Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 7 (1.4.1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
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I 65 — pflegt, geübt und ausgebildet werde für da- Hell deganzen Menschengeschlechte-, damit da- GotteSwort r „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst," sich bewähre. Wie die Sonne da- Centrum de- Lichte- und der Wärme sür die Natur, so sei die Ehe der Mittelpunkt aller Liebe und Treue für die menschliche Gesellschaft. Und diese heilige Aufgabe zu verwirklichen, seid auch Ihr, mein werthes Brautpaar berufen, stehet Ihr hier mit solchen guten Vorsätzen Euch gegenseitig die Hand zum Bunde zu reichen; und deshalb sagen Sie, werther Herr Bräutigam, zu Ihrer Braut, indem Sie ihr den Trauring anziehen: „Durch diesen Ring bist du mir geheiligt, nach den Gesetzen Moses nnd Israels," die da lehren, wie der Mensch glücklich leben und wohlgefällig handeln kann, in den Augen Gottes und der Menschen. Journalistik. Israelitische Zustände in Tunis. Der „Urners Israelite“ berichtet hierüber, nach einem Schreiben au- Tunis von 26. Feber: „Wir hofften auf eine an die Konsulen günstige Antwort vom Bcy. Indessen wurde unglücklicher Weise ein neuer Mord an einen acht und zwanzig jährigen jungen Mann, Namen- Jakob TellvuS ausgeübt. Der Mörder hat eS sogar, ohne die Hand der Gerechtigkeit zu fürchten, gewagt, am darauf folgenden Tag auf dem Markte öffentlich die Kleider des Ermordeten zu verkaufen. Auf die Reklamation einiger Israeliten, welche die Kleidungsstücke des unglücklichen Jacob Tellvus erkannten, wurde der Mörder vor den Polizeipräfekten geführt, der sich stellte ihn auSzu« fragen. woher er die Kleider .habe. Auf seine Entgegnung, er habe sie unter einem Stadtthore gefunden, erklärte der Präfekt laut, daß er keine Motive finde, ihn zu verurtheilen; doch ordnete er, um einem anwesenden Israeliten sich gefällig zu zeigen, den Verhaft des Mörders provisorisch an. Man gibt die ganze Angelegenheit für verloren." Nun folgt die Abschrift der Antwort deS BeyS an die Konsulen. 29. Choual 1285. Nach den gewöhnlichen Begrüßungsformeln: „Wir haben Ihren Brief vom 11. Jäner 1869 erhalten. wovon wir Kenntniß genommen haben. Wir bedauern sehr in unserem menschlichen Gefühle, daß solche Begebenheiten stattgefunden haben, um so mehr, weil diese Leute unsere Unterthanen und Einwohner dieses Königreichs sind. Wir kennen alle Bemühungen, die wir in diesen Angelegenheiten getroffen, und die auch nicht aufgehört haben, der Gegenstand unserer besonderer Sorgfalt zu sein, und so bald die Schuldigen werden entdeckt werden oder auch ein Verdacht auf irgend jemand fallen dürfte, so wird er eingezogen, und dem Rechte gemäß behandelt werden. Wir haben dem Polizeipräfckten ernstlich aufge.'ragcn, fleißig „Nachforschungen anznstellen. ES dürfte aber Jynen die „Unklugheit einiger dieser Leute nicht unbekannt sein, welche „sich der Gefahr so sehr auSsctzen, daß ihnen das, was sich „ereignete, zukam; es wäre anzurathen Ihre Unterthanen „zu benachrichtigen, sich von Orten entfernt, zu halten, wo „sic vielleicht in Gefahr kämen." „Bleiben Sie etc." „Unterzeichnet. Mustapha (erster Minister.") Die alten Verfolgungen beginnen von Neuem stärker und gewaltiger zu werden. Ein Israelit, angeklagt von einem Griechen Oehl, welches dem Sohne des ersten Ministers gestohlen, und diesem Griechen verkauft worden war, gekauft zu haben, sollte nach Bardo (einem Orte, wo der Bcy Gericht hält, zwei und eine Halbe Meile von Tunis) zu Fuß gebracht werden, die Händx gebunden, und einen Strick um den Hals, be- ' L festigt an dem Schweife eine» 'Pferde-, auf welchem der Gensdarme, der ihn nach 'Bardo führte, ritt, wo er in- Gefängniß geworfen wurde. Dank der Verwendung defranzösischen Konsul- und einiger offiziösen Empfehlungen erschien der Angeklagte vor dem Bey, der ihn für unschuldig erklärte." Locales. %* Sitzung der israelitischen Cultusgemrinderepräsentanz am 14* März 1869. Beginn der Sitzung % 11 Uhr. Anwesend die Herren: G. Frigel, S. St. Frankel, Dr. Gitschin, Lieben, Osrr«, vr. Piibram, vr. Randnitz, G. Schiß, Singer, I>r. LrdeSco, M, A. Wahle, Prof. vr. Wessely, vr. Wiener, Zappert. E« waren sonach abwesend di« Herren: Fischet, I. Schütz. Nach Verlesung und Genehmigung de» Protokoll« vom 17. Feber 1869 macht der Vorsitzende einige unwesentliche Mitihrtlunge» und bringt da« Legat deS Hrn. Moritz G. Wehle im Betrage von 460 (I. tffir Armesimd die Spende der Hrn. KublnSky im Betrage von 80 fl. zur Kenntnis. Hierauf meldet der Borsitzende, daß ihm eine Deputation von Gemeindemitgliedern rin Gesuch an die E. G. Repräsentanz überreicht habe, mit der Litte, daß er e» nach Möglichkeit kräftig unterstützen möge. Ich habe ihnen, betont der Borsitzrndr, zugesagt, da« Gesuch und die darin enthaltenen G runde aus da> sorgfältigste zu prüfen, da« Gesuch krästigst zu unterstützen und ich werde Gelegenheit haben, seiner Zeit darauf zurückzukommen. So viel au» dem Rubrum ersichtlich ist, handelt e» sich um Abänderung des in das Präger isr. ^ultuSzemeinde-Statut aufzenammrnen WahlmodnS. Der dieß bezügliche ProgrammSpunkt wird seiner Zeit darüber refrriren. Es wird nun zur Tagesordnung geschritten. Bezüglich der Vorlagen der Rechnungen de- Knabenivaisenhaufes und der T. T. Schule pro 1868 wird der Vorsitzende ermächtigt, dieselben riner zweigliedrigen Lommission zur Prüfung zu übergeben, um nächsten« darüber zu referiren. Hierauf beantragt vr. Gitschin als weltlicher Schulaufsr» her der Jasefstädtcr Schule, in einer Eingabe, Regelung de» Religionsunterrichtes. Redner ist der Meinung, der Religionsunterricht, wir er stattfindet, mag ein guter sein, aber der betreffende Religionslehrer hat kein Programm: Niemand ist officiell in Kenntnis über die einzelnen Gegenstände, über die Anreihung de« einen Thrile« an den andern, ich habe es für meine Pflicht gehalten, die Repr. bei Zeiten*) darauf anfmerksam zu machen. Sein Antrag geht dahin die Repr. möge vom Hrn. vr. Grünhut**) ein Programm abvrrlangrn, damit man wisir. worin Pa« System de» Unterrichtes bestehe. Di) Angekegknhttr^wtrd einer dreigliedrigen Lommission zur Berathung und Berichterstattung zugewiesen. Hierauf erfolgt der Bericht über die CultuS- und Anschluß» steuer-Gnippen. Klaffe Zahl d. Parteien davon Fremde Kultukstruer Auschlußsteuer 1 108 23 1 0 o 97 30 1 30 3 120 »6 1.50 60. 4 127 48 2.— 1.20 6 180 69 3.— 1.70 6 182 80 5.— 2.30 7 164 61 7.60 3.40 8 129 33 10.— 4.60 9 72 20 12.50 6.60 10 91 14 15.— 9.— 11 67 7 18.— 12.— 12 49 4 20.— 17 — 13 26 S 23.— 23.— 14 24 6 25.— 28.— 15 24 6 30.- 84.— 16 22 6 40.- 40,— 17 14 4 60.— 66.— 18 11 0 75.— 66 — 19 2 0 100.— 70.— 20 6 0 125.— 84.— Dem folgt der Antrag de« Hrn. Schwab aus Zusagunq der Repr. zu der vom Stadtrathr beabsichtigten Gewährung einer Septrmnualzulage, den Lehrern an der Josesstädrer Haupt- und Unterrealschül«. Laut Beschluß de» Stadtrathe» wird der Gehalt sämmtlicher in der Stadtgemelndr angestclltcn Lehrer nach 7 Jahren um 60 fl. erhöht *) Bet Zeiten sollte besser heißen, zur Zeit, wo die Schul« der Auflösung nahe ist. (d. Red.) **) Herr Referent w ird wohl wissen, daß sich nich t immer ei» Mediciner zu Allem eignet, am allerwenigsten zu einem ReltgionSlrhrer und wir erlauben uns dem Hrn. Referenten Göthr« Worte in» Gedächtnis zu rufen: „Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen, ihr durchfiudirt dir klein und große Welt, um e« am Ende gehe» zu lasse» at» wir'« Sott gefällt." (d. Red.) /