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Die Gegenwart · 1868-12-15 · 26 (15.12.1868) · p. Seite 277

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
26 (15.12.1868)
Date
1868-12-15
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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I 277 fffltte bei jenen auf, die ihm in da» Grab vorangegangen, während wir zum Leben zurückzukehren haben, um unsere , Bestimmung zu erfüllen. Lin Wort über Werth und Wesen der geistigen Bildung _von Ina.tz-Biui-nu-- - 1. Die Bildung im allgemeinen und die Jugendbilduug im besonderen. „Das Leben ohne Bildung ist ein Abbild deSTodcS." Diese wahre durch alle Zcitläufe sich Geltung verschaffte Behauptung haben schon die Alten ausgesprochen. „Wissen" ist eine Macht und Bildung die sicherste Bürgschaft für besiere öffentliche Zustände. Der Geist deS Wissens in gehöriger Weise erweitert, fördert nicht nur die Wohlfart Einzelner, welche auf dieser Bahn fortschreiten, sondern hat auch einen wohlthätigcn Einfluß auf die mit ihnen im Verkehr Stehenden und wirkt ersprießlich für den Staat und die ganze Menschheit. Geistige Emancipation des Volkes ist daher der Ruf unseres Jahrhunderts und das Ziel, nach dem heut zu Tage Millionen streben. Das Monopol deS Dissens kann nicht mehr geduldet werden, das durch Jahrtausende auf den Völkern gelastet. Die Errungenschaften deS menschlichen Geistes sollen nunmehr Allen zugänglich sein, die sich ihrer bedienen wollen. Und gibt es auch heut' zu Tage noch Viele, die nicht begreifen können, daß durch den Mangel an geistiger Bildung ihre materielle Lage eine so bedauernswexthe geworden ist und nicht einsehen wollen, daß geistige Bildung ein Kapital ist, das gut vcrwerthct, die reichsten und sichersten Zinsen trägt, so dürfte cs doch nicht mehr lange andaucrn, und auch derartigen Schwachköpfen werden die Schuppen von den Augen fallen und sie werden einsehen lernen, was die Zeit von ihnen fordert. — Aeltern streben ihrem Sohne oder ihrer Tochter, wenn eS die materiellen Verhältnisse nur halb Wegs erlauben, in irgend einer LebensversicherungSanstalt ein Kapital zu sichern, um für die Zukunft darauf bauen zu können; pflegen aber nur selten darauf bedacht zu sein, ihren Kindern auch ein geistiges Kapital anznlcgen, das unvorhergesehenen Elementar- und Weltcrcignissen zu trotzen im Stande ist, sie vergessen, daß Wissen der sicherste „Anker" ist für jeden; der durch s Leben schiffen will. — Wem also das Wohl seiner Lieben wahrhaft am Herzen liegt, und wer vor den Anforderungen der Zeit nicht kalt und glcichgiltig bleibt, der wird zu der Erkcnntniß gelangen, wie nothwendig es sei, die Geistes- und Herzensbildung der Jugend zu nähren. Dieser Anforderung der Zeit zu entsprechen ist selbstverständlich Aufgabe unserer Lehr- und Bildunzsinstitnte. Sie haben die Bestimmung unsere Söhne und Töchter auf angemessene Art geistig (und selbstverständlich auch physisch) heranzubilden, sie mit gemeinnützige.! Kenntnissen bekannt zu machen und sie auf eine höhere und würdigere Stufe zu heben, um so den Communcn tüchtige Glieder, tvrn Staate brauchbare und nützliche Bürger und der. Familie tüchtige Hausfrauen zu erziehen. In letzter Beziehung, nämlich in Beziehung der Heranbildung des weiblichen Geschlechtes pflegt man nicht Je'- ten die Worte zu hören: „Wozu benölhigen unsere Mädchen eine so große Ausbildung? unsere Frauen lernten wenig in der Schule und sind doch tüchtige Hausfrauen." Auf diese Gattung Frauen könnte man, so zu sagen, mit den Fingern zeigen; sie sind ganz unfähig auf ihre Kinder nur den geringsten sitttichen Einfluß zu üben. Bon ihnen könnte es auch h-iß'n: „Biele sind berufen, aber nur Wenige auserwählt" Und unsere Mütter sind es ja vorzüglich, die den wichtigen Beruf der Kmdererziehii'ig zu erfüllen haben. Sie sind es. die den mäh igst n Einfluß auf das Herz des Sohne» und auf da? Gemitth der Tochter ausüoen sollen; in ihrer Mrcht nur liegt es. in der rarten ihnen ganz anvettrauten Kindesseele edle Keime des Guten, Schönen und Großen zu pflegen, di: in jedem Menschenher; liegen und deren Entfaltung einzig und allein den sittliefen JOB-rlh der Eintel n^mrie-ücrHcdn-Nu^ondrdttsg t77 Sollen wir aber gute Mütter erziehen, dann muß vor allem dahin gewirkt werden, auch unsere weibliche Jugend in der Schule eine cntsvrcch'nde Ausbildung erlange. Die Bildung der Jugend muß. wenn sic ihrem Zwecke entsprechen soll, eine naturgemäße Entwicklung und Vervollkommnung der gesammt Anlagen und Ktäftc des Menschen sein. Sie muß den drei Hauptvermögen der Seele gemäß eine intellrctuellc sein; d. h. sie muß planmäßig auf die Bildung der Kräfte, die zum Erkenntnigvermögen gerechnet werden, eiuwirken; sie m iß ferner <*inc ästhetische sein, d. h. eine solche, die das Gefühlsvcrmögen umfasst und muß endlich eine moralische sein, d. h. eine solche die sich auf die Gesinnungen und Triebe bezieht. Hingegen darf die Jngendbilduug keine verkehrte und falsche, einseitige oder excentrifche, seichte oder flache sein, um sie dann nicht iä eine Vor- oder Ueberbildung zn uinwandeln, wie dieses bei vielen unserer gebildet sein wollenden Jünglinge und Jl,zfrauen, und namentlich bei lctztcrn, leider sehr oft der Fall ist, zu sein pflegt; nnh^inc derarigc von ihren Maximen abweichende Bildung kann ebenso für die einzelnen Individuen wie für die ganze menschliche Gesellschaft von sehr traurigen Folgen sein. (Fortsetzung folgt.) Der 18. November in Ungarn war ein bedeutungsschwerer Tag in der Geschichte der ungarischen Judenhcit, da derselbe über die zukünftige Gestaltung und Entwickelung der ung. jüdischen Zustände entschieden hat; der 18. November war nämlich der Tag, an welchem in ganz Ungarn und ^>:cbenbürgcn dicDeputirtcn- Wayl zum jüdischen Landes - Eougresse vor sich ging. Doch nur mit tiefem Schmerz können wir heute die Pflicht de» Berichterstatters erfüllen. ES ist nicht etwa die bei den Wahlen erlittene Niederlage einer Partei, was uns mit solchem Uumuthc erfüllt und die Referenten Obliegenheit erschwert. Denn darüber kann man heute noch nicht recht sprechen, da die Wage der Parteien hin und her schwankt, ohne daß man genau wissen könnte, in welcher Schale sich das Uebergcwicht befindet. Die tief betrübenden Wahrnehmungen aber, welche wir Ungarn bei den Deputaten Wahlen zu machen Gelegenheit hatten, sind leider derartige, die jedem Inden, dem da» Wohl seiner Glaubensgenossen und die Ehre des JndenthumS am Herzen liegt, welcher Parteischattirnng er anch sonst gehören möge mit gleichem Ernst und gleicher Besorgniß erfüllen muß. Im constitutioncllcn Leben ist eine Wahl auf breitester Basis nicht nur ein Apell an das allgemeine Stimmrecht, sondern anch eine Bilanz der sittlichen und politischen Bildung, ein Prü'stciu der sozialen und moralischen Zustände deS wählenden Volkes. Hat das ungarische Israel nun den gerechten Erwartungen der eivilisirtcn Welt entsprochen? Hat'eS die Ansichten seiner Gegner, welche die Juden „für noch nicht politisch reif" halten — wie wir mit Zuversicht erwarteten — beschämt? Hat eS sich mit dieser rein jüdischen Wahl auf einer das Judenthum e hrende Weise die Pforten der politischen Arena eröffnet? nützt e» die Wahrheit zu verhehlen?) Leider, nicht! Nicht mit der Ruhe und Würde, nicht mit der ent- >iedeneil Besannenbeit eine» volitis

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