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Die Gegenwart · 1869-02-01 · 3 (1.2.1869) · p. Seite 24

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
3 (1.2.1869)
Date
1869-02-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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Zf « -aß während zwanzig Jahrm von der Repräsentanz gar Nichtgeleistet wurde, so ist eunbestritten, daß die Gemeinde von Jahr zu Jahr höher besteucrt wird. Wozu dann ein VermögenSfond? wer wird dankbar dafür sein? etwa die Kinder, deren Ellern dafür geblutet? Hat dieser Fond vielleicht den Zweck einmal solche Monumente zu errichten wie die Talmud-Thora- Schule, oder Häuser zu gewissen Zwecken in pcstilenzartigen Gassen anzukaufm, ws der Hungertyphus ans den Spelunken guckt? Was es immer sein möge, die Repräsentanz wird slch keine Monumente baucn.abcrUe Gemeinde wird sie aus dem Gedächtnisse nicht verlieren. Und bei allen diesen verquikten Zuständen gibt es dennoch eine ganz kleine Fraktion in der Genieinde die über jeden Vaiit erschrickt, weil er ihr als ein Grabgesang erscheint, diese Fraktion, die es nicht ehrlich mit sich selbst meint, bidet ein Konglomerat „abhängiger" Individuen, die mit der Besteuerung zufrieden sind, weil sie eben spottwolfeil abgeschätzt wurden, sie sind mit der Fäulnis der Zustände einverstanden, weil ihnen die Aussicht eröffnet ist, mit komödicnartigen Vertrauensposten abgefpeist zu werden und bei der die Vorstchermanie feit Jahr und Tag ein Nebel mancher prager Israeliten ist. Die Repräsentanz kennt diese Herren von ihrem Schlage und sie ist, sobald etwas gewittert wird, gleich mit dem .Kredenzen bei der Hand, die dann gerne Wahlzelle! in Empfang nimmt, welche fur's Wciterkomincn oft einen großen Werth haben. Die Gemeinde im Ganzen und Großen gibt sich keiner Illusion hin und sic wird, wie die Eonst.'llation sich manifcstirt, bei nächster Gelegenheit ihrer Unzufriedenheit, den nöthigcn Ausdruck verleihen. Die Erbitterung scheint keine geringe zu sein, welche zumeist davon hcrrührt, daß die Gemeinde die Ursachen und Wirkungen nicht verträgt. K. Congreßöriese. i. ES sind nun bereits anderthalb Monate verstoßen, seitdem der isr. Eongreß in Pest eröffnet wurde, um ein Organisations Statut für die jüdische Eonfrssion in Ungarn zu schaffen. Die stürmisch auswallendcn Wogen der durch die Wahlbewegungeu tief bis im innersten Grunde aufgewühlten Partcilcidenfchaften haben 'sich etwas gelegt und einer ruhiger», nüchternen Stiininnng Platz gemacht. Der Eongreß hat bishci^dic enorme Summe von beinahe lUU.iKR) Gülden verschlungen, und waS seine eigentliche Aufgabe bcirifft, blutwenig geleistet. Uibcreiluug kann demselben also durchaus nicht vorgcworfcn werden. Wenn nun das langsame Forlschreilen der Eongreß Arbeiten dazu dienen wird, all die im Eongreß vertretenen heterogenen Elemente zu vereinigen, die in letzterer Zeit so weit und tief zwischen den Parteien gähnende Kluft wenigstens insofern zu überbrücken, daß eine g c m e i n s a m c Organisation m ö g l i ch. d. h. wenn die beiden schloss gegeneinander stehenden Parteien des Eongreßes sich so weit v.rständigen werden, um unter dem Dache einer Organisation friedlich nebeneinander wohnen zu können, ohne daß die eine Richtung von der andern bevormundet wird, dann hätten wir den Verlust an $cit und Geld allerdings nicht zu beklagen. beider sind die bisherige» Vorgänge im Eongreß nicht darnach angethan, uns in besondere Vcrtrancnsscligkcit zu wiegen. Eine Majorität von 1 f>—20 Mitgliedern gebärdet sich so intolerant gegen die Minorität, intcrprctirt mit einem solche» Fanatismus die vom Minister octroirte Hausordnung, daß jeder Wohlsenk »de Uber diese Zensur Methode bedenklich den Kopf idmttchi muß. Und wer sollte cs denken, daß die Partei, welch, i»? liberalen Ideen unseres Jahrhunderts mit Oftrntatlvn auf ihre Fahne schreibt, daß die sich nennende Fortschrittspartei es ist, welche der Redefreiheit solche derbe FußttUte vkljttzt und ein solches MaulversiopfungS Zensur- System. wie es in keiner heutigen politischen Körperschaft Usus ist, in einem konfeßlonellcn Kongreße, in welchem religiöse Gegensätze gegenüberstehen, zur Geltung bringest möchte?! Wie wird da im intoleranten Sinne in diese octroirte Hausordnung, was sicherlich deren Verfasser der freisinnige Kultus-Ministe?gar nicht beabsichtigte. hineingeklügelt, wie rigoros wird jede« Strichlein ppijn ppip in maulverstopfendem Sinne gedreht und gedeutelt — als ob das Seelenheil der ungarischen Judenheit von jedem Pünktchen dieses Octroi abhinge.*) _Recht, gerrre wollen wir übrigens brcs« Vorgänge d«n— Mangel parlamentarischer Bildung von beiden Seiten de« Hauses zuschreiben. Wir wollen unsere Hoffnung, daß es gelingen wird, einen Bruch zwischen den Parteien zu vermeiden, und das OrganisationS-Werk gemeinschaftlich zu vollführen — nicht aufgeben. Die Interessen des Fortschrittes sowohl alö die der Religion hängen iy so eminenter Weise von diesem Ausgleiche ab, daß eS geradezu unsinnig wäre, durch einen Bruch dieselben dem Egoismus und der Engherzigkeit zu opfern. Die auf der linken Seite des Hauses sitzenden Deputirtcn, denen es in erster Linie um Wahrung der Religion und Gcwißensfreiheit zu thun ist, befinden sich in der Minorität und sind von dieser Partei etwaige Uebergriffe — selbst wenn sie derartige Intention hätte, was wir übrigens mit Gewißheit verneinen zu können glauben —>• nicht zu fürchten; sic wirb gewiß der Majorität so viele Zugeständniße machen, als eS nur mit ihrem religiösen Gewissen vereinbar sein wird. Die Frage ist also nur, welchen Gebrauch die sogenannte Forffchrittspartei von ihrem Rechte machen wird. Betrachten wir einmal ganz vom Standpunkte des Fortschrittes alle andere Rücksichten, welche wir von unserem persönlichen Standpunkte geltend zu machen hätten, bei Seite lassend — waS die Interessen der Fortschrittspartei, vorausgesetzt, daß es ihr mit dem Fortschritte ernst ist, gebieten. Die großen Männer der Geschichte, die edeln Vorkämpfer für Licht und Wiffenschaft. haben eS stets als eine ihrer ersten Aufgaben betrachtet, dort wo die dichteste Finsternis herrschte, dieselbe mit dem Strahle ihres erleuchteten Geistes zu verscheuchen und auf diesem Felde haben sie sich die unvcrwclklichen Lorbccrkränze des geschichtlichen Ruhmes errungen, denn dort sind eben geniale, alle Hindernisse besiegende Kräfte zur Initiative nothwendig, während die Fortentwickelung eines schon vorhandenen geistigen Lebens kein solches Verdienst in sich birgt, da dies nur mittelmäßige Kräfte erfordert, und über Haupt so zu sagen in der Luft liegt, und von selbst ohne jedes Hinzuthnn erfolgt. Faßen wir nun die Verhältnisse, wie sie gegenwärtig in Ungarn sind ins Auge und wir werden leicht die Anwendung de8 Gesagten finden. Hier in Ungarn wie auch anderwärts stehen sich zwei Richtungen gegenüber. Orthodoxen und Reformer, nur mit dem Unterschiede, daß in Ungarn der Kampf ^on, orthodoxem Seite viel heftiger geführt wird alö in andern Ländern. Dieser Kampf zwischen den Parteien nahm in den letzten Jahren immer größere Dimensionen an. Je mehr von der einen Seite das Bestreben an den Tag gelegt wurde, die Orthodoxie zu bevormunden, desto heftiger war auf der andern Seite die Opposition. Diese anfangs gan z passiv und nur abwchrcnd griff endlich — vielleicht von den damaligen national-politischen Ereignissen unbewußt afficirt— zur Demonstration. Zn diesen Demonstrationen zählen wir die in vielen Gegenden Ungarns systematisch genährte Abneigung gegen profanes Wissen — und alles wa? dazu gehört. , \ Auf diese Weise haben die Extreme einander in die Hände gearbeitet und die Kluft zwischen den Parteien so sehr erweitert, daß eS den Anschein hatte, daß eS zu einem *) Pikante Leute wollen behaupten, daß der Mittelman'sche Antrag: Verlegung der samstägigen Wochrnmärkte, darin seine beste Erledigung gefunden hätie, wenn «r. Exc. derKult.-Miiiisterrrsucht würde in die hochheilige Geschäftsordnung noch einen § de» Inhalt» rinjuichal» ten: daß r« jedem Israeliten verboten lei, sein Geschifft» Lokat Samstag zu öffnen, selbst in solchen Fällen, wo der Wochenmarkt am Sam» stag »ft - i

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