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Die Gegenwart · 1869-05-15 · 10 (15.5.1869) · p. Seite 95

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
10 (15.5.1869)
Date
1869-05-15
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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95 Kämpfen hatte. Er erfreute sich einer allgemeinen Achtung auch bei dm anderm Glaubensgenossen. Retz. Auch die hiesige israelitische Gemeinde hat durch 4>tn Tod einer ihrer Notabilitäten, Herrn August Dupont, früher Vorsteher der Schmiede, einen bedeutenden Verlust erlitten. Er bekleidete durch eine Reiht von Jahren mehrere bedeutende Aemter und war Mitgründer vieler Wohlthätigkeit-anstalten. Sttßbrittuuie». Sir Mose- Montefiore hat durch Bermittlung des Baron von Brunnod, ruffischen Gesandten in London, dm Fürsten ObolenS/y Gouverneur von Kowno, 100 Pfund Sterling zur Bertheilung an jüdische und christliche Armen de- Kovnoer Distriktes geschickt. — Herr und Frau BaroninLionel von Rothschild haben in ihrem Palaste Piccadilly, Sr. Exellenz den preußischen Gesandten, und die ' Gräfin Bernstoff, den Herzog und die Herzogin von Somerset, den Herzog und die Herzogin von Wellington etc. beim Diner empfangen. Tun». Die Baronin Sara Bachi ist. im 74. Lebensjahre gestorben. Padua. Herr Jacob Triefte, ausgezeichnet wegen seiner philantropischen Institute, erhielt den Orden der Krone Italiens. * Herr Löon Osimo, Rabbiner in dieser Stadt, ein wegen seiner Gelehrsamkeit und unendlicher Thätigkeit berühmter Mann starb in seinem 54. Jahre. Die isr. Gemeinde verliert in ihm einen wahren Seelenhirt, die Armen einen wahren Fürsprecher, und die Unglücklichen eine bedeutende . Stütze. Sein Testament liefert den Beweis seiner Herzlichkeit gegen seine Familie und seiner Mildthätigkeit gegm die Armen. Aueaua. Auch die hiesige Gemeinde hat durch dm Tod des Herrn Vitale Anan dm Verlust einer ihrer vornehmstm und wohlthätigsten Mitglieder zu beklagen. Palermo. Ritter vr. Gabriel Sacerdotte erhielt den Orden der Krone Italiens. Spauie». (Madrid) 150 Israeliten von Amsterdam, Abkömmlinge der hebräische» Ausgewanderten aus Spanim, dankten der provisorischen Regierung für die Zurücknahme jeneungerechten Edikte-, erklärten aber zuglnch, daß sie holländische Bürger sind, und daneue Vaterland nicht verlaffen werden. Türkei. Der Sultan beabsichtigt ein Regiment von jüd. Soldatm zu errichten; bis jetzt warm bei der türkischen Armee noch keine Juden. Amerika. (Philadelphia) Im letzten Kriege blieben viele Christm auf dem Schlachtfelde; viele von ihnen sind auf dem isr. Gottesacker bei Philadelphia begraben. Zum Andenken hat die dortige isr. Gemeinde ein prächtige- Monument errichten laffm mit der Inschrift: „Sie sind für das Vaterland gestorben." Dann folgen die Namen der Gefallenm. Cairo. Herr Grazia dio Cohen, Mitglied de- Handelsgerichtes erhielt dm Medjidj-Ordm. Persim. Der Schah von Persien hat jetzt die Bewilligung zur ersten Eisenbahn in seinem Staate ertheilt. Der Conzeffionär ist ein persischer Israelit. Luntes. — LangjährigeTradition gemäß, können in Leip. zig weder Katholiken noch Juden Professoren werden. Ein bekannter verdienstvoller Orientalist hatte zu wiederholten Malen sich um eine Professur daselbst beworben, immer vergebens. „Juden," hieß e-, können hier nicht Profeffor werden." Als neulich nun König Johann, der bekanntlich katholisch ist, in Leipzig verweilte, glaubte der Abgewiesme den König veranlaffen zu dürfen, für ihn einzutreten. „Sie sind aber Jude?" fragte der König. — „Zu.Befehl Majestät".— „Thut mir leid," sagte der König, „da geht es Jhnm grade . * (d m*r — ich würde in Leipzig auch nicht als Professor durchkommm. — Eine nicht minder paffende Antwort wurde dem König selbst vor Jahren einmal zu Theil und zwar von Ole Bull. Auf eine Aeußerung degroßen Geigernäher eingehend und vermuthend, daß Ole Bull kein Protestant sei, fragte chn der König, „aber zu welchm Bekennern zählen Sie sich den eigentlich?" — „Majestät," sagte Ole Bull und verneigte sich ehrerbietig, „zu den „Bekennern Mozart-." — Egehört nun einmal zum dou ton, daß. wenn man Magnat ist und .in dieser Eigenschaft zu Hof fährt, zwei Husaren hinten auf der Equipage stehen. Doch nicht jeder Magnat hat zwei Husaren in Pest. Graf X., der zufällig nur einen hat, glaubte diesem Mangel bei der Auffahrt zur Thronrede so abhelfen zu können, daß er sich an da- Dienstmannsinstitut wandte und von dort ein taugliche- Individuum requirirte. Die Tauglichkeit zu einem Leibhusaren ist natürlich etwasehr Relative-, und darequirirte Individuum nahm denn auch seinen Platz auf dem Wagmbrett mit aller Würde ein, als hätte es von jeher zu seiner einzigen Beschäftigung gehört, ähnliche Dienste bei Magnaten zu verrichten. Es ging auch Alles gut, bi» der Wagen in der k. Burg vorfuhr. Hier sprang der requirirte Husar, um seine Dienstbefliffenheit zu documentiren, zuerst vom Wagen und öffnete den Kutschenschlag. Wie nun Graf X. seinen Husaren sich ansieht, entdeckt er auf seinem Gesichte den unverkennbaren orientalischen Typu», und da Graf X. nicht nur sehr strenggläubig ist, sondern auch — er muß am besten wissen, weshalb? — eine vererbte Antipathie gegen das alttestamentarische Volk besitzt, soll er, wie man unberichtet, bei dieser Entdeckung ein Gesicht geschnitten haben, wie die Katze, wenn'- donnert. Ärmst unfiterotor. — Ueber den Bildungseifer der Juden brachte vor Kurzem die „Magdeburger Zeitung" einen intereffanten statistischen Nachweis. Bon den Schülern welche in Preußen (ohne die neuen Provinzen) die höheren UnterrichtSanstalten, also die Gymnasien, Progymnafien, Realschulen und höheren Bürgerschulen besuchen, sind 70, 15 pCt. evangelischer, 22,56 katholischer und 7,29 jüdischer Confession. Dagegen bilden nach der BevölkerungSzahl berechnet die Protestanten 60pCt., die Katholiken 38 pCr. und die Juden nur ein und vier Zehntel Prozent der Bevölkerung. Bei den Protestanten kommt auf 243 Köpfe (männliche Bevölkerung) ein Schüler einer höheren Unterrichtsanstalt, Bei den Katholiken kommt ei« Schüler auf 462 Köpfe, bei den Juden bereits ein Schüler auf 53 Köpfe. Auf 20 evangelische Elementarschüler fällt ein Schüler der höheren BildungSanstalten, bei den Katholiken fällt ein solcher Schüler erst aus 38 Elementarschüler, bei den Juden dagegen auf 4 Elementarschüler. Dieß sind ganz außerordentliche Verhältnisse. Wer sich über den Einfluß der Juden auf unsere politischen literärischen und wirthschaftlichen Zustände wundert, wer es nicht begreifen kann, wie eine verhältnißmäßig so kleine Zahl von Menschen eine so bedeutende Rolle auf den verschiedensten LebenSgrbietrn spielen kann, der möge sich diese Zahlen ansehen und er wird die Ursache entdeckt haben. Der Jude bemächtigt sich der Elemente des WiffenS und der Bildung durchschnittlich in einem sehr viel größer« Maße als die christlichen Confeffionen. E» mag wohl sein, daß er dabei mehr kritisch alv productiv ist, daß seine ersten Köpfe auf den Gebieten der Kunst wie der Wiffenschaft dem Tieffinne, dem Gemüthe und der Schöpferkraft des germanischen Geistenicht gleich kommen, aber an rastloser Thätigkeit an geistigen Streben, an Achtung vor der höheren Bildung, an eifriger Sorge, seine Kinder zu derselben heranzuziehen, steht er dem Christen nicht nur nicht nach, sondern er überflügelt ihn in der Regel, wie die Thatsachen lehren. Daß die Juden im Ganzen in finanziellen Verhältnissen leben, welche e» ihnen möglich mache«, ihre»

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