Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 11 (1.6.1869)
- Date
- 1869-06-01
- Page
- Seite 107 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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107 Beilage zu Xr. 11 dcr Gegenwart^!verräth, jede Halbheit vermeidet, und Gründlichkeit zur Be- 'dingnng seiner wissenschaftlichen Existenz macht. Dem Werk selbst, geht ein Vorwort des Verfassers voraus, in welchem er für eine Präparandie für Sludirende der jüdischen Theo« logie plaidirt. Den Schluß des Buckes bildet dcr zweite Bericht über die Talmud-Thora-Schule zu Prag, der den Stand derselben bis 180 j schildert und im Ganzen n ichtS Wesentliches bietet. Nekrologie. Michael S. Teller, Fabrik- und Rcalitätenbesitzer, Prager Kanfmann. Ehrenbürger der k. k. Bergstadt Gang, Mitglied der k. k. patriotisch-ölonom. Gesellschaft im Königreiche Böhmen und vieler gemeinnützigen Vereine und Wohlthätigkeitsanstalten, etc. gest. am 28. Mai 1869 (Zivan 5629) im 66. Lebensjahre. Wenn es je ein Mann verdient hatte, ihm einen Nachruf ׳u widmen, so ist es gewiß Herr Michael B^ Teiler, der bereits Sonntag unter einem überaus großen Trauergcleite der ewigen Ruhestätte übergeben wurde, «ich von der Stufe materieller Mittelmäßigkeit hinauf zu jener eines sehr bedeutenden ReichthumcS geschwungen, ist sich Michael Teller in seinem Charakter, in seiner Gottesfurcht und seincm leutseligen Bcnchincn gleich geblieben; nicht die irdischen Glücksgütcr, von denen er gesegnet war, waren im Stande ihn von seinem schon in frühester Jugend eingeschlagenen Weg abznlcnken; er wurde je reicher, desto oeschcidcner, desto herablassender. Mit dem Dahingeschlcdcnen, von dem man mit Recht sagen kann, er wandelte den Weg des Gerechten, ging ein Stück der guten alten Zeit zu Grabe, jene Zeit wo das Judcnthum noch im schimmernden Glanze war, wo die Reichen noch nicht wußten, daß die Religion und der Glaube nur für die Armen gehören, der Reiche Dispens erhalte. Gleich als Mensch, wie als Kaufmann, als Bürger, wie als Jude war er ausgezeichnet, und sein rastloses Streben in seinem Berufe, seine wahren Bürgerlugenden und sein starres Festhalten an seinem Glauben und dessen Traditionen können Epigonen als Muster dienen. Aber nicht nur diesen Richtungen wußte der nun verewigte Michael Teller Rechnung zu tragen, er war überall bei der Hand, wo man seines RathcS bedurfte, überall hilfreich zur Seite, wo Jammer und Elend ihre Stimme hören ließen und letzteres in einer Weise, wie sie unseren modernen Reichen am wenigsten eigen ist. Nicht Zeitungsblütter^ melbeten von seinem WohlthätigkeitSsinne, er gav im «tillen mehr als jene unter rauschendem Befall, er trocknete Thräneu der Arniuth, stillte den Hun. r darbender Familien, nährte mit seiner Hilfe den Geist ui-:erdrückter armer Jugend, ließ Niemanden schmachten, von der!• er nur Kund< actum, spendete am Altäre armer Bräute edle Gaben uu!׳ olcß alles verborgen in den Schlupfwinkeln seiner Bcj-.,.ldcuhcit. Aber nicht nur mit diesen Tugenden, die seinem Herzen cm• strömten, wußte er dem höchsten zu dienen, in dessen Heiligthümer brachte er weihevolle Geschenke zur Zierde des Tempels, zum Schmucke dessen innerer Nä..me. Gegenüber der Außenwelt war er ein seltenes Muster; Verlräglichtcil Aufrichtigkeit und Geradheit wußten ihm die vollste Achtung zu verschaffen. In Kuttenberg, wo noch vor 18 Jahren kein Jude übernachten durfte, war er ohne durch feine Prachtbauten und unübersehbare Felderstrecken Scherllsüchtigkeit hervorzurufen, geliebt und geehrt, und nur ihm ist die Errichtung einer Synagoge, in jener Stadt, wo sonst der Jude derpöhnt war, zu danken, ihm können und werden gewiß die christlichen Mitbürger dieser Stadt Opfer- Willigkeit und WohlthätigkeitSsinn nachrühmen. Seine Bescheidenheit kannte keine Grenzen, so daß ihm Ehrsucyt vollkommen ferne war; Auszeichnungen, Adel und sonstige Ehrenstellenjägerei lagen nicht in dem Bereich seiner Noth- 1 Wendigkeit, die er auch bei seinem Seelenadel nickt nöthig hatte. Michael Teller war in seiner Art eine Eharoktergrößt und jene elegante Tournüre, die man heute bei der fashionable» Welt findet, und die man gleich bei jedem neu gcborncn ErösuS sucht, zeigte sich wohl weniger in den SalonS und m» Schanspielhanse, sic hatte ihren verborgenen Sitz im Herzen. Michael Teller war eine Zierde der prager Israeliten Gemeinde, die an ihn eines ihrer edelsten und biedersten Mitglieder verloren hat und emc Wirft• cm- Pfinden wird, die nicht so leicht und würdig ausgefülll werden kann. Nun ruht der Dahingeschiedenc, beweint von seincr wacker», biedern, wohllhätigen Gattin, von seiner Fa milie. betrauert von seinen Freunden, von seinen GlanbenS - genossen, im düsternGrabr, das befeuchtet von den Thränen, die die Armen und leidenden ob dessen vergießen, zu dem ihre Stimme immer erfolgreich gerufen, llud so möge der Perklärte, dessen edle Thätcn ein Monument bilden dauernder als Marmor, in seiner lebten Stätte neben feinen braven Töchtern, die ihm im Tode vorangegangen, ruhen, lnhen im Frieden! — Amen! Berichtigung: Beilage Ar. tu der ״Gegenwart" zur Ethymologir des Wortes רססדין in der Ncbcrsetzimg שרות הדשיס sollte cs heißen ״die Aaincn der Monate als: ניסן, סיץ, הרד n. dg!, denn früher wurden fic mir bezeichnet mit ,חדש יאשון שד Obwohl wir auch Nildeil ־ד■ ויד. יי־ דאיתדס" diesi m■ ren jedoch keine Namen nach der Auslegnmz des DtlmndS ״!losch haschana 1\ 11. *2; a“ Dr. A. Aaber. Bricfkastcn drr Nc-aktiail. Herrn 4l. K. in B. Der t.-inindüch Gel'ildeie 1v!e> die Weglassung der betreffenden Eitate wissen, für den Laien Hab.׳» sie keinen Wert.— Herrn A. St. in U. Wir sind gewohnt einen ielbstständiae» Standpunkt rinzunehmen; und vorschreiben Innen namentlich i» einer Weüe wie Sie rS thun, klingt uns komisch, übrigens ist cs n»S unbegreiftich. das, Sir sich berauSnehmen. uns zu hosmeist.rn, nachdem sie Ihre Grenze, die Ihnen um die jüdische Schuljugend in II. geze 1en. n'nrschrittcn. Dro- Hungen mit Ihrem Einsiune aut -lbonnenie» lassen wir ganz ׳ »big über nns ergehen. Wer abonniren will, üt der Administration willkommen, wer nicht, wird nicht darüber gesoner!. — 2cm Anoi.vmns M. S. SlMMMe Luschrisicu bleiben unberücksichtigt. -- I>r. M. in Ad. Wir bedauern Ihre Arbeit nicht benützen zu könne». — Herrn R. in Prag. Sie fragen uns »m Nath, ob Sie gegen die siitlnSsteuer rekuriren tollen, wir können» so dienstfertig wir »ns sonst gerne zeigen, Ihnen mir vom humanistischen Standtpunkie ans ratben zu rahlen: denn ei »er VersorgnngSanstalt als die ich dao Amt in der VeleleSgasie bc'racht e Unlcrstütziing ent;icbe», hrisit gegen das H >m.r:׳i:ä'<'ge׳iih' ״ä idii'n. Briefkasten der A-ministration. Herrn Lin Br. Snmmtlichc Abomiemeiits für Ihre S tadt bereit vorgemerkt. — 20 eben ist im Selbstverläge des Verfassers nnd in Lonnniffion bei Wolf ^aslhelkS si׳ wie bei F. W. 'Kascheles Prag erschienen Gebete znm Gebrauche für die 1fr. Bolk- Iugend ühcrtel't von h. Lederer. Aeligionslehrcr Gger. JIO ki*. e>. Wr. Für den Unterricht im Uibersctzcn der Gebete durste das Büchicin einen längst gehegten Wnnschc ciitsprcchcn. Es sind die für die Volksschule »othwendigsten Gebetstücke, nehen einander geordnet und neben jedes Wort die dcutsche Uibersctzung gestellt. Die angesügten ^Lrüsstsssltllen zum ^fentlieuch. so Wik eine Anleitung »um Ultterrichtc dcr, Bibel iin Urtqtc dürften vorzüglich jüngeren Lehrern als eine willkoinmene Iugabc erscheinen.