Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 11 (1.6.1869)
- Date
- 1869-06-01
- Page
- Seite 103 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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103 I ► I mittler zwischen Reform und Orthodoxie folgendes große« Wort gelaffeu au«: „Die Bestrebungen der Fortschritt«, freunde gehen nicht dahin, die hehren Wahrheiten der Reli« -ion irgendwie anzutasten, sie wollen bloß die Formen, (?) in denen diese Wahrheiten geboten werden, in denen dieselben zum Borschein kommmen,*) — die aber mit dem Wesen der Religion nicht« gemein haben (?!) — veredeln und dem geläuterten Sstethischen Geschmacke der Zeit anpassen, und die« nur imJnteresse der Religion selbst."— Wie, liebster Herr Doktorand der Philosophie, also die Herren Geiger, Aub, Philippson und Consorten wollen eigentlich da« Iudenthum nicht unterwühlen, die jüdische Religion nicht lächerlich machen, soudern bloß ein wenig Aestethik in da« jüdische Gemeindeleben verpflanzen?! Also, liebster großer Maun und Doktorand der Philo, sophie Ihnen gefallen bloß die unästetischen jüdisch»polnischen Gebete, die abstrusen Iudmbärte, die veralteten Judenhosen und „Stramelhüte" nicht? — O, auch die« ist nicht der Fall! denn auf derselben Seite Ihrer Schrift belehren Sie un«, unsterblicher Mensch.folgendermaßen: „Bor einigen (l!) 100 Jahren mögen manche noch bestehende Formen recht zeitgemäß gewesen sein, in unser heutige-, erleuchtete«.**) fortgeschrittenes Jahrhundert reichen sie aber, wie ein Stück Mittelalter hinein, und statt dem Wesen, der Religion zu nützen, — was doch einzig und allein Zweck und Bestim» mung der Formen, der Zeremonien***) ist—schaden sie derselben, indem sie un« in den Augen der Außenwelt****) lä. cherlich machen. Wenn dieß jeder Jude einsehen und gleichmäßig erstreben wird, so sind wir Alle gleich, mäßig orthodox und gleichmäßig sortschrittSfreundlich und unsere erhabene Religion gelangt dabei zu Ehren." Ist nicht der Sinn —wenn man über« Haupt aus diesem confusen Unsinn irgend einen Sinn herauszubringen vermag — dieser Sätze augenscheinlich der: da« ganze rituelle und kultuelle Iudenthum sei in diesem unserem „heutigen, erleuchteten uud fortgeschrittenen Jahrhundert" ein überwundener Standpunkt? Also: die Ccrcmonien unserer heiligen Religion „machen un« nur in den Augen der Außenwelt lä. cherlich i Und durch die Verwerfung der Ccrcmonien und Formen, d. h. durch das Aufgeben de« JudenthnmcS würden wir, wie Sie, bewunderungswürdiger Mensch be. haupten, Alle gleichmäßig orthodox, und gleichmäßig fortschrittsfreundlich und unsere erhabene Religion gelangte dabei zu Ehren?"-Als wir diese Ansichten des Hru. Fr. lasen, da riefen wir unwillkührlich mit Schiller aus: War' der Gedanke nicht so verwünscht gescheut, man war' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen!" Das war also der langen Rede kurzer Sinn: unter der Maske der Vermittelung zwischen Reform und Orthodoxie bestrebt sich der Herr Doktorand der Philosophie gegen das traditionelle Iudenthum zu geifern und zu wühlen! Und doch wagt cs noch dieser Mann der goldenen Mitte" sich als warmer Anhänger unserer „erhabenen" Reli. gion zu gertreu!? He, v Fr. scheint MaimuniS: Hilchoth Tefchuwah 6. HI. 8 w rgessen zu haben. Zum Schlüsse nc^i eine Bemerkung. Wir würdm die uns vorliegende Broschüre, wie so riele andere Machwerke, die un« unser Verleger zusendet und die den Weg in den— Papierkorb machen, völlig ignorirt haben, spräche nicht darin der jugendliche Verfasser — er sagt, er wäre erst 22 Jahre alt — über die fromme aufrichtig orthodoxe Partei .*) Würde Herr Fr. dir Etldung rine« Trrtianrr» haben, so müßt er wissen, daß diese Tautologie eben nicht gelungen ist. **) 3a, natürlich! unser Jahrhundert schreitet mit Dampfe«,- ode besser gesagt Belocipedm-Ärschwindigkrit fort; riä« «. ,. die Armstron «anouen. Züudnadelaewrhr, Drepse, circa 2 Million« am Lchlach! lklde htugeschlachttt« Menschenkinder «. s. ». u. s. w. v 8t* schreibt beharrlich Lrrrmonien! A *** ) Die jüdische Religio» braucht auf ble lußeuwett »echt t» «hrtugstr» Rücksicht zu »chmeu l Oder sa» ß. sich «r mit der jede« »«ID» «etamärphoseiu berModr,leichs«»H«gch»ttr,fI mit einer bübischen Frechheit, di« der ernstesten Zachtiguuß bedarf. Uibrigen« ersuchen wir Herrn Fr. durch diese unsere Kritik sich in seiner Skriblerei nicht stören zu lassen; s»llte selbst hierdurch das schlimme Prognostikon Bürger« in Erfüllung gehen: , Vor Feuersgluth vor Waffernoth Mag sicher fort der Erdball rücken. Wenn noch rin Untergang ihm droht. So wird er in Papier ersticken! Breslau, den 12. Mai. Adolph Lshllt. Localer. *** Die h. k. k. Statthaltcrei hat bereits den von 180 Petenten, wider die Erledigung der Lultus-Gemeinde- Verwaltung ddato 2. April l. I. ein gebrachten Rekurs erledigt. Wir lassen hier die Erledigung im AuSzuge folgen: Den Fremden nach Prag nicht zuständigen Israeliten wird, wenn dieselben zu den Gemeinde-Auslagen einen direkten Beitrag von fünf Gulden leisten, das aktive und passive Wahlrecht eingeräumt 2. Bei den Wahlen, welche für die Dauer von vier Jahren zu gelten haben, hat die absolute Stimmenmehrheit Platz zu greifen und 3. an die Stelle de- Systems der Ersatzmänner hat das System der alle zwei Jahre, wenn nöthig aber auch außer dieser Ordnung vorzunehmende Ergänzungswahlen zu treten, mit dem Beifügen, daß die Eintheilung der Wahlberechtigten in drei Wahlkörper nach Maßgabe der CultuS-Gemeindeausgaben so wie die Vornahme der Wahl an drei verschiedenen Tagen bestehe. — Die von der h. k. k. Statthaltcrei erwirkte Theilnahme der Fremden in Prag doinicilircnden CultuSsteuerzahler, so wie der Wegfall der Ersatzmänner sind dem Gesuche der 180 Gemeindemitglieder zu danken. *** DaS aus der am 4^ April ftattgehabten Wählerversammlung hervorgegangene Wahlkomite hat in seiner letzten Sitzung am 27. Mai nach Verlesung der Rekurserledigung den gestellten Antrag der Einstellung der Thätigkcit, hierauf eine den Wählern gegenüber schriftlich abgegebene Erklärung, in den TagcSblättern zu veröffentlichen, zum Beschluß erhoben, und sich aufgelöst. Die vorhandenen Geldbeträge werden in der böhmischen Sparkassa dcponirt. Ohne sich etwaigen Illusionen hinzugrbcn, hat das Comite, Angesichts des Wahlmodus, der die Wahlen der drei Wahlgruppen an verschiedenen Tagen bestimmt, jede Mühe, thatkräftige Männer, die eS mit der Sache ehrlich meinen, als Candivatcn aufzustellen, vergeblich gefunden, weil jene Herren, die sich nach eigener schriftlichen Aeußerung ihren Ehrensitz sichern wollen, kein Mittel schenen, sich zu behaupten, al« handle es sich um eine Präsidentenstelle in den vereinigten Staaten Amerikas. Die Herren mögen auf ihrem Ehrmsitz fortsitzen, doch frägt eS sich, waS vor Allem zu einem Ehrensitz gehört. *** Dem allerliebsten in diesen Blättern schon genannten AnltSschreiber der isr. CultuS-Gemeinde-Berwaltung möge in seinem eigenen Interesse gut gerathen sein, sich den Parteien gegenüber etwa« höflicher zu benehmen, da. mit er künftig wisse, wie man ehrenhaften Männern, auch wenn sie nicht so glücklich, für tausend Gulden müßig zu gehen, und angewiesen sind, sich um eine RabbinatSaktuarstelle zu bewerben, begegnen soll. Auch dieser AmtSschreiber mag auf seinem Ehrensitz verbleiben, dem sich die andern Ehrensitze würdig anreihrn. %* €« ist anstatt de« gewünschten Ausweise« der Beerdigungs-Brüderschaft pro 1868 ein Auszug ans t B' lanz derselben erschienen, au» dessen lakonischer gerade so klug wirb, als hätte «Mi «tu leeres