Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 12 (15.6.1869)
- Date
- 1869-06-15
- Page
- Seite 113 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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113 chow, Jäger und wie diese Junker und KreuzzeitungSmänner auch immer heißen mögen. Zu solch' literarischen Judenkrawallrn pflegt von Zeit zu Zeit auch die „BreSlauer Zeitung" ihre Zustimmung zu geben und freut sich recht kindlich, so sie nur dem Judenthume eine recht derbe moralische Ohrfeige appliziren kann. To läßt sich z. B. von einem gewiflen Herrn R. Gardefui — nomenetomen babet — aUS Berlin Folgendes schreiben: „Ueberall tritt (in Berlin) ein milder, frommer, versöhnlicher Sinn hervor, selbst bei dem Generalintendanten des HoftheaterS gegenüber der unanständigen (sic!) Gesellschaft starrorthodoxer Rabbiner, die ihre alttestamentarischen Glaubensformen durch die Balletprophanatien ihres unaussprechlichen „Schemhamphorasch" laidirt glauben. Obgleich mir ein mir befrcun dcter Reform -JSraelite auf meine Frage nach der mir unbekannten Bedeutung des Wortes antwortete; „Schlafrock unseres Herrn," so hat mich daS zu der Vermuthung veranlaßt, daß cS bei den Juden auch wie bei den Christen seltsame skrupulöse Käuze auS dem Stamme der Knacke, Disselhof & Comp, gebe u. s. w. Und so macht sich Herr Garde — fui noch zwei drei Spalten lang über die Juden lustig, und zwar mit einer cynischen Frechheit lustig, um die ihn Herr Richard Wagner beneiden dürfte. Es wäre übrigens eben so fruchtlos, als lächerlich, wollte man die absurden Behauptungen dieser literarischen Sikarier zu widerlegen suchen; Leuten dieses Schlages kann man mit vollem Rechte zurufen: „Seid Ihr nicht, wie die Weiber, die beständig Zurück mir kommen auf ihr erstes Wort, Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang?" Dies ist aber Alles pures Lob, wenn man erst das Schimpfen der „Breslauer HauSblättesr," eines schmutzigen und faulen ultramontanen Blattes, gegen das Judenthum gelesen hat. So schrieb dieses saubere Blatt unlängst folgende liebenswürdige Worte:-Ehre dem preußischen Minister welcher den Muth hat, das Gekläff dieser beschnittenen und unbeschnittenen Judenrotte zu verachten. Gottlob, daß es in Deutschland noch einen Ort gibt, wo man dem anmaßenden geistig und sittlich bankerotten Judenpöbel gesunde Einsicht und wohlwollende Kraft entgegenzusetzen weiß."- Adolf Kohvt Locales. t Oeffcntl. Sitzung der isr. Cult.-Gem. - Verwaltung abgehalten am 6. Juni 1869. Beginn der Sitzung % 11 Uhr. Anwesend die Herren: G. Feigel, S. K. Frankel. Dr Gitschin Lieben, Oscr», Dr. Pribram, Dr. Raudnitz, Schwab, Singer, Dr. Tede«co, Dr. Wiener. Prof. Dr. Wessely, D. Zappert. (4« waren sonach abwesend die Herren: Fischl, Ignatz Schütz. G. Schitz, 901. A. Wahle, Nach Genehmigung der Protokolle vom 4. und 18. April l. I. und auch einigen unwesentlichen Mittheilungen wird zur Tagesordnung übergangen. Nach Erledigung mehrerer Gesuche gelangt folgender Programm- Punkt zur Debatte: Bericht der Commission in Angelegenheit der Einreihung der Steuerzahler in 3 Wahlkörper. Referent Dr. Gitschin: Der Gesammkbetrag der BeilragSleistuna beträgt 22161 fl ö. W. somit entfällt auf jede Gruppe 7387 fl. ö. W. Die Kommission hat e« nun für erachtet gefunden folgende Eintheilung zu treffen: »n den 1. Wahlkörper die 20. inclulive der 14. Klaffe zu versetzen, auf diesen entfällt eine Wählerzahl von 103, und eine Beitragsleistung im Betrage von 8175 fl. ö. W. in den 2. Wahlkörper die 13. bi< inclusive der 9. Klaffe mit einer Wählerzahl von S06 Wählern und einer BeitragSleistung von 8016 fl. und in den 3. Wahlkörper die übrigen Klaffen mit 1124 Wählern und einer Leistung von 5951 fl. Die Grfammtzahl der Wähler für alle Wahlkörper beträgt 1533. Der Antrag de» Dr. Gitschin geht nun dahin. dieflS Elaborat zu genchcnigen, und mit Vorbehalt der Revision in Bezug auf die AuSscheitaa|i (mtnbc; deren Beitragsleistung weniger als 5 fl. beträgt, etc.) die Wchl vorzunehmea. (angenommen) Sodann bringt der Vorfitzend« '^Atstlichs Resignation de« Herrn Gustav Dchitz zur Kenntnis, welcher ersucht, daß bei Ausschreibung der W-zhlen auf seinen feste« Entschluß Rücksicht genommen «erde. Ein weiterer Programm-Punkt ist der Bericht dr« Herrn Schwab über da» Präliminare der Beerdigung-. Brüderschaft pro SS. Referent verliest da« Präliminar, au» welchem sich ergibt daß die Summa der Einnähme aus 11333 fl. und di« Sun»», n,r «»ig,s>. «,.s fl — veranschlagt »st, wonach fich «iw Uiberschuß von 1000 fl. ergibt und beantragt da- Präliminare z» genehmigen, (angenommen) Dem folgt der Rechnung-brticht der Tilmudthoralchule pro «8 Referent Dr. Raudnitz erwähnt, dasdie Summa der Einnahme sich auf 3414 fl. 53 und die Summa der Ausgabe auf 4330 fl. 60 belaufen, wonach sich ein Defizit von Sl6 fl. 16 ergibt, wofür ein Betrag von 800 fl. von der EnltuScaffa als Abschreibung gelangen soll und 116 fl. 16 an den Kaffier zu ersetzen sind. Dr. Raudnitz erklärt die Rechnung für geprüft richtig und beantragt 1. die Genehmigung der Rechnung 2. das« da« Defizit auf oben angegebene Weise gedeckt «erde, und der Dank an dieKommiffion-mitglirder der Talmndihoraschule auSzufprechen sei. Ein weiterer BcrhandlungSgegenstand betrifft den Bericht über die Einladung zum israelitischen Gemeiudetage zu Leipzig. Referent Herr Frigl stellt den Antrag, diesen Gemeindetag von der Prager Gemeinde jedenfalls zu beschicken, da er alle religiösen respertive ceremouirlle Angelegenheiten (Grund der Nichtbeiheiligung an die Svnodej auSschließend, bloß spezielle Gemeindeinteressrn und deren Förderung im Auge hat. Schwab und Prof. Weffrlv unterstütze» diese» Antrag. Dr. Raudnitz teilt den Antrag den Gemeindetag zu beschicken und eine Kommiffion niederzusetzeu, welche über die dem Mandatar zu ertheilendeii Jnstructionen sich ausspricht und geeignete Anträge stellt, (angenommen) Zum Schluffe gelangt noch ein Antrag des Hrn. Frankl zur Debatte, der sich als Dringlichkcitsantrag herausst'llt, derselbe lautet: Zur Vermeidung von Vorkommnissen welche weder der Gemeinde noch den Vertreter würdig sind, seien die Rabbiner welche zum Trauen berechtigt sind auch verhalten, aus Verlangen der Brautältern oder de« Brautpaare« den BedeckungSact vorznnehmen. Nach langer Debatte stellt Präses folgenden Antrag: Einer Kommiffion werde dieser Antrag zur Berichterstattung übergeben. die sich zugleich mit den gegenwärtig vorhandenen Mängeln unseres Rabdinate« vertraut mache um dir betresseiiden Anträge in der nächsten Sitzung der Repräsentanz vorzulegen. Schluß der Sitzung '/. 1 Uhr *** Oeffentliche Sitzung dcr israelitischen CultüSgemeinde- Berwaltung am 13. Juni 1869. Beginn der Sitzung um '/,l l Uhr. Anwesend die Herren: Frigl, S. K. Frankel, Dr. Gitschin, K. Lieben, Oser», Dr Pribram Dr. Raudnitz, Schwab, Dr. TedeSco, Prof. Wessely, D. Zappert. Es waren somit abwesend die Herren: Fischet, Singer, Gustav Schitz, Ignatz Schütz M. A Wahle, Dr. Wiener. Nach AgnoScirung der Protokolle vom 23. Mai und 6. Juni l. I. und einer unwesentliche» Mitthcilnng de« H. Vorsitzenden, wird zur Tagesordnung geschritten. Den ersten verhandlunzSgrgrnstand bildet der Kommiffionsbericht über die Grundsätze, welche dcr Vertreter der Jsra» «litm-Gemeinde Prag'« bei dem Gemrindrtagr in Leipzig sich zur Richtschnur zu nehmen hätte. S« werden die einzelnen Punkte de« Programme«*) vom Gemeindrtagevom Referenten Dr. Raudnitz verlese» uud über jeden einzelnen abgestimmt. Bei dem Punkte 3 beantragt die Commifflon die Jnstmktion dahin zu ermesien.daß bei Berathnng der Grundzüge der Vertretung sowohl auf die Staatsgrundgrsrtze in Lesterreich, al« auf die interconseffionellen Gesetze Rücksicht zu nehmen »nd dir Theil» nähme de« RabbiuerS al« sochen an den Beschlüssen der Vertretung abzulehnen sei. Bei Verhandlung deS Punktes 4 habe sich der Ablegat gegen jede indirekte Steuer insbesondere gegen die Koscherfleilchsteuer und Jncolat«.Gebühr auszusprechen. Die andere» Punkte werde» dem Er- »reffen des Abgesandte» anheimgrstcllt. Der Antrag Schwab'«, dem de» treffendcn Deputinen, da« Mandat zn erthrilr», auch am Synodentage in Leipzig die Jnlereffen der Prager Gemeinde z» verirrten, wird mrt Majorität abgelehnt. Der Antrag der Eommission, in Angelegenheit de« Raobinate«, geht dahin, daß den» Rabbiner Freund in einer Zuschrift zu erklären fei, daß seine letzte, bei Gelegenheit einer Leichrnbestattung abgrhaltenen Rede allgemeinen Aerger und Aussehen in der Gemeinde erregt hat, und er ersucht wird, in Zuknnit sich einer anständigen und den heutige» Kulturoerhältnissen angemeffcnrn Redeweise zu bedienen, widrigenfalls eine Disciplinarnnterjuchaug**) gegen ihn eingrleitct wird, *) Folgen am Schlüße de« Blatte«. **) In dem Eingang» diese» Blatte» reprodnrirlrn Artikel wurde die Scene, dir Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Freund, geboten, in einer Weise der Leurtheilung unterzogeu, wir sie geeignet ist, denselben nicht zn verletzen und wurde am Schluffe de« Artikel« die isr. Vertretung mit diesem bedauerlichen Vorfälle in Verbindung gebracht, weil dir Gemeinde längst da» Bedürfnis gefühlt hat, daß die Vertretung den für dir öffentlich« Amtirung schon seine« Alter« wegen nicht mehr fähigen Rabbiner in einer decenten Form pensionire und durch zwei Jahre «incn Posten von 600 fl. für einen nicht rristirenden Oberrabbiner in'» Präliminare rinstelle, die längst schon zu Gunsten der Steuerzahler einen Abstrich verdient hätten. Gegen einen greisen Rabiner eine DiSciplinar» Untersuchung rinlecten wolle», können wir, ff sehr wir den ganzen Vorfall bedauern, ebrnso wenig billigen al» den durch mehr al« 30 Jahre der Gem. angrhörigen Gelehrten vor den Gerichtshof jener ISMänurr zu ztürrn, die sich sonst um die wahren Jnterrffen der Gem. gar nicht kümmern. Auch könne« wir nicht begreifen, wir dir Bertretuug rin« solche rinzuleite» zusteht, nachdem sie keine Behörde, sonder» nur «ine Ber-