Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1869-06-01 · 11 (1.6.1869) · p. Seite 105

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
11 (1.6.1869)
Date
1869-06-01
Page
Seite 105 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4890378-5433914-5433969--306-4890650
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

106 den biedern Radikalen von Szegedin im Heppl Hepp! nicht nach.— Der TitularstabSarzt Dr. Leopold Seligmann wurde zum Stabsarzt ernannt und dem KriegSministerium zugetheilt. Pcsth. am 25. April. Das Album nebst Vertrauens« abreffe an Hern. Rabb. Dr. Hildesheimer ist bereits fertig und mit Unterschriften versehen. Sicherem Vernehmen nach, wird in Siebenbürgen edmsalls ein Album mit einer BertrauenSadreffe an Dr. Hildesheimer vorbereitet.— KBtPip vb »npP *Kp In einem von Pal Tenozer, gewesenen Congrcßmitgliede herausgegebenen (ungarischen) Album heißt cS über Dr. Hildesheimer: Wir müssen nicht erst sagen, daß der hochbcrühmte Oberrabbiner Hildesheimer Eisenstädter Deputirter war. Der gelehrte Oberrabbiner hat trotz seines großen Geistes und seiner hohen Vernunft eine unangenehme Stellung gehabt. Ihm ist die Aufgabe geworden, seine Gesinnungsgenossen zu verthcidigen, aber Niemand hat sich vorgefundcn, der ihn gegen die von verschie denen Seiten gemachten Angriffe vertheidigt hätte. Sobald er spricht, erkennt man in ihm den eben so geistreichen wie ehrlichen Mann u. s. w. Wir haben gefühlt, daß ein solcher Mann in uuserm La ger Gro ßes. h ä t tc leisten können x. — Wie Großes hat Herr Dr. H. erst Im Dienste der Wahrheit geleistet! — (Jsr.) Lemberg. Kürzlich hat sich hier unter dem Namen „Schomer Israel" ein Verein gebildet, welcher folgendes Programm veröffentlichte: „die Ideen der Humanität und des Fortschrittes haben die letzten Trümmer jener chinesischen Mauer, womit Verleumdung und Vorurtheil uns Jahrhunderte lang umgeben hatten, hinweggeräumt und ihren glänzendsten Sieg der vollen Gleichberichtigung und Gleichstellung der Israeliten in unserem Kronlande gefeiert. "„Wenn bis nun Einzelne aus unserem Volte ihrer Zeit voranschrittcn, dem Zeitgeiste das Ziel abgesteckt und mit dem mächtigen Flngclfchla ze ihres Geistes die lichtscheuen Tendenzen der Qbscuran; und Intoleranz verscheucht hatten, so ist an uns, da der Kampf entschieden und die modernen Principien zur Herrschaft gelangt sind, die Aufforderung zwingend herangetreten, das Vermachtniß jener „Pionnicre der Freiheitanzutreten, eö ungeschmälert zu erhalten und mit vereinten Kräften auf der uns vorgezeichneten Bahn vorwärts zu streben. - „Diese Aufforderung hat in der Constituirung des Vereines „Schomcr Israel" ihren Ausdruck gefunden, und voll Vertrauen in die Erhabenheit seiner Mission tritt der Verein mit seinem Programme in die Oeffentlichkeit."„I. Der Verein „der Wächter Israels," fußend auf dem Boden der Verfassung und den Prinzipien des fortgeschrittensten Liberalimus huldigend, hat als seine Aufgabe erkannt: Die geistigen und materiellen Jntressen unserem Glaubensgenossen im Kronlande zu fördern, sie über ihre konstitutionellen Rechte und Pflichten dem Staate und den einzelnen Mitbürgern gegenüber aufzuklärcn, ihr Selbstbewußtsein und ihren Gemeinsinn zu wecken und zu heben, und sic zur rege» Theilnahme an allen, das Gemeinwohl betreffenden Fragen und Institutionen anzuspornen. „II. Der Verein wird feilt Augenmerk hauptsächlich ans die Belehrung, Heranbildung und sittliche Veredlung des Volkes richten." „111. Auch wird der Verein c» als seine Pflicht erachten, die israelitische Bevölkerung aus die Nothwendigkeit der Erlernung der polnischen Sprache als Landessprache hinzuweisen, und den Eifer dafür zu fördern." „IV. Zur Erreichung oieser Ziele wird der Verein auf seine Kosten eine Zeitschrift heraus geben und sich dabei, um den vorhandenen und nicht wegzuleugnenden Sprachvrrhältniffen Rechnung zu tragen, und fein öffentliches Organ allen Schichten der israelitischen Bevölkerung zugänglich zu machen, der dem jüdischen Jargon verwandten, populären deutschen Sprache in hebräischen Lettern bedienen." „ Wir richten nnn nach der offenen Darlegung unseres Strebenau die intelligenten Glauben»- gesoffen die herzliche Bitte, dem Vereine zahlreich beizutrrten, um ihm dadurch die materiellen Mittel z» seinem Gedeihen und ersprießlichen Wirken, sowie ein reichhaltige» Mittel ftir dir zu erscheinend« Zuschrift zu verschuffmi Wir grd« d«- ,>.0 j* & iju bei der berechtigten Hoffnung Raum, daß ein Appel an dm Wohllhätigkeit»- und »Gemeinsinn unserer Glaubensgenossen vom besten Erfolge gekrönt sein werde." Berlin. Die preußische vvrberathende Commiffion zur Aufstellung eineim ganzen Nordbunde-gebittc einzufüh, renden Strafrechthat, wie schon amtlich im Reichstage mitgethcilt. ihre Arbeiten bald beendet. Ein eigenthümlicher Zufall i|t cs, daß sie aus einem Protestanten, einem K.atholiten und einem Juden besteht. — Wigger- Hat einen, die vollste Gleichberechtigung der cvnfeffionellen in bürgerlichen und staatsbürgerlichen Beziehung, betreffenden Gcsez.ntwurs dem Reichstage zur Befchlußnahme übergeben. — Bon Seiten des Beth Hamidrafch-Borstande» wurde ein Beschluß von großer Tragweite gefaßt. Herr Rabb. Dr. .Hild eshcimer in Eiseustadt wurde zum Direktor deS hiesigcu Beth Hamidrasch erwählt. Unter seiner Teilung soll ein Rabbiner-Seminar am hiesigen Platze gegründet werden. Es wird ferner eine orthodoxe ReligionSgescllschafl nach dem Beispiele von Frankfurt a. M. und Mai»; inS Leben gerufen. Auch au dieser soll Herr Dr. Hildesheimer als Rabbiner fungiren; ihm wird noch ein anderer Rabbiner zur Seite stehen; man reflectirt für diesen Posten auf Herrn Landrabdincr Dr. E o h n in Meklcnburg- Schwerin. Wird der edle und um das Jndenthum hochverdiente Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer diesen Posten annehmen, so ist in Berlin eine Wendung der religiösen Dinge zum Bessern zu erwarten, und Herr Aub möge dann zum Rückzug blasen. BreSlau. Herr Earo wurde zum ordentlichen Profeffor an der hiesigen Universität angestellt. Er ist der erste Jude der in Preußen eine solche Stellung erhielt^ (Hamagid.) Kassel, 11. Mai. „Heute feierte hier Herr Reunert das seltene Fest des leisten Geburtstages. Unter den Gratulanten befand sich auch der König von Preußen, ferner der Oberpräsident der Provinz, der Stadtrath x durch Zuschriften vertreten; die Königin sandte eine Tasse mit dem Porträt des Königs, der israelitische Verein für Krankenpflege, dessen Vorsteher Hei? Reunert noch heute ist, erschien mit einem großen silbernen Pokal. Durch ihr Erscheinen am Festtage aus Leeds in England und Hamburg erhöhtcn drei Kinder des muntern Greises ihm die Festfreude. Er selbst hat sich heute ein dankbares Andenken im Herzen der Bürger Kassels gesetzt, indem er 100 Thlr. für israelitische und IM Thlr. für christliche Arme der Stadt Kaffel schenkte und zur Vertheilung übergab; weitere 100 Thaler erhielt der Verein snr Krankenpflege. (Jsr.) PariS. Der hier erscheinende „Univ. Jsr." spricht sich über das in der neuen Gcmeindcsynagoge zn Berlin stattgehabte Eonccrt folgendermaßen auö: „Wir erstaunen nicht so sehr über diese Thatsache. Als unsere Synagogen überall noch wahre Heiligthümer waren, in denen man wahre Diener Gottes treue Fromme, unerschütterliche Gläubige sah, m welchen man nur die göttlichen Gesänge in der heiligen Sprache von Sinai hörte, wo man den Schlag deS isr. Herzens und der Seele fühlte, wo in allen Blicken und in allen Kundgebungen der Gemeinde die Gegenwart Gottes hervorstrahlte— ja damals hätte Keiner auch nur au die Möglichkeit einer solchen Entweihung gedacht. Aber heute — ist es da zum Erstaunen, daß man einen Tempel nicht mehr achtet, in welchem Reformrabbiner abscheuliche Lehren predigen, in welchem die heiligen Gebete unserer Vorfahren anSgelaffrn oder verstümmelt werden, in welcher Gebräuche, Gesänge und Insttumente anderer Eulte immer mehr und mehr die Eigenthümlichkeiten und die alten Traditionen verdrängen und wo endlich der reine und göttliche isr. Eharakter entstellt und zu Boden getreten wird? Dieser Tempel kann, da er alles das verloren, wa» ihn ehrwürdig machen würde, leicht cm C^ncertLaal, Schauspielhaus und selbst Tanzsaal «erdAi! Da Alan dies in demselben gethan, zeigt man deutlich, wa» man alleda machen kann, und »aß da» Gebäude diese» EnltuS kein i»r. Hriligthn». ist. Da» ist triue Gntwrchkmg «4c.* —- Herr IRfNb Km*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.