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Die Gegenwart · 1869-03-01 · 5 (1.3.1869) · p. Seite 46

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
5 (1.3.1869)
Date
1869-03-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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46 1 Aus dem westlichen Böhmen 25. Feber 1869. (0.- K.) Offenes Abbittschreiben des Correspondenten aus dem westl. Böhmen an H. Rabbiner M, Stern in Czkin. Renmüthig, zerknirschten Herzens, auf dir Brust schlagcnd. trete ich vor Euer Ehrwürden und bete mein pater peecavi, ja, ich würde sogar demuthsvoll mein Knie beugen, wenn ich als Jude nicht fürchten müßte, daß Sie ein Kreuz seien — für Gemeinde und Judenthum. Gott ist barmherzig? Tie wissen ja, er lässt seine Sonne über Unwürdige wic^-über Würdige scheinen, seien Sic auch barmherzig, ertheilen Sie mir gnadcvoll Absolution und sprechen Siegroßmüthig das Wort Vergebung zu einem armen verirrten Meuschenkinde, das in seiner Unvernunft sich so weit verstiegen, den heiligen, wenn auch unlogischen JdeenkreiS Euer Ehrwürden anzutasten, das vermessen sein Auge erhoben gegen den Stern am Czkiner Himmel. Wenn aber Euer Ehrwürden dennoch als zürnender Gott über mich Unglückslind zu Gerichte sitzen, o nur במרת הרחמים und nicht במרת הדין; zieht doch jeder Gerichtshof mildernde Umstände in Erwägung und die kann ich auch für mich in Anspruch neh« men : ich trat mit geschlossenem Bisir '1122 לפני 2םא bloS um Sie mit meinem Anblick, der nicht Schönes bietet, zu verschonen; meinen Namen, das muß ich gestehen, habe ich nur anS Eitelkeit verschwiegen, weil ich fürchtete, eS würde vor chcr Autorität des H. ׳Rabbiners zu Czkin ganz verdunkelt werden. Ich weiß zwar nicht, womit ich noch gefehlt, aber Sie Unfehlbarer sagen mir mein Sündenregister vor und ich will cs nachbeten, wenn auch kein Jota wahr daran ist; doch bei der einstigen großen RechenschaftS-Ablegung wcwe ich über diese Unwahrheiten Sie verantwortlich machcn, müssen Sie der שעיר המשתלח sein für die Böcke, die ich nach ihrer Behauptung geschossen haben soll und wozu ich mich auf Ihr Geheiß bekenne. Doch genug des Scherzes, meine Geschäfte rufen mich, die Ironie crblafft und der ganze volle Ernst tritt an deffen Stelle. Sie »wollen Herr Rabbiner, wie es scheint, ein Hühnchcn mit mir pflücken, nun, ich' pflücke auch, wenn es sein muß. eine Gans, die aber muß dafür stehen, bloße Futtergänse bringen mich mit ihrem Geschnatter noch nicht aus dem Gleichmuthe. Wir CiSleithanier machen zwar keine Eintrcibcr und sind auch leine Austreiber, aber mit bloßen Floskeln und die noch dazu nicht am Platze sind, imponirt man uns nicht. Wir lasten Jeden gerne auf fernem Platze, gönnen Jedem den Charakter, den er sich beilegtT'ob gesetzlich und berechtigt oder nicht; aber auf Kosten unserer Gutmüthigkeit Reklame mit seinem Namen machen wollen, damit daheim in der Kehila Tate und Mame sich wundern, wie schnell und groß das Jüngelchen in der Fremde aufgewachsen ist, und wie klein und unverständig darüber die böhmischen Narren geworden sein müssen — zu solcher Gutmüthigkeit fehlt uns doch das Zeug dazu. Nicht ihre epitheta ornantia: Amimosität, persönliche Gehässigkeit. Zanksucht n. s. w. bewegen mich Rede zn ste« sie«, auch nicht die vielen Gedankenstriche ohne Gedanken; aber ans Achtung vor dem Stande, dem Sie sick zuzähkrn, will ich eine Analyse Ihre« Artikels vornehmen, erstens damit Sie sich überzeugen mögen von der Wahrheit: *72 הפוסל בטיטו פיסל und zweitens, damit, wenn Sie wieder die Lust anwandcln sollte, Ihren Namen in einer Zeitschrift prangen zu sehen, Sie sich wenigstens nicht pudclnärrisch machen und damit wie auf einem Pranger stehen. Der kurze Sinn der langen Rede Ihres ersten Artikels . Rabbiner, war der Ausruf zu einer Synode, denn daß ie dabei herumlavirtcn und Rabbiner LengSfelder zustimmlen mit 2׳ מספר war lauter Humbug; eS ist ja Niemandem in den sinn gekommen auf Rabbiner FastelS החיר einzuge- Yen. hat doch selbst der Krci-rabbiner P, der sich an Hrn. F. gewendet, seinen התיר nicht berücksichtigt. Der Aufruf zur Synode war also, wie gesagt, der einzige Gedanke, orn Sie mit sapientt sat schloßen. Run H. Rabbiner zu Czkin, wie viele ZustimmungSadrrsten haben Sie erhalten? — Man hat Sie todt geschwiegen; nicht eine einzige Feder hat Sie einer Antwort gewürdigt, ich allein, über das vor populi דגם שאול בנביאים mich hinwegsetzend, habe Ihnen die Ehre erwiesen, nur habe ich gezeigt, daß Sie sich eines WidersprucheS schuldig gemacht, daß Sie Ihre Gedanken trotz des sapienti 8at nicht genügend erläutert haben. Haben Sie H. Rabbiner zu Czkin meine Einwendungen und Bedenken wiederlegt? Nein, nicht ein einziges Wort der Rechtfertigung, wohl aber viele Worte flößen salbungsvoll aus Ihrer Feder, wie sie ein Waschweib im Zalader Comitat nicht schöner hcrvorsprudeln lassen könnte, und plötzlich schwingen Sie sich wie in einem Czardasch von Zanksucht. Gehästigkeit zu בטול תורח, חלול תורה, חלול השם und enden mit den Schlag- Wörtern .דברי חבמים בנחת נשטעד, לא הקפדן מלמד. Fürwahr Jeder wird Ihnen sagen, wenn Sie es nicht wissen, 2ל הפוסל בטוטו פוסל. Nun hören Sie auch die Logik Ihres Artikels, be« wundern Sie Ihre Conscquenz. Sie beginnen mit dem lateinischen Brocken: Quis tacet sapiens cst und schweigen doch nicht; reden und reden noch dazu viel Unsinn. Sie sinb empört, daß ich unter meiner gewöhnlichen Namenschiffre schreibt, sagen ganz emphatisch :einem Namenlosen werde, kann und darf ich nicht entgegnen und entgegnen doch, freilich mit דברים בטלים. Berräth das etwa einen gesunden Menschenverstand wenn Sie sprechen von בטול תודה? Haben etwa meine geäußerten Bedenken die Bachurim von Ihrer Jeschiwah abwendig gemacht? Doch wozu noch ein Langes und Breites? ich glaube diese Musterprobe Ihre- JdeengangeS zeigt genug. Jetzt öffnen Sie, H. Rabbiner zu Czkin die Schleußen Ihrer Philippika, ich werde ganz ruhig unter der Traufe stehen und muthig alle Gedankenstriche auShalten. Bewundere ich doch schon meine Geduld im Schreiben, doch ich werde sie nicht mehr auf so harter Probe stellen. Einmal gebe ich die Ehre und würdige einer Antwort, ein zweites Mal nicht mehr. Gott befohlen H. Rabb. zu Ckin. Ihr ergebener — Sch. — Wien 26. Feber (O.-K.) Wenn ich auf die Gemeinde-Zustände in Ungarn und selbst die Böhmens blicke, so kann ich mit wahrer Befriedigung sagen, daß wir in Wien ein nickt zerstückeltes Etwas, son« dern ein ziemlich geregeltes Ganze haben^ Herr Dr. Güde. mann in erster Reihe und Herr vr. Jettinek bewähren in ihrem Amte eine seltene Rührigkeit. Uibertritte sind hier an der Tagesordnung, doch muß eS den beiden ReligionSvorständen zur Ehre gesagt werden, daß sic jeden ConvertirungSlustigen zuerst zu bewegen suchen, ihrem alten Glauben treu zu bleiben. Vor Kurzem ging der in Leopoldstadt auf der Haid Nr. 28 wohnhafte Johannes Huß von Geburt Katholik zum Judenthume über. Alle moralischen Einwendungen, die ihm von Seite des RabbinatS gemacht wurden, halfen nichts, er unterzog sich mit seltener Resignation der von dem Mohel Herrn Weiß in Gegenwart des türkischen Rabbiners Hrn. Garuch ausgeführten Operation, der im Beisein zahlreicher Gäste, das übliche Mahl folgte. Die jü« dische Gemeindevertretung zu R u d o l f s h e i m hat beschlossen, einen neuen, der Gemeinde würdigen Tempel in Verbindung mit einer Hauplschule zu bauen, und sollen diese am Henriettcnplatz in RudolfShcim, der ursprünglich für ein Volksschulgebäude bestimmt war, ihren Bauplatz finden. Trotzdem die Abhaltung von Maskenbällen der christlichen Fasttage wegen verboten ist, wurde zu Ehren des Purim ausnahmsweise gestattet, morgen einen derartigen Ball unter dem Titel 1,Prinz Karneval auf Urlaub" zu feiern. —m— Pest 23. Feber (0.- K.) Ueber die hiesigen Zustände unserer Glaubensgenosse» bin ich in der Lage Ihnen nichts Erfreuliches mittheilen zu können. Letztere gehen in ihrem politischen Eifer so weit,

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