Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 12 (15.6.1869)
- Date
- 1869-06-15
- Page
- Seite 115 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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115 tonn, den Segm ertheilen. Die Frau, welche den Tod herannahen fühlte, ließ sich in der That erweichen. Der Geliebte wurde eiligst geholt und sie legte die Hände der jungen Leute in einander und ertheilte ihnen den Segen. Einige Stunden darauf war sie eine Leiche. Der Fabrikant wollte dem Wunsche seiner verstorbenen Gamn nicht entgegentreten und gab nun ebenfalls seine Einwilligung. Die Tochter ist bereitnach der üblichen Trauerzeit durch den hiesigen israelitischen Prediger vr. Jellinek in den-Schooß de« Judenthums ausgenommen worden und hat verflossenen Sonntag die Trauung im israelitischen Tempel in der innern Stadt stattgefunden. München 20. Mai Se. königl. Hoheit Prinz Otto von Bayern hat eine Reise nach dem Orient angetreten und beabsichtigt auch Palästina zu besuchen. Dasselbe steht Ihre Majestät die Kaiserin Enge nie von Frankreich im Begriffe zu thun. Amsterdam. Die GrMeizogin von Sachsen Weimar- Eisenach, geborne Prinzeffin Sophie der Niederlande, hat zu der Lotterie zu Gunsten des Vereinzur Beförderung von Handwerken unter den Israeliten im Haag eine sehr feine Porzellan-Blumenvase gegeben. Rotterdam. Zu der hiesigen jüdischen Taubstummenanstalt tragt die Stadt Rotterdam 2400 fl, die Provinz Süd-Holland ebenfalls 2400 fl. und die Regierung3000 fl. bei. Paris. Herr Leopold Francsort, Ingenieur beim Brücken- und Chausses Corps, wurde Offizier der Ehrenlegion. — Herr Simon See, aus Colmar wurdi zum Richter beim Handelsgerichte ernannt. — Die Gemeinde zu Metz hat in der Person deS Herrn MoseS Aleau, Verlagsbuchhändler, Handelsgerichtsbeisitzer, Mitglied des .israelitischen Consistoriums, Präsident der israelitischen Gesellschaft zur Aufmunterung der Künste und Gewerbe ein ihrer würdigsten Mitglieder dnrch den Tod verloren. — Von Juli 1868 bis April 1869 hat Herr Blumenthal im Namen des Een tralcomiteS zu Paris für die Schulen in Jerusalem und zur sonstigen Vertheilung 24958 Fr. an Herrn I. Prager in Jerusalem geschickt. London. Der Baron Linonel von Rothschild, hat den Grundstein zu einer Synagoge in London gelegt, zu deren Erbauung er die Summe von 600000 Francs spendete. Stockholm. Herr Carl Heinemann von hier, Consul für Bayern und Generalconsnl für den Norddeuffchen Bund, wurde vom König von Würtemberg mit dem Kronenorden decorirt und wurde ihm der persönliche Adelstand verliehen Herr Heinemann kam vor ungefähr 20 Jahren ganz vermögenslos hierher und ist jetzt einer der angesehensten Bür ger hiesiger Stadt und Inhaber von 7 Orden. (Israelit.) Madrid, 5. Mai. In der heutigen Sitzung der Cortes wurde bei Berathung des VerfaffungSentwurfs die Freiheit der ReligionSculte mit 164 gegen 40 Stimmen genehmigt. Wilna. Von hier wird gemeldet, die dortige jüdische Gemeinde sei mit dem Gesuche bei der Regierung eingekom men, daß in der Rabbinerschule der Lehrer der russischen Sprache abgesetzt werde, weil er ein zum Christenthume übergettetener Jude sei, dieß aber ein Beispiel gäbe, welches dm Judaismus der Zöglinge erschüttern könne. Bukarest 4. Jnni. In der heutigen Sitzung der De putirtenkammer machte der Minister des Innern die Mit theilung, die Regierung werde eine Vorlage über die Ju< denftage einbringen und forderte die Kammer auf, eine Commiffion betteffs des Studiumder Frage zu ernennen. Lunte-. chern Familien seinesIlaubenernährt, verliebte sich vor circa 30 Jahren in ein israelitische- Mädchen und fand Gegenliebe. Die Verhältnisse Beider erlaubten jedoch eine eheliche Verbindung vorerst nicht und sie blieben in ihren , Wirkungskreisen bemühe sich zur Errichtung drS >eS aneigenen Mitteln das Erforderliche zu.ersparen. Bor ungefähr 10 Jahren erblindete die Braut, welchegroße Unglück jedoch in dem so lange schon bestandenen Verhält» niffe nicht da- Geringste änderte. Am 30. Mai feierten diese treu Liebenden die Hochzeit, zu welcher zahlreiche Gäste sich eingefunden hatten. Der Mann ist 50 Jahre und die Frau 56 Jahre alt. Hier gilt da- Sprichwort: Alte Liebe rostet nicht!" — (Seltene Liebe.) Der in Wiesbaden erscheinende »Rhein. Courier" erzählt: Tin Frankfurter Israelit, welcher sich durch Lieferung von geschlachtetem Geflügel au die rri — (Racheakt eine- Schnsterjnngen.) Aus Warschau meldet man den folgenden Racheackt einehoffnungsvollen Schusterjungen: Ein Warschauer Schuster aus der Taubrngaffe deckte seit Jahr und Tag seinen Bedarf an Mundvorräth auS dem Kram einer Jüdin. Der Lehrjunge des Meister-, Namen- Peter, hatte die vertrauliche Mission, alltäglich den Einkauf der Frühstacksemmeln bei besagter Händlerin zu besorgen, bei welcher Gelegenheit jedoch Peterlein auch sein Ich berücksichtigte, und stets eine Semmel für eigenen Bedarf vom Ständer herab annektirte. Die Jüdin wußte darum lange Zeit nicht, und als sie schließlich von communistischen Talente de- Schusterjungen erfreuliche Beweise erhielt, machte sie bei deffen Lehrherrn die wohlmotivirte Klage wegen Beeinttächtigung ihre« Besitzeanhängig. Der Meister erwog nicht lange die Sache, sondern bettante sich mit dem Vollzüge der Exekution nach der wohlbekannten JnduktionSmethode mit dem Knieriemen. Peterlein wurde von da ab kopfhängerisch, denn er brütete Rache. Der Plan war bald auSgeheckt und eines schönen Morgenraubte er der Semmelhändlerin ein Töchterlein im Säugling-alter. Der geneigte Leser möge sich nur gleich beruhigen. Peter warf seinen Raub nicht in die Weichsel, er schlachtete ihn auch nicht ab, sondern er trug ihn zur Findelanstalt und setzte dort das Kind mit der geschriebenen Bemerkung au-, daß es noch nicht da-heil. Sakrament der Taufe erhalten. Diesem half man in der Anstalt bald ab und der Findling war, ehe er sichversah, in den Schoß der seligmachenden Kirche aufgenommen. Die Jüdin-Mutter, der man früher die Semmeln und bald darauf das Töchterlein gestohlen, kam durch Jdeenaffoziation auf den Thäter und Peterlein gestand auch ein, was er mit dem Kinde gethan. Die wehklagende Mutter hatte so ihr Kind wohl gefunden, aber zurück bekam sie e» doch nicht,-dieweil es unterdessen Christin geworden und der Ueberttitt eines Christen zum Judenthume nach ruffischen Gesetzen nicht zulässig ist. Die Mortaragcschichte ist übrigen« noch nicht endgiltig entschieden und sie soll vorerst de» Weitern erwogen werden, da da- Kind fälschlich als nicht getauft unterschoben worden war, während e« doch faktisch früher nach mosaischem Ritus zur Jüdin gestempelt gewesen. — Die isr. Gemeinde zu SzegSard hat jüngst bei Sr. Exzellenz dem Herrn Kultusminister um baldige Sanktion der Kongreßelaborate petitionirt. Der Herr Kultusminister soll von dem Erscheinen dieser komischen Gemeindedeputation sichtlich überrascht worden sein. Wir gestehen es, auch wir sind hiedurch gründlich überrascht worden. Wie denn auch ander«! 'daß in SzegSard guter Wein, mitunter anch gute Fische vorhanden, davon hat jeder ung. Pattiot doch bereit- Notiz genommen. Eine neue Entdeckung ist'« jedoch, wonach SzegSard gleichzeitig auch so glücklich, eine jüdische Gemeinde zn besitzen. Gibt'« daselbst einen Rabbiner? eine aus der Höhe der neuzeitlichen Anforderungen stehende Volksschule? Keine Spur von all' dem! Und doch möchten die wenigen Leute zu SzegSard um jeden Preis zu einer Gemeinde sich hinaufspielen und mache» Miene auf Grundlage der Kongreßstatute ihre Gemeinde- und Schulverhältnisse zu regeln, die thatsächlich gar nicht vorhanden! E« erinnert nn« daan jenen Bettler, der