Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 6 (15.3.1869)
- Date
- 1869-03-15
- Page
- Seite 54 (sequence 4)
- Language
- German
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54 — fity Lichte dargestellt erföchten. Sr. Exzellenz hat seinen Pinsel in solchen rosigen Farben getaucht, daß es nur noch mehr Seelenschmerz verursacht, wenn man dieserosen« fardene Gemäsde mit der trostlosen Wirklichkeit vergleicht; sind edoch die Qualen des in der Hölle schmachtenden, dem um seine Pein auf« äußerste zu steigern, ein lachender Paradies vorgespiegelt wird. — Wenn der ungarische Kultusminister dem Präsidenten de« Eongresses für dessen „taktvolle- und eifrige- Vorgehen" dankt — so können wir, was den Eifer de- Präsidenten betrifft, die ministeriellen Worte mit gutem Gewissen unterschreiben und glauben hinzufügen zu können, daß in dieser Beziehung eher de- Guten zu viel als zu wenig gethan wurde, und was nun das „taktvolle" betrifft, möchten wir auch mit Sr. Exz. nicht rechten, e« ist dich ein viel zu elastischer Begriff aldaß unsereins sich wagen sollte sich über einen solchen, mit einem eminenten Gelehrten, wie es der Baron Eötvöist, in einer Debatte einzulassen. Wenn ferner Sr. Exc. erklärt, daß der „Erfolg" des Eongreffeseine Hoffnungen rechtfertigte, haben wir desto weniger Grund den Minister über diese Auslassung einen Vorwurf zu machen, als wir ja nicht wiffen können, welche Hoffnungen Seine Excellenz in den Eongreß setzte. Möglich der Eultu-minister hat da - erwartet, wa« thatsächlich geschehen ist. Aber nachgerade staunen müssen wir über den Muth, mit welchem- Sr. Exc. die Worte sprach: daß der Eongreß, „wie ich glaube, Diejenigen glänzend d e m e n t ir t e, welche die Einberufung de- Eongreffe» al- Beginn von Reibungen betrachten wollten." Ein Geschöpf mit simplem Nuterthanenverstande könnte sich allerdings nicht gegen die offenbare Wahrheit so schwer versündigen, ohne daß eine gewisse Röthe seine Wangen dabei überlaufen möchte, aber, wenn einmal der Unterthanen-Derstand avancirt, unter einem Ministerhute residirt und sich in den diplomatischen Stil eingewöhnt hat, dann ist e-, traurig genug! selbst bei einem Eötvö» andersi Ist diese» „glänzende Dementie" etwa in den Wahlen zu suchen die eine so grenzenlose Erbitterung zwischen den ungarischen Israeliten hervorriefen, daß selbst — etwazwischen Juden Unerhörte- — Blut gestoßen? Oder vielleicht gar im Eongreßsaale, wo ein nicht zu verkennender Haß, eine offenbare Feindschaft zwischen den beiden religiösen Richtungen „Rechte" und „Linke" durch die unseligen EongreßverhandlungewauLgebrochen, die wie ein Ei dem andern dem Religion-Hasse der schlimmsten Sorte gleichen? oder vielleicht in dem Proteste, welcher Sr. Exc. einige Tage vor dieser denkwürdigen Rede von 56 Deputirten überreicht wurde, dem, wie wir hören, in letzter Stunde die noch übrigen 36 orthodoxen Abgeordneten, der Vergewaltigung müde und deihnen zugefügten Hohnesatt, sich angeschlossen haben, welche zusammen vielleicht die Majorität jedenfalls aber Hunderttausende der ung. Glaubensgenossen repräsentiren? oder vielleicht iu der allgemeinen Gährung, welche alle diese Vorgänge im Ungar. Israel Hervorrufen. Wenn alledie» die Reibungen „glänzend deuten tirt," so wird e-, fallunsere ungarische Glaubensgenossen sich weigern sollten — wie die» auch schon wirklich eine Gemeinde dem Eongreße anzeigte — die Kosten detheuern Haß und Zwietracht säenden Eongreße» zu bezahlen al» Superlativ der Zufriedenheit und wenn die neue Gemeindeorganisation nur mittelst Pandureu und nöthigenfallmittelst Bank und Stock, die in Ungar» noch in vollster Blüthe stehen, durchgeführt werden können, al» überschwenglicher Enthusiasmus für den Eonqreß sammt seinen Institutionen bezeichnet werden müßen. „Jetzt im ersten Augenblick" — sagt Baron Eötvö» — „befinden sich unter Ihren Glaubensgenossen solche, welche vielleicht nicht vollständig befriedigt von dem Erfolge sind." Dieser Satz erinnert unan Jenen, der von einem seiner Freunde aus dem Zimmer und über alle Treppen im buchstäblichen Sinne des Wortes hinaus geworfen wurde, unten mit einem gebrochenen Arme und einem Dutzend Ouetschungen anlangend, sich zu dem Ausrufe veranlaßt favd:Der mein Freund da oben,scheint vielleicht doch nicht so ganz intim mit mir zu sein! Wenn wir unübrigen» recht auf dm diplomatischen Stil verstehen, sollen die in der Minifterrede so oft vorkommenden „Vielleicht" die officielle Ignorirung, der gegen den Eongreß erhobene» Proteste dokumentiren. Und wenn nun Sr. Exccellenz „zuversichtlich glaubt, daß in den Statuten Bedacht genommen wurde, daß Niemand in der Ausübung seiner Religion persönlich gehindert werde, — so fühlen wir uns schon de- PräzendensfalleS wegen veranlasst, hierauf zu bemerken, daß, unserer unmaßgeblichen Ansicht nach, da» Amt eines konstitutionellen ungarischen Kultusministeriumnoch nicht das eines ungarisch jüdischen Papstes involvirt und daß gegenüber deS „zuversichtlichen Glauben-" de« katholischen Ministers die Stimme Hunderttausender Juden sammt ihren Rabbinen, sie mögen nun schon im Rechte sein oder nicht, doch auch noch einige Beachtung verdienen — zumal wenn von Autonomie die Rede ist. Der Uumuth diktirt uns bittere Worte in die Feder. Aber, fern sei es von un» die Verdienste und die wohlverdienten Lorbeeren eineder edelsten Männer unseres Jahrhunderts, wie es der Baron Eötvö» ist. schmälern zu wollen Wir-mäßen es vielmehr tief bedauern, daß der edle von uns hochgeachtete Minister in diese unerquickliche Congreß- Angelegenheit mit hineingezogen wurde, der mit obiger Rede vielleicht auch nur unsere Schmach zud ecken wollte, die aber leider zu offenkundig und in ihrem Innern zu gefährlich ist, als daß wir sie mit Stillschweigen übergehen könnten; wir bedauern eS wahrhaft, daß dieser liberale Mann in der hochherzigen Absicht den Israeliten Ungarns einen unbeschreiblichen Liebesdienst zu erweisen von gewissen Personen, denen alles andere eher als da» Wohl de- JudenthumS am Herzen liegt, in unverzeihlicher Weise mißbraucht wurde. Und wer A sagte, mußte natürlich auch B sagen — hierin glauben wir, liegt daS Geheimniß des Vorgehen- Sr. Excellenz. Einejedoch möchten wir uns erlauben, dem Ungar. Cultu-minister zu sagen: Jedes Volk hat eine zarte Saite die man nicht antasten kann, ohne es in seinem tiefsten Innern zu erschüttern, so der Italiener seine Kunst, der Deutsche seine Cultur, der Franzose seine Gloire, der Ungar seine Tapferkeit und der Jude — seine Religion, ihrethalben hat er eine zweitausendjährige Leidensgeschichte hinter sich, ihrethalben während des langen Zeitraumes seiner Ächtung den Wanderstab nicht aus der müden schwieligen Hand gelegt, um sie rein und unverfälscht in seinem.Herzen bewahren zu können. Und was Wunder wenn er in diesem Punkte, in dem Inbegriff seines ganzen Seins seiner Vergangenheit und Zukunft, heillich und empfindlich ist? Und wir sind überzeugt Hunderttausenden unserer ung. Glaubensbrüder und vielleicht noch Millionen StammeSgenoffen, die außerhalb des schönen Magyarenlandes nach allen Richtungen der Windrose zerstreut sind, aus der Seele zu sprechen, wenn wir Ihnen zurückrufen: Excellenz! Verschonen Sie unsere Religion mit Ihrem wohlgemeinten polizeilichen Schutz — de nn sie erträgt keinen polizeilichen Zwang! Apologie für Herrn Patcr W. Fastenprediger in Wien. Viele Leser der „Preffe," die im Local-Anzeiger Auszüge au« den Fastenpredigte:: bringt, wollen in ihrem Irr» thume Pater W. wegen seine» angeführten Beispieles von einem „jüdischen Geldmanne" und „jüd. Palästebauer für einen Judenfresser, ein Stück Haman halten; ach, egeschieht viel Unrecht in der Welt und Pater W. ist einer dem eS hierin am meisten zugefügt wird. Wir begreifen wohl die Empfindlichkeit namentlich der Juden, über die gebrauchte Metapher, wir können aber nicht begreifen die oberflächliche Beurtheilung derselben, wir halten eS daher für Pflicht, Pater W. in Schutz zu nehmen und die empfindsamen Juden ihre« IrrthumeS zu überführen."