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Die Gegenwart · 1869-06-01 · 11 (1.6.1869) · p. Seite 104

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
11 (1.6.1869)
Date
1869-06-01
Page
Seite 104 (sequence 6)
Language
German
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J - 104 vor sich. Da wir jedoch voraussetzen müssen, daß dit Bilanz eine ehrliche ist, so dürste der Grund darin, daß wegen der im Detail anzuführenden Geldvorschüsse an die Funktionäre eine Specifiicirung unthunlich wäre, gefunden sein. %* Die CultuS-Gememdc Verwaltung hat beschlossen die von dem Borstande der Beerdigung« - Brüderschaft festgesetzte »ach tz der Statuten;u erfolgende Hcrabmindcrung von per 7* , auf 20*, zu erhöhen. %* lStcrbcfall) Am 23. v. M. verstarb der ob seines biedern und frommen Lebenswandels sehr geachtete Herr Joses MiSlap (Schochel» im ^t. Lebensjahre. An dessen Bahre hat Herr Jnstitntsinhaber Joses Kisch ein Lchwicgcrsohn de? Verstorbenen in höchst sinniger Weise ergreifende Worte gesprochen, die aus das religiöse Leben und die Gittcrgebcnheit des Dahingcschiedcnen Bezug hatten. — Am ' . v. M. schied Herr Ezechiel Wchli aus der Mitte sciine Gemeinde, der er angchörtc und bei der er sich der vollsten Achtung erfreute. An dessen Bahre sprach Sr. Ehrwürden Herr I)r. Hoff eine ergreifende Trauerrede. V* 3nbtni jüngst erschienenen Suplcmentbande des neuen deutschen HauSschatzcs von H. I Landau schildert der Herausgeber in einer Saphir'schcn Episode das einst in der Blnthe gestandene pragcr jüdische patriarchalische Leben und kommt unter anderen ans die heutigen Zustände in der prager Israeliten Gemeinde und auf deren gegenwärtige jüdische Bcrtrclung folgender Weise zu sprechen : Freilich, heute ist cS anders, heute haben wir i» Prag nur Juden dem Namen nach, und was sehr traurig bei dieser Sache ist: daß eine der schönsten, ja man kann sagen heiligsten Ei> gcnthnmlichkcitcn der isracliuschen Nation, und um die sic sogar von anderen Nationen beneidet wurde, wir meinen das Familien-Lkbeu, das enge Zusammenhalten aller Familien- Mitglieder fast gänzlich ,.untergraben" wurde. Ucberhaupt ein eigentliches ..Judcnthum" gibt es nunmehr in Prag nickt, und dieses ist leicht erklärlich, wenn man das Factum in Betracht zieht, daß die Pragcr Judcngemcindc .Vertreter" des JudenthumS in ihrer Mitte zählt, die bei allem ihren Wissen, bei aller ihrer sogenannten „Aufklärung" nicht im Stande sind, auch nur ein zweizeiliges Gebet in hebräischer Sprache zu verrichten, und in Folge dessen, wie selbstverständlich, noch weniger befähigt sind, ein einziges Eapitcl des alte» Testamentes — des Grundpfeilers des Judcnthums — im Urtexte zu lesen oder gar zu verstehen. Welche religiöse Wirksamkeit solche Männer für daS Judcnthum und seine Interessen entwickeln können, ist leicht und passend dadurch zu bezeichnen, wenn mau ihnen das Prädicat: t h a ts ä ch l i ch e B c r- Treter der israelitischen Religion in Prag beilegt.*) %* ,An die Adresse der Leipriger Synode) Als vor vielen Jahren in Braunschwcig r, e Synode scl. Andenkens tagten erging von den EiUrk: rciicurs unter Anderen auch an den gelehrten Rabbi S. V. Ran nart dieEinladi 'g, derselben beizuwohncn. Dieser, dessen seeughrit stets n:usterh<rft war, wusste der Einladung mit nichts Andel ei:: entgegcuzukommen als mit i: tun recht sinnigen Vergleich a: S der Baukunst. Wenn, meinte der 'charffinnige Gelehrte, ein prachtvolles Gebäude anfgct'nlnt werden soll, pflegt man die ersten Architetten zusammen; irnfen, um über de» projrktirtrn Bau zu tonseriren, wenn es sich jedoch darum handelt. rin Gebäude niedcrzureißeu, bedient man sich nur der schlichtesten Tagwrrker. Da aber eine Synode zum Einreißen dient, so müsse er auf die Rolle eines TagwerkerS verrichten. •) XrL^naufqtl'fr HrLandau. bot sich bemüht, in kurzen Umrißen den 0snft )u ichltdeiu, der die Clult ©tun; fnoaUuufl belebt mid er möge die Ber^ 'uug hinuchmr», iusolange t'ondtag, Siadtvertreiung, Adn.' Handelskammer, Eskompiebank bestche«, insolange Aussjeichnuugen- »orhaudr« find, tnfotangc werden dies« tsenetttische» Rcktgi,» für da« JndenthtNu ^brgeistM ... *»* Frau Sara Austerlitz widmete bei ihren Lebzeitm für ihren Enkel (Dkorimilian Schalek) zu dessen Confirmation einen kostbaren Seidenstoff zur Anfertigung eines Vorhanges filr die Bundeslade in der Frankl'schcn FundattonSsynagogc, der als ein geschmackvolles Ornament derselben nun von den Eltern des Knaben übergeben wurde. V Vorgestern fand das Leichenbegängnis des FabrikSnnd RealitätenbesitzerS Herrn M. B. Teller statt und gestaltete sich, was die nngcheucre Theilnahme betrifft, zu einein imposanten Lejchenzngc. Schon Um 3 Uhr N. M. war der isr. Badhvf von Menschen förmlich übersät, um 4 Uhr bewegte sich unter Borantritt der Waisenknaben, der Schüler der nieder» Talmud-Thora Schule und der Fabriksarbeiter der vierspännige Gallaleichcnwagen umrahmt von einem Theilc der großen Hofsynagoge - Mitglieder durch die Josefstadt, altstädtcr Ring, Eisengasse, Graben und Roßmarkt zum Roßthore. Im Traucrgclcitc befanden sich eine Deputation dcS Kuttenberger StadtratheS, das FabrickSpcrsonal, Honoratioren der Großindustrie und dem HandclSslandc angehörig größtcntheilS christlicher Eonfeffion, nur die jüdischen Großen (wenn mau sic so nennen kann) glänzten gleich dem Vorsitzenden der isr. CultuS Gemeinde - Verwaltung sammt feinem Stellvertreter und sonstigen Anhänge, durch ihre Abwesenheit.*) Der Verstorbene gehörte keiner politischen Partei an, doch war es immer sein Wunsch mit der Bevölkerung ohne Unterschied der Nationalität im besten Einklänge zu leben. Den Trauerzug schlossen fünfzig Wagen. Um 3 4 0 langte der Leichenwagen ain Gottesacker in Wolschan an, wo die Leiche aufgebahrt, und von dem christlichen FabrickSpcrsonalc, daS ihren Chef geliebt und geachtet, zu einer bestimmten Stelle getragen wurde. Hierauf wurde die Leiche in das kühle Grab gesenkt, um daselbst in Ewigkeit zu ruhen. Im israel. Badhofe und in Wolschan wurden Leichenreden gehalten.? Auswärtiges. Nnterzettno. Vor Kurzem schied auS der hiesigen Gemeinde der hier durch 4% Jahre als Lehrer und Cantor angestclltc Herr Eduard Fantl um in Kladno einen andern Wirkungskreis anzutretcn. Er hat sich in Unterzettno in den Herzen aller Schüler ein Denkmal ungetheiltcr Hochachtung und Dankbarkeit gegründet. Wir». Die neue freie Presse läßt sich von Pest aus den 23. Mai schreiben. Wie gegen die Deutschen, so hetzen auch gegcu die Inden keine Blätter eifriger als die officicllcn und officiöscn Organe der Regierung. Wie wenig selbst die aufgeklärtesten Deakistcu die Israeliten als gleichberechtigt anerkennen, beweist der Umstand, daß der einzige israelitische Abgeordnete seitens feiner Partei auf alle mögliche Weise bearbeitet wird, damit er bei der Adrcßdebattc das Wort ergreife. Die Partei sieht in Herrn Wahrmann nicht den Ungarn, nicht den Deputirtcu, nur den Juden, die sie als Musterjudcn für die Gewinnung der israelitischen Wähler möchte figuriren lassen. Es zeugt von einem großen Fortschritte, den die Jttdcnhcit seit dem isr. Eongresse vollbracht hat, daß Wahrmann sich zu der Eomödic nicht hergibt. Eduard Horn hatte kaum den ungarischen Boden be-" treten als das officiöse Witzblatt ihn in infamster Weise earikirte, namentlich bemüht war, den israelitischen TypuS recht grell hervorzuhebcn. Unsere Regierungsmänner stehen *) Der Verstorbene, einst kelbst Mitglied der isr. <£. ®. Verwaltung war da« höchst Sesteuttte Miigllrd in der Gemetnde, welche« 125 fl^ Enltu». und SS fl. Anschlußsteuer;ahlle, der Talmud- Thora Schuld vor eiuigm Jahre« «in Geschenk von tausend Gulden machte und allen in der Israeliten-Gem^qbr dtfleheii.de« Beretmu angehSrte. _••• . t®. **)

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