Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 8 (15.4.1869)
- Date
- 1869-04-15
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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§. K. Nach altem Modu«. Wählbarkeit. — Wählbar ist jedenlSnnliche Lult.-Gem.-Mitglied welche« da« 24. Lebensjahr überschritten hat und welchem die Au«schließung-zründe des vorstehende« Paragraphe« nicht entgegenstehen. Ausgenommen von der Wählbarkeit sind ferner diejenigen, welche au« der Gemeindekasia oder von den Gemein» deanstalten «men Gehalt oder systemisirte Sportel beziehen und jene, welche mit einer obliegenden Rechnungslegung an die Eultu-gemeinde im Rückstände sind. 8- 13. nach altem Modus. Als gewählt sind diejenigen Personen anzusehen, -wekche^E relativmeisten Stimmenrrhaltnr huben.'BrtTNM- “ mcnglelchhcit entscheidet das höhere Alter. 8- 14. nach altem Modus. Alle 2 Jahre am Ende de« Monate- April tritt die Hälfte de- AuSschuffeS ab. Das erste Mal nach der Entscheidung durch Los, weiterhin nach der Reihenfolge de- Eintritte«. Bei Ersatzmänner wird der Zeitpunkt de- Eintrittes ihrer Bormänner in Anschlag gebracht. Sämmtliche Abä.iderungen wurden einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Schluß der Sitzung nach 12 Uhr. V In der vorigen Nummer dieser Blätter haben wir über die beabsichtigte Gründung des Vereines „Afike Jehuda“ der die Tendenz der Erweckung des religiösen Sinnes und der Förderung jüdischen Wissend in sich schließen soll, in Kürze referirt. Wir könnnen heute mit Vergnügen registriren, daß der Statutenentwurf in kürzester Zeit einer Generalversammlung zur Begutachtung vorgelegt wird und sich ein ungewöhnliches Interesse für die so erhabene Idee dieses edlen Werkes bekundet. Von allen Seiten laufen Anmeldungen ein, die die kräftigste Unterstützung dieser neuen Schöpfung zusichern und können wir, so weit uns bekannt ist, vorläufig zur Kenntuiß bringen, daß Herr S. S. G. in Prag zum Gründungssonde hundert Gulden in Nati« onalanlehei dem Statutenentwurfskomite überreicht und ein anderes ungenannt sein wollendes prager Gemeindemitglied dem zu gründenden Vereine Afike Jehuda 2000 Gulden als Legat testirt hat. Wir erwarten, daß diese edlen Beispiele in den weitesten Kreisen unseres engern Vaterlandes Nachahmung finden werden, da dieses erhabene Werk nicht nur zur Hebung und Förderung des JudenthumeS im Allgemeinen, sondern auch zur Erweckung des religiösen Sinnes, in unserem engern Vaterlande insbesondere beitragen wird. *** Am 4. d. M. 4 Uhr Nachmittags fand auf Veranlassung einiger hiesigen Gcmeindemitglieder anläsilich der bevorstehenden Neuwahlen in die Prager israel. CultuS - Gemeinde-Repräsentanz, in dem RestanrationSsalon des H. Sonnenschein, eine Wahlbesprechung statt. Bor einer zahlreichen Versammlung der auch die Elite*) derpragerJudenschaft angehörte, ergriff Herr I. BranveiS Redakteur dieser Blätter das Wort. In einer fast eine Stunde lang dauernden Rede setzte er in einem höchst gelungenen Expose die Gemeindezustände auseinanoer. geißelte mit richtigem Takt, das von der gegenwärtigen Repräsentanz gehandhabte System und forderte schließlich die Versammlung aus, gegen etwaige Verirrungen oder falsche Auseinandersetzungen Einsprache zu erheben. Nachdem sich Niemand zum Worte gemeldet, wollte Redner seinen Sitz verlassen, um der Versammlung die Wahl eines Vorsitzenden zu überlassen. Der Vorsitz wurde jedoch dem Reduer von der Versammlung per Aclamation übertragen. Hierauf wurden Debatten über den Modus der Creirung eines WahlkomiteS eröffnet und auf Antrag des H. Jakob M. Wiener beschlossen, 25 Mitglieder für das Wahlkomite zu wählen. Diese wurden wieder von einer dreigliedrigen Commission zum Vorschläge und jeder einzelne zur Abstimmung gebracht. Den Schluß bildete ein Antrag des Vorsitzenden, Sr. Majestät dem Kaiser ein dreimaliges Hoch auszubringen, und der zweite Antrag eines GemeindcmitgliedeS dem Vorsitzenden und jenen Herren von denen die Idee einer Wählerversammlung ausging, für die gehabten Mühen den Dank zu votiren. Sichtlich erfreut ob des regen GemeindesinnrS verließ die Versammlung um sieben Uhr den Saal. V Sr. Ehrwürdeu Herr vr. A. Raber noch von seineu in der hiesigen Neusynagoge abgehaltenen Gastpredig¬ •) Wir verstehen unter dieser nicht die Geldaristokratie, sondern , in« rhrevwerthen Männer der prager Israeliten Gemeinde, die »och Herz und Sinn für da« Judenthum haben. ten her bekannt, wurde in OroShä; in Ungarn, nachdem er daselbst unter Beifall gepredigt, von dem dortigen Vorstande als Rabbiner und Prediger ausgenommen. Dessen fixer IahreSgehalt beträgt 1000 fl. ö. W. dazu freie Wohnung nebst Beheitzung und sehr bedeutende Ncbencnlolumentc. *** (Jubiläum) Verflossenen Samstag fand in der hiesigen Hofbuchdruckerei der Herren Haasc ein vierfaches Jubiläum statt. 'Bier Gehnlfcn von denen zwU katholischer," der dritte evangelischer und der vierte israelitischer Eonfeffion, (Herr Ignaz Enscleö Schriftsetzer, zugleich Eantor der hiesigen Pinkassynagogc,) welche 50 Jahre der Buchdruckerkunst gedient und den größten Theil dieses halben SaeculumS in der Officin genannter iFirma zugebracht haben, wurden von ihren sämmtlichcn Eollcgen mit einer Ovation überrascht. In einen vertraulichen Kreis zusammengetreten erschien der Ehef der Firma, hielt an jeden der Jubilare eine passende Ansprache, in welcher ihrer Vergangenheit in rühmenSwerther Weise gedacht wurde iind besckenkte jeden derselben mit einer werihvollcri goldenen Uhr. Hierauf ergriff der älteste dcö BuchdruckercipersonalcS das Wort, überreichte jedem der Jubilare ein prachtvoll typografisch auSgestattcteS ErinncrungSblatt, das ein sinnreiches Gedicht enthält, und eine silberne Dose. Nachdem sämmtliche Anwesende einige Stunden in fröhlicher Stimmung zugebracht hatten, ward die kollegiale Jubiläumsfeier zum Aoschluße gebracht. Auswärtiges. Bruck a. d. Leitha. Am 12. v. M. fand die Beerdigung eines Israeliten auf dem katholischen Friedhöfe bei Zwölfaxing statt. ES ist dieß der erste Fall daß der Artickel Xll. des interkonfeffionellen Gesetzes zur Anwendung gebracht wurde. ES existirt nämlich im ganzen Umkreise dieses Ortes, keine jüdische Gemeinde und folglich auch keine jüdische Begräbnißstätte. Der k. k. Bezirkshau ptmaun Herr Eder machte dem Gemeiudevorstand in Zwölfaxing diese Vorstellung und ließ ihm das Edikt zukonimcn. Paris. Im Louvre wird ein Museum von allen jenen Kunstwerken, welche dem israelitischen Volke zur Zeit der Regierung Titus gehörten, "errichtet. * Herr Eduard Lrwy, Professor der Mathematik früher schon Professor an der türkischen Schule in Paris, erhielt vom Sultan den Medschicdic-Orden vierter Klasse. * Die Gesellschaft der Kinder „ZionS" hat den Oberrabbiner von Paris Herrn Zadoc Kahn zu ihrem Ehren- Präsidenten ernannt. Marseille. Herr I)r. Spitzer hat ein Legat von 10000 Lire für die Erziehung dreier Waisenkinder, worunter einer katholisch, einer protestantisch und der dritte ein Israelit sei. gemacht. Laudon. Sir MoscS M o n t e fi o r e ist bereits vollständig hergestcllt nach London zurückgekchrt. * sEin Brief des Marschalls Serranno an Sir Moses Montefiore Bart., F. R. S., London.) An Sir MoscS Montefiore! Ich habe der provisorischen Regierung die GlückSwünschc, die Sie im Namen der englischen israelitischen Deputation überreicht haben, vorgelegt und man hat mich mit der ehrenvollen Mission betraut. Ihnen den Ausdruck der tiefen Dankbarkeit der Regierung für das hohe Wohlwollen, welches ihr die Mitglieder Ihrer hochgeehrten Versammlung bezeugen, und noch mehr für die.Wünsche, die Sie für das Wohl unseres Landes hegen, zu äußern. Ich bitte Sie gütigst, diese Gesinnungen Ihrer Versammlung mitzutheilen. Um diese, so gerechter Weise geschätzten Gesinnungen zu erkennen und um zu zeigen, wie sehr mau daran Theil nimmt, wünscht die Regierung, Ihnen ihren nuangreifbaren Entschluß zu erneuen, den wohlthätigen Einfluß der Freiheit über alle-, was es TheuereS und Heiliges im menschlichen