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Die Gegenwart · 1869-05-15 · 10 (15.5.1869) · p. Seite 96

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
10 (15.5.1869)
Date
1869-05-15
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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I 90 Lindern den höheren Unterricht zu verschaffen, liegt eben wie der an ihrem Fleiße und ihre Thätigkeit. — Die (Gesellschaft zur -Ermunterung der griechischen Studien in Frankreich hat eine Belohnung von 100(1 Frcs dem Hrn. Heinrich Weil, Professor der schönen Wissenschaften in Bcsan^on wegen seiner Herausgabe der sieben Tragödien von Euripcdes ertheilt. — In S^ft* wird im Monate Mai eine Ausstellung von künstlerischen und industriellen Arbeiten stattfinden. Der Präsident de- EomiteS ist Hr. Israel Arlon. — In Venedig wurde eine (Gesellschaft von Schiffern sehr bedeutend an Anzahl konstituirt, Präsident davon ist Herr Dr. Alfred Erera. — Bei der Verchlichung des Hrn. Euriel, Redakteur des „(lorrierv israeliticow mit Fräulein Dkorpurgo in Triest wurde eine Broschüre unter dem Titel „Wünscheund Grundsätze" als politische Erinnerung in neun Sprachen herausgcgcben; nämlich: hebräisch; chaldäisch, italienisch, lateinisch, französisch englisch, deutsch, spanisch und griechisch. Vom Lüchertische. Offenes Billct-Doux an den berühmten Hcpp-Hcpp-Schreier und Iudcn-Freffer Herrn Wilhelm Richard Wagner von E. M. Oettinger. Dresden. Verlag von Wolf's Buchhandlung 1869. Unter den vielen Broschüren, die wie Pilze auS dem Goden Deutschlands hcrvorschoffen, um über Richard Wagners schmähliches Pamphlet die Geißel zu schwingen, ist die Eduard Maria OettingerS als eine der besten zu vcrzeichnen- Mit bewunderungswürdiger Schlagfcrtigkcit und feinem Witze der an die beißende Satyre streift, kämpft der geistreiche Schriftsteller mit offenem Visir ohne Pseudonym, in einer Weise, wie sie nur geeignet ist, dem NeideSblassen Tonküusiler die Schamröthe ins Gesicht zu treiben. Höchst intereffant ist die Introduktion, mit der er den Federkrieg eröffnet und betont, daß er von Geburt ein Jude, nur darum katholischer Ehrist geworden war, um das Siecht zu haben, ungefährdet Jude bleiben zu dürfen. In de» Worten, mit denen er Wagner apostrophirt: Sie hassen. Sie verabscheuen die Inden! Aber warum hassen Sie sic? Aber warum bechimpfen Sic sic? Doch einzig und allein nur deshalb, weil ie bessere Musik machen, wie Sic, weil sie mehr urprünglicheS Talent, mehr naturwüchsiges Genie und nebenbei leider auch mehr Geld als Sie, Herr Wagner, haben — liegt OettingerS Begeisterung für's Judenthum, liegt sein unbefangenes, offenes Urthcil »nd seine Erbitterung ob drS CynismuS eines Mannes, den Ehrgeitz und Eitelkeit dazu treiben, riuc Ration anzugrcifen, bei der es, wie die Geschichte lehrt, oft Völkern nicht gelungen ist, ihrem Fanatismus Vitft zu machen. Durch diese geistreiche Broschüre zieht sich ein feuriger Faden, der in seiner orientalischen Gluth, zündenden Witz bietet, aber dennoch nicht zur Erwärmung eines Wagner'schen Gemüthes beitragen kann. Wir empfehlen bei vorkommenden Aufführungen der Tann- Häuser, Lvhcngrin u. s. w. die Broschüre als ein interessantes Textbuch. — B — Offener Brief eines Juden an Herrn Professor I)r. Virchow von D. Cassel. Berlin LouiS Grrseiiel Verlagsbuchhandlung 1KG9. In der Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge, von Rud. Virchov und v. Holtzendorf, citirt der berühmte Pathaloge und Anatome Professor Virchov in der Anmerkung 1 zu dem von ihm rdirtcn Vortrage r „lieber Hospitäler und Lazarethe" daß so wenig die Römer als die Griechen oder Juden eine Humanitätsanstalt besaßen. welche unseren Krankenhäusern irgendwie zu vergleichen gewesen wäre und daß erst das Christenthum aus diesen Hospitälern Krankenhäuser gemacht." — „Historisch ist cS," bemerkt der große Anatome, „daß die Juden, so lange sie einen Staat bildeten, keine Hospitäler gehabt haben, wedet für sich noch weniger für Fremde und daß sie noch in ihrer Zerstreuung einen bestimmenden Einfluß auf die Gestaltung der Krankenpflege niemals geübt haben. In dieser Logik anatomisirt er seine aufgcstellten Diatribe bis er dahin gelangt, zu behaupt.«, „daß es de» Inden geboten war, einen Fremdling, der in Judäa wohnte, zu lieben wie sich selbst. Aß- Mos. 19, 33. 34.) aber der jüdische Staat baute sich auf Intoleranz, ja auf absoluter Ausschließlichkeit auf und das mußte er, weil er ein hierarchischer Staat war. Cr machte die Prophezeiung (5 Mos. 7, 16) wahr: „Du wirst alle Völker fressen, die der Herr dein Gott Dir geben wird, du sollst ihrer nicht schonen." Mit der ihm eigenen stilistischen Eleganz sucht der Autor des offenen Briefes Dr. D. Caffel in einer gemessenen Ruhe und einem sashionablen Takte wie sie eines Mannes Virchov würdig find, der sonst frei von Borurtheilen und Jrrthümern die Wissenschaft von mit mittelalterlichen Krusten belegten vorgefaßten Meinungen zu trennen und sie mit Nationalität und Confession nicht zu vermengen wußte, die Aussprüche dieses Gelehrtm, mit der Sach- und Fachkennntnis haarscharf zu widerlegen, so daß man in der Ansicht bestärkt sein muß, man könne wol ein großer Anatom, brauche deswegen kein Kenner der Geschichte zu sein. Und dieß gelang dem Kritiker vollkommen. Mit der genauen gründlichen Kentnis der alten Geschichte, weiß er jene Stelle Birchovs zu treffen, wo er zunächst verwundbar ist. jene Stelle — vie Geschichte nämlich — die ihm eine terra incognita zu sein scheint, mit meisterhafter Tournier weiß er die lächerlichen Attaques auf das Judcnthum und seine Religion zu pariren und alle Behauptungen, die Bibellehrc lehre einen Gott der Rache und den Geist der Unduldsamkeit, zu erstickm; mit einer nahezu großen Ueberraschung muß der Leser in dem Kritiker einen Mann Gewahr werden, der selbst auf allen Gebieten in der Geschichte eine Lokalkenntnis bekundet, sogar daß man in Versuchung käme, wenn man nicht wüßte, daß vr. Cassel bloS Philosoph, Gelehrte und Hebräist ist, zu glauben, demselben seien Pathologie und Anatomie nicht fremd. Am Schlüße der in der Thal geistreichen Broschüre hegt der Verfasser den Wunsch, der der Wissenschaft zur wahren Zierde gereichende Gelehrte Virchov, der stet« auf Seite derjenigen zu finden gewesen, welche für Freiheit und Gleichberechtigung cintreten, möge auch da, wo der Kritiker ein schärferes Wort gebraucht haben sollte, nur das eifrige Bestreben, die Wahrheit zur Anerkennung zu bringen und eingewurzelte Vorurtheile auSzurotten, erblicken. ES unterliegt gar keinem Zweifel, daß dieses Sensation erregende Sendschreiben dem geistvollen vr. Cassel die Anerkennung im vollsten Maaße sichern wird. R. Jeschurun Zeitschrift zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Haus, Gemeinde und Schule herauSgcgcbcu von Samson Raphael Hirsch Rabbiner der israelitischen ReligionSgcscllschaft zu Frankfurt a. M. Zweites Quartalheft 5029 — 1868/9. Wir begegnen in diesem Buche namentlich zweien Abhandlungen, von denen, die eine eine Kritik deS Herrn vr. Raftali Hirsch über das in einer an die wiener jüdische Gemeinde gerichteten Broschüre ausgesprochene Expose von 60 Wiener Aerzten contra die Beschneidung, enthält. Der geistvolle Kritiker citirt in einer logischen, leichtfasslichen und nur auf Wahrheiten beruhenden Darstellung, häufig Stellen auö der sechs und sechziger Broschüre und schlägt die Herren Doktoren der Heilkunst so sehr, daß viele unter ihnen den vielleicht vorhandenen Mangel an Praxis sich mit der, Heilung ihrer Wunden abgeben könnten, die ihnen der vr.

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