finden, bisie endlich auf die RechtSidee zurückgcführt wurde. Im vorliegenden Werke, deffen Zusammenstellung in ihrer Weise originell genannt zu sein verdient, führt der Verfasser für obige Behauptung drei Perioden-vvr und zwar: Die Humanität-Periode bis 1806, Wir wünschen nur, daß ein Hilfsbuch von dieser Art über die ganze Bibel vorhanden wäre, damit auch dieser UntcrrichtSzweig nach didaktischen Grundsätzen behandelt wer« den möchte. Möge dieser bekannte Publizist in jüdischen Schulangelegenheitcn nur rüstig weiter arbeiten und fort« fahren, für die jüdische Schule nutzbringend zu wirken und seinem schwierigen Berufe wie bisher Ehre machen. St;. Ein Jahrhundert der Indencmancipation und deren christliche Verthridigrr. Rückblick ans Literatur und Geschichte von Isidor Kaim. Leipzig. Albert Fritsch 1800. Wenn man, ohne sich erst Mühe zu nehmen, in der Weltgeschichte blättert, so wird man der Völkerbcwegungen gewahr, welche wie die Wogen des Meeres bald sich aufthürmtcn, bald sich legten, je nachdem das StaatSruder im Kampfe mit dem Geiste und der Eivilisation war, man wird finden, welch' mächtiger Faktor der Jude in den Staaten gebildcn von jeher und wie wenig man bemüht war, mit diesem Faktor zu rechnen. Die Emancipation du Juden, die gleich den Parias an die Luft gesetzt wurden, .!m mit Hohn und Spott übcrgosscn zu werden, war ein GährungSstoff, der in dem Flußc der großen Völkerbcwegungen den Prozeß der staatlichen Entwicklung zu Ende führte, und so wie die Or- Laue dieser Völkerbcwegungen wüthetcn, so kam in dicstaatlichc Entfaltung Leben, wie sich die erstcre legte, so erstarb .ouch die letztere. Und dieß der Grund, warum die Judenemancipation, alle Phasen der Bornrtheile und falscher Auf« die UtilitätSperiode von 1806—1848 und die Rechtsperiode in unserer Leit. In der ersten Periode, die der Verfasser mit dem 18. Jahrhundert beginnt, konnte die RechtSidee von der Wiffenschaft kaum begriffen werden, geschweige im Leben zur Reife gelangen. Gerade so ging eS unserer Frage, wie sie noch lange geheißen werden mußte. Das Recht mußte unter der Form der Menschlichkeit gepredigt werden, sollte cs anders in die That übergehen. Der Verfaffer führt uns in Lessing einen der größten Geister aller Zeiten vor, dem der unsterbliche Ruhm gebührt, das Samenkorn gestreut zu haben, aus dem diese Saat an allen Enden aufgegangen ist. Ihm sei Deutschland und das Iudenthuck verpflichtet, sie mögen das stolze Bewußtsein in sich tragen, daß er durch seine Schöpfung der neuen klassischen Literatur Deutschland« zugleich den Grund zur Verbindung der Juden mit dem Staate gelegt, in jener Form, welche auch die ältesten Ur« künden der Geschichte und Religion der Nachwelt überliefert hat. Nach Anführung der Handlung des Dichters Lustspiels ״die Juden" und einzelner plastischer Skizzen aus deffen ״Nathan der Weise" geht der Verfasser auf das freundschaftliche Verhältnis des großen Dichters mit dem deutschen Philosophen jüdischen Glaubens, mit Mendelssohn nämlich, über der mit seiner Schule die jüdische Wissenschaft und Cultur so gehoben, daß seine christlichen Freunde auf eine beffere Lage der Juden bedacht sein mußten. Der Autor beruft sich auf Dohm, der in seinem Kernwerke: Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden (1781), die Regierungen mahnte ״die Zahl ihrer Mitbürger dadurch zu vermehren, daß sie die Juden nicht mehr veranlaßten, schlecht zu fein," und zuvörderst das Vorurthcil bekämpft, als könnte den Juden in Folge ihrer abgeschlossenen religiösen Individualität in unseren europäischen Staaten die Nationalität nicht zu Gute kommen. Nicht ihnen sei der Fremdenhaß in der Bibel anbefohlen oder anerzogen worden. Das alte Testament zeige das Gegentheil. Mit einem Worte Dohm war für volle Gleichheit der Juden vor dem Gesetz, für Heranziehung derselben zur Industrie und^ ^um Handwerk,^für Gestattung deS-Acker-״ baue» daher des Grundbesitzes ohne irgend welche Beschränkung. für Ausübung jeder Kunst und Wissenschaft, für freien Besuch der christlichen Lehranstalten und Gleichstellung der jüdischen Schulen mit jenen; kurz für freie Religion«- Übung. Der Verfasser weist auf den Einfluß hin. den Dohm's Schrift auf die Gesetzgebung wie auf die Literatur übte, und geht auf die Josefinische Periode und aufdfe großen Geister Frankreichs M i r a b e a u und G r e g o i r e über, die für die Rechte der Juden sehr warm einlraten. Nach einer kurzen Schilderung der ftanzösischen Revolution, in so fern sie die Literatur und die Culte alterirte, greift derVerfasser mit Geschick in das Kaiserreich ein, indem er in Na« poleon I. den Genius sicht, welcher seine Fittige der Toteranz und der Humanität auch über die Juden ausbreitete, und die Berufung eines großen Sanhrdrin aus alten Thei« len des Reiches angcordnet hat, um die 12 vom Kaiser den israelitischen Dcputirlen vorgelegten Fragen, welche vielen MiS- Kränchen der Juden abhclfen, aber auch volle Gleichstellung mit den Franzosen zum Zweckehaben sollten, zu sanktioniren, was auch 180 < geschah, Frankreich gebührt meint der Verfasser, der Ruhm, die Theorie der Emancipation, deren Wiege in Deutsch« land gestanden, zuerst zur praktischen Reife gebracht zu haben, die vom Standpunkte der Humanität ausgehend in den Worlen Gregoire'S gipfelt: ״Die ganze Frage läuft nur darauf hinaus,'zu wissen, ob die Juden Menschen sind." Wie jener Spartaner, der in den olympischen Spielen einem Greise seinen Sitz gegeben hatte und dem applaudirenden Volke zurief r die Athener wissen was sich schickt, aber wir Spartaner thun es, so können die Franzosen über den Fortsetzung in der Beilage.