Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 12 (15.6.1869)
- Date
- 1869-06-15
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ge.l vieler unserer Brüder-findet! Möge der GlaubenSeifer die Herzen der Eltern und der Kinder vereinen und daS Wort des Propheten Malachit in Erfüllung gehen: 2're>.ni„ ".cnian Sp c’J2 2S1 D*}2 SrrroK 2S Die Offenbarung und der Psalmist. Unter diesem Titel bringt der in New-Aork erscheinende „Hebrew-Leader“ eine von I)r. A. Hübsch im Tempel der Gemeinde „Ahawath Ehesed" gehaltene Rede. Wir beschränken unö auf einen Auszug au» derselben, um unseren Lesern zu zeigen, wie sehr die klimatischen Bcrhältuisse auf di: in Europa von so Manchem künstlich erzeugte orthodoxe Anstauung cinwirkcn. Im klebrigen enthalten wir unS jeder Kritik und überlassen dieselbe jedem Einzelnen. Der Auszug lautet: Zwei Vorfragen sind eS, die sich uns in den Weg stellen, wenn von einer göttlichen Offenbarung, von einer hö- : Herrn GcsctzcScrtheilung die Rede ist. Die erste Frage ist: j Welcher Wege und Mittel hat sich der Herr bedient, um unS seine Wahrheiten mitzutheilen. Die Schrift erzählt uns, der Ewige stieg herunter auf den Sinai, und der Berg brannte in Feuer und bebte und unter dem Getöse de» Donners, unter dem Leuchten de» Blitze» erscholl die mächtige Stimme, die göttliche Stimme, die Wort für Wort verkündete, was Israel lauschend hörte und was später eingegraben ward in die steinernen Tafeln und noch tiefer und ewig unverwischbar cingegrabcn bleiben sollte im Herzen der Bekenner dieser unzweifelhaften göttlichen Wahrheit. Diese Ausdrücke der Schrift könnten ku den nachkommendcn Geschlechtern den Gedanken erwecken, als sei hier von einer sinnlichen Erscheinung die Rede, als hätten die leiblichen Organe Aug und Ohr geschaut und gehört was kein leiblich Auge schauen, kein leiblich Ohr hören kann. ES könnte demnach auS dieser Erzählung, welche unS mit der Wahrheit bekannt machen soll, der schwere Irrthum hervorgehen, als sei daS höchste Wesen sichtbar, hörbar, sinnlich wahrnehmbar. Darum befleißigt sich die Schrift, diesen Eindruck zu verwischen, diese Deutung gleich im Vorhinein unmöglich zu machen, vorsorglich ermahnt sie unS: Hütet euch wohl so lieb euch eure Seele ist, ihr habet keinerlei Gestalt gesehen am Tage als der Ewige zu euch redete am Horeb auS dem Feuer. »Die Stimme von Worten hörtet ihr, aber ihr sähet keine Gestalt — da war bloS eine Stimme!" Aber m. G. so sehr sich die Schrift dagegen verwahrt, so ist doch dieser ganze erhabene Vorgang bei vielen Gläubigen jeder Zeit viel zu sinnlich ersaßt worden. Der Mensch kann sich nun einmal ein Wort nicht denken ohne einen Mund, welcher dieses Wort ausspricht, und einen Mund nicht ohne den übrigen Leib, dem der Mund als Dolmetsch dient und so sehr man sich auch dagegen wehrte und sträubte, immer mengten und mischten sich zu den erhabensten Gefühlen doch immer Vorstellungen, welche unter der feingcwcbten Hülle doch immer die Gestalt dessen, der da gesprochen hat, erkennen ließen. Ich will nicht sprechen von den alten midraschischen Darstellungen, die in ihrer figürlichen Weise Gott auf den Sinai als den alten erfahrenen Lehrer und Meister darstellen, der seine Schüler um sich versammelt hat, oder wie ein Anderer sagt: die Engel trugen die Aussprüche unter Israel umher und fragten, willst du das annehmrn und halten? oder wie ein Dritter behauptet r die Aussprüche selber machten' die Runde und fragten jeden Einzelnen willst du mich oder willst du mich nicht? In allen diesen Meinungen nehmen wir daS Streben wahr, diese eine Thatsachc dem Verständnisse näher zu rücken: durch welche Mittel hat Gott gesprochen? Und so alt diese Frage ist, so berührt sie uns doch unmittelbar; denn wenn heute zwei Israeliten einander treffen, und der Eine sagt: die heiligste Seite unseres GlaubenSbucheS, die 10 Gebote, -sind von Gott selbst dem versammelten Volke mitgetheilt worden, und der Andere fragt ihn: Aber wie stellst du dir Gott sprechend vor, ohne daß du dir ihn körperlich vorstellst? Da schweigt der Andere verwirrt oder er sagt höchstens : Ja, das weiß ich nicht! Freilich, die moderne theologische Auffassung, die ich in diesem Punkte nicht zu der meinigen machen möchte, überwindet die Schwierigkeiten sehr Ucht; sie weiß alles Dunkle zu beleuchten und alles Räthsclhafte zu lösen. Wie hat Gott gesprochen? Run. denn. daS ist ganz einsach: „MoscS hat gesprochen und was Mosegesprochen hat, das wird da genannt Gottes Stimme. Waist denn wohl der Unterschied, ob cs Gott gesprochen oder ein Mensch, wenn es nur gut und wahr ist." Abgesehen, daß der Wortlaut der Schrift dem widerspricht, daß die Schrift sich wiederholt darauf beruft, wie Gott selbst mit dem Volke am Horeb gesprochen — abgesehen, daß das erste und erhabenste Wort der 10 Gebote „Ich bin der Ewige dein Gott" im Munde Moses gar keinen Sinn hat, ist es noch andererseits ein bedeutender Unterschied, ob diese Wahrheiten Gott oder ein Mensch gesprochen. Ich will Euch daS au einem einzigen Beispiele zeigen. DaS vierte der 10 Gebote betrifft bekanntlich den Sabbath und seine Heiligung. I Hat dieses Gebot Gott gesprochen und festgestellt dann ist darin nicht nur das Prinzip enthalten, daß man in jeder Woche einen Tag der geistigen Erholung und Erhebung, der feierlichen Ruhe weihen und heiligen soll, sondern dieser Tag ist auch bestimmt und festgesetzt, von ihm kann nicht abgegangen und abgcwichen werden, dcr Tag ist ein Theil des PrinzipeS — oder beide sind Eins! Ist aber dieses Gebot auS menschlichem Geiste hervorgegangen, dann mag daS Prinzip wahr fein, daß nach der Arbeit Ruhe und geistige Erholung noth thut, aber ob dieses alle 7 oder 14 Tage an einem Sabbath oder an einem Sonntag stattfinden soll, das freilich hängt dann von den Umständen und von unserem Belieben ab. Ist der Sabbath eine göttliche Institution, da tritt jede Rücksicht bei Seite; was der Allmächtige und Allweise mir geboten,, daö darf ich nicht verletzen und sollte mich auch darüber materieller Schaden bedrohen oder gar sicherlich treffen. Ist aber daS Sabbathgcsetz menschliche Institution, dann freilich ist daS viel leichter abgemacht. Hätte der Mann damals gewußt, wie viel man heutzutage zu thun haben wird, gewiß er hätte bei dieser Anordnung den praktischen Grundsatz nicht vergeffcn: Zuerst daS Geschäft und dann daS Vergnügen. Ich will Euch an diesem einen Beispiele gezeigt haben, daß jener so unschuldig, ja sogar erhaben klingende Satz: das Wahre bleibt wahr, ob eS nun von Gott oder von Menschen auSgeht, doch nicht so ganz richtig ist, und daß eS von unheilvollen Folgen für den Glauben ist, so bald wir aufhören ihn für Gottes Werk, und so bald wir anfangen, ihn für Menschcnwcrk zu halten. Breslau, 11. Juni. (O.-K.) „ES wird eine Zdt kommen, da man in Europa nicht mehr fragen wird wer Jude oder Christ sei, denn auch der Jude wird nach europäischen Sitten leben und zum Besten der Staaten beitragen, worin nur eine barbarische Berfastung ihn hindern oder seine Fähigkeiten schädlich machen konnte.,, Hetzer. ES ist zwar fast ein volles Jahrhundert hinabgerollt in das Meer der Vergangenheit, seitdem dieser „Hohepriester der Humanität" den Juden den vollständigen Sieg der Menschenrechte prophezeihte; das fanatische Hepp - Hepp - Schreien, das der vor Religionshaß wahnsinnige und blutkünftige Mob auf allen Straßen und Gassen anstimmte, hat sich zwar in unseren Tagen bedeutend verringert: aber während der Pöbel seine pöbelhaften Angriffe gemildert, fährt der literarische Pöbel noch immer fort, Juden und Iudenthum zu begeifern und das Edelste und Heiligste uuferer Religion in den Koth zu zerren, vide u. a. Robert v. M oh l, Richard Wagner, Wolfgang M e n z e l, R 0 l e nf e ld, B ir- L_ 1