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Die Gegenwart · 1869-05-01 · 9 (1.5.1869) · p. Seite 82

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
9 (1.5.1869)
Date
1869-05-01
Page
Seite 82 (sequence 4)
Language
German
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82 i Sie seit 19 Jahren nicht schlafen und das schreckliche Bewusstsein, daß Sic mit diesen Riesen der Kunst verglichen, eine winzige Pygmäe sind — das ist es, was sie amreibt, über das gesammte Judenthum überhaupt de« Stab zu brechen und eine ganze Station, die — bei uniäugbaren Mängeln und Fehlern — in fast jedem Fachender Kunst" und Wissenschaft große und epochemachende Geister htrvorgebracht hat, mit dem cckelhaften Sud Ihres Geifers und Ihrer Schmähungen zu überschütten! — Wollte man gegen die Wagner'sche Schmutzschrift eine e r n st l i ch e Widerlegung schreiben: dann würde man sich entschieden lächerlich machen; solche „Zukunft«- Makulaturarbeit" muß man zur Besprechung den Gelehrten des „Kladderadatsch" überlassen, denen die schöne Aufgabe zu Theil wurde, die aristokratischen, plnto- und burcaukratischen und sonstige Hanswurste der Gegenwart ebenso, wie die gekrönten Cäsarc und Nerone des Jahrhunderts, der verdienten Lächerlichkeit zu übergeben. Also nicht um sic zu widerlegen, sondern um die Wagner'sch.' Schmutzschrift einigermaßen zu charakteris i r e u, wollen wir einige Ansichten und Aussprüche de« Herrn Wagner über Juden und Judenthum — ohne jegli. chen Kommentar — hier anführcn, und ich bin der festen Uebcrzeugung, daß eine solche Blnmcnlese des höheren Blödsinns ein bedeutendes pH ychiat risches Interesse haben und einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Geschichte deS Urkomischen liefern dürste. „Im Besonderen widert unö" sagt Herr Wagner (S. 15),) der nicht von dem Jargon einzelner Israeliten, sondern von der Sprechweise aller, auch der christlich gewordci.cn Juden spricht, „im Besonderen widert uns die rein sinnliche Kundgebung der jüdischen Sprache an.- Als durchaus fremdartig und unangenehm fällt unserem Ohre zunächst ein zischender, schrillender, sumsender und m n r ck s c n d e r Lautausdruck der jüdischen Sprechweise auf: einer unserer nationalen Sprache gänzlich uneigenthümlichc Verwendung und willkührlichc Verdrehung der Worte und der Phrasenconstruktioneii gibt diesem Lautausdruck vollends den Charakter eines unerträglich verwirrten Geplappers." Hört ihr dieß, ihr schlechten getauften nud nicht gelausten jüdischen Redner und Schriftsteller! Hört ihr dieß ihr Ricsscr, Jakoby, LaSkcr, Heine, Börne Auerbach, K. Beck, W Aug. Frankel und (5oii|orteit! „Macht im«" fährt Herr W agncr (2. 1(5) fort, »macht uns die hier dargethanc Eigenschaft seiner Sprechkunst den Juden fast unfähig zur künstlerischen Kundgebung seiner Gefühle und Anschauungen durch die Rede, so muß zu solcher Kundgebung durch den Gesang seine Befähigung noch bei weitem weniger möglich sein. — — Alle«, was in seiner äußere:' Erscheinung und seiner Sprache uns abstoßend berührte, wirkt in seinem Gesänge auf uns endlich davon jagen d, so lange wir nicht durch die vollende Lächerlichkeit dieser Erscheinung gefesselt werden sollten. Sehr natürlich gcräth im Gesänge, als dem lebhaftesten und unwiderleglich wahrsten Ausdrucke des persönlichen Empfindungsw.sciis. die für uns widerliche Besonderheit der jüdischen Ration auf ihre Spitze, und auf jedem Gebiete 'der -Kunst, nur nicht auf demjenigen, dessen Grundlage der Gesang ist, sollte» wir, einer natürlichen Annahme gemäß, den Juden je für kunstbtfähigt halten dürfen." Schämt euch doch ihr Stümper: Viicca, Bettel' h t i in, Esillag, Sontheim und Genossen! Wir könnten aus dieser Broschüre eine stattliche Blutenlese der Viigcii und Absurditäten zusammcnstelle», fürchteten wir nicht mit den weiteren Eitatcn dieses NniiunS unsere geehrten Leser zu beleidigen. Und so wollen wir schließen, indem wir nn« erlauben, Herrn Wagner auf die Worte des Eid aufmerksam zu machen, wo cS heißt: „-(LS ist der Feigen Sache Dich durch Lügen fortzuhelfen." Adolf Kohut. Leantwortung der sogenannten Interpellation des Herrn Sch. Mil vielem TZeWügen bin ich bereit. Ihnen geehrter Herr Sch. und allen, die cs wünschen, auf Ihre Frage Bescheid zu geben. Es kam mir durchaus nicht in den Sinn, die ehrwürdigen Herren bei Besprechungeineö Thema«, daö den Religionsunterricht berührt, zu ignorieren; im Gegrntheile wäre es mir und vielleicht auch vielen meiner Mit» genossen sogar sehr angenehm, diesen für das Judenthum so hochwichtigen Gegenstand im Vereine mit den ehrwürdigen Rabbinern besprechen zu können; ja im Interesse der guten Sache, im Interesse unserer Thora sollten die ehrwürdigen Herren sich herablassen, mit den Lehrern darüber zu conferieren, was in Zukunft geschehen soll, um eine Jugend heranzubilden, die auch etwas von dem wissen soll, was wir den Baum des Lebens nennen. E« ist zum mindesten hoch an der Zeit, — ist nicht schon viel versäumt? — daß diejenigen, welche die Hüter der Thora sein sollten, endlich auch ihres HütcramtcS walteten, mit Ernst, mit Wärme niK33f 'i rmi daran gingen, einen Modus mitschaffen zn helfen, wodurch ein zukünftiges religiöses Israel erzogen werde. Sie fragen mich, verehrter Unbekannter, ob die Rabbiner in Böhmen über den Religionsunterricht kein Votum abzugebcu haben, und ferner, welches Resultat der Beschluß unserer Versammlung haben kann, wenn Rabbiner, die gleichzeitig Religionslehrer sind, diesen Beschlüssen nicht zustimmen sollten? — Der Begriff. „Religionslehrer" bei uns Inden ist ein so relativer, daß man in Verlegenheit kommen muß, ihn zu explizieren. An vielen Gemeinden, wo öffentliche Schulen existieren, ist der Rabbiner der von amtswegen eingesetzte Religionslehrer. Derselbe geht dann, seinem Berufe getreu, allwöchentlich Ein-oder zweimal a Stunde in die Schule die Religion tradieren und dem jugendlichen Gemttthe der Kinder manche Moral vorpredigen. Es schadet diese Abwechslung in der Schule wohl nicht«; aber eben so wenig nützt eö etwas der guten Sache. 'ES wird den politischen Schulgesetzen entsprochen, aber eben nur das. Der eigentliche Religionslehrer, wie wir mitsammen (nämlich Sie Herr Sch. und ich) un? ihn denken, ist ein besonderer Lehrer, der in einer solchen Gemeinde Lehrer der hebräischen Fächer genannt wird; denn Religionslehrer darf er — von AmtSwegen — nicht heißen. Aber eS gibt auch Rabbiner^ die wirklich Religionslehrer sind d. h. sie unterrichten die ganze Woche hindurch in der Schule täglich 4 bis 6 Stunden. Ja was diese ehrwürdigen Herren betrifft, allen Respekt. Rur erlauben Sie, vcrehrtester Herr, daß ich die Sache so auffasse, wie sic wirklich ist, ohne Illusion. In den weniger großen Gemeinden hat seit Jahren sich der UsuS eingebürgert, daß man zwei Individuen anstellt, daß Eine ist Lehrer und muß nebstbei die Funktionen eines Rabbiners besorgen, da« Andere ist ebenfalls Lehrer und muß nebstbei den Gottesdienst als Cantor celcbrieren. 911111 wende ich mich mit der Frage an Sie, hochverehrter Herr Sch.! Hat der Lehrer, der nebstbei RabbinatSfunktionen versieht, nicht dasselbe Recht unserem Vereine beizutreten, als der, welcher nebstbei Eantorfunktionen versieht? —Woher deducieren Sic demnach den Ausschluß der Rabbiner- Lehrer von uusercn Versammlungen? Ueberdieß steht eö den Statuten unseres Vereines gemäß, jedem, der Interesse für die Sache hat, frei, sich anzuschlicßen und an allen Berathungcn theil zu nehmen. Noch mehr. Auch Nichtmitglieder können von Mitgliedern in die Versammlung eingeführt werden. Zweck unseres Vereines ist: l. Seine dienstunfähig gewordenen Mitglieder, so wie die hinterlassenen Witwen und Waisen nach Kräften zu unterstützen. 2. Die Förderung der allseitigen Interessen der israelitischen Volksschule. Diesem entsprechend muß der Verein sein Ziel verfolgen, ob Rabbiner, ob Laie, ob Lehrer, jeder hat in der Generalversammlung da« freie Wort zu sprechen und mitzuwirten. Al« B-

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