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Die Gegenwart · 1868-12-15 · 26 (15.12.1868) · p. Seite 282

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
26 (15.12.1868)
Date
1868-12-15
Page
Seite 282 (sequence 10)
Language
German
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282 dero weniger unterbrochen ist, macht e» dringend nothwendig, daß jeder Rabbiner selbst klar darüber wird, welchem Zwecke er die großen ^pfer bringe, besonders, da . weder von den Vertretern deS Schomre Hadat ein Programm über die Tendenz der Versammlung vorgclegt wurde, was Antragsteller auch in Ordnung findet, noch von irgend einer Leite ein solches vorliege; drittens, es ist jedem bekannt., daß^pegc!uuärtig.cin.Zchr heftiger -Partcikmnpf׳-im--Lager deS Judeuthuincs besonders bei den Vertretern der Ocffcntlichkeit startfindet, es sei daher, da gegenwärtiger Tag schon der dritte des Keisanimenscins wäre, schon hoch an der Zeit, klar und deutlich Farbe zu bekenne»; viertens, dies sei aber, wie gesagt, nicht nur negativ, sondern eben so sehr positiv als moralischer Haltpunkt für unsere Gesinnungsgenossen der Fall; fünftens, nicht weniger sei cs dringend nothwendig, der hohe» Regierung gegenüber sich darüber zu inauifestiren, was der Zweck dieser mit Ausschluß der »»bedingten Ocffentlichkcit geführten Verhandlung sei. Trotzdem dieser Antrag mit allgemeinem Jubel ausgenommen wurde und außerordentlich viele Stimmen für die sofortige Abstimmung über denselben fich geltend machten, drang doch die Ansicht durch, daß es der Rabbinerversammlung nicht würdig sei, sich mit einer so hochwichtigen Kundgebung,׳ wenigstens der Formulirung nach überraschen zn lasfeit, und wurde beschlossen zur Prüfung des Antrages eine Com- Mission von 20 Mitgliedern nebst dem Antragsteller zu ernennen. So weit Schreiber dieses sich erinnert, gehörten zur betreffenden Commiffion folgende Herren Rabbiner: Rabbiner in Munkäcs, Sarany, Ada, V. Wijnriimtl», Koposvär. Gyönghös, Neustadt an der Waag, Großwardcin, N. Krtroly, Darak, Gottlieb Fischer aus Stuhlwcißcnbnrg und andere mehrere. Während die Loinmiffion sofort die Thätigkeit begann, wurde die Plenarsitzung geschloffen. Sch kann hier die Bemerkung nicht unterdrücken, daß diese Berathung zu den lichtvollsten Momenten dieser Versammlung gehört. Mit einer höchst anerkenneuSwcrthcn Ruhe und mit gegenseitigem Vertrauen wurde der Antrag geprüft. Bon allen Seiten zeigte sich die größte Friedensliebe und die größte Achtung. Kein Wort der Verketzerung oder auch nur deS Mißtrauens fiel von irgend einer Seite. Vielmehr wehte in dieser aus so heterogenen Elementen zusammcngesetztcn Commiffion der schönste Weift der brüderlichen Liebe und Gerechtigkeit, und daher ward diese Revision, wie sic sein soll, eine׳ rein objektive und vorurthcilslosc. Diese erhebenden Prämiffcn ermöglichten cs, daß der crivähnte Antrag in folgender Faffung von der Commiffion einstimmig angcnomnicn wurde: - - Die siier znr-Berathung versammelten circa200 ״ Rabbincn Ungarns und Siebenbürgens fühlen sich gedrungen in dieser ihrer gemeinsamen Kundgebung in ihrem Namen und wie sic überzeugt sind, auch in dem ihrer am Erscheinen verhinderten Grsinnungsgenoffen feierlichst als die Zielpunkte ihrer Berathung auSzusprcchcn: Jede irgend mögliche Versöhnung mit den verschiedenen religiösen Richtungen huldigenden Brüdern in Ungar!« und Siebenbürgen anzubahncn, sowie sich über die Mittel z» verständigen, wie bei Fest. Haltung und sorgfältigen Hebnng der mündlichen und schriftlichen Lehre .10 תורה שבכתב ושבעל nebst unwandelbarer Verbindlichkeit deS darnach verfaßten שולחן ערוך und der מניני ישרא׳ für das religiöse Leben den! vaterländischen Streben nach Cultur und Jugendcrziehung in würdiger Weise Rechnung zu tragen und dieselbe bestens zu fördern, so daß ב״עהש״ית eine einerseits auf echt traditionellcm Boden stehende, anderseits durch Bildung und staatSbürgerliche Tüchtigkeit dem Judentbuinc zur Ehre gereichende Nation erzogen werde und hat dies Alles in der geistreichen und vortrefflichen Eröffnungsrede des Präsidenten, des ehrwürdigen Herrn Oberrabbincr zu Prcßburg seinen Ausdruck gefunden. Ofen, am 12. Kislcw 5020. In der Abendsitznng desselben TageS wurde dieser so revidirte Antrag thcilS vom AntragSstcllcr, theis vom Rabbiner in Kaposvar, der ihn zugleich c^plicirte, verlesen und mit einer an Einstimmigkeit gränzenden Majorität mit der feierlichsten Begeisterung und mit dem größten Jubel angenommen. Ja, es kamen sehr viele Rabbinen, selbst hochbctagte auS dem sogenannten Nnterlande, freudetrunken zum Antragsteller, ihm zur Veranlaffung dieser in der.Teschichte des ungarischen Judrnthums höchst denkwürdigen und rühmvollen Manifestation Glück zu wünschen. Ueber die Bedeutung dielrs glanzvolle!» Brschluffe» zu sprechen, ist rein überflüffig: er selbst beredt« B< jede Panrgyrtk; er hat alle diejenigen Lügen gestraft, die dem orthodoxen Zudcnthume tagtäglich Bildungsfeindlich, keit insinuiren. Er hat gezeigt, daß selbst das für so bigott ver; schriene sogenannte Unterland nur für unsere heilige Religion wachen will, indem es den gefahrdrohenden Auslaufen der Civilifation fich cntgegengestellt, der im Bunde der treueste» Festhaltung an ת״רק auftretenden wahren Bildung aber gerne die Hand bietet. -Welche Richtung eigentlich am meisten7׳ms׳ diesen׳ ijOUSi^Cöinp^ö^ miß stolz zu sein Veranlaffung hat und nach welcher Seite hin derselbe eine unaussprechliche Satisfaktion ist, braucht wahrlich nicht erst gesagt zu iverdcn; und wird jeder Borurthcilslose es uns gemiß Dank wiffen, daß wir der Erreichung dieses glänzenden Beschlus. scs zu Liebe den Mitgliedern des Unterlandes nachgabcn, welche die Aufnahme des Ausdruckes מנחני ישראל in den Beschluß verlangten, zumal ja auch wir iin Prineip t« t u t übereinstim nen, daß die מ נהנים eine bindende Kraft haben. Nachdem dieser Antrag angenommen war, trug Schreiber dieses noch folgenden Antrag vor: Er hal>e von mehreren Seiten vernonunen, (die betreffenden öffentlichen Blätter zu lesen, sei er auS Mangel an Zeit verhindert gewesen», daß gegenwärtig ein sehr gefahrdrohender Moment für einen der wichtigsten Theite deS ganzen jüdischen Lebens, nämlich das jüdische Ehegesctz, vorhanden sei. Seinen Berichterstattern zufolge sei beim hohen Landtage ein Gesetz dnrchgcgangen, nach weichem die Eheschließung und Scheidung eine blos civilc zu sein brauche und soweit es sich um die gesetzliche Giltigkeit handelt, ganz dem kirchlichen Einfinffe entzogen werde. Die Vertreter der katholischcn und protestantischen Confeffion hätten dagegen Verwahrung eingelegt und seien auch damit durchgedrnngen derartig, daß die absolute Machtvollkommenheit der LandcSgcschgcbung für jene Confeffion sistirt werde, für Diejenigen aber, die stillschweigend die Sanktionirung des Gesetzes vorübcrgchcn laffcn, das Gesetz zu Recht bestehen werde. Er brauche nicht erst zu sagen, welche folgenschwere Trag, weite dieses Gesetz für uns haben würde, wie die Möglichkeit der Nöthigung für Anfrcchtcrhaltung der vorschriftsmäßigen נימין und קידושין — die Genauigkeit der ihm gewordenen Berichte immer vorausgesctzt — auf die haarsträubendste Weise gefährdet sei, und da seinem Berichterstatter zufolge, die höchste Gefahr im Verzüge sei, so trage er darauf an, daß diese Angelegenheit so schleunig als möglich in eine Berathung gezogen werde, welcher er' selbstvcrständlich nicht durch Vorschläge vorgreifcn wolle. Der Vorsitzende versprach, über ÄcAngelegenheit^sofort Erkundigungen cmzüzichen und in der nächsten Sitzung darüber zu referiren. Hierauf wurde noch mit der Berathung über die revidirte Hausordnung fortgefahren und in t2 88 anstandslos angenommen. Beim 13. 8 entspann sich eine längere Debatte zwischen dem Rabbiner in Suran und Schreiber dieses. Der betreffende 8 lautet nähmlich, daß Minoritätsvoten, wenn dieselben inindcstcns 10 Mitglieder für sich vereinigen, als solche in daS Protokoll mit anfgenommen werden müssen. Ersterer Rabbiner plaidirtc für den Wegfall dieses 8 und begründete seine Ansicht theils durch einige Stellen aus Mischnah und Talinnd, thcils mit Opportunitätsgründen Schreiber dieses widerlegte die Beweiskraft jener Citate, folgerte theilweise aus denselben das Gegenthcil und wies nach, daß gerade die Opportunitätsgründe auf seiner Seite wären. Die Berathung über diesen Punkt kan! nicht zum Abschluß, vielmehr wurde die Sitzung geschloffen. In der nächsten Sitzung am Morgen des folgenden Tagercferirte zunächst der Vorsitzende über die Eheaugelcgenhciten, daß laut eingezogcner Erkundigung die Frage noch keine so brennende sei, deßhalb mit der Berathung der vorliegenden Gegenstände fortgefahren werden könnte. Es wurde von vielen Seiten der Wunsch geäußert, daß das in der letzten Sitzung angenoinmene Manifest auch inS Hebräische übertragen werde, welchem Wunsche auch sofort durch den Rabbincr aus Neustadt au der Waag in herrlicher Weise entsprochen wurde. Hierauf ward die Hausordnung zu Ende berathen und mit Ausnahme des obenerwähnten die MinoritätSvoten betreffenden 8׳ welchen man noch offen zu halten beschloß, angenommen. Sodann wurde die Sitzung geschloffen. Bei der Eröffnung der Sitzung am IS. Morgens ergriff zunächst der BicepräseS, Rabbiner au» Ujhely, da» Wort um der Bersammlung den Dank für seine Wahl zum Bicepräsrt auszudrücken mit dem Bedauern jedoch, dieselbe, weil er in wichtiae» Angelegen.

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