Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 26 (15.12.1868)
- Date
- 1868-12-15
- Page
- Seite 280 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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280 ler derselben nach und nach sich aus dem Staube gemacht; somit kosten die vier Schüler, bei einem Lehrergehalte von 1300 fl. (dm Herrn Seligmann Heller 600 fl: Juda TeweleS 300; I)r. Längsfelder 300; Dr. A. Stein 100 fl. in Summa 1300 fl) bei einer Verausgabung von 335 fl. 10 fiir Freitische zusammen 1035"fl." 10; somit entfällt pr. Kopf 408 fl. 77 repartirt man nun die Regiekosten auf jeden so stellen sich die Kosten bedeutend höher heraus, Run besser brauchen Gemeindegeldcc.nicht, werwerthet zu tvertzenl- " *** Wie uns milgetheilt wird, ist vor länger(r Zeit die hebräische Bibliothek des verstorbenen Herrn Lllnon Kuranda an dessen Sohn den ReichsrathsabgeoUmclon^H. Ignaz Kuranda abgegangeu. Derselbe gedenkt die Lieblingslektüre seines seel. Vaters für sich zu behalten, den andern und zwar größern Theil der Bibliothek, dem wiener Beth - Hamidrasch zu votiren. *^* l Statistisches) Während der Zeit vom 12. Dezember 1807 bis zum 12. Dezember 1808 fanden 23 öffentliche Sitningen der israel. EultuSgemeindc statt. Die Herren Ignatz Schütz, Prof. Wessely und David Zappert hielten sich zumeist den Sitzungen fern. %* Unser Landsmann der Schriftsteller Herr Dr. Leopold Kompert hat von Sr. Majestät unserem Kaiser das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens erhalten. Auswärtiges. Wik». 4iach zwölfjährigen Mühsalen und Kämpfen wird die Königsbergische Stiftung behufs Errichtung einer Erziehungsanstalt für arme israelitische Mädchen ans allen Kronländern des Kaiserstäates in nächster Zeit ins Leben treten. Die Kultnsgemeinde, deren Kanzlei alle gewünschten Auskünfte ertheilt, geht zunächst an die Besetzung dcr Stellen einer Vorsteherin und Stellvertretung derselben und dürften zahlreiche Bewerberinunen in kürzester Frist sich melden. Wien. Der Eintritt eines Zöglings in die orientalische Akademie ist fortan von der Religion, zu welcher er sich bekennt, ganz unabhängig. Wik». Judenexcess. Die Hauptstrasse von Hernals war den 8. Dezember mit einblechenderDunkelheit der Schauplatz einer Scene, welche man in einem von civilisi» tcu Menschen bewohnten und von einer nicht minder eivili fixten Polizei gesegneten Stadttheile kaum Jiir möglich gehalten hätte. Der Eisenhäi'dilr, Herr Markus Reumann, war eben im Begriffe, sei» Geschüstslokale zu schließen, als drei stämmige Burschen mit dem Rufe: „Heut muß' a Hetz geben," ihn daran verhindern wollten. Reumann suchte, dem provocirten Streite anszuweichen und schlug den Gewölbladen hinter sich zu. Runmehr stürzten sich die Burschen ans den Laden nud versuchten denselben zu erbrechen, und als dies ihnen nicht gelingen wollte, begannen sie, das Fenster zu zertrümmern, die Rahmen heranszureißen, um auf diesem Wege in den Laden zu gelangen. Bald hatte sich eine unabsehbare Menschenmenge in den Strassen angesammelt, welche dem Spektakel zusah. Die Bmscheu, durch den Beifall, der ihnen^jir ihre Heldenthaten von den angesammelten Gesinnungslftnosseu zu Theil wurde, ermuthigt, begannen nun mit Elsenslangen sich zu bewaffnen und den Kampf gegen die Dieuftleute Reumann's zu führe». Da dieselben jedoch zu hitzig in das Gefecht vordrangen, bluteten bald ihre Köpfe, und nunmehr begann ein wüst r Lärm mit dem Rufe: „Das Judenhaus muß heut in Flammen aufgehen, brennen muß's, wer sich außi wagt, wird erschlagen." In dem belagerten Hause schwebte» sechs kleine Kinder, ein 80 jähriger Greis und eine steinalte Frau in Todesangst. Mittle>weile begann der Kampf in Benheidigung der Eisenburg größere Dimensionen anznnehmen, da erschien endlich ein »Vertrau er" ui'd postirte sich am Thore, und auch ein Nachbar, ebenfalls Eisenhändlei^. schickte seine Dienstlcute deck de» drohten Hause zu Hilfe. Um Mitternacht endlich war Ruh- und Frieden in Hernals. Stttzi (Galizien) Der k. k. LandeSgerichtSadjunkt Herr Adolf Müller ist zum Judenthume zurückgetreten. Paris. Der ehrenwerthe Herr L. M. Rothschild, Juwelen mgociant in London und Mitglied der englischisraelitischen Deputirten - Versammlung,- gegenwärtig sich in Paris aufhaltend, hat dem Central-Comite der Eaaes 1s- ^selitc^miverselle eine Sllinme von 10000 Francs mit der Bestimmung überschickt, die Anlegung einer israelitischen Bibliothek zu erleichtern. Rebst dem hat er als Beitrag zu den Unterhaltungskosten jährlich 2.50 Francs subskribirt. Paris. Das Eentral - Comite der Alliance israelite universelle beschäftigt sich nun diesem Augenblicke mit der Organisation einer aus israelitischem theologischen, literärischen und historischen Werken bestehenden Bibliothek. Es ist bereits im Besitze der Bibliothek des selig. Salomon Munk und eines Theiles, der letzthin in Amsterdam verkauften Bücher, und hat auch schon ein zur Unterbringung derselben passendes Lokal gemiethet. Paris. Man berichtet, daß der ehrenwerthe Herr Günzburg eine beträchtliche Summe (man spricht von 3 bis 400000 Francs) zum Baue einer neuen Synagoge in St. Petersburg gewidmet habe. Die Größe einer solchen Opferwilligkeit bedarf keines weiteren Kommentar. Ehre einem solchen frommen Israeliten! Hroßbrittanieu. Sir Moses Montefiore ist nach Italien gereist, um dort den Winter zur Herstellung seiner Gesundheit zuzubringen. London. Montag am 9. November wurde das Porträt von Sir Mo fes Montefiore, in der Uniform eine« Lordlieutnant der ^Grafschaft, feierlich in dem großen Saale des Stadthauses vom RamSgate aufgestellt, bei welcher Gelegenheit mehrere Reden, deren Inhalt die großen Verdienste des berühmten Israeliten war, gehalten wurden. London (Juden im Parlament) Für das neue englische Parlament waren neun Juden als Kandidaten aufgestellt vnn denen sieben im liberalen Interesse siegreich auS der Wahl hervorgegangen sind, und zwar: Baron Mayer von Rothschild, für Hythe; Rathaniel Rothschild für AyleSburg;! Aldermann SalomonS für Greenwich; Sir Francis Gold- , smid für Reading; G. Jcssel für Dower: Simon für-! '-vewsburg; nnd Julia Goldsmid für Md-Surrey. Dublin. Offizielle Blätter berichten, daß unter 30.007 j Personen, die im Jahre 1867 in den Gefängnissen Jrr-! lands waren, bloß ein einziger Israelit sich befand, j Vercelli Ztalicu. Die italienische pädagogische Gesellschaft j hat eben auf ihrer fünften in Genua abgehaltenen Versamm- , lung einer ihrer bronzenen Ehreumedaillen dem Ritter, Pro-; fessor Josef Levi für sein neuestes Werk, betitelt „Lebens-! biografie eines Familienvaters," ertheilt. Verona. Die Veroneser Stadtgemeinde beschloß sich an! den WohlthätigkeitsauSgaben für Israeliten mit jährlich ' 3000 Lire zu betheiligen. Relv-Hork. Wegen der seit einiger Zeit in New - Aork. | herrschenden Viehseuche kaufen eine große Anzahl christlicher Einwohner Koscher Fleisch und wollen kein anderes genießen Natürlich haben die jüdischen Fleischhauer viel zu thun. Et. öaniS. Bor einiger Zeit wurde hier eine hebräische Sabbathschnle, in der bereits mehr denn 500 Kinder unterrichtet werden, eröffnet. Die Unterrichtsfächer sind Hebräisch und Religionslehre. Nekrologie. Paris. Dounerstag am 12. November, Morgens ent« schlier Fräulein Julie Bloch, Tochter deS Redakteurs des „Univers Israelite" Sr. Ehrwürden Herrn S. Bloch in ein besiereS Dasein, in der besten Blüthe ihrer Jahre und in der schönsten Hoffnung ihre» Lebens. Sie^ vereinigte -• JbrtlituM I» ta-dtUm.—