Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1869-05-01 · 9 (1.5.1869) · p. Seite 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
9 (1.5.1869)
Date
1869-05-01
Page
Seite 81 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4890378-5433914-5433965--280-4890626
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

81 sind daher Kinder jüdischer Eltern, welche auS Renitenz ohne die Begründung der Unmöglichkeit wegen Kränklichkeit oder Schwäche nicht beschneiden lafUn, eben so wenig in die jüd. Matrikcn als nicht getanstc Kinder christlicher Eltern in die christlichen Matrikcn cinzutragen. , Das Iudenthum in der Musik. von Richard Wagner. £>crr Richard Wagner gehört zu der -in unscrr Zeit Pilze aus dein Moder aufschießcndcn Spccies des Menschengeschlechts, die an einem höchst bedenklichen Nebel, an dem Größen wahn sinn, leidet. Dieses Nebel ist weit und breit verbreitet: in dem Gehirnkasten des Gelehrten, Dichters und Künstlers treibt eS oft ebenso sein Unwesen wie in dem „cxccllentcn" Haupte dieses oder jenes „berühmten," „genialen" und „geistreichen" Staatsmannes und Diplomaten; es graffiri in dem interessanten Lockcnköpfchen der Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin dieser oder jener großen Residenzstadt ebenso wie in dem Capitolium manches schwülstigen Journalisten und nebelhaften Fedcrhelden. Gegen dieses sich oft mit Affcngeschwindigkcit ausbreitende Nebel erweisen sich alle Künste der Allo- und Homöopathie ebenso wirkungslos, wie das famose Johan Hoff'sche hofräthliche Malextrakt, das Wunder verrichtende Daubitz'sche Magenelixir oder des großen de Barry RevaleScicrc; dagegen gibt eS nur ein wirksames, durchschlagendes Mittel: die Satyre. Wenn man diesen Pygmäen geradezu in'S Gesicht lacht, wenn man sich über ihren — oft großartig in Scene gesetzten — Humbug und. ihre Barnumcrei, ihr Phrasen- und Maulhcldenthum, ihre widerliche Selbstberäucherung und Selbstvergötterung auf die ungcnirteste Weise lustig macht: dann verlassen sie entweder ihr „Wolkenkukusheim" und reiben sich entnüchtert die Augen — oder, was gewöhnlicher zu geschehen pflegt, zu noch größerer Wuth gestachelt, blähen sie sich wie der Frosch in AesopS Fabel auf und — zerplatzen! Ach, diese Unglücklichen sind wahrlich zu bedauern; durch daö zermalmende Wort der unparteiischen Kritik und die furchtbare Geißel der Satyre werden diese modernen NcbukadnezarS, die — natürlich in ihrer Phantasie — die großen Reiche von Babel, Assyrien, Mesopotamien und Persien beherrschten, gleichsam depossedirt, und simpliciter zu den gewöhnlichen, höchst prosaischen Ochsen degradirt. Es sind schon einige Dezennien verstrichen, seitdem Richard Wagner sich apotheosirte und durch die geschlossene Phalanx seiner Leibliteraten und journalistischeu Soldkncchte in ganz Europa verkünden ließ: eS gibt nur einen Gott im musikalischen Reiche benamset Richard Wagner! dessen Propheten sind bald Ludwig N o h'l bald Franz Brcndcl!" — ich sage, es ist seitdem schon eine geraume Zeit verstrichen, und noch immer zögert die ungebildete, für die wundervollen Offenbarungen des Genius unempfängliche Menschheit vor Richard Wagner auf die Kniee zu stürzen, ihn anzubeten und inbrünstig und begeistert im Chorus zn rufen: „dir gehört die musikalische Weltherrschaft, großer Richard Wagner und gepriesen seien deine beiden größten Propheten Ludwig Nohl und Franz Brendel!" Durch diese unglaubliche Verstocktheit auf'S Aeußerste gereizt und beleidigt, dachte der musikalische Jupiter lauge darüber nach und berieth sich auch darüber lange mit feinem Getreuen Noah & Comp., wie er die sündige Menschheit von Grund aus vernichten könnte. Endlich fiel er auf das geistreiche Mittel: ganz Europa mit einer Sündfluth von Broschüren, Libellen und Pasquillen zu überschwemmen, und 'b». durch dieses probate Mittel ein für Alle Mal den Ga» raus zu machen. Das seichte Master dieser Flug- und Schmutzschriften ergoß sich ganz besonders auf die musikalischen Zierden der deutschen Nation: Bach, Hände l. Gluck?Haydn. Mozart, Beethoven, auf Männer, die zu den größten Tonkünstlcrn nicht nur DcntschlandS, sondern zu den bedeutendsten Ingenien gehören, die der Mcnschcngcist hervorgebracht hat. Aber das Geschäft reüssirte — znin großen Aerger des allmächtigen Wagner — leider nicht. Indem er die bedeutendsten Männer in den Koth zu zerren sich bestrebte, blieb der arme Mann selbst im Moraste stecken. Er mochte in dieser unangenehmen Situation noch so sehr zappeln und mit kothigcn Erdschollen um sich werfen: das ganze gebildete Europa erhob ein H^hngclächter über den Gott, der in seiner tollen Berserkerwulh sich schließlich so weit verfaß, in dem tausendjährigen Prügcljungen der Menschheit, im Judcnthume, den Mephistopheles zu entdecken, der dem großen Gotte R. Wagner den Besitz der musikalischen Weltherrschaft streitig machte und der es veranlasste, daß er noch obendrein das Glück hatte, von - - Ludwig dem Könige der B a i c r begünstigt zu werden. Aus der freien Schweiz, ans T r i c b s ch e n bei Luzern, schleudert nun das HauS Richard Wagner öd Eomp. ein PaSquill, unter dem Titel: „das Judcnthum in der Musik," in die Welt, daö was Haß, Verlogenheit und absurde Gemeinheit betrifft, zu den elendsten und jämmerlichsten Machwerken gehört, die der Feder eines Menschen entflossen. Die großen Judenfeinde: S ch u d t, Eisenmenger Holst nnd Consorten sind durch R. Wagner ganz und gar in den Hintergrund gestellt worden °, denn solch aberwitziges Zeug und einen solchen Höllenbrcughel der widerlichsten Schmähungen konnte nur ein „kranker Mann," wie Wagner, Vorbringen. Auch betrachten wir das erwähnte Machwerk als ein bedeutsame» Symptom der geistigen Auflösung des „ZukunftömusikcrS," die uns das Allerschlimmfte erwarten lässt. Der Hauptgrund seiner Nichtanerkennung — sagt Wagner gleich in der Eiuleitung seiner der Frau Marie W u ch a n o f f, geborene Gräfin N c s s c l r o d e gewidmeten Schrift — sei einfach der, daß er sich durch einen Aufsatz, den er im Jahre 18f>Kinbcr, von Franz Bren« del rcdigirtcn, „Reuen Zeitschrift für Musik" unter dem Titel: „daö Jndenthnm in der Musik" veröffentlichte, den tödtlichen Haß der Juden zugczogen habe. Dieser Aufsatz habe unter den Kindern Israels ein solch ungeheures Aufsehen und so böscö Blut gemacht, daß die Inden seitdem den „Zukunftsmusiker" aus aller Macht verfolgen und seinen Untergang beschlossen haben. O, Herr W a g n e*r, welch ausgezeichneter Jesuit und Kreuzzeitungsmann sind Sie geworden! Bei allen Göttern! wem wollen Sie eS denn weiß machen, daß ein Aufsatz in einer wenig gelesenen Zeitschrift, der noch obendrein mit dem Pseudonym K. F r e i g e d a n k unterzeichnet war und dessen wirklichen Verfasser der Prophet de» Gotte», Franz Brendel, niemals vcrrathen hatte, Ihnen die Juden dermaßen auf den Hals gehetzt hätte, daß sie seit 19 Jahren unablässlich an Ihrem Ruin arbeiteten?? 0 saveta simplieitas! mit welch frecher Stirne lügen doch diese Mucker und Pietisten, so nur die Lüge ihnen Etwa» abwirft oder so sie sich nur durch dreiste Erfindungen bei der öffentlichen Meinung wieder zu rehabilitiren suchen! — O, lieber Wagner! „man merkt Absicht und wird verstimmt!" — Die getauften und ungetauften jüdischen Tonkünstter, wie Mayerbeer, Mendelssohn, Halevy und Eonsorten sind e», die Sie so ärgern; Ihr Schimpfen auf die Schacherjuden, „gebildeten" und „liberalen" Juden ist gar nicht so ernst gemeint, wie Sie sich den Anschein gebe« möchten! Neid, Eitelkett und bodenloser Ehrgeiz find die Triebfeder Ihrer Seele: die Lorbeereu dieser großen Toukünstter — die zufälliger Weife Juden waren — (affen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.