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Die Gegenwart · 1869-06-01 · 11 (1.6.1869) · p. Seite 106

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
11 (1.6.1869)
Date
1869-06-01
Page
Seite 106 (sequence 8)
Language
German
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106 warft. Redakteur txt R«rae contemporaire und de» „In* ternational* wurde vom Könige von Portugal ausgezeichnet. ' — Herr Eduard Kohm'Besitzer eine» der schönsten Hotel» ln der Avenue der Kaiserin hat Fräulein v. König »wart er die Tochter de» frühem Seine - Deputirten geheirathet. — Asien. Die indischen Journale berichten, j>ajj in der Garnison in Bvmbai sich gegtntvärtig^36 eingeborene "israelitische Offiziere, 231 Unteroffiziere und Soldatm definden. Autarkst. Dem Ä. EommiffionSrathe, Herrn Johann Hoff in Berlin wurde von Seiner Hoheit dem Fürsten von Rnmänien der Titel al» Hoflieferant Seiner Hoheit de» Fürsten Karl I. von Rumänien verliehm. Luntes. — Bor der amerikanischen Gesellschaft hielt Dr. Martin, jetzt Professor de» kaiserlichen Instituts zu Peking einen Bortrag über seine Reise von Peking nach Shanghai, die er im Winter von 1866 übernommen, um die Colonie der Juden am Gelben-Fluffe zu besuchen. Al» er in Hong Kong ein Hospital betteten, sei ihm eine hebräische Inschrift mit den Worten: »Höre o Israel; der Herr, dein Gott ist nur Ein Gott," ausgefallen. Er habe weitere Erkundigungen eingezogen nnd dazm, wie gesagt von Peking au» die Reise unternommen. Dr. Martin fand den Ort, wo die Colonie von Juden gewesen, bei einer zerfallenen Stadt, die ehemals den Namen Ki-Fuug-Fou geheißen und die Hauptstadt des chinesischen Reiches gewesen sein soll. — Jetzt steht auf dem Platze, wo die Synagoge gestanden, nur noch ein alter Thorwcg und ein Stein mit jüdischen Inschriften, welche besagen, daß vor zweitausend Jahren Juden von Indien nach China kamen, sich dort ansiedelten und eine Synagoge bauten. Diese gerieth vor etwa 250 Jahren in Verfall und da fein Rabbi vorhanden war, wurde ^fie nicht wieder aufgebaut. und Religion wie Sprache wurdm vergessen. Er fand noch eine alte hebräische Handschrift vor. welche die ersten beiden Bücher Mosi» enthielt. — In einem Briefe au» Jerusalem berichtet Lieutnant Marren über eine intereffante Entdeckung, welche er etwa 23 Fuß von der Südseite de» Teiche» Bethseda (Birket J»roel) gemacht hat. In einem Garten fand er drei Cisternen, sämmtlich mit sehr schmalen Oeff.iungen an der Oberfläche. Zwei derselben ergaben bei einer nähern Untersuchung nicht» BemerkenSwerthe», in der dritten jedoch, in welche er erst hinunterstcigen vermochte, nachdem er sich seiner Kleider entledigt hatte, wurde er für seine Anstrengungen belohnt. Der enge Eingang der Cisterne war nur 3 Fuß lang, und 10 Fuß von der Oberfläche gelangte Marren auf den Boden einer kleinen Kammer. Bon dou abwärts war die Oeffnung ziemlich weit, und ohne Schwierigkeit gelangte Marren auf den Boden. Da» Master war nur.", Fußhoch nnd stand, wie spätere Mestungen ergaben, mit dem Teiche B lhscda in direkter Verbindung. Nach Erlcuchtmn de» Magnesiumdrahte» fand Marren sich in einer großen Halle, in welcher sich Bogen an Bogen reihte, und welche ihm der Kathedrale von Cordova ganz ähnlich schien. Nachdem Marrm nebst einem Gefährte» welcher von stärkerem Körperbau war, al» er selber, und erst hinuntergelangen konnte, nachdem er die Oeffnung erweitert hatte. drei Stunden lang Vermessungen angestellt hatten, zwang die Kälte de« Master» sie, ihre Arbeit einstweilen zu unterbrechen. Lu»st uuL Literatur. .... — Die Akademie Francaise hat dm Prei« für Poesie, 8r«c». in dich« Jahre Herrn Eduard Grmier M. L'1 erkannt für ein Gedicht, deffen Sujet dem jüdischm Lebm im Orimte entlehnt ist. — In Juli wird in Donai (Nord) ein musikalische» Fest stattsinden, wo die ekorale 8oeiet6 Oslevvivx Laart Luvst au» Amsterdam, au» lauter Israeliten bestehend, mitwirken wirk*__— — Die Zahl der Streitschriften, welche Richard Wagner'» Broschüre »Da» Judenthum in der Musik" hervorgerufen hat, mehrt sich noch immer. So sind neuerdings erschienen: Richard Wagner und da« JudcMhum. Ein .Beitrag zur Cultnrgeschichtc unserer Zeit von einem Unparteiischen (Elberfeld. LucaS). Noch ein Wort über Richard Wagner'» Judenthnm in der Musik »Den Herrn Eduard Friedmann und E. M. Oettinger gewidmet" von Max Fuch» (München.) »Die große Mnsikjudenverschwörung gegen Richard Wagner gestiftet in der Musikjudenweltstadt Leipzig im Jahre 1851 (Main^ Hers und Wolf) »Offenen Brief an Richard Wagner den Verfasser der Broschüre: daS Judenthum in der Musik vo:: A. von Truhart (Petersburg, Wilkan.) Vom LSchertische. Talmndische Terminologie zusammengestellt und alphabetisch geordnet von A. Stein Phil. vr. Rabbiner und Prediger an der Meisel-Synagoge k. nebst einem Vorworte : Die Aufgabe einer Präparandie für Studierende der jüdischen Theologie. Prag 1869. Wenn wir auch zuweilen in diesen Blättern den Prediger vr. A. Stein vom homiletischen Standpunkte aus betrachtet einer Kritik unterzogen haben, die vielleicht Manchen auf ein Borurtheil schließen ließ, da» wir gegen den Prediger haben, so müssen wir bei Beurtheilung de» vorliegenden Werkes den Gelehrten vr. A. Stein einer eben so gerechten als vorurtheilslosen Kritik unterziehen. Mit einem seltenen Fleiße, wie er diesem Manne eigen zn sein scheint, hat er seine Aufgabe vollzogen, die in der That eine gründliche Kenntnis der semitischen Sprachen verräth. Nicht auf bloße Uebersetzungen alltäglicher Bücher, die zum Schluffe nichts anderes, als bereits vorhandene Traversionen mit einigen Abänderungen sind, beschränkt sich überhaupt dieser vielseitige Gelehrte, er fördert vielmehr mit unermüdlicher Thütigkeit gediegene Geistesprodukte zu Tage, die einen bleibenden Werth haben. Und mit einem solchen GeisteSprodukte haben wir es hier zu thun. Der Verfasser hat auf Grund seines Erfahrung, daß beim Unterrichte der Anfänger im Talmud diesen die Klarheit und die ursprüngliche Bedeutung der Wörter in der hebräischen und aramäischen Sprache abgehe, und in Anerkennung der Rothwen« digkeit, daß da die vorhandenen Lexica die Partikeln, so wie überhaupt die Wörter, welche rein logische Begriffe au»- drücken, völlig übergangen haben, gerade diese Klaffe von Wörtern recht genau zu erklären, um den Talmud verständlich zu machen. Bei der Ausarbeitung dieser talmudischen Terminologie, die der Berfaffcr bloß als Vorläufer zu einer von ihm beabsichtigten Herausgabe eines Lexikon zum Talmud ansieht, suchte er jede» Wort auf eine Wurzel de» semitischen SprachstammeS zurückzuführcu, dabei immer vom Hebräischen ausgehend, weil, wie er ftlbst bemerkt, der Jdernkrei» der Talmudlehrer, auch wenn sie syrisch oder perfisch sprachen, doch immer in der Sprache der Bibel con» eentrirte und so hielt der Vcrfaffer, weil die Bedeutung de» Worte» von der biblischen oft gar sehr abweicht, dagegea im syrischm und arabischen Sprachgebrauche sich ganz oder doch annähernd wiederfindet, e» für zweckmäßig, die Hauptbedeutung der Wurzel im Syrischm und Arabische» danebe» zu stellen. Ohne um die Gunst de» Prediger» Herrn vr. A. Stein zu buhlen, müffrn wir ihm al» Gelehrten da» Augestäudni» machen, daß er i» seiner »talmudischm Terminologie" «tu -ruße» Misten iu deu semitisch« «Sprach« Fortsetzung tu der Beilage.

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