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Die Gegenwart · 1869-04-01 · 7 (1.4.1869) · p. Seite 68

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
7 (1.4.1869)
Date
1869-04-01
Page
Seite 68 (sequence 8)
Language
German
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fahl ist, bei dem Tode eines solchen Biedermannes? Nun darauf antwortet uns das verdienstvolle Leben deS Berblichrnen selbst. — War er eS ja, der sein Heimathland, auf dem seine Wiege gestanden, der seine Eltern und Verwandte, an die er mit den heiligen Banden der Natur eng geknüpft war, verlassen hat, um mit Liebe und Hingebung dem Rufe des theuern Vaterlandes zu folgen und den trauten Kreis der Familie mit dem Kampfgewühl des Schlachtfeldes zu verwechseln. Und mit welchem gestählten Muthe er diese Bahn betreten hat, mit welcher Unerschrockenheit und Tapferkeit, mit welcher Treue und Selbstverläugnung. mit welcher Aufopferung und Todesverachtung er, in Begleitung seiner wackern Kampfgenossen, gegen die grimmigen Feinde herangezogen, die, nach Deute haschend, in die freundlichen Gaue unseres Reiches einfielen, davon legt namentlich die jüngste Vergangenheit lautspreckcndrS Zeugniß ab, davon zeugt zur Genüge der ehrende Rang in den der Verblichene erhoben wurde, davon zeugt insbesondere die große, rege Theilnahme an diesem Leichenbegängnisse, seitens seiner edlen und biedern Freunde. Ja! der Verklärte hat durch seine Heldenthatrn den untrüglichen Beweis geliefert, daß auch in dem warmen Herzen eines Israeliten die Liebe und Treue zum Baterlande in dem höchsten Grade lebt, daß auch ein Israelit fähig ist, seine Habseligkeiten, seine Bcsitzthümer seine Familie und seine HeimathSstätte zu verlassen, wenn eS gilt in denDienst dcSStaateS einzutreten, wenn es gilt für die Ehre und das Wohl des geliebten Vaterlandes fein Leben selbst preis zu geben, wenn es grlt den alten Ruhm und Glanz des glorreichen KanseS Habdlnirg, des gesegneten Oesterreichs vor den Augen aller Völker der Erde zu verherrlichen. Und daß diese sa-önen, unvergänglichen Verdienste deS Dahingefchicdenen von all' den edlen Männern ohne Unterschied deS Glaubensbekenntnisses in vollem Maße auch anerkannt und gewürdigt werden, daß diesen Verdiensten eines Israeliten die Krone der Ehre und deS Lobe« aufgesetzt wird, daß sie in den Annalen der Kriegsgeschichte mit unauslöschlicher Schrift verzeichnet sein werden, das eben ist da« erhebende Gefühl bei dem niederdrückenden Gedanken einen treuen Bruder zu Grabe zu tragen. Denn tragen wir auch diesen entseelten Körper hieran Grabe, so bleiben ja doch die gcnanntcn^Lc rd i e n st e Ehrensäulcn und Denkmäler, die unerschütterlich sind, die nie verwittern, die nie vergehen. Und in diesem Bewusstsein, daß dem Verblichenen unverwclklichc Lorbeerkränze um da« Haupt gewunden wurden, mögen dessen Verwandte in fcrucm Lande süßen Trost finden, wenn die Tranerkunde von dem Ableben ihres Theuern an sie dringen werde. Und au« diesem Bewusstsein wollen auch wir alle, meine Hochverehrten, die wir uns um diesen Sarg hier geschart, Erhebung dcö Herzens und Stärkung des Ge» müthcs schöpfen. — Du ader, verklärter Geist, z ie hc h in i n j e n c li ch t c n Höhen, um dort den Lohn Deiner glänzenden Verdienste in reichlich cr Fü llc noch einz u samineln, um dort der ewigen, h imm li sch c n Glückseligkeit theilhaft zu werden. Amen. %* Der Journalist Herr Ignatz Schick Mitarbeiter der Eorrcspondenz, wegen eine« PrrßvcrgehenS in demselben Blatte vcrnrthcilt, wurde vom obersten Gerichtshöfe für nicht schuldig erkannt. V Wie wir authentisch erfahren, hat der AmtSschreibrr H. TewcleS, wahrscheinlich von dem von 180 Gemeinde- Mitgliedern unterfertigten an die isr. EultuS Repräsentanz gerichteten Gesuche altcrirt, sich erlaubt, mehreren Unterfertigten desselben mittelbar und unmittelbar Vorwürfe in einer Weise zu machen, die geeignet wäre, 180 Gemeindcmitgl. zu verletzen, wenn diese Vorwürfe eben nicht von dem AmtSschreiber auSgegangen wären. Wir müficn jedenfalls den Muth bewundern, mit dem dieses Individuum, das sich mit Hilfe jener 180 achtbaren Steuerzahlern das tägliche Brod verdient, um nebenbei gesagt, von 1 Uhr Nachmittag- bis zur Zeit, in der er sein schöne- Haupt niederlegt, im dolce 1»r oientv zu leben, sich erfrecht, die Schranken der Abhängigkeit zu überschreiten. ES dürfte wohl diesem Ministranten der heiligen Klique die Energie von 180 Gemeindemitgliedern unangenehm berührt und ein schauererregendeS Gefühl beschlichen haben als könnte diesem liebenswürdigen Manne mit der Zeit in feinen tausendguldigen Gehalt Bresche geschossen oder gar die ganze AmtShexerci der BrlelcSgaffe sammt Stumpf und Stil cinemsnnt bescheidenem Gehalte dotirten Advokaten, an denen eS Gott Lob nicht mangelt, übergeben werden. Auswärtiges. Lemberg, 28. März. (I u d e n k r a w a l l e.) Am Gründonnerstag kam es in JaroSlau zu einem Judencxceß. Kinder trugen wie üblich die Judasfigur herum, was die Israeliten nicht dulden wollten und die Figur wegzunehmen suchten. ES entstand in Folge dessen ein Zusammcnlauf, dann wurden den Israeliten die Fenster eingeschlagen, bis schließlich das Militär herbeigerufen wurde und Ordnung schuf. Pesth. 4. März. In Pesth fand gestern ein glänzendes Banket statt, welches die Israeliten dem gewesenen Generalkonsul Eder gaben. Andrassy und viele hohen Würdenträger waren anwesend. Berlin. (Statistische«) Hier sind in den höhern Unterrichtsanstalten der alten Provinzen Preußens JlOn, Proc. protestantische, 22,„ Proc. katholische und 7„ Proc. jüdische Schüler; die Gesammtbevölkerung entziffert aber 60 Proc. Protestanten, 38 Proc. Katholiken und nur IV,, Proc. Juden. Bei den Protestanten kommt auf 243 Köpfe (männl. Bevölkerung,) bei den Katholiken erst auf 462, bei den Juden schon auf 53 Köpfe ein Schüler einer höhern Unterrichtsanstalt. * 12. März. Der Abg. Wiggers (Berlin) hat die folgende Interpellation in den Reichstag eingebracht ^Der Unterzeichnete richtet an den Herrn Bundeskanzler die Anfrage: ob nicht das BundcSpräsidium in Ausführung der am 23. Oktober 1867 und am 16. Juni 1868 gefassten Beschlüsse de« Reichstages noch in gegenwärtiger Session einen Entwurf zu einem Gesetze vorlegen wird, welches alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte aufhebt, insbesondere 1) für alle Eidesleistungen der Israeliten eine der Gleichberechtigung entsprechende Form einführt und 2) die volle Gleichberechtigung der Israeliten zur Theilnahme an der Gemeinde- und LandcSvcrtrctung, sowie zur Bekleidung öffentlicher, Gemeinde» und StaatSämtcr im Gebiete des norddeutschen Bundes ausdrücklich anerkennt?" Es ist diese Petition zunächst wohl durch die Verhältnisse in Meklenburg veranlasst; sie hat aber, waö den Punkt ad 2 betrifft, unbedingt auch für Preußen noch ihre Bedeutung. * Präsident Delbrück beantwortet im Reichstage die Interpellation Wiggcrö wegen Gleichberechtigung der Israeliten dahin, daß diese Angelegenheit binnen Kurzem im BundeSrathe zur Befchlußnahme gelangen werde. Paris. Herr Gustav H a l p h e n, Mitglied deS israel. ConsistoriumS zu Paris, früher Generalconsul, wurde nach Beschluß deS UnterrichtSministerS zum Beamten deS öffentlichen Unterrichts ernannt. * Herr Joseph Lehmann auS Belfort wurde zum RabbinatSaffeffor von Paris erwählt. (Un. JSr.)_ Fortsetzung in der Beilage. J.

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