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Die Gegenwart · 1869-04-15 · 8 (15.4.1869) · p. Seite 76

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
8 (15.4.1869)
Date
1869-04-15
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 1, ltät--Berein" und „Oesterr eichischer Kranken- Verein" sind neueren Ursprung-, von Böhmen gegründet und stehen unter der Leitung de- Herrn Jacob Kohn aus Pilsen. Diese verfolgen ähnliche Zwecke, wie die „Vereinigten Brüder" und haben trotz ihrer Jugend schon manche- Elend gelindert, und manche Thräne getrocknet. Unter den jungen Leuten böhmischen Ursprungbesteht auch ein socialer Verein zur Fortbildung, doch bin ich mit deDn Wirken nicht nSher—brtmmt^ Außer" diesen""haben" Ein gewanderte au- Böhmen sich vielen Vereinen für 'allerlei Zwecke angeschlosicn. Eine Freimaurerloge besteht gleichfalls meistenau- Böhmen und Herr I. Köhler ist M. v. St. — Auch im Orden Ben Berith, der schon mehrmals in Ihrem werthen Blatte erwähnt wurde, befinden sich viele Böhmen unter den leitenden Mitgliedern. Auch ist cvielleicht charakteristisch, daß nicht nur Juden den christlichen Gesellschaften angchörcn, sondern auch fast alle Vereine, selbstverständlich 'mit Ausnahme der spezifisch religiösen, wenn auch vorwiegend au- Israeliten bestehend, dennoch Ehristen zu ihren Mitgliedern zählt. Rcw-Aork 18. Mär; (0.- K.) Obwohl, zweifelsohne, unter Ihren Lesern sich viele finden, welche chemische Kenntnisse besitzen und sogar die Eigenschaften des SeewasierS genau zu lenncu glauben, so dürfte diesen doch nicht jene wichtige Eigenschaft bekannt sein, welche schon viele Wunder bewirkt hat und die hier kein Gchcininiß ist. Um Ihre Vcfcr nicht zu lange in Spannung zu lassen, will ich diese große Eigenschaft zur allgcgcnicincn Kenntnis; bringen. Wenn ein halbgclehrler Radbiner oder etwas anmaßender Vcfjrcv oder selbst Kaufmann, ein Schiss betritt, welches nach Amerika fährt, so tritt eine gewisse ebktrische Strömung ein, welche ihre Spuren sonderbarcrweisc in der Form eines 1)r. vor dem Namen einer solchen Persönlichkeit hindruckt, und der Mann erscheint hier als Doktor, ohne daß er etwas dafür kennt. Ein solches geschah einem Herrn Moritz Jintncr, dermverschiedenen Thcilcn Böhmens, durch seine Leistungen sich bekannt gemacht hat, und dieser gegenwärtige Doktor fungirt hier als Rabbiner in einer größeren Gemeinde, ohne daß die hiesigen Blätter cs wagen gegen eine solche Persönlichkeit -aufzutretcn.- A1 mona h. Eincinnati. I:'». März (0.- X.) Diese Stadt Amerika'- besitzt einen christlichen Geistlichen, der mitunter im jüdischen Tempel gepredigt und zwei jüdische Prediger, welche von der christlichen Kanzel ihre Ansichten vertreten. Dr. L i l i c n t h al, der bereits vor Jahren versuchte die russische» Juden zu rcformircn und sich wenig Dank dadurch erwarb, und wo möglich noch geringeren durch seinen Katalog der Münchner jüdischen Manuskripte, hat vor Kurzem in einer christlichen Kirche gepredigt und letzthin hat I>r. W i s c ein ähnliches Probestück seiner Toleranz (??) abgelegt. 1\ Vrranstehrndc Conespondeiiz. die r.n« direkt ziigekommen, hätten wir in »»scrcm Blatte keine» Rani» gewännt, wen» wir nicht mit derselben »njeren gcschützie» Lesern die religiösen Zustände in Amerika krnnzrichncn wollten. Die Welt ivird zwar nicht und ihren Fugen ge he», wenn die Herren Vilirntbal und Wise al« jüdisch christliche ,Nanzelredner dedutirr», doch dürste sich mit dee Zeit die Zahl der Lacher vergrößern nnd mögen die Herre» Toppelgüiigcr ihr Handwerk sortlrciben, wenn es sied nur rmut (d. Red.) Locales. Außcrordenllichc ösfentl. Sitzung der isr. Eult. Gem.- Repräsentanz abgchalten am 4. April ldithl. Beginn der Sitzung ", ll Uhr. Anwesend die Herren: G. Fcigel, Dr. Gitschin, Lieben, STfrrfl, Dr. Raudnitz, Dr. TedeSeo, Dr. Wiener. E« waren sonach abwesend die Henni; Fischl, «. K. Frankel. Dr. Pribr«», G. Schttz, Singer, Janah Schütz, Schwab, M. A. Wahle, Prof. Dr. Wessely» D. Zappert. 8« wird da» Protokoll der ösientl. Sitzung vom 2>. März 1869 verlesen und, nur eine kleine Bemerkung de« Hrn. Lieben ausgenommen, genehmiget. Borfitzender bringt nun zur Kenntniß daß vou der hohen Statthaltern laut Erlaß de« Minister« de« Innern an die Repräsentanz eine Zuschrift ergangen, daß dnn Vorstände de« polnischen EuttuS in Wien zum Zwecke der Erbauung eine« Tempel» eine Subskription in Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien, Küstenland, Triest, zugestanden ski. Cii>e SammIli!ig. v0L_HMrL.zu HauSchat-»i-cht stattMfinden.'Fer-> ner kittet der Kassier der Talmud-Thoraschule um einen Vorschuß von 000 sl. Da diese Summe in der lausenden Baarschaft wirklich in Werthpapieren (Salinen) enthalten ist, so wird dieses Gesuch bejahend erledigt. ES wird nun zur Tagesordnung geschritten. Der vorliegende Derhandlungsgegrnstand betrifft den KommiffionSdericht über die Revision des Wahlmodrrs für die Cult.-Gem.-Rrpr. Referent Dr. Randnitz: Durch die letzten Beschlüsse der Repr. ist eine Abänderung der bestehenden Wahlordnung nolhwendig geworden nnd die Commission hat diese in nachstehenden mit den Beschlüssen in Einklang gebracht. Referent glaubt diesen seinen Antrag resp. dieser Aenderung de« Modus damit zu begründen, daß jene, welche lediglich 1—4 fl. an Steuer leisten, kern wesentliches Interesse am activen Wahlrechte haben,*) wenn sie nicht der Gemeinde angehörig sind, denn man kann.nicht onnchmrn, meint Redner, daß sie von diesem Wahlrechte zu Gunsten der GemeindeintcressenGebrauch machen werden.**) Die Kommission hat es jedoch im Auge gehabt, daß die Zustchung des aktiven Wahlrechte« den Fremden der Gemeinde eine Consequenz de« allgemein geltenden politischen WahlprinzipS ist nnd daß gewiß eine ständige Verbindung mit der Gemeinde vorausgesetzt werden muß. Dirß kann man nur bei Personen annkhmen, welche haS Minimum der Steuer b fl. zahlen.Diefer Een,ns ist durchaus uicht zu hoch gegriffen. Zwar ist ein anderer Modus in Vorschlag gebracht und in Berathung gezogen wordm, ob man nicht, wie es früher der Fall war, die Zahlung der Steuer durch » Jahre voraussetzen muß. Diesen Modu« glaubte die Kommission nicht acceptiren zn können, weil in den Staatsgrundsätzen der Grundsatz ausgesprochen ist, daß die Gemeindegenossen einer politischen Gemeinde da« Wahlrecht erhalten , wenn sie im verflösse»«, Jahre die Steuer gezahlt haben. Dr. Gitschin: Ich finde eö incousequent, daß man einen Unterschied macht und zwar einen in der Höhe des Betrage». Wenn man einen ansschlikßt, der l—4 fl. zahlt, welcher Grund liegt nun vor, daß 6 fl. da« Maß der Besteuerung ist, bei welcher man ein besondere» Interesse für dir Wahlen hegt. Ich hätte e« für gut befunden, wen» die Zeit, binnen welcher der Wähler wahlberechtigt wird, wäre fixirt worden, daß man diese auf 3 Jahre festgesetzt hätte. OserS stimmt für den Kommissionsantrag, indem Redner meint daß der größte Thcil der Gcringdesteucrten, der Gemeindeangehöriaen früher viel mehr gezahlt haben, deßhalb finde er für die Fremden 5 fl nichts» hoch. Dr. Gitschin Da» zugegeben, finde ich nicht, daß jemand der ein Jahr in Prag ist, da» gehörige Interesse für die Gem. hat. Ich stelle den Antrag, daß niemand zur Wahl zugelassen werde, der nicht durch 3 Jahre hindurch in der Gemeinde Steuer gezahlt hat. "(Dir Debatte Wirts geschlossen.) Vorsitz, unterstützt den Kommissionsantrag. Dr. Raudnitz:Jch habe nur da« hinznznsügcn» daß in Stadtgemein» dcwahlen der Grundsatz gilt, daß jeder von der Wahl ausgeschlossen ist, welcher der Gemeindewohlihätigkeit zur Last fällt. Diese aber läßt sich bei den bestehenden Vereinen zur Unterstützung verschämter HauSarmen nicht controlliren. Was Herr Dr. Gitschin meint, so glaube ich abgesehen davon, daß wir allen Grund haben, die StaatSgrundgrsetze hoch zu halten nnd ihnen da Geltung zu verschaffen, wo cS unser Wirkungskreis erlaubt, abgesehen davon scheint die Sache praktischer von keiner großen Wesenheit zu sein: Den» die Voraussetzung ist, daß bereitim verstoßenen Jahr gezahlt, und mit einem mindestens gleichen Betrage für da« laufende Jahr vorgemerkt werden müßte. Es bandelt sich daher im Ganzen um ein Jahr. Es stellt sich nach dem Modus, den dieKommissio» vorgeschlagc» hat. die ganze Bertheilung der Wähler in Wohlkörpcrn viel richtiger al« die nach dem alten Modus heraus. Run folgen die andere» Paragraphe, welche vom Rcferentcn^verlesen werden. (Sämmtliche Aenderungen finden sich in der au der Spitze des Blatte« angeführten Erledigung nnd wir bejchiänkcn »ns hier nur auf di« Ansührung derjenigen Paragraphe deö alten WahlmoduS die einer Abänderung unterzogen wurden, d. Red.)!z. 4 »ach allen Mod»«. AnSgenomme» sind Personen, welche nnlcr väterlicher Gewalt, Vormundschast oder Curatel sichen. Ausgeschlossen sind a> diejenigen, welche weg-n eine« Verbrechen« oder eines au» Gewiniisucht hcrrorgegaiigenen oder die öffentliche Sittlichkeit verletzenden Vergehe»« oder einer solchen Uebcrlrclung in Untersuchung stehen, oder schuldig erklärt wurden, oder welche wegen einer andern Gesetze«. Übertretung z» einer mindestens halbjährigen FreiheitSstrafe vrrurtheilt rvoiden sind, b) Eridatare deren Schuldlosigkeit nicht nachgewirsen wurde. c) Diejenige», welche seil einem Jahre ihre Gemcindeabgabrn nicht gezahlt habe». *) E« ist dies eine sonderbare Anschauung und scheint un» der Herr Referent jenem Antiquar zu gleichtn, der Humbold» Kosmos nicht »ach dem Inhalte sondern nach dem Gewichte kauf«. (D. Red.) **) Wir »nissen über die Annahmen de« Herrn Resereinen staunen mit denen er einer'Anzahl Gemeindemitglieder jedes Interesse (l1" *>*e Gemeinde abspricht. ’ i

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