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Die Gegenwart · 1868-12-15 · 26 (15.12.1868) · p. Seite 278

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
26 (15.12.1868)
Date
1868-12-15
Page
Seite 278 (sequence 6)
Language
German
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278 zogen sich die Wahlbewegnngen und erfolgte bic Wahl, nickt mit de» ehrlichen- Mitteln der Ucbcrzeugnng und Belehrung wurde agitirt; nicht die Intelligenz, nicht die Ueberzeugung der Wähler - Majorität gaben den Ausschlag, welche Person und von welcher, Richtung der zu wählende Deputirte sein soll: ein von dem stürmischen Meere ungezügelter -denfchaftrn rmporgcwirdNleS Pioletänät, welches man mit- Speise und Trank oder gar mit baarem Gelbe kaufte, ersockt mit .Donner - Gepolter" den Sieg. Man sage uns nickt, dasind Au-nahmcn au- -er Regel, an dcne» man den Maßstab dat^anze zu bcnrthcjlcn nickt aiilcac» ״.4-et«frfwfr־brr ä^inciV^ סן Viele, daß die ״Regel" daneben als Au-nah»1c erscheinen muß. Wohl halten wir festliche Aufzüge in Hülle und Fülle, pompöseOvationen mit Mahnen, Coeardcn, berittenen Bandericn, Fackclzügcn und allewas drnin und dran hängt — aber, diese- Gepränge mit eitlem Flitter, diese elendiglichen Rachüffungen der Landtag- Wahlen, können sie die Gcbrc chcn und Verderbtheit, die unter diesen bnntcn Lappen 'nur uo: desto ubariulichcr hcrvorgnden, verhiillcn? Oder sollen wir dies; vielleicht Cnthnsia-lnul.cnncn. wenn beirnnkenc Wähler durch wusle- Värmcii, Fettste, cinschlagcn, Schlägereien und dergleichen gcniüthliche Sachen mehr Seandale bis zum Ez^cß verursachen?? Sind dieß etwa Prinzipientämpsc? Sind dieß Zclchen der Kandidaten- oder der Weinbcgcisternng? Der 1-R November hat unseren vaterländischen Glanbcn-gcnossen nicht nur Millionen gekostet, welche ans dem Bachu- Altäre als Lchandinahl für uns verdampften — er hat uns auch den Mratcr unserer innern und sozialen Gclmchen in schonung-loser Weise aufgcdcckt und nur mit Granen können wir in dessen boduilvsc Tiefe blicken. Crin jüdische- Proletariat war »ns biauf jüngster Zell cm unbekannter Begriff.. Wohl war nicht jeder Jude gebildet, nicht jeder reich, cs ggb der unie lioarazim gar viele, aber Proletarier dawaren Juden nie. Dajüdische z׳elen in seiner strengen Consegnenz, Einfad)heit und Nüchternheit, mit seinen geregelten Faniilienverhältiiifsen und den daraus fnßenden sozialen Zusländen erzog, selbst bei der niedrige» Vvll-klassc, in erster Reihe, ehrliche nngchcuchclte (5 h u r a k t e re und ließ jene Giftpflanze Proletarnt nicht Wurzel fassen. Da- Iudciithnm hielt, so zn sagen, seine Belenner über Wasser, 11»d ließ stein,sencii Ävgrnnd, wo "der"Mcnsd> anshvrt Mensch zu sein, nicht linken. Und iiiii nw nlhllisliichen gleich! iing nuferer Zeit, welche mit dem Znget de- Gesetzeauch den der Sitte und Schani zerreißt, haben wir diese neue Erscheinung auf dem Gebiete dejildischen Volkslebenzn danken. Der Jude, der rilnrscitleine ethische nnd geistige Bildung im wahren edlen Sinne unserer Zeit besitz!, andcrscitö aber sid über die Vorichiiflc» de- Indciithnulhinwcgsctzt, hat jeden moralisa-cn ^uli und Stntzpuntl verloren, und jemehr er seiner Religion den })rüde» lehrt und anden durch sic geschastenen Znstündeu und Verhältnissen herau-tritt, desto tiefer muß er traft de- Gesetzeder moralischen Schwere sinke», bier eiidlich in jene finstere Kloake, welche sein ganze- Vrc1lsd)cnlh»ln mit dein Schlamme der sittlichen und moralischen Prrkonimcnhcit nnd llnwissenheit überzieht, Proletariat genannt, anlangt. - Eist daher ein trauriger Irrlhnm, wenn Rt'anchc die Ursache der tief betrübenden Wahrnehlnnngen wie sic bei Gelegenheit der Wahlen gemacht worden sind, darin stellt, weil wir n o ch zu viel Juden sind -- wer dajüdische Leben genau kennt, wird Mir gewiß beiftimmcn, wenn ich da- Gcgentheil behaupte, die llrsachc ist darin zn juchen : Weil w i r l e i d c r s d) o n - u wcnig Iud cn sind. M. A. Roth. Journalistik. Der ״Univers israelite“ widmet in seinem letzen Hefte dm Manen de» dahingeschiedenen Herrn Baron James von Rothschild einen besonderen Nachruf; aus welchem wir Folgendes hervorheben: .Die Humanität beyreint in ihm ihren großen und.erhabenen Wohlthäter. Wer kann die ungeheueren kolossalen Summen berechnen, die er wie das himmlische Manna nnerschöpflich über die Häupter der Armen, aus da- Schmer^ zcnsbett der Kranken, iu den verzweiflnngSvollen Schlupfwinkein der Witwen und Waisen geschüttet hat? Das Unglück hatte nicht nölhig an seine Thüre zn pochen; da- Unglück hatte in seinem Hause offene Conti, wie die reidsiten Kun-^ -deu^-wu-etzroßartigschöpfte ״dt-WvhUHiMgTeitwar bcilhin mehr wie auf sürstlichem Fuße organisirt; sie hatte dort ihren Thron aufgeschlagcn." .Der Gerechte hintcrlässt, wenn er scheidet eine Erinncrung." Wie viele sd)önc splendide fromme Stiftungen verdankt nid)t die pariser Gemeinde der Großmuth und den reichlichen Spenden de- Baron James von Roths ch i l d! da- Hospital allein, daer mit so vieler Freigiebigkcit und Pracht ausgestattet, ist ein unvcrtilgbares Monument des israelitischen Mildthätigkeitssinnes dieses großen Menschenfreunde-. Die zahlreichen religiösen Stiftungen für den Unterricht nnd sonstige Liebcswerkc, die er theilselbst in- Leben gerufen, thcils durä) enorme Beiträge unterstützt hat, werden immer seinen segrnSreichen Wandel hinieden verkündigen. Auf ihn kann man .im edlen Sinne die Worte des frommen Hiob anwendcn." כי לא במותו י^ח ״ הנל לא ירד אחריו ככודוCr nimmt seine Schätze nicht mit, seine Größe folgt ihm nicht nachdenn er lässt sie hier zum Genüsse der Armen und zur Unterstützung ihrer Kinder. Cr war aber auch der Repräsentant des Jndenthumö. Sein großes Vermögen, seine beträchtlichen Schätze, seine hohe nnd glänzende Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft, alle Chrcnstellen und Würden, die ihn beinahe wie eine koniglidie Glorie umgäbe», ließen ihn keinen Augenblick seinen Gott, seinen G l a u b e n und sein Volk vergessen. Weit entfernt den Verirrungen ׳und dem traurigen Beispiele so vieler Glaubensgenossen zu folgen, welche den Rücken dem Allerhciligsten zuwcnden, sobald sie einen Pallast bauen könneu, indem sic wegen des goldenen Kalbevon Gott abfallen, ist James von Rothschild, der religiösen Sphäre seiner Brüder, ihren heiligen Versammlungen, ihrem geistigen, israelitischen Leben treu gcblieocn. Er hatte Könige zn -Gesellschaftern, die ״ganze Welt Tetß pt seinen Fugen; er besaß, wie Salonion, Pallüste von Zedern, mit allen Herrlichicilcn der Erde au-geschmückt, und dod) fand er ein inlügks, süßes Vergnügen, wenn er in der Mitte unserer armciz. Gemeinde bei unseren besd)tidc:׳.en Zeremonien und in unseren ansprudslosen Gcbcthhäusern sich einfand. — Er war im vollen Sinne de- Worteein wahrer F ü rst Israels. Mit Stolz können wir seilten Namen wie eine siegende Antwort allen vergoldeten Abtrünnigen, die man uns vorwirft, entgegnen." — G. — L. Brünn 12. Dezember (0.־ K.) Wenn ich nach langer Zeit wieder einmal einen Bericht liefere, so geschieht dieß. weil ich wichtige Entscheidung gen, die die Interessen sowohl der mährischen Landesjudenschaft als unserer Gemeinde betreffen, abwarten wollte. Und in der Thal sind jene Entscheidungen von solcher Wichtigkcit und von fast nnberechenvarcr Tragweite, daß sie gewiß auch Ihre Leser nidst glcichgiltig lassen. Am 18. und 19. November fanden im Sitznngssaale der hiesigen Skatthalterri Berathnngen von Abgeordneten der mährischen Israelitengemeinden statt, die die Ucbcrgabc der Verwaltung des mährisch-jüdischen LandcsmassafondeS, welcher sich bis gegenwärtig bei der k. k. LandeShauptkasse befindet, an ein selbst« ständiges durch die Israeliten ׳ Gemeinde gewähltes Organ der mähr. Iudenschaft, betrafen. Die Erträgnisse de« genannten Fonde« der nahezu eine Million beträgt, sollen

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