Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 12 (15.6.1869)
- Date
- 1869-06-15
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4890378-5433914-5433971--316-4890659- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 114 — (tturbc angenommen.) E« gelangt nun der Bericht der Ikommisiion in Angeleg mheit der Resignation de« Hrn. Tustav Tchitz auf fei» Mandat alt Rrpräfentanzmitglird zur Debatte, welche mit dem Antrag« schließt, H. Gchttz sei nt ersuchen von der Resignation abzustehm und vorlSung über dir prineipielle Frage hi nwea zugeben, und keinen Antrag zu stellen weil di« Motive zu dieser principirllen Entscheidung entfallen. Hieraus wird zur Wahl de« Vertreter« der EMtn«qemetnve in Prag zum Israel. GeMtiNdetaae in Leipzig geschütten und Herr Georg Feiges zum Abgeorbneten drsignirt. %* Herr J. Dr. Friedrich Wiener wurde zum Mitgl ied des LandeSschulratheS in Böhmen ernannt. Er vertritt in demselben die jüdische Konfession. *** Der letzte Vorfall, so wie andere ähnliche Vorjälle, die demselben vorangegangen sind, mahnen unS die Leiter der prager israelitischen Beerdigung-'Brüderschaft aus eine Neorganisation ihrer Statuten aufmerksam zu machm. Vor Altem, um das Dekorum nach Außen hin zu wahren, steht die Abschaffung des sogenannten HeSpedhalten im israel. Badhofe in erster Linie, da nur durch ein solches, nicht der Pietät Rechnung getragen, sondern leicht Veranlassung zu Excessen geboten werden kann, die durch ihre unangenehmen Folgen geeignet wären, auf den Ruf der ehrwürdigen Gemeinde in Prag einen Schatten zu werfen. Abgerechnet davon macht rin solches Trauermeeting einen drastischen Eindruck, wenn von den benachbarten Häusern, Damen verschiedener Kategorie, eifrige Zuhörerinnen abgeben, während, in der der Trauerkanzel gegenüber sich befindlichen Josefstädter Unterrcalschulc, die Schuljugend entweder stört oder gestört wird. Ucbcrhaupt ist eine Trauerrede in der Stadt sehr unstatthaft uud wir wundern uns sehr darüber, daß dieses „Sagen" im isr. Badhofe nicht schon längst abgeschafft wurde. Rur der Gottesacker ist der Ort, wo auf der zu Trauerreden eingerichteten Kanzel, dem Verstorbenen der Nachruf gewidmet werden soll und ist crsterer in ehrenhaften Ansehen der Gemeinde gestanden, so wird die Frequenz nicht abgcschwächt, während im isr. Badhose mitunter unberufene Gäste sich einschleichen, die weder aus das Auge noch auf den ganzen Tranerakt, einen wohlthncnden Eindruck machen. In zweiter Reihe ist cs das „Anrufen," welches geeignet ist, nicht nur den Verein, sondern auch die prager Judenheit ins Lächerliche zu ziehen. Es dürfte wohl jeder cinsehen, daß die letzte Beschäftigung mit der Leiche, nichts anderes als ein Liebesdienst ist, zu dem man nicht aufgefordert zu werden braucht und übcrdieß, die dem Verstorbenen im Leben ferne Gestandenen, so viel Rücksicht haben werden. Verwandten und Freunden den Vortritt zu lassen. Wer jedoch noch am alten Zopfe hält, seinen vollen Namen, und was daran hängt, rufen zu hören, dem ist cS um den Liebesdienst nicht zu thnn. Anders ist es mit der mnc wo im geschloffenen Raume das Anrufen nicht solches Aufsehen macht. Die Ghcttopcriodc ist gottlob vorüber und cS ist Aufgabe jener, welche sich nicht nach den Fleischtöpfen der« selben sehnen, alles abzustrcifen, was noch an diese mittelalterliche Zcitepoche mahnt. katholischen Kirche ausgenommendrückte kurz vor seinem Tode dm Wunsch auS, zu seinem altm Glauben zurückzu« treten und feinen sechsjährigen Knaben inS Judenthum aufzunehmm und ihn der vorschriftsmäßigen Beschneidung zu unterziehm. Der Rück- und Uebertritt wurde noch acht Tage -vor dem Tode HellerS von ihm schriftlich angemeldet und so wurde er auch nach jüdischem RituS auf dem israelitischen Gottesacker der prager Vorstadt Smichow zur Erde bestattet, der Knabe, deffen Mutter mit Heller verehelicht, seit einigen Jahren auf dem katholischen Friedhofe ruhend, wird auf Kosten der Smichower Gemeinde erzogen. *.* Vcrfloffenen Samstag feierte der um den isr. Kreuzerverein für Krankenpflege vielverdiente Vereinsvorsteher H. Jos. Kollin, Jnhab d. silb. Verdienstkreuzes und der Bürgermedaille v. I. 1866, im Kreise seiner Familie die silberne Hochzeit. Zum Zwecke der Beglückwünschung des Jubelpaares begab sich der Direktor obgenannten Vereines Herr Gottlieb Karl Bondi mit Herrn Dr. Ludwig Bendiener BereinSsekretär zu Herrn Kollin und übereichten ihm in einer passenden Ansprache, in welcher der Verdienste gedacht wurde, die sich der Jubilant als Gründer und Förderer des Vereines erworben hat, im Namen des Vereines einen prachtvoll aus Silber gefertigten mit passender Inschrift versehenen Pokal. Ucberdieß fanden sich viele Gratulanten ein, die sich durch das humanitäre Wirken des Herrn Kollin veranlaßt sahen, ihn zu beglückwünschen. Auswärtiges. * * M Mit der Anfertigung des Grabmals des vor Kur zem verstorbenen, allgemein geachteten und seiner Bescheidenheit wegen bclanntcn Herrn Dr. Ignaz Hanusch Bibliothekars der k. k. Universitätsbibliothek betrauten die Erben desselben den Bildhauer Hrn. David Radnitz. ES dürfte in Prag der erste Fall sein, wo ein jüdischer Bildhauer einen Denkstein für den christlichen Gottesacker geliefert hat. Diese Handlungsweise zeigt wieder von der Toleranz unserer christlichen Mitbürger. *** Mit der Aufstellung des Grabsteines für den seligen Oberrabbiner Hrn. Salomon Löw Wapoport, wurde bereits begonnen. Dem Piedcstal nach zu nrthcilcn, dürfte das Denkmal recht monumental sein. V (Rücktritt mit» Übertritt zum Iudrnthume) Vorgestern wurde Herr Ignaz Heller nach längerem Leiden zu Grabe getragen. Derselbe vor sieben Jahren in den Schooß der waltung ist, die nicht überflüssige Posten in» Budget einzustkllen, sou. den, die Au»gadrn und Einnahmen der jüd. Gemeinde zu verwalten hat. „ (d. Red.) Wien. Dem Goldstickereifabrikanten Herrn Karl Giani wurde von Sr. Majestät dem Kaiser für die prachtvollen orientalischen Stickereien, die er für die Appartements der Kaiserin angefertigt hat, die allerhöchste Anerkennung officiell zu Theil — Die archäologische Gesellschaft in Egypten ernannte den Dichter Dr. Ludwig Aug. Frankl zu ihrem Ehrenmitgliede.— Das Haus Nr. 34 in Währing, wurde, wie mitgetheilt' wird, welches eine hohe, gesunde Lage, vortreffliches Waffer, einen großen Garten hat, einen Gesammtkomplex von 2000 Quadratklastern umfasst, zur Errichtung eines Spitals für Israeliten um den Betrag von 18 fl. pr. Quadratklaftcr, also um einen Gesammtkostcnbctrag von 36.000 Gulden, angekauft. Von der KultuSgenieinde wird soeben eine Kommission, auS zwei Aerzten und einem Architekten bestehend, nach Deutschland, nach der Schweiz und nach Frankreich gesendet, um die in diesen Ländern bestehenden Musterspitäler zu besichtigen und zu studiren, und nach den Einrichtungen, die sich daselbst am besten und zweckmäßigsten bewährt haben, für das Wiener Spital für Israeliten die Pläne zu entwerfen. Dieses Spital soll auf einen Belegraum von 100 Betten bemessen werden. Frau Jenny Glaser hat bereits dem Vorstand der KultuSgenieinde daS Kapital für Stiftung eines Krankenbettes cingchändigt. Von dem Reichthume und dem anerkannten Wohlthätigkeitssinne der Wiener Israeliten lässt sich erwarten, daß dieses ehrende Beispiel bald und viele Nachahmung finden wird. — Der bei dem Fabrikanten S. in Rudolfsheim als Buchhalter angestellte 26 jährige Ignaz St. pflegte durch längere Zeit mit der schönen kaum 18 jährigen Tochter eines auf der Mariahilferstraffe wohnhaften Seidcnwaarcn-Fabrikanten und Besitzers von vier Häusern ein ernstes Vcrhältniß und beabsichtigte das Mädchen, falls es zum Judenthume übertreten wolle, zu heiraten. Dem widersetzten sich jedoch die Eltern des Mädchens und wollten von dieser Verbindung nichts wissen. Vor mehreren Wochen erkrankte plötzlich die Mutter, so daß der Geistliche geholt werden musste. Nach Empfang der heil. Sterbesakramente benützte das Mädchen die Gelegenheit und bat weinend die Mutter, sie möge sie, ihr einziges Kind, glücklich machen und chr sowie ihrem Geliebten, von dem sie nicht tzfl» j. 1 ±z\