Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 3 (1.2.1869)
- Date
- 1869-02-01
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
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förmlichen Schisma kommen wird, welcheauch vor Eröffnung de- CongreffeS von den Extremen beider Parteien al- , einziges Friedens-Mittel proklamirt wurde. Im Eongreffe selbst jedoch sind die da- Schisma Anstrebenden so viel wie gar nicht vertreten; beide Parteien sind in dem Wunsche der Erhaltung der GlanbenSeinheit einig und nur innerhalb | dieses Rahmens haben sich die Partei - Gruppirungen gebildet. Da also die Männer^ der Fortschritts-Partei das Schismanicht'wollen, so muß eö ihre ivichttgste Aufgabe sein, das Mißttauen, welches man in manchen Gegenden Ungarns gegen Licht und Wissenschaft hegt, zu verscheuchen, auf dem Boden, wo durch oben erwähnte Demonstration der Fortschritt mißereditirt wurde, durch solche Institutionen, welche das allgemeine Vertrauen genießen, zu rehabilittrcn. Nur in diesem Sinuc können wir eine Fortschrittspartei im Eongreffe begreifen. Denn dort wo Mittel und guter Wille zur Verbreitung allgemeiner Bildung in reichlichem Maße vorhanden sind, braucht es da der bcsondern Kraftanstrengung einer Partei den Fortschritt zu befördern? Benöthigt etwa z. B. Pest oder eine andere bedeutende Stadt, aus welcher Männer der Fortschrittspartei hcrvorgegangen, irgend einer Beihilfe vom Congreß zum „foitschreiten?" Die Gemeindeangclcgenheiten Pest'S sind in bester Ordnung-; es hat genug Geld und guten Willen seine Humanitäts- und Bildungsanstaltcn zu schaffen, was also fehlt einer solchen Stadt in fortschrittlicher Beziehung, was ihr der Kongreß gewähren könnte." Offenbar kann dicß nicht das Gebiet sein, auf welches sich die Thättgkeit der mit großem Aplomb in Scene' gesetzten Fortschritt -Partei bezieht. In religiöser Beziehung kann sie auch keine besondere „Fortschritt -Partei" bilden, da religiöse Fragen vom Eongreffe ausgcschloffen sind; liberale interconfeffionelle Gesetze zu schaffen, kann eben-fallS nicht deren Zweck sein, da der Congreß hierzu nicht kompetent ist. Wo also sind die Objekte zu suchen, worauf sich die 'Thätigkeit der Fortschritt-Partei beziehen; welche Aufgabe deS CongreffeS ist eS, deren Lösung die Partei berechtigt, sich den schönen Namen Fortschritt-Partei zu vindiciren? Wohl gibt eS eine schöne Aufgabe, welche sie hiezu berechtigt, welche aber nur dann erfüllt werden kann, wenn die Partei auS Männern des jüdischen Volkes besteht, welche Herz und Gefühl für ihre jüdischen Brüder haben, wenn dieselben auch keine Comptoire in Pest besitzen, sondern arme Pußten - Bewohner sind; wenn ihr im Allgemeinen die Bildung und der Fortschritt des gesummten ung. IudenthumS am Herzen liegt, dann ist eS deren glorreiche Aufgabe überall hin, auch in den entferntsten Gegenden des ung. Vaterlandes, ganz besonders dort, wo die religiöse (?) Reform den Fortschritt im Allgemeinen verdächtigte, die Fahne der Civilisation und der Wissenschaft aufzupflanzen und so den Beweis zu liefern, daß Iudrnthum und Fortschritt Hand in Hand gehen können. lind um diesegegebene Ziel zu erreichen, gibt cö keinen andern Weg, als den der gegenseitigen Verständigung, dem um die Religion besorgten Thcile nicht nir Beweise sondern Garantien zu bieten, daß man jmcti Zentralisation- Gelüsten und Hegemonie-Bestrebungen definitiv entsagte, daß die zu schaffende Organisation nicht nur keine Gefahr, sondern ein Bollwerk der Gewissensfreiheit werde; gibt eS kein anderes Mittel als das zu errichtende Gebäude so aufzuführen, daß dtffrn Giundlage Vertrauen, dessen Wände Gewissensfreiheit, Friede biffcti Giebel und gegenseitige Toleranz dessen innere Abthcilungcn bilden. Sollte ab.r dieser einzig mögliche Weg nicht eingeschlog n werden und die Fortschrittspartei mit obrigkeitlicher Hilfe Gemcindc-Berfaffung und and.re Institutionen der Minorität -=~ in der Bevölkerung vielleicht die Majorität-^- aujoctroiren wollen, so wäre ein solches Vorgehen eine Dracheniaat, a»S welcher die eisernen Männer deS Krieges und des Brudrrhaffcs einerseits und die GeisteSverfinsterung anderseits erwachsen mufften. Die Parteiwuth würde auf's neue entbrennen, Demonstrationen heftigerer und anderer Art als die oben erwähnten, würden den Bruderhaß zur Hellen Flamme anfachen, auf der einen Seite würde profaneS Wiffen und Fortschritt als Feinde de- IudenthumS, auf der andern Seite jüdisches Gefühl als Feinde de- Fortschrittes und des Wissen» verketzert und so würde sich das Schisma, ungeachtet des Wchrufc» aller Besonnenen, vollziehen. Dort wo keine Ermunterung zum Fortschritt nochwendig, wo man eher zu viel als zu wenig in dieser Beziehung gelhan, Apostasie, auf der entgegengesetzten Seite Stagnation. , . . Doch wozu das schauerliche Gemälde noch weiter anSmalen... Selbst vom Standpunkte der sogenannten Fortschrittspartei gesprochen, es kann und darf dazu nicht kommen. M. A. Roth. Reflexionen eines zum Judenthume lieber- Irelenen. Bon LouiS Ltcrnau. „Die größte Reise ist aus sich heraus in sich hinein." Die tiefste Erkcnntniß ist das Erkennen seiner selbst und durch das Selbstcrkcnnrn das Anschaucn einer höheren Macht, eines für uns uncrschautcn „ElwaS", von dessen Existenz unS jedoch die lachende Flur, die leuchtend: Sonne, die Schönheit unseres eigenen Gebildes überzeugt. — Verirrte menschliche Geister sind theils durch ihre nicht pädagogisch erzogene Vernunft, — thcilS aus selbstsüchtiger maericllen Interessen — von der großen Idee einefür all e Menschen geoffenbarten GottcS abgcgangen und so entstanden unerschiedliche Religionen mit unterschiedliches Auffassung von Gott und sich selbst. — Doch gleich die Eiche nicht im Sturme bricht, — gleich der Chimboraffo seit Menschengcdcnkcn steht, um Zeugniß zu geben von der Größe der Allmacht — wie des Mondes sanfte^' Silberscheinen nach menschlichen Begriffen ewig ist, und die Sonne ihre Strahlen senden wird, so lange ein Sterblicher am Erdball lebt; so steht der Juden Religion erhaben groß als Urrcligion, — als Religion aller Religionen da und wird von Jedem bewundert werden müssen, welcher ihre Geschichte, ihre Lehren kennt. — Diese — und viele andere ähnliche Gedanken beherrschten meinen denkenden fühlenden Geist, durch nahezu zwei Decenien, doch — starrten mir die kalten StaalSgcsetzc entgegen und Lebens- Verhältnisse banden mich an jenes Land, wo solche Gesetze, bestanden. — Arme», armes Oesterreich dachte ich mir oft l Du willst glänzen am politischen Horizonte deS Lebens willst Deine durch eine Iahrzchenle dauernde Krankheit zu Grunde gerichtete Gesundheit wieder aufrichten, und unterdrückst dabei die Freiheit deS Gewissens, die Freiheit des nimmer zu stffelndcn Geistes, Deine Staatsgewalt maßt sich die H e r r s ch a f t ü b e r Geister an, sic dringt hinein in de» Herzens engste Kammer, und öffnet dort den Kerker, wo edle hohe Empfindungen des freien Willen der Menschen Platz greisen. — Diesem Naturgesetz des freien Willens, defreien Denkens und Erkennens treten Staatsgcfetze entgegen, welche mit oktroirendcr Gewalt dem Herzen gebieten wollen, was eS nie und nimmer empfindet?! — Da plötzlich mit einem Male ward eS Licht! unser erhabene Kaiser versammelte Räthe um seine Krone, welche mit ihm — gleich dachten und fühlten, einem traurigen Staats Vertrage wurde Bresche geschossen, nnd die gefesselten Geister schwangen sich empor zu den Höhen de- Lich tcS und eS ward ein Ringen und Streben, ein Denken und Schaffen un d allmählig beginnen schon die llcbcl zu schwin den, die unser geliebtes Vaterland umnachten. Fern an der Gränze desselben gen Baicrn, hoch auf eine- Hügelleicht umstrahlten Spitze, steht ein alteherzogliches Schloß — jetzt unglückliche^ Gefangenen zum Aufenthalte dienend, und in demselben war ich an jenem