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Die Gegenwart · 1869-03-01 · 5 (1.3.1869) · p. Seite 47

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
5 (1.3.1869)
Date
1869-03-01
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
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47 daß sie ihre eigenm Interessen gänzlich vergessen. Die Leidenschaftlichkeit der hiesigen Israeliten überschreitet die Grmze der goldenen Mittelstraffe und so kömmt es, daß sie, je mehr sie sich dem politischen Magnete nähern, desto mehr von jenem Pole, der noch die BorurtheilSspäne an sich trägt, gbgestoßen werden. So unter Anderen hat das pester Komitat eine Instruktion für die Wählerkonskription erlassen, welche die Israeliten vom Wahlrechte ausschließt. In Folge dieser begab sich aus dem St. Endreer Bezirke eine Wähler Deputation zu Sr. Excellenz Herrn Minister Wenkheim, um gegen diese Instruktion Protest zu erheben. Wie die Dinge bis allher stehen, dürfte wenig Aussicht auf Erfolg dieser Mission sein. Zu dem gestaltet sich der so oft Fia-ko erlittene Kongreß auf's Erbärmlichste, der zur Schmach de- IudenthumS im Allgemeinen, zu der der ungarischen Indenheit insbesondere bald enden dürste*). Ich will mich auf keinem der beiden Standpunkte, sei es der der sogenannten Fortschrittssei es der orthodoxen Parthei stellen; denn beide sind in ihrer Leidenschaftlichkeit zu weit gegangen und haben eine bloße Komödie vor den Augen der Welt zum Besten gegeben. 54 Deputirte der Orthodoxenparthei haben bereits ein Memorandum an den Kultusminister v. Eötvös überreicht und dem Präsidium eine Abschrift zugesendet. Der Präsident nahm von demselben keine Kenntniß und bezeichnete eS als ein Pamphlet. So ist der Congreß bisher gediehen und Sie können sich wohl denken, daß dieser mit allen seinen Schatttrungm nicht geeignet ist, uns ungarischen Juden die Achtung bei unseren nichtjüdischen Mitbürgern zu erwerben. Der alte lateinische Spruch extra Hungariam non est vita ist zur bloßen Ironie geworden. X. •) G. s. D. wie wir erfahren schon geendet hat. (d. Red.) Locales. *** Sitzung der Prager CultuS - Gemeinde - Repräsentanz am 17. Feber 1869. Beginn '/,6 Uhr Abends. Anwesend die Herren: Georg Feigl, G. Fischet, S. K. Frankel, vr. Gitschin,, K. Lieben, B. A. Oser«, vr. Raudnitz. A. Schwab, S. Singer, vr. TedeSco, M. A. Wahle. Prof, vr Wessely, vr. Wiener, ES waren somit abwesend die Herrn, : vr. Pribram, Ignatz Schütz, G. Schitz. D. Zappert. Da» Protokoll vom 31 Zäner 1869 wird agnoScirt und hieranf vom Borsitzenden mitgethrilt, daß Herr Josef Ruh (der bei dem Birchowitzer Eisenbahnunglück hart betroffen wnrde, sich jedoch schon einer fortschreitenden Besierung seiner Gesundheit erfreut) 1V0 fl. den israel. Armen gespendet, welche bereit» ihrer Bestimmung zugeführt wurden, ferner, daß da» Hau» Nr. 233- -V. von der Repräsentanz für da» Waisenhaus bestimmt» im Schätzungswerte auf dem Wege der öffentlichen Feilbietung erkauft wurde. Diesen Mitthrilungen folgt der Bericht de« Hin. Schwab über die Rechnung de» Armeninstttute» pro 1868 Ausgaben betrugen 1167 fl. 87 kr. Einnahmen 1382 fl. 6 V, kr. sodann die Wahl einer Kommission von drei Mitgliedern (vr. Raudnitz, Schwad, jeder 9 St. Gustav Schitz 8 St.) welche mit der Prüfung der Rechnung der CultuSgemcinde pro. 1868 beauftragt ist. Den nächsten BerhandlungSgegenftand bildet der Tommiflion«dericht in Angelegenheit der HeiratSgedühr. Dr. Wiener rrferirt und liest unter Anderem einen Erlaß vor, in welchem e» laut §. 8 der Gemeindeordnung heißt, dah dir prager Judengemeindr al» Kultu«gemeinde fortzu« bestehen hat. daher die Bedingungen ihre« Fortbestände», insolangr keine ejrtzlichr Aenderung erfolgt, aufrecht zu erhalten sind. Diese Aendrrung i«her noch nicht erfolgt, läßt dir Auflaffung der HeiratSgebühren noch nicht zu.(sonderbar naiv d. Red.) Die Commission hat sich somit für die Beibehaltung derselben auSgesprochrn. Diesem Programm«punk, schließt sich der «ommisilonSdericht über den Magistratsauftrag ddo 14. Jäner l. I. Z. 2068 bettkffend dir Einsendung eine« monatlichen Berzeichuiffr» über dir stattgefundrnen Aufgebote und Trouungenan. Nach Verlesung de» Erlasie» stellt Dr. Wiener folgende Anträge: 1 Die zur Bornahme einer Trauung berechtigten Rabbiner find zu beaufragen, daß sie keine Trauung vornehmen oder «ne Delation zur Trauung rrtheilen sollen, so lange nicht der Rachwu» über die Zahlung der Hrirall»gebühr oder der Befreiung von der Zahlung derselben geliefert und so lange nicht da» AufgrbotSzeugniß von der Eultusgcmeindrrepräsentanz roramistrt wurde. 2) Tämmtltche Spnagogenvoi stände sind anzuweisen, Zeuguiffe über die erfolgten Aufgebote der ^ult.-Gem.-Repr. zu übermitteln, damit letzt«« dieselben coramistrr und an die Panheien auSsolgr. 8) Rabbiner und Prediger find zu beauftragen, am Ende eine» jeden Monat« da« verzetchniß der von ihnen vollzogenen Trauung«, den Matrikenführrr am 1. «tue» jede» Monat« zu übergeben und der Matrikenführrr hat am ü. rtoe« jeden Monate« dieselben brr Lu!tu»gemrindr vorzukrgen. Diese drei Antrige werden sämmtlich angenommen. Hieraus entschuldigte der Vorsitz, die in den Benutzungen de« Cultn» Gemeinde-Statut« eingetrrtenr Stockung mit de» gegenwärtigen verhältniffen, die wesentlich« Veränderungen nothwendig machen werdm. Schwab macht auf die im Monate Mai bevorstehende Neuwahl und auf den in viel«, Ttzrilen fehlerhafte« alten Wahlmodu« aufmerksam. Namentlich betonte er jenen Punkt, welcher dir Wahl drt Ersatzmänner bespricht, der einer umstchtlichen Aenderung bedarf und beantragt, daß e« 'tinnr Commission an« Herz gelegt werbe, eine Revision de» Wahlmodus vorzunehuien und diese der Repräsentanz zur Beurtheilung vorzulegeu. Borsip..meint, daß dieser Theil von der Repräsentanz schon b«athen und beichloffeu wurde. Ob e« nun durchführbar ist, einen Theil de« Gemeindestatutr« in» Leben treten zu lassen und ob die Genehmigung seiten» der h. k. k. Statthalter« di» zu dieser Zeit Herabgelangl sein wird, da» ist noch in Frage achrllt. Schwab will den Gegenstand m d« nächsten Sitzung zur Debatte gebracht und behält sich bis z» dieser Zeit da» Ref«at vor. Schließlich wird da« Gesuch de» Hausmeister» Allschul um Rrmunrration pro 1869 mit Bewilligung von 100 fl. erledigt. Schluß der Sitzung 7 Uhr. %* DaS Gesetz wirksam für das Königreich Böhmen betteffend die Schulaufsicht hat bereits die kaiserliche Sanktion erhalten und auf den Wortlaut dieses in den politischen Tageeblättern publicirtcn Gesetzes verweisend, heben wir bloß die die religiösen Interessen der ist. Jugend betreffenden Punkte hervor. Zur Wahrnehmung dieser Interessen tritt der von der CultuSgemeinde bestimmte Vertreter in den Ortsschulrath ein. In den BezirkSschulrath wird der allfällige Vertreter der ist. ReligionSgenossenschaft von den Vorstehern der KultuSgemcindrn des Bezirkes gewählt. In den Städten, welche einen bcsondern Schulbezirk bilden, ttitt die Abweichung ein, daß jede GlaubenSgenoffenschaft, deren Seelcnzahl mehr als 500 beträgt, im Bezirksfchulrathe durch einen Geistlichen, die israel. EultuSgemeinde, so fern sic diese Zahl übersteigt, durch einen von ihrer Berttetung gewählten Abgeordneten zu vertreten ist. V* Am 1. 2. und 3. finden die öffentlichen Prüfungen, am 4. März aber die Privatprüfungen an der hiesigen Iosefstädter Haupt- und Unterrealschule statt. V Während die Regierung durch eine einfache Institution des bloßen HeirathSaufgeboteS die frühere oft mit Zeitverlust verbundene angesuchte HeirathSbewilligung ersetzt hat, sucht die hiesige israelitische CultuSrepräsentanz dieser liberalen Einrichtung durch eine Art HeirathSstener, unter dem Namen HeirathSgebühr, entgegen zu treten. Diese konstitutionelle Gebühr ergänzt die Repräsentanz durch einen an die zur Trauung berechtigten Rabbiner gerichteten förmlichen UkaS, demgemäß dieselben keine Trauung vornehmen oder eine Delegation zur Trauung erthcilen sollen, so lange nicht der Nachweis über die Zahlung der HeirathSgebühr oder der Befreiung von der Zahlung derselben geliefert und das AufgcbotSzeugniß von der EultuSgemeinde- Repräsentanz coramisirt wurde. Einer bessern Illustration der steiheitlichen Bcsttebungen der prager ist. EultuSrcpräsentanz, von der der größere Theil mit der Liberalität so groß thut, bedarf eS wahrlich nicht. ES ist selbstverständlich daß diese drakonische Maßregel der israel. Repräsentanz, die doch keine politische Behörde ist, in der hiesigen ist. Gemeinde Erbitterung hervorgcrufen hat. %* Zu dem am 22. v. M. stattgefundrnen Uebcrtritte zum Iudenthnme des Frl. K. Tochter eines hiesigen k. k. Beamten haben wir keine andere Randbemerkung zu machen, als die, welche die hiesigen jüdischen Notijlcr betrifft, die um einiger Zeilenkreuzer willen daS ganze Iudenthum vcrkaufen.Schon des Dekorums wegen hätten diese Handlanger von der Veröffentlichung de« rituellen Aktes Umgang nehmen sollen, falls sie sich vielleicht an dem Uibertrittc einer Person delektiren. Wir haben nicht nöthig darauf aufmerksam zu machen, daß daS Judenthum Proselitenmacherei verabscheut und eS demselben gleichgiltig ist, ob eines Bettlers Sohn, oder eines Grafen Enkel der jüdischen Religion einen bessern Geschmack abgewinuen als einer andern. V Der Prediger einer hiesigen Synagoge verglich in seiner am Sabbath den 20. v. M. gehaltenen Predigt, das heutige Iudenthum mit einem herabgekommenen Baron, für die Eughrrzigkeit mancher Reichen schien diesem Prediger

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