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Die Gegenwart · 1869-03-01 · 5 (1.3.1869) · p. Seite 48

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
5 (1.3.1869)
Date
1869-03-01
Page
Seite 48 (sequence 8)
Language
German
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— 48 die Metapher „Qanbfrompf" am besten zu paffen. Wenn die Bildung dieser modernen Rabbiner nur so weit gediehen ist, Reden von der Kanzel herab, wo daS Wort Gottes verkündet werden soll, so zu profaniren, daß sie eher geeig, net sind, in einer Kneipe, welche ihr eigenes Publikum hat, zum Besten gegeben zu werden, so wäre eS rühmlicher zu sagen: Unsere Synagoge hat keinen Prediger. *** Die Primadonna des hiesigen StadttheatcrS Frl. Laura Läufer (Jüdin) wird sich im Laufe des künftigen Monates mit dem Schauspieler und Regisseur dieser Bühne Herrn Oberländer (Protestant) vermählen und zwar durch eine Civilehc. Die Vermählung soll in Weimar stattfinden. %* Die Statuten deisr. LehrcrvereinS in Böhmen, wurden von der h. k. k. Statthaltcrei genehmigt. Auf Grund der neuen Schulgesetze wäre es wünschen-werth, daß die isr. Lehrer im Interesse der jüd. Schulen aus ihrer Lethargie aufwachen und die nöthige Rührigkeit zeigen. Auswärtiges. * (Uebertritt zum Judenthnm.) Die dem „Osten" auS Lemberg geschrieben wird, ist zu dem Lemberger 'Rabbiner Dr. L ö w e n st e i n ein GreiS gekommen, ein Christ, der vor 41 Jahren sich getauft und nun den Entschluß gefaßt hat. zum Judenthume zurückzukehren. Ich stehe mit einem Fuße im Grabe, sagte der alte Mann zum Rabbiner und muß daran denken mich für den Tod vorzubereiten. Der» selbe wohnt in einer größern Stadt der Bukovina und überläßt seinem Weibe und seinen Kindern, welche natürlich alle Christen sind, sein ganzes Vermögen nnd will sich selbst in ein kleines Städtchen Galiziens zurückziehen, um dort als Jude se^ letzte» Stündlein abzuwarten. Mri». Der Präsident der Republik Venzuela hat Hrn Castro, Bediensteten bei der israelitischen Gemeinde in Bordeaux den Orden des Simon Bolivar verliehen. * (Rothschild'« Grab) befindet sich auf dem Friedhof p6re 1* chaise in Pari» neben dem der berühmten Tragödin Rachel. Die Ruhestätte des Baron James von Rothschild, deS letzten der Söhne des Frankfurter, Amselm Mayer Rothschild'- gleicht einer Kapelle. In der Mitte derselben befindet sich davon einem eisernen, theilweise vergoldeten Gitter eingeschlossene Grab, auf welche« täglich frische Blumen gelegt werden. Nibcr der Thüre des Grabgewölbes steht ein großes „R“ und neben dem Grabe im Innern ladet ein Stuhl den Besucher zum Sitzen ein, um nachzudenkcn über alle» vergängliche Irdische. * Herr Rabbiner Mosse aus Avignon wurde zum korreSpondirrndeu Mitgliede der Akademie zu Marseille ernannt. Brüssel. Zum Andenken deS verstorbenen Kronprinzen von Belgien wurde ein sehr feierlicher Trauergottesdienst im israelitischen Tempel in Gegenwart einer sehr zahlreichen Versammlung worunter die größten Honoratioren, abgehalten. Der König schickte dem Oberrabbiner Astruc 600 Franks zur Berthcilung unter israelitische Arme, welches auch gleich nach dem Gottesdienste geschah. London 22. Februar. Bei der heute vorgenommenen Ersatzwahl für das Unterhaus wurde der Freiherr v. Rothschild zum Deputirten der City gewählt. Spanien. Herr Hain, Guedalla aus London, der bereit» von der spanischen Regierung die Erlaubnis erhalten, eine Synagoge in Madrid zu erbauen und zu diesem Zwecke eine Sammlung unter den Glaubensgenossen eingeleitet hat, schickte ein Sepher Thora, auSgestattet mit reichen Berzierungen in Silber. Kunst und Literatur. — Herr Benedikt Vevi. Zögling de» Collegium Rabbinicum veröffentlichte in einem Merkchen einige Notizen über da» Leben und über die Werke de» Apparia de Roui ausgezeichneten Filosofen und hebräischen Schriftsteller im siebzehnten Jahrhundert. — Philosophische Bemerkung. Der Linguistiker Herr I. Pincherle hat bereits vor zwei Jahren im „Jewish Chronicle“ in London und im Oorriere IsraeUtico in Trieft bemerkt, daß' daS hebräische Wort Tsi-tzid "nrjr" vom Chinesischen tsi—tsi (weben, flechten seidener oder wollener Fäden) herkommt; er fand nun vor Kurzem in der berühmten Mareianischen Bibliothek, daß To—hi gegen 2950 Jahre vor Chr. Geb. die Schriftzeichen statt der Schnürchen und Knötchen erfand, welcher man sich bis zu dieser Zeit zum Gedanken- und Sprachausdrucke bediente. — Eine berühmte iSrael. Künstlerin Frl. Wertheimber (so schreibt der I'univers israelite) hat neuerdings in der Opera comique den glänzendsten Triumph gefeiert. Die Anwesenden waren voller Entzücken. Es ist befremdend, daß man den Freunden dieser göttlichen Kunst anfdringt, die mittelmäßigen Leistungen in der kaiserlichen Akademie der Musik anzuhören, wenn man eine solche ausgezeichnete Sängerin wie Fräulein Wertheimber ist, besitzt. — Der Kapellmeister Herr Franz Doppler in Wien hat eine neue Oper komponirt: „Judith" (4 Akte) der Text ist von Dr. Mosenthal. — Die „Geographie des Talmud," von A. Neubauer — von der französischen Academie des Inscriptions et Belles-Lettres gekrönte Preisschrift — wird von der „Times" in sehr schmeichelhafter Weise besprochen und als besonders verdienstvoll hervorgehoben, daß der Verfasser ein nicht bloS trocken gelehrtes, sondern in vielen Punkten anregendes Werk geliefert hat. — Herr Neubauer befindet sich gegenwärtig in Oxford, woselbst ihn die Bodlesanische Bibliothek mit der Katalogisirung ihrer hebräischen Handschriften betraut hat. Vom Mcherlische. Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744 und deren Rückkehr im Jahre 1748 von vr. G. Wolf in Wien 1869. Wer in der Leidensgeschichte der Juden im Allgemeinen von den Zeiten der Pharaonen bis zu den Makabäern, von dieser bis zum Abschlüße des vorigen Jahrhunderts geblättert, in dein werden gewiß die schwarzgefärbten Reminiscenzen auftauchen, wie verweste Leichname, gepeitscht von den Wellen des unergründlichen Meeres. Jeder Buchstabe dieser mit Grauen erfüllten Chronik scheint förmlich in Blut getränkt und Zeuge zu sein von der schrecklichen Barbarei, die die Zeitalter auf ihre Fahne geschrieben. Mit Wehmuth und herzzerreißender Erinnerung, die die schwarze Melancholie zu ihrem Gesellen machen, gedenken wir der hingeschlachteten Opfer unserer Glaubensgenossen, von denen theilS existirende, theilS schon verfallene Friedhöfe Zeuge sind, jener GlaubenSgenoffen, die dem Beile mittelalterlicher Vorurtheile erlegen sind, oder, wenn man ihnen schon daS erbärmliche vom Elend und Jammer eingerahmte Leben geschenkt, einherirren mußten, getrieben von Ort zu Ort in einer Weise, wie sich eS kaum die Menschheit an Thieren gewagt. Der auf dem Gebiete der Quellenforschung jüd. Geschichte rühmlichst bekannte vr. Wolf entwirft unS in getreuer Darstellung ein Trauergemälde, daeine Episode auS der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Prag und der Juden in Böhmen vorführt, welche auf die Civilisation und den Culturzustand damaliger Zeit, so wie auf daS RcgierungSfystem bloß verirrter Regenten die grellsten Schlaglichter wirft. Nach einer chronologischen Zusammenstellung der Vertreibungen der Juden in Prag, die 1059 ihren Anfang genommen, 1507 ihren Höhepunkt erreicht. 1748 ihren Abschluß gefunden haben, macht der Verfasser den Leser damit bekannt, daß 1076 Herzog WladiSlaw nur 1000 jüdischen Seelen in Prag zu wohnen gestattete, wodurch von den 5250 jüdischen Einwohnern —- Aoi .' in der Beilaoe.

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