Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 9 (1.5.1869)
- Date
- 1869-05-01
- Page
- Seite 83 (sequence 5)
- Language
- German
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83 toci# möge der Rabbiner der großen Hofsynagoge Herr S. Rosenbcrg dienen, der bei unseren Berathnngen im vergangenen Jahre zugegen war und sich sehr warm an allem betheiligt hat, was aus der Tagesordnung gewesen ist. Sicwkrdrn cS-Mmwohl -Hegreiflich--finden,— d»ß ich - d-ie Lehrer Böhmens zu einer Berathung auffordcre, da unser Perein „israelitischer Lehrcrvcrcin in Böhmen" heißt und alS solcher von der hohen l. k. Ltatkhalrcrci bestätigt ist, und eS steht unS gesetzlich nicht die Befugnis zu, jemand anderen als PercinSmitglieder zur Versammlung auszusordern. PH. Lederer Relig'rnSlchrer in Eger vorm, in Pardub».'. Locales. Oeffentl. Sitzung-der isr. üult.-Gem.» Repräsentanz abgehalten am 18. Zlpril 1869. Beginn der Sitzung I I Uhr. Anwesend die Herren: G. Feigrl, S. X. Krankel. Dr Gitschi», Lieden, Oser«, vr. Pribram, vr. Randnitz, Schwab, G. Schitz, Singer, vr. TedeSco, M. A. Wahle, Vr. Wiener. Prof. vr. Wessely. D.Zapperl. ÄS waren sonach abwesend die Herren; Fischl, Ignatz Schütz. Der erste Verhandlnngsgegenstand betrifft die Borlage der Rechnung der Stistungsverwaliung pro 1868. Resircnl vr. Wiener konstatirt, daß der Cafsafland ein ganz erfreulicher ist, indem derselbe 635552fl. beträgt und beantragt die Genehmigung der Rechnung so wie die AuSsolgung von SO fl. als außerordentliche Remiincration an den Beamten Herrn Johann Wlach für feine dießbezngliche Mühewaltung, (an genommen) (5» gelangt nun der Bericht der Kommiffion tu Angelegenheit der El Weiterung des KnabenwaisenhauseS zur Debatte. Referent vr. Wiener: Die Kommission hat sich einstimmig dahin erklärt, daß vorläufig von dex Umänderung abgesehen werde, weil sonst das Kapital, welches hier erliegt, in bedeutendem Maaße angegriffen werden müßte, wodurch die Ausgaben nicht gedeckt würde». Räch einer aproximativen Berechnung wurde gefunden, baß_ der Betrag von 12—1300 st. als ständiges Defizit der EnliuSgcm.Eaffa erwachsen würde. ES ist nämlich zur,st bir Kausschilling ferner auch die Renorilung des Gebäudes zu decken. Ter Kausschilling beträgt 15100 fl. während die Renovirung auf 8000 fl. veranschlagt ist. Tie Kommiffion glaubt nun, daß daS Kapital, durch den Verkauf der Etaaispapicre zu niedrigem Kurse bedeutend herabgemindcrt würde und die E. G. Kassa das jährliche Defizit per 1200 fl. zu decken habe, ihren Antrag zu moiivircn, und den Status quo beizubehalten. Redner glaubt auch aus dem Grund, noch abzuwarten, da die Anfrage» um die Ausnahme in die Anstaltkeinr' überaus große ist. M. A. Wahle: Auf das was Herr Vr. "Wiener sagt, es find wenige Ansiageu oder es liegen wenig .Gesuche nur Prusionnung von Kindern vor, muß ich bemerken, daß die natürliche Folge davon ist, weil wir einen kleinen Raum haben, weil wir spärlich zu Werke gehen. Was das Haus anbelangt, so bedarf rS einer dringenden Reparatur. vr. R a u d n i tz. Ich glaube, wir stehen vor folgender klaren Krage: Wollen wir das Waisenhaus sofort in jenen Stand sehen, in dem es in der Zukunft verbleiben soll oder wollen wir »och 3 Jahre warten, um dann ohne ein Deficit decken zu müffen, das neneInstitut in« Leben zu nifrn. Das gegenwärtige Erträgnis: 5—6% kommt dabei gar nicht in Betracht. Der Vorthril der 2. Frage besteht darin, daß wir bei weniger Zöglingen den Betrag von 2500 st. auS den Intcreffen deö fondirten Etiftungskapitals znrücklegen und dadurch in der Lage sind den Betrag von 7000 fl. an« den Erlparmsic.i zu zahlen, um dann die Renovirung« kosten des in« Leben lretrudr» Institutes zu ermöglichen. Prof. vr. Wesseln ist für ersten» Punkt. vr. Raudn i tz: Ich bitte meine Herren, zu erlvägen, daß eS sich nicht um eine Finanzregel handle, den» wäre rö nicht inehr als 7000fl. welche man benvthie,t, so wäre c> kein Gegenstand, aber eS handelt sich darum, daß durch Vermehrung d>r Aullagen ein jährlich wirderkehrrnde« Drsirit im Betrage von 32'.»« fl. entsteht. Meine Herrn! In jeder Gemeinde muß gewirtbschaftet und nach den vorhandenen Mitteln geschaffen werden. Hat man die Mittel nicht, so kann man kein Institut erstehen lassen. Wird da« Jnstiwt rrwritert, sc wird sich mancher nielden. Btt jetzt ist noch kein eclatanter Fall vorgekoinmen, »vo »vir in dieRothlage gesetzt gewesen wären, jemanden zurück,uweijen, und komrr« ein solcher vor, dann wird der Betreffende an« anderweitigen Mitteln versorgt werden. Prof. vr. Wessely: Die Mittel sind vorhanden, daß die Gemeinde etwa« dazu beitragen muß, ist richtig, und »vir gehen der Aussicht «ntgrgen, daß sich die Mittel stet« vermehren »verden, durch andere Stiftungen. Ein Institut» da« man fördern will, soll nian nicht aus Jahre hinautschieben. Antrag ans Schluß der Debatte angenommen. Borsitzender: Die Ansicht, daß daS Kapital durch Stiftungen werde vermehrt werden,, ist sehr weit vorschwrbrnd, auf deren Rrolistruna mau hoffen kann. 'Aber da» Defizit, welche» die Gemeinde zu decken hätte, wäre rin sehr reelr». Diese» müfftr dann auf di« Sleuer- —---- - ■ — Wäger umgelegt werden, welche, da sie heutzutage anderweitig viel in Anspruch genommen find, nickt sehr geneigt sein »verden, un» sich nne Erhöhung der Steuer gefallen zu taffe»», da» kann inan sich selber sagen. Wenn man »un unter solchen Umstände» in der Alternativ« versetzt ist, die Steuer bedeutend zu erhöhe», um anderweitig die Gemeinde in den nächsten Tag» wo vermehrtrAuSlagnr bevorstehrn, wrlchr^iiuf die Stcrirr- > träger umgelegt werden müssen, so bleibt nicht» andere» übrig al« mit ' diriem Boehoden, so gut und löblich rs ist. noch iniolange abzuwarten, als e« in den Interrffen der Steuerträger gelcheheu kann. Es ivirt nu» abgestimmi, der KomintsilonSantrag wird mit eminenter Majorität angenommen. Die vortiegende Rechnung pro 6* utib da» Präliminare pro 69 der BeerdigungSbrüderschaft werden >iner Kommission zur Berichterstattung übergebe». Ein weiterer PerhaudlungSgegenstand betrifft dir Rechnung de« Knadeniva-.senhansk» pro «18. Referent G. Schitz findet dir l Rechnung nach genauer Piüsung in allen Theitrn richtig, da die etwaigen Differenzen genauer in die Rrcbniing präzisirt sind. Da» Deficit! im Betrage von 663 st. 52 '/, kr ist in» Prälim. di« auf 22 fl. 73' ,kr. ■ gedeckt, welche in dir neue Rechnung bereits übertragen wurden. Rrfe- | fern stellt de» Antrag der betreffenden Kommiffion da« verlangte Adfo- , Iruorium und zugleich den Dank für die Mühcivallung abzustailen. — | (angenommen.) I Prof. vr. Wrsstlv stellt mehrere Anträge im Raine» der Kominifsion der Thalmiidtdoraichulc wegen Wicderbeseyung der Talmudlehrer-! nette. Bo» denen wird der Antrag ans provisorische Anstellung eine« Leh» j rer« Baruch Kaudrr«) gegen monatliche Kündigung angenommen. I Ter nächste Programmspunkt enthält den Bericht der Kommiffion der Thalmud Thoraschnle wegen Fortbestand des mit derselben i» Ber- I bindung stehenden Institute« zum Unterrichte in den Gvmnasialgrgen-! ständen. Referent Pro» Vr. Wessely: Ich bin nicht moralischer Urheber der Talmud-Lharaschule, (Heiterkeitsondern der frei. Hr. Ernst Wehli hat die Idee gehabt, ei» solches Institut zu gründen. Al« ich dir Ehre halte', in dieses Eollrginm bemfen zu werden, und dir weitere Ehre al» Obmann der Talmudthora-Schule zu fungire», ging man an die "'ealisirung. Was die angestellten Perfönlichkeiten betrifft, meint Redner . konnte „ran nie rin Bedenken dagegen erheben. Jedoch »vurde trotzdem der Zweck nicht in dein Grade erreicht, »vir 'man es erwartet. Man dachte sich die Theilnahme der RaddiNatSeandidaten al» eine viel regere. Aber in der Anstalt selbst war kein innerer Zusannnrnhang. Der frei. Herr Trwele« verstand die Zeit nicht, und konnte sich nicht mit den Verhältnissen vertrant mache». Er verlangte von de» Leute» etwa», »vaS sie nicht leisten konntrn (wollten), wenn sie die andern Gegenstände nicht vernachläffiarn wollte». So ist e« natürlich, daß »venige »ich an dem Unterrichte vetheiligten, denn wer Talmud studin, betrachte vie andern Gegenstände als sekundär und umgekehrt *) Die Koinmiffion beantragt daher, damit die betreffenden (4) Hörer ihr Ziel erreiche», daß dir Talmndthoraschule noch 3 Jahre fortbestehe, oder daß Stipendien rrrich trt werden, für jene, dir sich später nach vergangener Frist gehörig über jene Studien sorvohl iin Talmud al« in Gymnasialgegenstanden an«- Miellen müffen. vr. Wiener stellt einen vertagende» Antrag, bi« dir Detailirung tce ganzen Angelegenheit von Seile der Kommission erstattet sein wird, tangrnommrn). Prof. vr. Weffelv theilt mit, daß die Bibliothek beseel. H. Ierrrsalem durch H. v. Porlhrim der Repr. zur freien Benützung übergeben wurde. Dan.: folgt al« letzter Programmspunkt die Mittheilung, von der Gründung einer Stiftung de« Hr». Simon Jak. Bunzl. bestehend in 6000 fl. in 5 Silber Prioritäten und 100 fl. Nationalanlehen, deren Silberzinsei» vom Jahre 1870 angejangen einer armen jüdischen Braut, im nächsten Jahr für 2 jüd. Lehrknaben, 2 jüd. LehramtScandidaten »nid einen armen Siechen z» gleichen Thrilrn de» stimmt ist. Die nähern Modalitäten enthält der vorliegende Sliftung»- brief. Nachdem auch zur Kenntmß genommen ivird, daß im Garten de« KnabenwaisenhauseS eine Probe mit dem Schrilhos'schen Patrntröhrbrunnen in den nächsten Tage» vorgritvmmen wird, »vrrd die Sitzung »in l Uhr geschloffen. *) Unsere große Berehrnng, die »vir diriem Gelehrten bei seinen» Leben gezollt, so »vie unsere Pietät dein Andenken diese« nun verewigten GotteSmaimes gegenüber, würden un« gewiß nie gestatten, über ihn! eine Kritik zu üben, die der Wahrheit auffällig in« Gesicht ichlägt, r« ist aber unsere Pflicht dein H. Referenten in teinrr Ausfaffmig über den hochgelehrten Rabbi;» Hilfe zn kommen. Sich »vet.er um Berhältniffr noch mn Zeit kümmernd, hat dieser mackere Talmudlehrer nur Ein r« im Auge gehabt und da« war. daß er Talmudlehrer an einer Talmudthoraschule war und für den geringen Gehalt vo» 300 fl. grrviß mehr leistete, als die ganze höhere Talmudthora Schule bei einer Zahl von vier Schülern die jährl. >635 fl. 10 st. per Kopf 408 st. 77 '/, tr. abforbirt, bisher geleistet hat. Daß die Schüler theil« abgelenkt durch atheistische Grundsätze und Redensarten, wir: .»Werfen Sie den Talmud zum Teufel," theil» durch den Gedanken nicht Rabbiner, sondern vorläufig nur satt werden zu »vollen, nicht von der Lehr« de» Talmud» begeistert »varen, und folglich den Schinr gar nicht besucht hatten, ist die rechte und wahre Ursache. Herr Tewrle» hatte im Talmud und nicht im Tanzen Unterricht zu enheilrn, Zeit und Berhältniffr hatten ihn nicht zn kümmern und Rabbi Tewele« verlangte nur da», was in feiner Sphäre lag. Urbrigen« der Umstand, daß au» dem Institute von 23 Hörer« 18 davon gelaufen find,, gereicht weder de« Institute» noch den Lehrern und der Kommiffion zur Ehre (D. Rrb.)