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Die Gegenwart · 1869-04-15 · 8 (15.4.1869) · p. Seite 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
8 (15.4.1869)
Date
1869-04-15
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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Der Sancho Pausa eines „fortschriMche«^ Don Gnirote. „Da» Wahre und Rechte würde in der Welt leichter Raum gewinnen, wenn nicht die, welche unsShig sind, e« hervorzubringen, zugleich verschworen wäre», cS nicht auskommen zu lasten." Arthur Schopenhauer. Seit Mendelssohn gibt eS, besonders in Deutschland, viele ehrgeizige und geriebene Leutchen, die unter dem Deckmantel einer ehrlichen Reformation des jüdischen CultuS eigentlich die historisch-positiven Grundlagen drS Judenthumö und der jüdischen Religion zu unterwühlen trachten, und die unter dem Vorwände, für den „Fortschritt" und die „Aufklärung"^deö menschlichen Geistes zu kämpfen, nichts als ihre egoistischen und ehrgeizigen Zwecke zu erreichen suchen. Nomina odiosa sunt: und deßhalb will ich die Charakteristicken unserer heutigen kleinen „Duodez" - Luthers nicht genauer zeichnen, sondern bloß den Sancho Pans.a eines einzigen „fortschrittlichen" von Quixote den geehrten Lesern der „Gegenwart" hiermit vorstellen. Dieser Sancho Pansa, der zu Nutz und Frommen seines Herrn und Meisters, des vr. A. Geiger in Frankfurt a. M., eine an Byzanz erinnernde Panegyrik von Stapel gelassen, ist ein gewisser A. Hepner, weiland Zögling des Breslauer jüdisch - theologischen Seminars, jetzt aber in Berlin eine „katilinarische Existenz" führend und bei den Ultrareformern sich als fanatischer Bilderstürmer des talmudifchen IudenthumS gerirend und die Grammatik und Logik herautzfordenide Broschüren fabrizirend. Besagte« unsauberes Individuum hat nun einen gegen unsere heilige Religion und den — gesunden Menschenverstand wüthenden Köter, unter dem Titel: „Mahnwort an die Juden Berlins, zur bevorstehenden Repräsentantenwahl und Rabbinerberufung" (Berlin, in Commission bei Albrecht.) loSgelaffen, daS wir der wohlverdienten Vergesslichkeit sicherlich nicht entreißen würden, führte eS nicht einen o ff i c i ö se n, d. h. von vr. Geiger inspirirten Charakter und befürchteten wir nicht, daß die in diesem widerlichen Pamphlet sich spreizende Arroganz und die bodenloseste, schamlose Blasphemie gegen das Iudenthuin und unsere heilige GotteSlehre manches harmlose jüdische Gemüth vergiften und in dasselbe den Samen des Zweifels und Unglaubens streuen könnte. Doch werden wir unS nicht so weit vergesien, den Verfasser einer ernsten Polemik zu würdigen; dieß hieße des schönen Spruches vergessen: sv inSiK3 S'M fyn Sk nnx m iS nitrm (Proverb. 26, 4) — sondern werden, um die geheimsten Ansichten , und die innersten Triebfedern unserer Re so rmr ab b i ner kennen zu lernen, bloß manche charakteristische Stelle aus der uns vorliegenden Broschüre citiren; denn der Verfaffcr dieses Machwerks besitzt den Einen Vorzug, daß er nichts bemäntelt, daß er seine Unverschämtheit und seinen Atheismus offen zur Schau trägt, daß er, wie ein ächteS Berliner Kind, ein „Chuzpe-Ponim" puv sang ist. S. 2. macht sich Herr Hepner über die „„lächerliche Theorie der AuSerwähltheit Israels, jener Theorie, die ich (ich, der große Adolf Hepner) die Mutter der jüdischen "„Chuzpe" nenne"" auf die ungezwungenste Weise lustig. Gemach, geehrter Herr Hcppner! wir müssen Ihnen die Priorität dieses großen Wortes, das Sie so gelassen ausgesprochen, bestreiten und sie dem vr. Geiger in Frankfurt a. M. vindizircn. Der Mann ist schon seit Jahr und Tag bemüht, da« Judenthum, wenn ich so sagen darf, zu entju d aisir en, ihm sein charakteristisches Gepräge zu nehmen und besonders da« „AuScrwähltsein" Israels, das »hm stets ein Dorn im Auge war, wegzudüfteln und lächerlich zu machen! — v Ich will — um die Geduld der geehrten Leser der umxt" nicht zu ermüdm — nur noch C i n Pröbchen au« dem Höllenbreughel des Unsinn- und der Blasphemie dieser Broschüre erwähnen. „Sie sind" sagt H. Hepner S- 3 ff „bereits vollkommen davon überzeugt, daß der altbiblische I e h o v a h nicht« anderes sei, als der römische Jovis (sie!), Sie wissen c« recht gut, daß der „Adonai," den wir jetzt verehren, mit dem früheren Iehovah nichts zu schaffen habe, und Sie wollen doch die orientalische Sitte nicht aufgeben, bedeckten (so schreibt H. Hepner) Hauptes zu beten? Keiner von Ihnen fühlt das Bcdürfniß nach dem Messias und der Wiederherstellung des jerusalemischcn CultuS und doch dulden Sie eS, daß in unserem Gebctbuche die darauf bezüglichen Stellen nach wie vor verbleiben? Sie sind Ihrer Unkenntniß der hebräischen Sprache vollbewusst und wollen doch lieber hebräisch als deutsch beten? Haben Sie eine Ahnung von de»n, was Sie a»n Iomkippur Alles singend und schreiend rezitiren? & &" „Und so schwätzt und lehrt H. Hepner ungestört, Wer mag sich mit dem Narrn befassen? Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er n»»r Worte hört, ES müsse sich dabei auch was denken lassen!" Adolf Kohut. New-Aork 16. März 1869 (0.- X.) Fast jeder Eingewandertc schließt sich nach kurzem Aufenthalt, einem oder gar mehrerer Vereinen an, da die Einzelstellung daS Bedürfniß fühlbar »nacht in einer Gesellschaft einigen Ersatz für die verlassenen FreundschaftSzirkeln zu finden. DaS VereinSwcsen ist daher sehr ausgebildet und sind allerlei Art nach den Zwecken und Geschmacksrichtungen eingerichtet. Fast jede Landsmannschaft besitzt Vereine, welche zwar selten ausschließlich aus Personen einelandeSväterlichen deutschen Landes bestehen und von denen Personen anderer Nationalitäten ausgeschlossen sind, dieseS ist fast nie der Fall und wäre gerade hier d»»rcha»s nicht am Platze; sondern nur prädominiren in jede»»» Vereine Personen ähnlicher Gewohnheiten und Sitten, da solche sich mehr zu einander angezogen fühlen und ^die Mehrzahl sich lieber Vereinen anschließen, welchen ihre Frcu»»de und Bekannte angehören. In diesem Sinne »nuß man es verstehen, wenn hier von LLH m is ch^n Ve» einen die Rede ist: Schon im Jahre 1847, als die Emigration von Böhmen eine größere Anzahl von jungen Leuten nach New Hork brachte, wurde eine Gesellschaft „Bereinigte Brüder" gegründet, »velche für gegenseitige Unterstützung in Krankheitsfällen und zur Unterstützung armer Eimvandercr bcstim yt war. Dieser Verein, der größten Anzahl nach Böhmen, zählt gegenwärtig über f200 Mitglieder, besitzt einen Begräbnißplatz und bedeutendes Staminkapital und seine Mitglieder haben die Befriedigung vielen Landsleuten in ihrer Roth geholfen zu haben. Zlvei Jahre später »vurde eine Gemeinde gegründet, welche unter der zwanzig jährigen tüchtige»» Leitung ihres Präsidenten Ignaz S t e inauS Strakonitz von einer unbcdcutendcu Körperschaft zu einer der hervorragendsten Gen»cinden herangcwachscn ist. Rev. vr. Hübsch sungirt da als Rabbi und Prediger und Herr S. Weltfch als Kantor. Diese Congregation huldigt der Reform und wie immer ausseitige Berichte über Zerwürfnisse und Unzufriedenheit verlauten, so ist cS doch Thatfache. daß die große Mehrzahl »nit allen v0tgc:iommenen Veränderungen in, Ritus zufrieden sind oder sich wcn.gstcnS der Anordnung des Rabbiners unterwerfen. Der ewige Jude, .Korach, ist noch nicht gestorben und sogar auch nach An»erika emigrirt, aber er schreit hier nicht so gefährlich als in der lieben Hcimath. Die Synagoge ist bereits fast zu" klein für die Gemeinde und diese beabsichtigt in Kürze eine neue Synagoge mit einem Kostenaufwande von 2 — 300,000 Dollar« zu errichten. An der Congregation sich anschließend besteht ein Männer- und ein Frauen Leichenbestattungvereio, ähnlich jenen im alten Vaterlande und eine religiöse Schule, welche von circa 150 Schülern besucht wird. Der ,Hnma-

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