Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 7 (1.4.1869)
- Date
- 1869-04-01
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Verfechtern geschleudert und die Zündfäden, welche an daunterminirte GlaubenSgebäude gelegt werden. — WaS dem Einen recht, ist dem Andern nicht billig; wa» der Erste für gut findet, scheint dem Zweiten unzulässlich; wa» aber alle thun sollten, daS thut in der Regel — keiner. Und man kann mit Recht manche unserer Seelsorger .Wegweiser" mie) nennen, welche die Bestimmung haben, andern den rechten Weg zu weisen, selber ihn aber nicht gehen. — Wo aber solche Maximen nach Willkür walten. Da kann wahre Religion sich nicht gestalten. — I. — in. Eine Ehrenadresse an einen Laffeler Synodenarrangeur. Um einen Begriff von dem Vertrauen zu erhalten, das die Herren Reformer genießen, welche zum Behufe einer Synode rinbernsnng an alle Gemeinden und Männer vom Berufe Einladungen ergehen ließen, empfehlen wir folgendes mit .Warnung" betiteltes Eirkular, das auch uns zugckommcn ist, zur Durchsicht. Alle gesctzeStreuen Mitglieder der Synagogen-Gemcinde in Berlin werden darauf anfincrksain gemacht, daß nach dem Ableben deS fecl. RabbinatS-AssessorS Roscnstei n die Pcffachwaarcn und Fleischwaare» so wie alle diejenigen Gegenstände, welche der rabbinischcn Aufstcht und Approbation bedürfen, trotz der Bescheinigung und deS Siegels des hiesigen Rabbinats als der gesetzlichen Aufficht dcn.wch entbehrend angesehen werden müsicn, so lange solche von dem schon von seiner Theilnahmc an der Cassclcr sogenannten Rabbincrversammlung als Rcologe bekannten Herrn Dr. A u b und nicht von einem genügend gelehrten, strenggläubigen, gesetzcStrcucn Rabbiner beaufsichtigt und approbirt werden. Wir müssen in diesem Falle zur Beziehung solcher Waarcn aus Gemeinden, an deren Spitzen gesctzestrcue Rabbiner stehen wie Hamburg, (Oberrabbincr Cteni), Frankfurt a. M., (Israelitische Religionsgescllschaft, Rabiner Hirsch). Halberstadt, (Rabbiner Dr. Auerbach) ,c. rathen. Dcßgleichcn warnen wir unserc Glaubensgenosse»» von Herrn Dr. A u b irgeüd eine die EhcverKältnissc betreffende rabbinischc Funktion ausüben zu lassen und dadurch in die Gefahr zu kommen, unserc heiligsten ReligionSgesctzr zu brechen und eine nach;üdischem Gesetze ungültige Lhe einzugrhcn. Wir warnen ferner jeden gesetzestreuen Glaubensgenossen durch daS Besuchen der Predigt deS Herrn Dr. A ub, waS von einem strenggläubigen Israeliten geschehen sollte, denselben so wie den Borstand der Berliner Cynagogengemcindc in der Meinung zu bestärken, als ob die gcsctzestrcncn Israeliten Herrn Dr. Aub über- Haupt als Beamten der jüdischen Gemeinde anerkennen dürften. Echlietzlich wamen wir alle gewissenhaften Israelitisch^» Ellern, denen die ehrlich jüdische gcscpcstrcue Erziehung ihrer Kinder am Herzen liegt, dieselben in die unter dem Ephorat deS Herrn Dr. Aub stehenden Gemeindcschulen sowie in daS jüdische Leh. rerseminar zu senden, Institute, deren Leitnng Männern, wie dcil Herren Horwitz, Eng ein» an», Dr. .st irschstein anvcrtraut ist. Berlin, Anfang Nissan im I. d. W. 5628: (März 1N6‘J.) Im Namen gleichgesinnter Glaubensgenossen: Dr. L. Strrnheim. Wir mtnrhmen übcrdicß dem .Libanon," daß auch an den Obcrrabbiner von Frankreich, Herrn Isidor als Vertre- Irr der französischen Rabbiner und an das Eentralkomitc der .AU. Isr." von Philipson und Eonsorten Einladungen ge» schickt wurden, sie mögen aus ihrer Mitte Männer zu der von ihnen rinzuberufcnden Synode senden. Oberrabb. Isidor, der auch Mitglied des Eentralcomite der All. Isr. ist; hat im Namen der französischen Rabbiner und der All. Isr. geantwortet, daß weder er noch sonst ein französischer Rabbiner und Laie sich an dieser Versammlung betheiligen werden; denn diese suche die jüdischeReligon nicht zu kräftigen, sondern zu untergraben. Eine amerikanische Traurede. von Nev. G. M. Cohn in Clrveland. Wie wenig nothwendig es ist, in Traureden persönlich zu werden und mit einem ganzen Wortschwall in Privatverhältnisse einzugreisen, mag folgende sinnreiche Rede beweisen, die ww dem „Hcbrew Leader" entnommen und dem gcchrtcu Leser vorführen, um ihm zu zeigen, wie man in Amerika Traureden aufsasst. Geschätztes Brautpaar! Achtbare Versammlung! Wenn man die Welt die Schule der Erfahrung für den Menschen nennt, so könnte man auch die Liebe als den ersten UntcrrichtSgcgenstand halten, in welchem der Mensch seine erste Lektion gibt und empfängt. Denn waS würde aus dem hilflosen Neugeborenen werden, wenn nicht die Mutter ihn mit liebevollem Herzen pflegen und nähren würde; wie konnte das schwächlichste aller Geschöpfe auch nur einen Tag existiren, wenn die Mutter, selbst schwach und krank, in ihrer mütterlichen Zärtlichkeit nicht Alles auf« bieten würde, aller Mühe trotzen, zahllose Opfer bringen — Alles für daS Wohl ihres Kindes? Was von da an und daS ganze Leben hindurch Eltern für ihre Kinder thun und zu thun vermögen, wer weiß es nicht? Und dennoch heißt cö in der heiligen Schrift 1. B. M. 2.24: „Darum verläßt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und schließt sich seinem Weibe an." Herangewachsen und selbstständig, verlassen Kinder ihre Ältern, um selbst die LicbeSpflicht zu üben. Wir ersehen hieraus, daß die Ehe eine göttliche Einrichtung ist, von deren Bestand die menschliche Gesellschaft abhängt. Deshalb sind Sic, mein werthes Brautpaar, hier vor Gott erschienen, damit vor ihm daS -Band der Ehe geschloffen und durch Ihn Euer Bund ein gesegneter werde. Fragen wir daher zuvörderst: in waS besteht das Baud der Ehe? DaS Band der Ehe, meine Theuern, ist die gegenseitige Liebe und zwar eine solche Liebe, die daS Kind befähigt, das Haus der geliebten Eltern, in welchem eS von seiner Geburt an gelebt und alle möglichen Wohlthatcn empfangen, zu verlassen, um selbst ein HauS zu gründen. ES ist eigenthümlich, daß wir in der hebräischen Sprache keinen besondcrn Ausdruck für das Wort „Ehe" vorfin« dcn. Auch für das höchste, heilige Wesen — Gott — gibt cS keinen besondcrn Namen in der hebräischen Sprache. Und wahrscheinlich deshalb, weil wir uns Gott nur durch sein Wirken, nur durch seine Eigenschaften denken und vorstellen können. So,"meine Lieben, ist eö auch mit der Ehe Mann und Frau, Vater und - Mutter, — ein Wort für beide kann in Wirklichkeit nur gefühlt, nicht ausgesprochen werden. Wie das heiligste höchste Wesen nur gedacht, nicht wie eine Person oder Sache genannt, so kann daS höchste und heiligste Institut in der menschlichen Gesellschaft nur durch daS Gefühl vergegenwärtigt, veranschaulicht werden. Und selbst daS Wort E h e in der deutschen Sprache, wenn wir eö näher betrachten wollen, besteht eö nicht aus " zwei gleichen Vokalen, die erst dann Sinn und Bedeutung gewinnen, wenn solche mit einem Consonanten verbunden werden? Die erste und zweite Hälfte des Worte- Ehe bilden nur dann ein Ganzes, indem das H dazwischen tritt und beiden die Hände zur Vereinigung reichet. Die beiden Ehehälften werden erst durch das H. (das Herz) durch Liebe vereinigt. Eine Ehe ohne h ist daher eine herzlose oder gar keine Ehe. Die Ehe sei die Anstalt, in welcher die Liebe ge- ' . »-*■ rX.