Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 2 (15.1.1869)
- Date
- 1869-01-15
- Page
- Seite 14 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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16. Diverse Ausgaben . . . 17. Unvorhergesehene Ausgaben Summa VI. Pensionen und Knadengaben: 1. An die SccretärS Witwe von Königsberg. 2. An die Spitaiarzt-Witwe Kerpai .... 3. An Eaffaofficiai Wiener .. 4. An Ludwig Wintcrnih Erziehungsbcittag . 3. An CpitalSrcchnungSführcr Leitmcrij- . . . 600st. — kr. 600 „ - „ 6463 „ 36 „ 420 .. 300 .. 250 „ 120 50 Summa 1140 „ — „ VII. Krabmonument des sreiigcn Obere abbincr Rapoport. . ' 600 „ — „ VIII. Rückzahlung auf die dem un> angreifbaren LuituSgemeinde vermögen zu patriotischen Zwecken entnommenen 2000 fl. 100 „ — „ Summa der KesammtauSgabcn . 34669 fl. 26 kr. Einnahmen. I. Zinsen vom beweglichen und unbeweglichen Kemeindcvermögen.. 1680 fl. — II. Einkommen des Spitals.. 0378 „ 5% III. „ KnabenwaisenhauscS . 2782 „ 87 IV. „ „ AnneninstituteS . . . 1304 „ 41 V. „ der Thalmud-Thoraschule . . 2402 16 VI. Bedeckung der Stiftungen-Regiekosten aus der Stistungskafla. 690 „ 26 VII- HcirathSgcbühren. 700 „ — VIII. IneolatSgcbühren. 400 „ — IX. Rrligionsuntcrrichtgeld. 000 „ — Summa . 20237 „ 75'/, Vergleicht man nun die Sumnia der AuSgaben pr. 34660 fl. 26 mit der Summe der Einnahmen per. . . 20237 „ 75'/, so erscheint ein Deficit von. 14431 „ 50 '/, Da jedoch das Spital in der Lage sein wird, die seine Einnahmen übersteigenden MehrauSgabcn mit dein Caflarestc aus dein I. — ' 1868 zu decken, so entfällt von dcni Gemeindedcfirit ein weiterer Betrag von . . 773 ,. 34'/, und verbleibt deshalb ein wirkliches Deficit v. 13658 „ 16 Hiezu tritt wegen uneinbringlicher Beträge der 5°/, Zuschlag im Bctragcvmi. . . ~ 682 „ 90 “ weShalb als E n l t l» s st e u c r der Betrag v. 14341 6 umzulcgcn ist. Die A n s ch l u fi st c u c r q u v t e pro 1860 mit Inbegriff des 5", Zuschlags wegen uneinbringlicher Beträge macht . . . 7820 fl. 34 kr. ff II fl II ff ff kr. kr. Lin Damenregiment. Am <>. d. 9)1. fand in der Erziehungsanstalt für arme Israel. Waiscnmädchrn aus Anlas; (wie der „TageSbotc" berichtete) der Entlassung zweier Mädchen, eine erhebende Feierlichkeit statt, der auch der Herr Bürgermeister 1)r. Klaudy beigcwohnt hat. ES ward Alles dabei festlich dckorirt, es wurde viel gesungen, angesprochcn und geredet und dicß Alles weil zwei arme Mädchen arm die Anstalt verließen, um ihrem "Schicksale überlassen zu sein. ES war eine rührende Scene die beiden verwaisten Schicksalsschivestcrn, die ihre Demission erhielten, mit dem Gefühle eines armen Poeten verfasste Reden an den menschenfreundlichen Borstand deklamircn zu hören. ES war Alles recht schön, wenn eben Alles j schön zu nennen ist. Der Herr Bürgermeister dessen Leutseeligkcit musterhaft zu nennen ist, folgte der Einladung zu der Entlassungsfeier und drückte zum Schlüsse dem zarten Borstande für dessen redliche Bemühungen und für die ge« i botencn Leistungen, seine Bewunderung äuS. Natürlich konnte es nicht anders sein, da man doch ans die Gegmwart eineso außergewöhnlichen GasteS vorbereitet und das Aran« gement der Feier jenem entsprechend, getroffen sein mußte. Wie sieht eS aber in der Anstalt aus, wenn kein Bürgermeister geladen ist? Nun wir müßen antworten: recht traurig! Wird doch gradezu der §. 9 der Statuten der Anstalt, worin eS im Schlüße ausdrücklich heißt, die Erziehung muß eine streng religiöse israelitische sein, nicht ganz exakt erfüllt, so ist der ß. 11 der,4>ie physische Erziehung der Kinder bedingt, eine leere Phrase; denn betrachtet man die Lage der Anstalts-Lokalitäten, auf der Vorderseite eine Ehlorfabrik auf der Rückseite ein schmales Gässchen, wo Epidemien sich gerne einschleichen, so darf es nicht befremden, daß ein großer Theil der entlassenen Mädchen von einer skrophulosen Krankheit behaftet ist Der betreffende Arzt der Anstalt, dem wir seiner Zeit diesenErfolg zu bedenken gaben, und den er nicht wegläugnete, machte uns die Einwendung, die Kinder brächten zum größten Theile die Krankheit ins Institut. Darauf berufen wir unS auf den §. 3, (2. Absatz) der ausdrücklich bestimmt, daß jede aufzunehmende Waise körperlich und geistig gesund sein muß, demnach es Sache des Arztes ist, für die Aufnahme verantwortlich zu sein. Der §. 12 lautet: Die Beköstigung der Kinder soll einfach, aber nahrhaft und schmackhaft bereitet, die Bekleidung einfach und anständig sein. Ob diesem Paragraf Rechnung getragen wird, wenn den Kindern Erdäpfel mit Zwetschken geboten werden und die zarte Jugendpflanzen in der drückendsten Hitze im Sommer in schwere Lederstiefel und höchst ärmliche das Gemüth deprimirende Kleidungsstücke gesteckt werden, überlassen wir einerseits dem A zte, anderseits dem Pädagogen. Selbst der h. 13: In Krankheitsfällen, wo die Gesammtheit nicht gefährdet ist, und welche nicht chronisch unheilbar sind, sollen die Kinder in der Anstalt selbst in einem besonder» Zimmer gepflegt werden, wurde auch einmal nicht eingehalten. Somit ist der Satz in §. 1: die Anstalt soll den Waisen in ihrer Einrichtung den möglichst genügenden Ersatz für den Berlust der Eltern bieten, eine klägliche Ironie. Den Angehörigen oder Vormündern der aufgenommenen Waisen ist durch den §. 6 Hartherzigkeit auferlegt, denn laut diesem begeben sie sich für die Dauer des Aufenthaltes der Waisen im Institute alles Einspruchsrechtes in Bezug auf Verpflegung, Behandlung und Erziehung der Kinder. So müßen die Angehörigen schweigen, die verwaisten Mädchen müssen selbstverständlich auch schweigen, und da sie arm sind, hat Schweigen _sür__die. letzter» einen großen Werth; denn Schweigen ist — Gold. Der Schluß dieser modernen Waisen von Lowood ist; sie werden entlassen und wird durch eine solenne AbshiedSfcier inaugurirt. Ob sich die Waisenregentinnen fteuen. daß sie zwei Mädchen oder letztere sich fteuen, daß sie die Anstalt los werden, ist nicht constatirt, doch so viel gewiß, daß wo ausschließlich Damen daS Regiment*) führen, der Dienst ein schwerer ist. Lin Wort über Werth und Wesen der geistigen Sitdnng von I g n a tz B a u m. (Fortsetzung.) II. Worin soll alle Bildung basiren? Ueber dieses Thema ist schon öfter manches Gute und Schöne gesprochen und geschrieben worden; aber man ist bisher zu keinem befriedigenden Resultate gelangt. — Man kann zugeben, daß die an unfern Lehranstalten mit dem Unterrichte bettauten Lehrer und Lehrerinnen bei *) Wir schicken heute bloß die Vorposten voran, da» Gro» dürste folgen, (d. Red.)