Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 3 (1.2.1869)
- Date
- 1869-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Tage gewesen als da- Licht der confessionellen Gesetze über Oesterreichs Landen anfging. So wie wenn in den dunklen Kerkertiefen, dem Gefangenen die Bothschaft gebracht wird, daß die goldne Freiheit ihm winkt, und daß seine treue ewig liebende Mutter an der Kcrkcrpforte harret, den gefesselten Sohn nun liebend in ihre Arme zu empfangen, so war cS mir, als ich hörte, daß meine Mnttcr „Religion" an den Pforten harret, und mir zürnst: ftouuit zu mir I Meine Arme darf ich wieder öffnen! Jedes meiner Kinder zu empfangen, Trost und! Hoffen denselben zu geben! Tie Kerker dco Geistes haben sich geöffnet, die Ketten des Denkens sind gefallen, alle die ihr mir entrissen — gcwalsam vom Multcrherzcn gcschlcifct — kommt zu mir! frei ,st Eure Mutter und frei seid Ihr!! — Und cs trieb mich fort mit unnennbarem Verlangen, — konnte ich da erst zaudern? — Konnte, sollte ieli erst warten, bis die Luft der Freiheit mich umweht? Erst warten Monden lange noch und schon wissen, daß meine Religion, meine Mnttcr, meine Liebe, mein Al IcS auf Erden schon an den Pforten klopft? — Rein! Nicht kümmernd um den Ort wo ich mich befinde, nicht fragend, um den irdischen Vater, — der ihrer Religion untreu gewordenen Erden — Mutter, folgte ich meines Herzens geheimstei.l Triebe, — galt cs ja den höchsten Pater nach meinen Begriffen näher zu sein, die beste Mutter „die Religion der Juden" zu besitzen. Und schnelle mit des Ewigen gütigem Beistände Hab' ich den Entschluß vollbracht, nur — in dein einfachen Gottcshause der Inden sende ich die Gebete zum Herrn der Hccrschaarcn empor und finde Trost im Leidens Hilfe im Unglücke. — Es mag jeder Glaube selig machen, der meine macht cS mich — -- und somit habe ich das Höchste erreicht, daß ich, für mich scelig bin. — Ein viertel Jahrhundert gehörte ich dem Eliristcnlhnmc an, in dessen Religion ward ich erzogen, dessen Pyilososien habe ich studiert, und dcßhalb kann man cs mir nicht als Unbescheidenheit anrcchncn, wenn ich manches Wort für Jene finden würde, welche mit den Lippen Christen waren, deren Herz —dessen bin ich überzeugt — aber weit davon war. — Ich habe erkannt, daß das Judenthum von'heut zu Tage reine, wahre ideelle Auffassung seiner Religion hat. Die vielen Schreiben, welche mir anlässlich meines Uebcrtrittcs, von Personen verschiedener Stände zu Thcil werden, die Aufmerksamkeit, welcher ich mich erfreue — selbst in meiner traurigen Lage — alles dieses gilt nur als Beweis, daß man denjenigen als wahrhaften Inden achtet, welcher seine Religion in des Herzens Tiefen birgt. — Und so hoffe ich, und mit mir gewiß alle GlaubcnSbrüdcr, daß die Worte der Schrift bald in Erfüllung gehen werden, welche lauten: „Bajom huhu adoinoj echod usclunoi Echod“ und wenn ich mich mit dem voin Ewigen mir gnädig geschenkten Talenten nun als Staudküinchcn im großen Weltall betrachte, so will ich als dasselbe durch meines Geistes Kraft, — durch meiner Feder Wirken, — durch meiner Rede Kunst dahin streben, daß die Ehre Israels den Xiduseh ha Schern durch einen Mann verherrlichet werde, der zwar heute unendlich wenig in der Welt bedeutet; doch vom besten Willen, den redlichsten Absichten hierzu beseelt ist und dessen Worte um so mehr Pachtung verdienen und finden werden, als er ein viertel Jahrhundert dem Ehristenthume angehörte, w c S h a l b c r d i c Religionen zunntcrfcheidcn crmag. — Mit diesen Worten, welche man als Einleitung zu meiner Wirksamkeit für dieses geschätzte Journal betrachten wolle, trete ich meine journalistische Thätigkcit, welche ich speziell bisher der Staats-Politik nur widmete, für die' a l kgcm c i il c n In t e r c s sc n d cs I u d c n l h u m c s an. Ln Wort über Werth und Wesen der geistigen Sildnng von Ignatz Baum. (Fortsetzung.) Aber nicht bloß 'das Alterthum auch die neuere Zeit bietet derartige Beispiele. Und wenn die Menschen auch in! einer andern MaSke auf der Volksbühne erscheinen, die mensch« lichc Natur bleibt sich doch immer gleich. Die Schutzwehrcn des Staates, bemerkt Sallustius, sind nicht Heere und Schütze, sondern wahre Vaterlands« freunde. Diese aber sind gewöhnlich nur da zu finden, wo religiöser Sinn die Bürger belebt, der sic das Vaterland lieben, sich für dasselbe aufopsern, den Fürsten als Gottes Stellvertreter ehren und^scinc Vorschriften gewissenhaft zu beobachten lehrr. — Und gleicht die Familie nicht einem Staate im kleinen? ES muß daher so wie im Staate auch in der Familie das religiöse Element hochgeschätzt werden. Und bafitt die Familie auf religiös-moralischen Grundlagen, werden die Sorgen, Beschwerlichkeiten und Widerwärtigkeiten, die mit dem menschlichen Leben unzertrennlich sind, leichter ertragen, sie erscheincn weniger düster, weniger drückend. Mit den größten Entbehrungen oft kämpfend wird doch selten von einem MiSklang die schöne Eintracht gestört, welche daS Verhältnis zwischen Mann und Frau harmonisch verbindet. Milde, Zärtlichkeit, Sanftmnth und Verträglichkeit sind dann die schützenden Engel eines solchen FamilienbuudcS, und der Hausfriede, dieser Grundpfeiler dcS häuslichen Glückes und die Liebe, der w a h r c Genius des Hauses, setzen einem solchen gottgefälligen Familienleben die Krone auf. Während eine Familie, der der Boden der Religion also auch der der Moral entzogen wird, mit jedem Tage der Schauplatz neuer unerquicklicher Auftritte und der Tummelplatz thörichter Leidenschaften und selbstsüchtiger Einfälle zu sein pflegt und mit dem Verschwinden des Hausfriedens machen sich neben der Zwietracht öfter auch noch allerlei andere böse Dämonen im Hause fühlbar; Begierden und Leidenschaften, oftmals der verwerflichsten Art — entflammen die niedrigsten Dissonanzen zwischen Ehemann und Gattin, zwischen Eltern und Kindern machen sich vernehmbar, und kein Wunder, wenn derartig gestaltete Familicnvcrhältnisse oftmals die schrecklichsten Familicndramen und die sürchterlichtesten Familienkatastrophen zur Folge haben, denen aber der mit materiellen Mitteln reichlich Gesegnete, wie der Dürftigste anSgcsctzt ist, sobald ihnen daS moralisch-religiöse Gefühl, welches den Menschen zum Menschen macht, abgcht. — IV. Einfluß einer religiösgebildeten Frau auf das Familicuwesen. Und ist cS von hohem moralischem Werth,wenn die beiden Hauptglicdcr der Familien von diesem Gefühl beseelt find, so sollte dieses unschätzbare Kleinod deS menschlichen Herzens bei der Hausmutter immer zu finden sein; denn s i e ist des HauseS Krone, die umsomehr an inner» Werth zunimmt, je gehaltvoller und je gchallfcincr sic ist. Ter Reiz ist Trug, die Echäichcit Tand; D i c Frau nur sei mit Ruhm genannt, Die gattesfürchtig, bieder, treu, —_ Durch Thatcn zeigt, waS wcrth sic sei. Güte deS Herzens, edle Gesinnnung sind die wah« r c n Schönheitsmittel des zarten Geschlechtes, durch sie erlangt Schönheit und Anmuth den wahren Werth, wodurch die ästhetische Seite des menschlichen Gemüthes sich so unwicderstchlich angczogcn fühlt. Anmuth ist nur schein und Lüge; Tugend adelt erst die Züge Edeln kann man nur allein, Schön durch Scelcnbildüng sein. Welch hohen Einfluß eine religiös gebildete Frau auf den Gatten, auf ihren Sohn und auf ihre Tochter, über-