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Die Gegenwart · 1869-04-01 · 7 (1.4.1869) · p. Seite 67

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
7 (1.4.1869)
Date
1869-04-01
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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«7 Zahl brr Wühler welche hinzutritt, keine so eminent «roß» ist, daß man sagen könnte» deren aktives Wahlrecht falle so gewichtig in die Wagschale, daß wenn e» nicht realisitt würde, ihnen absolut eiu Unrecht geschehen würde. Ich bin daher dafür» daß eine Aendrrung der Wahlordnung in folgenden Punkten stattfind«: 1) da« aktive Wahlrecht solle den Fremden zngrfiandru werden. 2) Lei den Wahlen sei die absolute Majorität als nothwendiges Reskript vorauSzusetze«. 3) Daß die Wahlrn nicht bi« zur Heradlangnng der Erledigung deS Gesuche« verschoben werden sollen. Unter Zugrundelegung der beiden ersten Punkte beantrage ich, das« «ine Kommission au- 3 Mitgliedern bestehend, eingesetzt werde, welche in 8 Tagen eine Aenderung der W hlordnung au-zuarbeiten hat und denselben sodann der Repräsentanz ^nr Einsicht voizulegen hat und daß dann diese der Regierung sofort zur Genehmigung vorgelegt werde. Zugleich bin ich dafür, daß man den H. Bittstellern Bescheid über Beschlüfie gebe, in welchen Punkten wir angegangen worden sind, daß wir ferner die Acnbernng der Wahlordnung in diesem Sinne anstrrbcn und bei der Regierung befürworten werden, nicht aber, daß wir die Wahl bi« zur Erledigung verschieben werden. Lieben glaubt al« rin wichtige« Argument berückstchtigen zu mühen: daß man mit Eintritt diese« Modn« jnit keinem Rechte von einem in die Gemeinde Eintretenden die JncolätSgebühr verlangen kann, da derselbe gleich beim Eintritte die betreffenden Rechte besitzt. Dr. Gitschin. Ich bin mit allem einverstanden, nur nicht mit dem Anträge, daß alle drei Wahlen an verschiedenen Tagen stanfindrn sollen, denn ich kenne die Genesis dieser Einrichtung. Man hat diese Anstalten getroffen, mit der Hoffnung, daß wenn die alte Regie in erster Linie geschlagen wird, sie sich in die 2. und 3. zurückziehen kann. Nu» Üben wir in einer Zeit wo wir keine Eoncessionen zu machen haben und zugleich wurden wir. wenn die Wahlen an verschiedenen Tagen statlfinden, ein überflüffige« Gerede in der Stadl verursachen. Ich stimme daher mit dem Anträge de« Hrn. AntragSsteller«, daß die Wahlen an einem Tage statlfinden mögen F e i g l. Im Prinzipe mit Hrn. vr. Raudnitz, indem Redner meint, doß Fremde, welche längere Zeit hier domiciliren (wie lange wird die Kommission bestimmen, daactioe Wahlrecht erhalten sollen. vr. R a n d n i tz. In dieser Frage möchte rch gerne Farbe bekennen, ich bin gewohnt re» letzten Eonsequenzen eine« Prinzipe« Recynung zu fragen und da wir uns auf dem Standpunkt stellen, daß wir da« System der Interessenvertretung gerade so wie im politischen Leben auch hier durchführen und da e« eine staatSgrundgesetzliche Bestimmung ist, daß den Gemeindegenoffen, welche nicht der Gemeinde angehörig sind, schon dann da« active Wahlrecht zusteht, wenn sie ein Jahr in der Gemeinde domiciliren, ,ie Steuer rechtmäßig zahlen. Bei unsrren kleinen Verhältnissen wo da« active Wahlrecht gering in die Wagschale fällt möchte ich da« Prinzip nicht durchlöchrrn. Ich muß gestehen, daß e« nicht konsequent wäre, davon abzuweichcn. E« wird Schluß der Debatte beantragt, (angenommen) Rrfrrent glaubt mir den Anträgen de- Hrn. vr. Raudnitz über- «inzupiwmen, indrm Redner meint, daß er nicht« dagegen habe, wenn die Fremden heuer wählen, da sie im nächsten ex offo zu diesem Rechte gelangen. Wa« aber die Wahl an einem Tage anbelangt, glaubt Redner unbedingt in di« Petition der Bittsteller einzugehen au« bercitös erwähnten Gründen und ebenso auf die Schlußbitte. vr. Raudnitz (zur thatsächlichen Berichtigung) Der Herr Berichterstatter hat meinen Antrog mit seinem gleichgestellt, wogegen ich feierlichst verwahre denn da« wäre ein Gaukelspiel, denn e« würde seni, daß ich auf der «inen Seite das Prinzip anerkenne auf der andern sie ausschiebe. Ich habe den Antrag gestellt, daß unter Anerkennung des Prinzipe« rücksichtlich de« Wahlrech'« der Fremden und der absoluten Maj orität eine Kommission eingesetzt werde, zur Abänderung der bestehenden Wahlordnung und daß diese Kommission da« Mandat erhalte, binnen 8 Tagen darüber Bericht zu erstatten und noch vor Eintritt der Wahlrn effcc'iv die Aenderung der Wahlordnung beider Regierung sancttoniren zu lassen. Sollte aber bi» dahin der Modu« noch nicht erledigt worden sein, so ist die Wahl nicht weiter hinanszuschieben. Auf Anregung de« Hrn. vr. Wiener stellt vr. Raudnitz den Antrag,daß man die Mühe nicht scheue und nach bei der Richtung alternativ Wählerlisten verfasse und auflege, um bi» zum betreffenden Zeitpunkte nach dem einem oder andern vorzngehen. S ch i (j stellt den Gegenantrag noch abznwarten mit der Absaßung der Wählerlisten. Wenn bis zur Wahl die neue Wahlordnung erledigt ist, so wird in diesem Sinne, wenn nicht, so müßte die Wahl vertagt werden. Frankel unterstützt diesen Antrag. vr. Raudnitz. E» scheint die« nicht richtig zUin^denn dir Wähl« listen werden ja nicht morgen angesertigk, in 8 Tagen können wir über den Modu« vollkommen klar sei». Bon Seite der Regierung erwarten wir, daß es entweder abge'.ehnt, oder acceptirt wird. Sie wird nicht mäckeln an dem einem oder Andern. Einer Anzahl achtbarer Gemeindemiiglieder können wir gegenüber nicht sagen: „für bicSmal ist mtblfl bi« in 2 Jahren," umsomehr al« wir nicht ganz frei vom Verschulden wären, wenn wir sagen: daß die Hrn. Einschreiter mit ihrem Begehren zu spät gekommen sind. E« ist b-kannt, daß wir ein neue« Statut verfassten, worin diese Wahlordnung Platz gesunden hätte» wir müssen und sollen Bll>s thun um den Petenten gerecht zu weben. Die Anträge des Hrn. vr. Raudnitz in Bezug auf Einsetzung, Kommission und Wahl mittelst der obsol. Majorität angenommen. L-- Antrag d. Hrn. Schltz, alle Wahle« an einem Tag« vorzuizihmm abgelthnk. (Schluß der Sitzung um '/,1 Uhr.) V Auf Anregung Sr. Ehrwürden des Herrn Radbbiner Samuel Freund einen Verein „Afike I.huda" zur Erinnerung an den vor Kurzem verstorbenen Herrn Rabbi Jchuda TeweleS zu gründen, sind mehrere Gcmeindemitglieder zufammengetteten, um zur Realisirung dieser Idee den Impuls zu geben. Man hat ch, was die Tendenz deS zu gründenden Vereines betrifft, dahin geeinigt, die „Erweckung des religiösen Sinns und die Förderung jüdischen Wissens" auf das Programm ^n setzen. Mit der Ausarbeitung der Statuten wurden betraut die Herren: J. Dr. Braun, Institutsdirektor S. Singer, H. Schütz. Moritz Ungar, Leopold Wolf, S. Bayer, I. Wiener, I. Brandeis (Redakteur dieser Blätter) und J. Dr. Rosenbacher denen die Herren deS GründungSkoiniteS zugczogen werden. Das Statut wird seiner Zeit einer Generalversammlung zur Begutachtung vorgelegt werden. *#* Ein Leichcnbegäi'gniß. wie cS seit Jahren nicht in unserer Gemeinde gesehen wurde, fand verflossenen Montag um die dritte Racymittagsstunde, in feierlichster Weise statt. Der k. k. Lieutenant im Erzherzog Karl Salvator Inf Regimente Herr P h i l i p p G r a u b a r t verschied nach längerem Leiden in größter Gottergcbenhcit. Der Dahingcschiedcne ein höchst intelligenter, diensteifriger nnd seiner Bescheiden«, heit wegen bekannter Offizier hat sich im Regimcnte einer ungewöhnlichen Beliebtheit erfreut, die auch in dem letzten Geleite von sämmllichcn Offizieren des Regimentes am deutlichsten hcrvortrat. Die rituelle Waschung der Leiche fand Bormittag im GarnisonSspitale Rr. i statt, und Nachmittags oewegic sich der Trauerzug unter Absingung des Joschew bessesser von dem von Herrn Oberkantor Perelcs angeführten Tcmpelchor, vom Trauerhause fort. Eine Chrenkompagnie sammt der RegimentSmusik rröfsnete den Zug, den vierspännigen Militürgallawagen mit den militärischen Emblemen und vier mit weißen Schleifen versehenen Myrthenkränzen geschmückt, umgaben Korporale mit Windlichtern. Dem Leicyci,wagen folgten Sr. Ehrwürden Herr Prediger Dr. Hoff, Sr. Ezcellen; der General Herr Freiherr von Prochazka, der k. k. Oberst eine zahlreiche Suite von k. r. Offizieren und uniformirten Bürgern, der Präses der CulluS Gemeinoe Herr Dr. TeüeSco und eine miübersehbarcs Tranergcleite aus allen Ständen. Am isr. Gottesacker in Weltschan angelangt, wurde der Sarg unter obermaliger Absiugl'ng'oeö Joschew bessesser aus dem Wagen gehoben, und in der Nähe des Grabes ausgcbahrt. An dieser Stelle sprach Sr. Ehrwürdcn Herr Dr. Hoff, dessen bescheidenes Auftreten selbst von unseren nicht israelitischen Brüdern gerühmt wurde, in ergreifender und schwungvoller Weise, wie s'e nur das Andenken eines in fremden Lande fern von seiner Heimath ruhenden Tobten ehren kann. Wir glauben unseren Lesern den Wortlaut dieser Trauerrede, so weit ihn unser Referent kapirl hat, nicht vorzuenlhalten und führen ihn hier an: Hochverehrte Anwesende! Theilnrhmcnde Freunde! Das Fest der Freiheit und der Freude, daS seit wenigen Tagen gleich einer lichtvollen Morgcnröthe, über uns Israeliten angevrochen ist, gestattet es mir nicht, daß ich, als Diener deS göttlichen Wortes, heute an der Bahre eines dahingcschicdenen Glaubensgenossen, an der Bahre des Herrn k. k. L i c u t e n. Philipp Granbart den dumpfen Ton der Klage und der Trauer anstimme. Wozu aber auch den Schincrz uno die Wehmuth noch erhöhen, die in de» zartfühlenden Herzen treuer Freunde auftauchen in dem Augenblicke, da sie die irdischen Ueberrcste ihres liebevollen Collegen zur ewigen Ruhe bestattenV! Rein! nicht dem bet rüden den Gefühle, welches das Hinscheioen einesolchen Ehrenmannes in seinem Gefolge hat, nicht diesem wollen wir jetzt gebührenden Ausdruck verleihen, sondern dem erhebenden. Und welches dleseS erhebende Ge

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