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Die Gegenwart · 1869-01-15 · 2 (15.1.1869) · p. Seite 15

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
2 (15.1.1869)
Date
1869-01-15
Page
Seite 15 (sequence 5)
Language
German
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der ihnen anvertrauten Jugend das Beste wollen und sie vor jedem Unfall zu schützen »streben. Gei aller Vorsicht abe^, welche sie anwenden, die chnen Anverttauten einem erfreulichen Ziele zuzusühren und vor schädlichem Einfluß zu bewahren, werden sie ihren Zweck doch niemals erreichen, wenn die Ausbildung der Jugend, nicht auf religiöser Grundläge basirt. Beschäftigt sich der Verstand nun mit dem im Raum und Zeit Gegebenen; wird er nur angeleitet das Irdische zu durchforschen und möglichst zu seinem Bortheil auszubeuten, ohne daß das Wiffen durch das religiöse Element verklärt und veredelt wird; so ist die Jugend auf die Bahn der reinen egoistischen Spekulation geleitet, um sodann als Jünglinge und Jungfrauen die Bahn des krassen Materialismus desto eher betreten zu können. Wer sich aber ganz in das Materielle versenkt und darüber das Wesen, welches die Materie ins Dasein rief, vergisst, der wird nun zu bald dahin gelangen, daS Materielle als Grundlage aller Seligkeit und den sinnlichen Genuß zum Endziele alles menschlichen Strebend zu machen. Und daß eine solche eingeschlagene Richtung sehr unerquickliche Folgen hervorbringt, wird wohl Niemand in Abrede stellen wollen, denn die Geschichte -er Menschheit hat es zur Genüge verbürgt. ' Ein Mensch von der Bahn-der Religion auf diese Weise abgeleitet, wird nach nichts Anderem streben, als nach dem sinnlich Angenehmen und nach Mitteln seine Leidenschaften zu befriedigen. Sein praktischer Verstand setzt ihn, man könnte sagen, tiefer als in die Reihe der Thiere herab; denn, wenn auch das Thier nur nach dem wachtet, was seine Sinne fesselt, so gibt eS sich doch zufrieden, wenn es seinem Instinkte Genüge geleistet und sein Bedürfnis befriedigt hat, während ein von seinen Leidenschaften regierter und geleiteter Mensch nicht einmal beim Sinnengenusse die Grenze einzuhalten versteht; er verliert die Achtung vor sich selbst, verliert aber zugleich die Achtung vor seinen Mitmenschen. — in. Einfluß der religiösen Bildung auf Staat und Familie. Daß dem Staate mit solchen Bürgern der menschlichen Gesellschaft und der Familie mit solchen Gliedern nicht gedient ist, liegt am Tage. Denn ihnen fehlt da« Gefühl für alles Schöne, Edle und moralisch Nützliche, welches, um zur Wohlfart des Vaterlandes und zum Gedeihen der Familie -eitragenkönnen, unbedingt vorhandm sein muß. Wie der Patriotismus oder die Vaterlandsliebe, so verlangt auch die gewissenhafte Verwaltung des Familienwesens und dessen Obliegenheiten gar oft aufopfernden Widerstreit gegen Neigungen und Leidenschaften, sie verlangen mit einem Worte Tugend. — Aber Tugend und Religion sind Zwillingsschwestern, die, immer Hand in Hand greifend, man sich getrennt gar nicht denken kann. Beim Materialisten jedoch gehören beide in daS Reich der Märchen. — Werfen wir einen Blick in die Geschichte des Alterthums, so finden wir, daß so lange Griechenland und Rom sich von ihrer — wenn auch nur mythologischen — Religion leiten ließ, und das religiöse Gefühl die Bürger belebte, beide Staaten groß und mächtig waren; als man aber anfieng die Gottheiten gering zu schätzen und zu verlachen und der Atheismus dem religiösen Gefühle den Vorrang abgewann, als man nicht anstand Heiligthümer zu profaniren und das Geweihte in den Staub zu ziehen: da verschwand der Patriotismus und der tödtende Egoismus trat an die Stelle und in seinem Gefolge Ausschweifungen aller Art, Verschwörungen, Bürgerkriege, Ungerechtigkeiten, Bedrückungen und endlich die Erlahmung und Auflösung des Staates, so daß beide eine Beute der Barbaren wurden. (Fortsetzung folgt.) X Prag, 10. Jäner (O.-K.) Nachdem Ihr geschätztes Blatt die Interessen der Präger Jsraelitcn-Gemeinde mit wahrem Freimuthe und unpartheiischer Beurtheilung vertritt, cS jedoch noch Manche geben dürfte, die.in Folge ihrer persönlichen Interessen die allgemeinen gerne verdrängt wissen wollten, so finde ich eS an der Zeit, da gerade daS Präliminare abgeschlossen ist und die Steuerkommission sich daran macht, die Steuerdemessung vorzunehmcn, auf das unrichtige Verhältnis in der Besteuerung hinzuweiscn, das auf die Lokal- und PersonalkenntniS der Eommission ein interessantes Schlaglicht werfen dürfte. Ich könnte Ihnen eine Liste von den fünfziger und den letzten Jahren zur Begründung meiner Auffassung vorlegen, beschränke mich jedoch, was genügen dürfte, auf das Jahr 1868 und lasse als Eommentar einige praktische Fälle der ungerechten CultuSbesteueru ng folgen, wobei ich es dem geehrten Leser Ihres Blattes überlasse, den Vergleich anzustellcn und sich ein Urtheil zu bilden. besteuert mit besteuert mit H. Emanucl Podiebrad . . fl. I H. Baruch KauderS Lehrer fl.I.— „ Josef M.Ederer Eisenhändl.,, 2 „ Moses Heckclmacher . „3.— „ Eduard Sabbath Fabrikant,, 2 Jos. Klempner Tanzlrhr.,,3.— „ D. L. Schlosser Kaußnann „ l „ Albert Massarek . . „5.— „ Prof. I)r. Wolfgang Wessely 5 „ Ignaz Schick 2ournalist„5.— Sicgstied Böhm . . . „ 8 Aron Redisch . . . „7.50 „ Jakob Holländer 10 „ B. Kohn Pianof.u. Deinh.7.50 „ Markus Holländer.10 „ Rudolf Reach Kaufm.,,7.50 „ Veit Phil, Hirsch Kaufmann,, 12 „ MoseS S. Lasch . .25 — „ Adolf Schwab Stadtrath„30 „ Bnmnrr auS Hostomitz30.— „Z Jakob Rosenberg Privatier„30 „ Markus fttcib . . 50.— Da cs überall, wo Stcucrlisten aufliegcn, gestattet ist, in dieselben Einsicht zu nehmen, folglich auch die prager Jsraeliten-Amtskanzlei nicht Zurückbleiben dürfte, so kann man sich von der Richtigkeit meiner Ziffcrnangabc überzeugen.*) Prag 12. Jäner (0.- K.) Wenn man sich am Sabbat in den Gotteshäusern umsieht und trotz geregeltern Gottesdienstes, trotz Prediger**) und Choralgesänge dieselben wenig besucht findet, so wird man, förmlich in Verlegenheit gerathen, den Grund dieser Er-* scheinung zu finden. Der Schlüssel hiezu ist bald gefunden, doch bevor wir ihn anwendcn wollen, erlauben wir uns zunächst eine doppelte Frage aufzuwerfen; erstens warum sind die Bethhänser so wenig besucht, sodann warum doch noch einige in den Bethhäusern zu finden sind, .die als die wenigen „Gerechten" zu bezeichnen wären. Die letztere Frage ist damit zu beantworten, daß die wenigen Andächtigen noch jener Zeit angehören, die in ihrer Jugend wenigstens so viel gelernt haben, was zur Auffindung oder gar zun; Verständnisse eines Gebetstückes beiträgt. Was die Lösung der ersten Frage betrifft, so ergibt sie sich aus dem bedauerlichen Wegbleiben der heutigen Mischen Jugend vom Gottesdienste, die es vorzieht, während desselben in nichtjüdischen Schulm zu sitzen und durch den freiwilligen Anthcil am Schreib¬ und Zeichnenunterricht sich den Gottesdienst zu ersetzen. Wer cS jedoch noch nicht weiß, wie c« bald mit und in dem Judenthume aussehen wird, der wolle sich nur die Erziehung unserer heutigen jüdischen Kinder betrachten, die leider die meisten jüdischen Eltern zu verantworten haben. Bibel und Gebetbuch werden aus ihren Häusern verbannt und die jüdische Schule wird perhorrcScirt, in der Furcht die Kinder könnten zu jüdisch werden und jüdisch sein ist ein Unglück! ES ist eine traurige Wahrheit, daß grade in dem altehrwürdigen Prag die Unwissenheit in der hebräischen Sprache bei *) Sie werden eine solche konfuse Besteuerung begreifen, wenn wir Ihnen mitiheilrn, daß von den jüngst zu Steuercommiflären vorgeschlaaenen Herren: W. I. Kühe, Wilhelm Propper, B. Kalmu«, Michael Wiener, Sem. Gerstel, Sigmund Beer auf den letzten dir Wahl gesallm ist. (d. Red.) —) Je nach der Qualität (d. Red.)

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