Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 1 (1.1.1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 13)
- Language
- German
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i 7 ganze Verkettung der Dinge und der Zukunft so gut, um erstereS mit Vernunft behaupten zu können, folgt nicht bei weitem mehrmal aus großes Unglück wieder Glück? der Selbstmörder hat keinen Glauben, keine Hoffnung an ein zweites besseres Leben, warum sollte er nicht die Gelüste des Seins bis zur Neige ausschlürfen? ״Wem nicht die Ahnung innewohnt, aus des Grabes Finsterniß zu erwachen, der blicket stets nach dem Schwerte hin."׳ Dieß sind moralisch schwache Menschen, die im Glücke nie an Leiden und Unfälle denken, die sich dazu nach der Vernunftforderung nicht vorbereiten, sind bald mit jenem Schluffe fertig, über -den sie aber lachen, wenn das Gewitter vorüber ist. Nur Zweifler pflegen zu sagen: Gott hat die Entstehung des Bösen gewusst, und hat sie nicht verhindern können, oder er hat sie gewusst, und nicht verhindern wollen, oder er hat sie nicht gewusst; im ersten Falle ist er nicht allmächtig, im zweiten nicht^gut, im dritten nicht allwiffend. Gesetzt: Gott habe die Möglichkeit des Bösen vorausgesehen, und dennoch freien Willen geschaffen; so kann man leicht annchmen, daß er freien Willen in seinen Werkzeugen brauchte, oder daß selbiger in Ausgeburten aus seinem Wesen nothwendig war : man kann vermuthen, daß er Mittel wusste, die Folgen einer von ihm ganz durchschauten Unordnung zu verbessern, und die Freiheit des Willens vor allem ferneren Mißbrauche sicher zu stellen. Allein ich glaube, beweisen zu können, daß Gott die Entstehung des Uebels nicht vorausgesehen hat, trotz der Allwissenheit. Wenn wir den freien Willen auf. Ja und Nein beschränken, so scheint es freilich, als ob Gott hätte einsehen müssen, daß ein Wesen, dem er die Kraft zu verneinen ge« den wollte, auch einmal nein sagen könnte. Hätte aber der fteie Wille keinen andern Vorzug gehabt, als das Vermö׳ gen, dem Willen Gottes zu widerstreben, so wäre dieses eine wahre Unvollkommenheit gewesen und Gott hätte durch eine so zweideutige Kraft die nächste Möglichkeit zum Bösen hergegeben. Ferner wäre ein bloß bejahend- oder verneinender Wille nicht frei gewesen, denn er wurde an eine Verzu erforschen, so dasjenige Wesen existirte, so ihn allein Hervorbringen konnte. Wäre dieser Gedanke ftei und seinem eigenen Schöpfer eigen geblieben, wenn ihn Gott vorausgesehen hätte? Die Sache war also wesentlich unwissbar, und die Allwissenheit kann sich so wenig mit dem llnwiss« baren, als die Allmacht mit dem Unmöglichen abgcben. ״Jedoch euer Blut, woran euer Leben hängt, werde ich fordern (1. B. M. ft, Dieß ist die AnlehnnngSstelle, worauf der Talinud die Erhaltung des Lebens zur mosaischen Pflicht macht. Ein Rabbi erlitt des Glaubens wegen den Feuertod. Während seiner unsäglichen Schmerzen sagten seine Schüler zu ihm: Qeffne den Mund, so werden die Flammen dich früher tödtcn. Gott, antwortete der Rabbi, kann mir das Leben nehmen, ich darf mich selbst nicht umbringcn. (Abodah Sara IS a) Und so rücksichtsvoll unsere Weisen bei der Beerdigung einer menschlichen Leiche zu handeln geboten haben ״ לועג לריש חרף עוישחוWer den Armen spottet, lästert seinen Schöpfer, diesen Vers auf jede Verspottung einer Leiche, cs sei durch Worte oder durch Thaten -anwcndeten, haben sic dennoch verboten einen Selbst- Mörder zu betrauern, der Leiche die gewöhnlichen Ehrcrbie tungen zu erweisen (Jore Deal! :54') — 1) : denn es ist ein großes Verbrechen sich selbst zu tödtcn (Sifse Kolm da׳ selbst). Ein glaubwürdiger Herr erzählte mir: Als in einer Stadt in Italien der Selbstmord stark um sich griff: wurde von den Vorgesetzten angeordneh die Leichen auf eilten Kar rcn zu werfen von zwei Hunden fortschlcppen zu lassen, die sodann am Eingänge des Friedhofes von zwei HenterS knechten cingescharrt wurden. Der Selbstmord ist also absolut unzulässig, nur Verrückte, Poltrone, und Bösewichtcr entleiben sich. Oer Selbst- Mörder ist des ArbeiteuS und Kämpfeus müde, er verlässt den ArbeitS und Kampfplatz ohne fertig zu sein, und ist also untreu gegen denjenigen der ihn znr Arbeit, zum Kampfe bestiminl hat. Er übt nicht bloß ein Verbrechen gegen Gott und gegen sich selber; sondern gegen die ganze Erdenwclt, denn so lange er vom Scelengeist beseelt ist, ist er Werkzeug nunft, die das Beste gewählt, gebunden worden sein. Allein i der freie Wille muß ganz anders gedacht werden. Er ist eine schöpferische Macht, und schafft Ursachen mit der ganzen Reihe ihrer Folgen. Seine Natur bestand nicht darin, Gutes oder Böses zu thun, sondern er konnte durSs die Kraft seiner Natur die Quelle des Bösen Hervorbrillgen. Cr und nicht Gott hat die Möglichkeit dazu hergegeben. Die Besorgniß, daß Gott als Urheber eines freien Willens, dadurch als die oberste Ursache des Bösen erscheinen möchte, entsteht aus der Verwechslung der Begriffe von Werkzeug und Werk. Würde man eine Kette von Ursachen und Folgen richtig zerglickcrn, wenn man sagte: Das Messer, mit welchem eine Mordthat geschehen ist, war die Ursache davon, der Ur- Heber des Messers war der Messerschmied, dessen Dasein > von seinen Eltern und Voreltern hcrrührte, und folglich ist j der erste Mensch die Grundursache dieser Mordthat. Dieses! wäre gewiß eine sehr falsche Stuffenleitcr. Die wahre Uri sachc der Mordthat war unstreitig der Gedanke sic anSzu-! üben; diesen müssen wir verfolgen, in allen seinen Bewe- , gungsgründen, letzte in ihren Ursachen, und so werden wir J durch eine Reihe von Leidenschaften, Jrrthümcrn, Narrheiten! und Fehlern der menschlichen Gesellchast geleitet, eine ab- ׳ fotutc Quelle des Bösen wenigstens in der Entfernung erj blicken. Freier Wille war das Instrument, so den freien Gedanken schuf, welcher die Wissenschaft des Bösen erfand. ' Der freie Wille ist also nicht die Ursache, welche die Kette ן des Bösen anfängt, sonst wäre er und das Böse einerlei > Sache; sondern er ist der Schöpfer von dieser Ursache. In ihm lag nicht einmal der Gedanke, diese Ursache zum Bösen erfinden oder nicht erfinden zu wollen; sondern das bloße Vermögen, einen solchen schöpferischen Gedanken, schöpferisch, nämlich unabhängig von einem andern Gedanken zu erwecken. Wie könnte nun Gott sich beschäftigen, den Gedanken eines Wesens zu entdecken, dem er die Freiheit geschenkt hatte, einen unentdeckbarrn Gedanken zu erschaffen, denselben des Mcnschcngeistcs zum Mcnschcnwirken. Aus dem westlichen Böhmen L!>. Dezember (0.- K) Sapienti Sät EincMindcrlichc Eorrespondcnz das I עולם הפוך ראיתי התחתונים למעלה werden die Leser dieses Blattes auSrufen; alle Welt, Lateiner wie Nichtlateincr schließt ihre Epistel mit ״Sapienti mit," und hier wird damit der Anfang gemacht; überall gebraucht man cs zu Ende und hier steht eS oben an. Dafür aber ist cS auch ein Univcrsalwort, das zu Allem oder doch zu Vielem in Anwendung gebracht werden kann, ein Qrakelsprüchlcin, das mannigfache Auslegung in sich trägt. Man kann cS gcbrauchcn anstatt des די׳ לחפים׳ גרמיו׳ wenn man Vieles mit wcnigcn Worten sage» will, nach der talmudischen Regel לעולם יישנה אדם ב לישון קצרה. Manche bedienen sich dessen, wenn sic nichts mehr zu sagen wissen, und Manche wieder, um der Welt ihre Sprachkcnntniß, ihre Fertigkeit in der alt« klassischen Sprache zu zeigen; ja cS ist ein goldncs Wort, das ich auch benütze, zwar schon zum Anfänge und bin doch zu Ende — mit meinem Latein. At vocem sapienti sat erlaube ich mir eine Bemerknng über den Artikel des Herrn Rab. in Ezkin, dessen Schlußwort ebenfalls lautet: Sapienti 8at Ich habe mich bei guten und fleißigen Parvistrn er kündigt und in Erfahrung gebracht, daß cS so viel als ״hin länglich." ״znr Genüge erläutert" bedeutet. H. Rabb. in Ezkin, dieser אין חנם כבר נפיץ, der doch wissen sollte, daß cs auch arme Menschenkinder auf Gottes Erdboden gibt, die keine oder doch nicht so viele Praxis haben, hätte daher seine Intentionen nicht unter ״Sapienti 8atverhüllen, sondern sich deutlicher erklären sollen, denn cS ist nicht genügend, was der H. Rabb. in Ezkin sagt. Nicht genügend ist vor Allem der Impuls, durch den er sich bewogen fühlt, das Prvject einer Synode in die Welt hinauszurufen. Fas-