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Die Gegenwart · 1869-01-01 · 1 (1.1.1869) · p. Seite 2

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
1 (1.1.1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 2 (sequence 8)
Language
German
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— 2 l cifisch jüdisches Institut nicht geeignet sei, so konnte eS uns nie gleichgiltig lassen, wie dieser Mann am 1. Mär; von» gen Jahres für einen Lehrer die Lanze gebrochen, der an der Untergrabung des Instituts regen Antheil genommen und für eine Ucbcrschreitung religiöser Tendenzen oder besser für die Manifcstirnng religionswidriger Doktrinen eine Gehaftet Höhung von 200 (dulden erzielt hat. Nun ist die Angelegenheit so weit gediehen, daß der Obmann der Commission der Talmud-Thora Schule in der vor lehren Sitzung einen alternativen Antrag gestellt hat, der dahin geht, entweder eine Commission;nr Vornahme nöthigcr Reformen des Institutes zu ernennen, oder das Institut aufzulöscn, mit dem Zusatze, daß unter den gegenwärtigen U m st ä n d e n, sich N i e m a n d als V e i t c r a n b i c t c n kann, w e i l e S nichts; u leiten gibt, kannten wir doch die Basis als eine höchst schwäche, die das Fundament einer solchen Schöpfung nicht ertragen konnte, muß uns erst die Basis dieses Glaubensbekenntnisses eines Institutsdirektors sehr originell erscheinen, indem wir von einem solch offenen Geständnisse darauf -schließen müssen, daß der weiter einer Anstalt, der düs Zeug in sich fühlen soll, einer solchen vorzustchcn, schon beim ersten Beginne des Prozesses, der nur auf die moralische Vernichtung sogenannter miserablen Subjekte" und aus die ungerechtfertigte Inanspruchnahme der Blutgclder berechnet ist, das Scepter hätte aus der Hand legen sollen; denn wer nicht ad initio die Lebensunfähigkeit einer Lehranstalt erkennt, wer nicht, wo der erst: Meint aufspricßt, die Gebrechen und Nebel einer vchrstütte;u bcurthcilcn weiß, der ist der Natur der Sache gemäß, nicht geeignet, eine Anstalt zu leiten. Bei Trennung der Chrlichkeitsvon den praktischen Rücksichten muß eS jedem Bernnnstbrgabtcn widersinnig erscheinen ein Institut, das 4 Schüler ausweist, überhaupt ein Institut zu nennen, abgerechnet der enormen Regiekosten, dir auf ein Minimum rcdnzirt, ein Stipendium rcpräscntircn könnten, ans dessen ob Undinge der Talmud in solidester Weise gepflegt werden lönntt. Die Zahl 4 also liefert den schlagendsten Beweis der Zwecklosigkeit der sogenannten Talmud- Thora-Schulc. Um den Commentar zu unserer so oft gemachten Behauptung leichter zu finden, wollen wir uns der Worte des Obmannes bedienen, um so mit dessen eigener Waffe den Gegner selbst zu schlagen. „,,6s ist nun die _ Frage,"" Million der deutschen Irene am besten eignet und so glaubt die Vertretung als Anhänger Armins nach langem Luchen im .großen Bär" eine herrliche Requisition gemacht zu haben. So wie aber der große Bär am mächtigen Hinnuelsgewölbe, trotzdem er mit (St)- ktopenange bcrunterbtickt, nicht wissen tan». waS anf der Erde vorgeG, so wie er überhaupt keinen Weift, sondern nur die Bcstimmung hat, unter dM^ahlloseu Wandel- und Fixsternen die sehr beschcidenc Nolle eines Lemiukäsers zu spielen, in eben dem Verhält, nisle belindet sich der „Bär" als Lteuertommissionär. der Koiioue mit meisterhafter Fertigkeit, aber immer »och nicht die Vermögens- Verhältnisse jüdischer Gemeindemilglieder abznschätzen im Stande ist.?ie „sMätzenswerthen Gemeindemitglicdcr müffeu ftdi für einen solcheii Bären bedanke», den die Repräsentanz ihucn anhängt und sch rathe ihnen Geduld, mit der ,lcit dürsten noch andere Bären folge». Doch da die Reprä'emaiiz mit ihren zwei „Schützen" schon manchen Boet geschossen Hai. lo will ich eS ihnen gerne verleihen, wenn ße einmal aneti ans einen „Bär" anfgeirone» hat. den» gewohnlich tanzt der Bär »ach dem Eominando seines Führers. So weiß ich nun, was ans der Erde und ans dein Himmel vorgeht und ich weiß auch, daß diese deutsche» Verbindungen zwischen dem Firmamenle und der Weltkugel die Enlinsstcnerzahler nicht verbinden, da diese nur Steuer und keinen Eultns habe», Actherrau- »ne, wo man daS Heulen der Windsbraut nicht ltenern kann, waö für die Repräsentanz ein Unglück wäre, wenn diese die pragu Wenicsiidcangehörigkeit hätte, hat die Vnft das Regiment. daS man ihr in der „geregelten Allsnnagoge' damil zu nehmen glaubt, wenn man ihr recht einheizt und so wurde auf eine Luftheizung spekulirt, die die Andacht der Gläubigen auf den Gefrierpunkt zu bringen droht, wenn nicht homilettsche Kämpfe durch da» ihnen sagte dieser: „„warum hat die Talmud-Thora Schule keine „Sympathien? die Antwört ist leicht zu finden; denn da gibt „es so viele llcbelstände, die in einer Gemeinde wie Prag „behoben werden müssen. Wenn man eine Anstalt schafft, „so soll sie etwas leisten, sie soll so beschaffen sein, daß sie „der Stadt Prag zur Ehre gereicht. Dieß ist mit der T. T, „Schule, wie sie^jetzt besteht, nicht der Fall und sie ein „spricht nach keiner Richtung; denn 1. sie hat keine Bü- „cher. 2. Sind, die Lokalitäten für eine T. T. Schule der „Hauptstadt Prag nicht passend."" Ohne daß wir uns je mit juridicis abgegeben haben, gaubcn wir vor Allem annehmrn zu müssen, daß die Vernunft über den eorpus juris erhaben ist, da doch wo erstcrc fehlt, letzterer ein Buch mit sieben Siegeln ist; und kraft dieser nichts als billigen und vernunftgemäßen Annahme müssen uns die Gründe nicht nnr nicht stichhältig, sondern etwas komischer Natur erscheinen, die ein krampfhaftes Lachen. verursachen, bei dem schmerzersülltc Thränen über die Wangen rieseln. Wohl sind.wir überzeugt, daß ein Mann, der vom Beth hamidrasch fid) zur Lehrkanzel cmporgeschwungen hat, seine Ausbildung;u einer Zeit erlangt hat, wo ein Landau, ein Rapoport noch nicht gestorben und die literarischen Hilfsmittel als ihre Vermächtnisse noch nicht vorhanden waren, ohne jüdische Gemeindebibliothek, ohne große Lokalitäten jene Stufe erstiegen, die für einen Candidaten der heutigen T. T. Schule reine Utopie wäre, aber glauben können wir eS nicht, daß in einer so intelligenten Stadt wie Prag, die eine Universitätsbibliothek zu Jedermanns Benützung und andere Hilfsquellen aufweist, Mangel an Bücher der Casus belli sei, weßwegcn ein Institut zerfällt, ebensowenig können wir eS glauben, als die Dimensionen eines geräumigen LchrzinnncrS für 4 sage vier Schüler auf die Zeit des Unterrichtes nicht hinrcichcn. Die communale Leidensgeschichte der prager Israeliten ist nun einmal so beschaffen. daß sie zur Rcalisirung von Plänen ehrgeiziger Ränkeschmiede manches Opfer bringen muffen, mit dem der Armuth besser gedient wäre, und so mußten sic sich ins Unvermeidliche fügen,eilt Institut gründen zu sehen,dessen Consistenz nicht nnr im Vorhinein abgesprochcn wurde, sondern auch als ein überflüssiger Vcsikator der Gemeinde angesehen werden mußte. Indem wir glauben, daß der Obmann in eine Zwick- _mühlc gcrathcu, in die er thcils durch die unvermeidliche eigene Feuer sich der Andächtigen erbarmen und sic in moralische Pelze stecken wurden. Während die Kettcnstrafe gefallen und den unglücklichen Verbrechern die Haft erleichtert ist, steckt man den „geregelten" Gottesdienst unter Schloß und Riegel und umgibt ihn mit drei Gitterthoren, nm den „Ungeregelten" von feit zu Zeit den Eingang zu rrschwierigcn. Ich finde den geregelten Gottesdienst für ungeregelt und habe »sich letzthin von der Richtigkeit mciirer Anschauung überzeugt, als ich die Leierkasten ähnliche Miniaturorgcl gehört und den improvisirten Kapellmeister mit feinen Extremitäten aus allen Kräften zappeln gesehen. Da dachte ich mir gleich, daö muß ein geregelter sein und ich erinnerte mich der Worte: od; bin ein Chorist, das Geschäft is a Pein. Fch konnte mir dann daS ungeregelte Gefühl erklären, das mich in wenig erwärmender, fast fchanerbafter Weife beschlichen und cs wollte mir bei der ge> ringen Zahl von Ampeln, die in einem Hospitale bcsiere Berweudüng hätten, nicht einlenchten, warum man die Altsmiagoge „geregelt" nennt. So verließ ich mit gemaßregelten Augen und Ohren, Gott dankend, daß mir durch die gasbelcuchteten Loeomotive, die ans dem „geregelten" Podium ihre schwarzen Schlunde östueu, kein Unglück widerfahren ist. und nahm die Ghcttozcitschrift zur Hand, der ich einen neuen per Schub entnahm und gleichzeitig erfuhr, daß ein alles talmudifchcn Wissens baarcr RabbinatSadjutant in den lebenslänglichen Mohrcnustand, mit Nachsicht der Taxen ernannt ivurde. Gewohnt inich um jüdische Ehrenste Uen, die zu meinen Lebensbcdingnngcn nicht gehören, nicht zu kümmern, machte mir diese Ernennung nur Spaß und ich wünsche beim Antritte deS neuen Jahres gewöhnlicher Zeitrechnung, jenen Juden die an Kreuzschmerzeit leiden, baldige Heilung. B.

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