Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 26 (15.12.1868)
- Date
- 1868-12-15
- Page
- Seite 281 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4890378-5433912-5433947--182-4890540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
»81 Beilage zur ״Segemvart" Xro. 26. mit einem reizenden Aeußern die besten Eigenschaften de- Herzens und de- Geistes. In einem, in hebräischer Sprache, vom Herrn O. Cahen in Lyon 'abgcfassten Nachrufe werden die Tugenden der nun in Gott Ruhenden in daschönste Licht gestellt. Auf ihrer Grabstätte hielten die drei Herrn Oberrabbiner in Paris, und Herr Albert Cohn, Präsiden? len de- WvhlthStigMSveremeS, die Trauerreden, worin sie ihrer Achtung, Sympathie und Bedauern Kraft und Aus« druck geben.*) Nachtrag. Die ungarische Rabbiner-Versammlung und Mine sowie meiner Gejinnungsgenossen Th eilnähme an derselben. Bon Rabbiner vr. Hildesheimer in Eiseustadt. Sine höchst seltene, imposante Erscheinung hat Pesth-Ofen in diesen Tagen gesehen; mehr als 20V den verschiedenen Schattirungen der orthodoxen Richtung angchörigen Rabbinen find auf die Einladung des Vorstandes der חברת שומרי הדת aus den fernsten Gauen herbeigekommcn, um über die hochwichtigen jüdischen Tagesstagcn gegenseitig ihre Ideen auszutauschcn. Wer die Verhältnisse kennt, wird mich nicht der Ucbertreibung zeihen, wenn ich schon in der Willigkeit zu solcher gegenseitigen Besprechung einen außerordentlich großen Gewinn finde. Ich will mich etwas näher erklären. Seit circa 60 — 70 Jahren bildet sich eine Kluft zwischen zwei der orthodoxen Pattei angehörenden Richtungen, der Lhafiidüischcn und der Richtchassidäischen, welche eine Entfremdung des GemütheS, ja eine gegenseitige Fcindseeligkcit hervorgerufen hat, von der man sich kaum einen Begriff macht. Der Entschluß nun, brüderlich mit einander zu tagen, involvirt schon in culturhistorischer Beziehung einen unendlichen Gewinn, und wirklich ist die Hoffnung auf dieses persönliche Beisammensein in hohem Grade erfüllt worden. Si-hr pft hatten ich und meine Gesinnungsgenoffen Gelegenheit, ihrer de» Ansorderungen der Zeit möglichst rcchnungtragenden Anschauung, ohne unterbrochen zu werden, einen Ausdruck zu geben, und alle dieser Richtung Huldigenden, welche an dieser Versammlung theilgenommen, werden die unzähligen Äußerungen der Anerkennung seitens selbst bejahrter untcrländischer Rabbinen bestätigen, welche den hoffnungsvollcn Beweis liefern, daß ב״ח ein nicht unwesentlicher Schritt dazu geschehen, sich einander gerecht zu werden: daher lebe ich denn auch der festen Hoffnung, daß diese Errungenschaft von nachhaltiger Wirkung sein wird. Daß dieses nicht sofort ohne periodische Rückfälle geschehen kann,, darf den gerechten Bcurtheiler der Situation nicht wundem. Man darf niemals vcrgeffen, daß cs sich um ein Einlenken nach, einem fast 70jährigen Auseinanderklüsten handelt und man kann selbstverständlich nicht verlangen, daß wenige Tage des Beisammenseins ein vollständiges Acquivalent dagegen bilden sollen.. Genug, das ein erster, ,ב״ר sehr großer Schritt dazu gcthan, daß jeder sich von der Möglichkeit, daß auch die zu verschiedenen Schattirungen Eichbckcnncnden ehrliche יהודים sein können, überzeugt, und können wir eS wohl gekost der Zukunft übcrlaffen, die. sen ersten Anfang weiter auszubaucn. Am Dienstag, den 10. בםליו. war die erste Zusammenkunft und zwar im Saale de» Kaiserbade» zu Ofen; zunächst wurde ein *)däonaienr 1« redactearl Nou8 ne pouvona pasinanquer d’&xprimer notre condolence li desaus, suivant k notre attachement amical que noua aentons pour voua. Que le viel voua console et preaerve k l’avenir de tona tet accidenta affligeanta, et quil voua favoriae d’nne vie paaaant d’ana l’allegreaae, et en voyant remplt tona voa deairs k votre grs. Agreek de notre cots l’aaaurance de notre veritable amitift et aona avona l’honneur \ a aona ügner reepectueuaement Alterspräsident, nähmlich der Oberrabbiner zu D.-Ereuz, zuin provisottschen Vorsitzenden der Versammlung emannt. Derselbe übernahm diese« Amt und begann seine Funttion mit einer Ansprache, deren Tendenz die Anpreisung der Friedensliebe und der Versöhnung war. und mit der Aufforderung schloß, sich gegenseitig gerecht zu werden, und. wie-.elne,geschloffene Phalanx den vielen Gegnern gegenüber dazustehen. Hieraus wurde ein von den Vorstehern des שומרי חרת vorgclcgter Hausordnungsentwurf an die Mitglieder vettheilt, damit jeder denselben prüfe und seine Bemerkung in der folgenden Sitzung zur Berathung bringen möchte, worauf die erste Sitzung geschloffen wurde. In der folgenden Sitzung Abends deffelben Tages wurde mit der öffentlichen Berathung der erwähnten Hausordnung begonnen, wobei sich das Bedürfniß herauSstellte, zur Vereinfachung des Geschäftsganges eine Eommiffion zur Revision-dieser Hausordnung zu ernennen, was auch noch in derselben Sitzung geschah, und zwar wurden folgende Herren Rabbinen in diese. Eommiffion gewählt: Rabbiner in Großwardein. R. Kürolv, Neustadt an der Waag, Muncäcs, Stampfen, R. Mcgncr und Schreiber diese». Hierauf wurde die Sitzung geschloffen. Die Ul—Sitzung Morgen« deS folgenden TageS wurde mit der Wahl des definitiven weiter» der Versammlung, nachdem der die Funktionäre betreffende § der provisorischen Hausordnung zuvor angenonnnen worden war, ausgefüllt, während gleichzeitig die erwähnte Revisions.Eommiffion mit Schreiber dieses als Obmann tagte. Vor Beginn der Wc-Hl wurde der Obcrrabbiner von Prcßburg von der ganzen Versammlung mit Aclamation zum Präsidenten gewählt, welcher die Wahl annahm und seine Funktion sogleich anttat, und dieselbe mit einer sehr schönen rührenden Ansprache über die Nothwendigkeit und den Srgen der gegenseitigen Versöhnung begann. Hierauf wurde mit der Wahl der übrigen Funktionäre u. z. zweier Vicc-Präsidentcn und vier Schriftführer, nähmlich je zwei für ein deutsches, je zwei für ein hebräisches Protokoll derartig fortgefahren, daß auf einen Stimmzettel 6 Namen geschrieben wurden, von denen die ersten beiden die Vicc-Prüsidenten, die and cm vier die Schriftführer bezeichnen sollte». In derselben Sitzung wurden noch etwa 50 Stimmzettel skrutinirt, und hierauf die Sitzung geschloffen. In der Abcndsitzung ward das Skrutiniunr vollendedund stellte sich daS Resultat heraus, daß die Rabbinen zu Liszko und Ilyhcly zu Vice-Präsidcntcn, die zu Eiscnstadt, KopaSvur, Zipser und Tarak zu Schriftführern gewählt wurden. Hierauf wurden noch einige ”§§~5־tr rcvidirten Hausordnung vom Rabbinen in Koposvär verlesen und ohne Bemerkung angenommen. Sodann ward die Sitzung geschloffen. Die Morgensitzung des folgenden TageS cröffncte der Vorsitzende wiederum mit einer ausgezeichnet schönen dem Segen der Versöhnung gewidmeten größer» Ansprache, welche zum Thema den תלמידי חכמים מרבים שלום בעולם »«מר bis zu Ende ()יי עוז לעמו ית) hatte, sehr viele höchst geistreiche Pointen enthielt, und durch welche sowohl der Redner selbst, wie die ganze Versammlung zu Thränen gerührt wurden. Hierauf stellte Schreiber dieses folgenden von etwa vierzig Mitgliedern unterstützten Antrag: Die Rabbinervcrsammlung »löge sofort folgendes Manifest in Berathung ziehen, respektive zum Beschluffc erheben: Die hier zur Berathung versammelten 200 der orthodoxen Richtung angehörigen Rabbinen Ungarns und Siebenbürgens fühlen sich gedrungen, in dieser ihrer ersten gemeinsamen Manifestation in ihrem Namen und wie sie überzeugt sind auch in dem ihrer am Erscheinen verhindertcn Gesinnungsgenossen feierlichst als die Zielpunkte ihrer Berathung auszusprcchen: Jede irgendwie mögliche Versöhnung zwischen den verschiedenen religiösen Richtungen unserer Brüder in Ungarn und Siebenbürgen anzubahnrn, sowie sich über die Mittel zu verständigen, wie bei Festhaltung und sorgfältiger Hebung der mündlichen und schriftlichen Lehre ,תורד. שבכתב ובעל סי, nebst unwandelbarer Verbindlichkeit de» שו״ע für da» praktisch religiöse Leben dem vaterländischen Streben nach Kultur und gediegener Jugenderziehung in würdiger Weise Rechnung zu tragen, so daß eine einerseits aus echt ttaditionrllem Boden stehende, anderseits durch Bildung und staatsbürgerliche Tüchtigkeit dem Judrnthume zur Ehre gneichende Genrratton erzogen werde. Antragsteller begründet dir Dringlichkeit seines Antrages durch Folgende«: Erstens : Es find sthr viele Nabbiner in der Versammlung, deren Gemeinden den Zweck ihrer Ab- Wesenheit zu kennen wünschen; zweitens: der Umstand, daß in fa~