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Die Gegenwart · 1869-04-01 · 7 (1.4.1869) · p. Seite 69

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
7 (1.4.1869)
Date
1869-04-01
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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Beilage znr „Gegenwatt" Rro. 7. 69 s Binbon, den 19. Februar. In einem Briefe aus Jerusalem vom 1. Februar berichtet Lieutenant Darren über eine interessante Entdeckung, welche er etwa 23 Fuß von der Südseite des Teiches Bethsrda (Birket Jsrail) gemacht hat. In einem Garten fand er drei Cisterncn. sämmtlich mit sehr schmalen Kffnungen an der Oberfläche; zwei derselben ergaben bei einer näheren Untersuchung nichts Bemerkenswertes, in der dritten jedoch, in welche er erst hinunter zu steigen vermochte, nachdem er 'sich seiner Kleider entledigt hatte, wurde er für seine Anstrengungen belohnt. Der enge Eingang der Cisternc war nur drei Fuß lang und 10 Fuß unter der Oberfläche gelangte Darren auf den Boden einer kleinen Kammer. Von dort abwärts war die AffnuNg ziemlich weit und ohne Schwierigkeit gelangte Darren auf den Boden. Das Wasser war nur 3 Fuß hoch und stand wie spätere Messungen ergaben, mit dem Teiche Bethseda in direkter Verbindung. Nach Erleuchtung des Mägnesiumdrahtes fand Darren sich in einer großen Halle, in welcher sich Bogen an Bogen reihte und welche ihm der Kathedrale von Eordova ganz ähnlich schien. Nachdem Darren nebst einem Gefährten, welcher von stärkerem Körperbau war als er selber und erst hinunter gelangen konnte, nachdem er die Oeffnung erweitert hatte, drei Stunden lang Vermessungen angestcllt hatten, zwang die Kälte des Wassers sie, ihre Arbeit einstweilen zu unterbrechen. * Sir Moses Montefiore, welcher sich seiner Gesundheit halber den Winter über in Italien aufgehalten, war daselbst krank gewesen; doch geht eS ihm bedeutend besser und ist er gegenwärtig auf der Rückreise nach England begriffen. Kowno. In einem benachbarten Dorfe wurde das nur wenige Tage alte Kind eines Inden von dem Geistlichen deS Dorfes gewaltsam weggenommen und dann in der griechisch-katholischen Kirche getauft und hierauf den trostlosen Eltern zurückgegeben. Der Vater des KindcS ging nach Wilna und brachte bei der betreffenden Behörde seine Klage vor, die auch als gerechtfertigt anerkannt wurde. Die Taufe wurde für nichtig erklärt und der Geistliche ob dieser That zur Rechenschaft gezogen. Nekrologie. Rabbi Juda TeweleS, gestorben den 8. Nissan 5629. (März 1669) im6S. Lebensjahre. Seit Monden hält der unerbittliche Tod reiche Ernte und rafft aus der Gemeinde Mänuer hinweg, die durch ihren biedern Lebenswandel, durch ihre Gelehrsamkeit, die schönste Zierde, der kostbarste Schmuck einer Gemeinde zu sein die vollste Berechtigung haben. Kauin hat sich das Grab über einen Rabbi Simon Lasch geschlossen und schon entführt der grausame Tod der Gemeinde einen der edelsten, würdigsten, frommsten und talmudisch gelehrtesten Männer im schönsten Alter des Lebens. Einsam und bescheiden sah man ihn den heute beweinten, in seiner bescheidenen Stnbe thätig, in der Rechten die Uhr um die Kostbarkeit der Zeit zn ermessen, vor den Augen die heilige Lehre mit der er die Zeit erfüllte. Rabbi Jehuda TeweleS eine im Stillen 'wirkende aber dennoch wohlgekannte Talmud Koryphäe war dieser von frühester Jugend an, an Entbehrungen gewöhnte GotleSmann, der in der heiligen Lehre allein Trost für traurige Empfindungen, Balsam für manche Leiden, Ersatz für so manchen Mangel gefunden. Niemanden die blutenden Wunden seine» Herzens gezeigt, keinem von Glücksgüter Gesegneten, dem Eigennütze zu Liebe, hofirt hat, ehrlich und ossen, schlicht und grade fasste er die Menschen auf wie sie sind und nicht wie er sic haben wollte. Rabbi Jehuda TeweleS war der -ausgeprägteste edle Charakt.r, an dem kein Makel haftete strenge und^dabei dennoch gut, gerecht und frei von jedem Vorurtheile. Der sonst bei vielen seiner StandcSgenossen so gern geübte JesuitiSmuS blieb ihm fremd nnd die Wege, die er sich vorgezeichnct, kannten keine Krümmungen So sehr er in dem Studium des Talmuds den einzigen Born seines Lebens erblickte, so sehr er daraus lehrte und den Wissensdurst mancher seiner Jünger mit seinem immense» Wissen stillte, so erkannte er anch die Zwecklosigkeit der prager Talmud Thora Schule.. Dieser cslc Mann sagte noch im vorigen Jahre zu u»s, „würden nicht mcirle Bachurim zu mir kommen und lernen, 'ich wurde meinen Gehalt den ich als Lehrer an der T. T. Schule erhalte, nicht annchmcn; denn da» Geld für diese» Institut ist rein zum Fenster hinauSgeworscn." Er erboth sich anch damals nicht der Rcpr. sondern der Behörde gegenüber, mik^Freimuth Rede zu stehen und auf die Gewissenslosigkcit der Com- Mission der T. T. Schule hinzuwcisen. Er liebte, wie gesagt, den Talmud, er lehrte ihn gerne, sehr gerne, aber er verwarf das System einer T. T. Schule, wie sie eben Prag besitzt. ES gibt wohl noch Talmud - Gelehrte, aber solche, die sich erhaben dünken.über höher stehende Geister, sie der blassen Ignoranz zeihen, heute gegen eine Institution' ans-, morgen für dieselbe wieder cintrcten nnd in zügelloser Leidenschaft entweder geißeln oder schmarotzen, je nachdem sie cS für ihre Zwecke gut finden, aber der nun Verklärte hat sich selbst aus dieser Kaste von Menschen ausgeschlossen, er über- und unterschätzte .Niemand und darin zeigte sich auch seine Charakterfestigkeit. Warum suchie man einem solchen Manne nicht das von Sorgen gequälte Leben angenehmer zu machen, warum hat man irreligiöse Menschen die mit der Gottheit va bamzue spielen, doppelt so hoch besoldet, als einen Mann den die Last der Gelehrsamkeit bis zu Tode erdrückt hat? Heulen nnd Weinen, Jammern und Winseln an der Bahre eines für die Irdischen Verlorenen nützt nicht», wenn ihm nicht früher da» Leben verlängert wurde. Rabbi Jehuda TeweleS hat zwar nie Anerkennung verlangt, nach seinem Leben am allerwenigsten. — Er ruhe in Frieden! Briefkasten der Redaktion. Hrn. St. i» N. Bereit» ,u r Genüge besprochen, bkdaurrn die Nicht» ousnahme. — Herrn vr. R. in F. liignet sich sür rin politische» Journal.— Hrn. A. M. R. in St. Warum nicht gewünschten Schluß. Brikskaste» der Administration. . Hrn. L. in B. Abonnement vorgemerkt. — Hrn. M. in A. ver langte Nummer vergriffen. So eben erschienen und in Commission bei Senders k Brandkis in Prag zu haben. Die Verlreibnug der Juden aus Bobinen in Jahre 1744 und deren Rückkehr im Jahre 1749 Mit Benutzung archivalischer Quelle »VN M « l f. in Wie». Preis *70 kr. ö. W. —

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