Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 26 (15.12.1868)
- Date
- 1868-12-15
- Page
- Seite 275 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Könige, an die meine Worte adrcssirt sind, ich würde nicht bebend zurückttcten. Zur Zeit als noch der Despotismus mittelalterlicher Gesetze auf den Juden schwer lastete, arbeitete der jüdische Lehrer in irgend einer Kammer des Ghetto vom frühen Morgen bis zum späten Abend, und unbewusst und unbekümmert um die Früchte seines Fleißes bahnte er d en Weg zur Freiheit an; denn aus jenen Winkeln der schmutzigen Ghettostubcn gingen die K ur an d a, Mann he im er, Win terstein, etc. und alle jene Korisäen hervor, die unS die Freiheit mit dem Schwerte des begeisterten und begeisternden Wortes errungen. Er, der jüdische Lehrer, hat unverkennbar das Ceinige dazu bcigetragen, daß dem Juden das heiligste Recht des Menschen, die Freiheit sich aller Orten bewegen und ansicdcln zu dürfen, wieder gegeben ward; er hat um des Gotteslohnes willen, der seiner im ewigen Jenseits harret, den Freuden dieser Welt entsagt, seine Gesundheit geopfert, sich zum Krüppel gearbeitet, damit — er im Alter darben kann. Ich habe dicß bereits erörtert und bin jedem gerne bereit. Beweise in Menge anzuführen, wie kleine und große Gemeinden ihren ergrauten Lehrer in Ehren entlassen, ja sogar Anrrkcnnungsdiplome zusenden und dem verdienten Manne ein langes Leben wünschen; wie er aber dieses lange Leben fristen, wovon er leben oder seinen Hunger stillen soll, daraus haben diese Her rcn vergessen ihm eine Anweisung zu schicken. Die Freiheit ist nun errungen; die großen Männer, aus dem Ghetto hervorgcgangen, sind dafür ciugcstanden; aber des Kampfes Wunden sind noch nicht geheilt. Alles freut sich seines Daseins, alles sieht mit Zuversicht und Hoffnung der Zukunft entgegeu; nur der jüdische Lehrer lebt noch in den Zeiten des Mittelalters, des Despotismus; ihn schützt kein Gesetz, kein Amt, kein Bürgcrministcrium, er hat keine Freiheit, er ist — ein rechtSIoseS Individuum, das gegen seinen Willen dem Gesetze zuwiderhandcln muß. Er hat nicht nur Einen Despoten in der Person des jeweiligen KultuSvorftcherS, wie dicß ehedem gewesen, nein, für den Lehrer ist jeder einzelne der Herren Juden, ja jeder seiner Schüler ein Despot. Die ganze löbliche Kultnsgemcindc, ob sie auch jahraus jahrein in stetem Zwiespalte und Hader lebt, in Einem Punkte sind sie stets einig: Dem Lehrer sein an und für sich wenig angenehmes Dasein gehörig zu verbittern. Ob ich aber die Farben zu grell austragc, ob ich in ineiner Schilderung übcralte stimmten darin überein, daß ihre Stellung eine unerträgliche sei, ja man ging daran, dem hohen Ministerium die traurige, gesetzlose Stellung des jüdischen Lehrers zu un terbrcitcn. Das spricht wohl deutlich genug für die Wahrheit dcS Angeführten. Nun haben die abgeordncten Kultus- Vorsteher Mährens beschlossen, daS Bildniß Kaiser Josef's II. in jede Schule aufziihänaen. Wir wünschten jedoch, daß die Herren Juden un'ercs großen KaiserftaatcS den Geist jenes großen Kaisers erfassen, ihm nachahmen und sich ihn zum wahren Vorbild nehmen n.öchten, daniit sie cinseheu lernen, wie man Menschen n:.-ntchlich behandeln soll. Menschen, die dazu bestimmt sind, Eulh Inden würdig zu ma che», daß ihr die Luft der Freiheit nngeschcnt einathmc» dürfet, Menschen, denen ihr das theuerste Gut, die Erziehung Euerer Kinder anvertraut. Mit welchem Rechte verlanget ihr, daß der Mann in der Blüthc seines Lebens sich für Euch oder Euere Kinder opfern 'oll, wenn ihr ihn und feine Familie^ hetzet und jaget von Ort zu Ort, ihm die kurze Spanne Heit seines Daseins vergället und feinen LebcnSsadcn abschneidct?! Ist cs etwa jenes Sündengeld, das er erhält, um sich und seinen armen Kindern das tägliche kummervolle Brot zu verschaffen, das eben zu viel ist, um zu sterben, aber auch zu wenig, uni davon anständig zu leben'? Welche Zukunft harret sein und seiner unschuldigen Kiudcr'? Ihr seid frei und beutet diese Freiheit nach Kräften aus; aber dem Lehrer in euerer Mitte wollet ihr nicht das Jubeljahr der Freiheit vrrlünden, ihr wollet ihn noch immer nicht die Rechte eines freien Staatsbürgers genießen lasten, er muß noch immer das Brandmal eines Winkellehrers, eines Gemeinde - Domcstiqnc auf der Stirne tragen. Der Entwurf eines neuen Schulgesetzes ist im Ministerium bereits zur Vorlage an den Reichsrath fertig. Wird aber dieses neue Gesetz auch unseren jüdischen Zwingsherren in den Kram paffe»'? Werden sic es nicht nach wie vor zu umgehen suchen'? Und wenn auch Schulen gegründet werden, sind es nicht trotz ihres öffentlichen Eharaktcrs lauter Wiukelschulen'? In den Gcmeiudcil Gk.—, K—, sind Schulen mit vier Lehrern, von denen jedoch nur je Einer das AnftcllungSdckrct als wirklicher Lehrer mit 2.')" fl. W. jährlich Ge Sommer waren an,70 Lehrer vom Lande beisammen und halt besitzt, die übrigen drei Lehrer stehen bei feiner^ Behörde in Vormerkung, sic werden der Behörde gegenüber »orrrt.Heißchdas^nicht, das Gesetz verhöhnen'? Es trete auch nur eine einzige Gemeinde auf und sage: Wir hau einten sich zu einer Todcsfackel, die weithin leuchtete bis die Trümmcr zusaniuicnbrachcn über den Leichnahm Aziza'S. Der Kalis sah dem Schauspiel schweigend zu, dann legte er, wie als letzte Erinnerung an seine Favoritin, eine Kohle auf den ihm dargercichten Tschibuk und sprach z» Arsicl; „Giaur, Du hast Dich cines schweren Verbrechens schuldig gemacht, desicn Sühne der Tod ist. Aber Du hast Muth gezeigt und ich achte den Muth selbst bei dem Feinde. Allah ist groß, denn er schenkt selbst dem Ungläubigen die Tugenden deö Mannes und dcßhalb will ich nicht Hand an Dich anlcgen; denn Allah schützt Dich, er sei gepriesen! Aber entstiel) aus dem Bereiche meiner Macht und verschweige Dein Vergehen und meine Gnade I" Arsiel wurde seiner Fesieln befreit und blieb allein an dem Schutthaufen zurück, unter welchem der verkohlte Leichnam seiner Aziza lag. Bitterer Schmerz nagte an seiner Seele und war sein einziger und treuer Gefährte, als er das Land verließ, um in die Stadt zu ziehen, wo der Vater seiner Geliebten wohnte. Der Greis hörte gebeugten Hauptes die Erzählung des Kaufmarines, dann preßte er Arsiel an das verödete H«z und nahm ihn als seinen Sohn auf. Thränenden Auges sprach er andächtig die Worte: „Der Herr hat genommen, der Herr hat gegeben! Er sei ge. lobt der Herr der Hrerschaarenl Die Juden im Himmel. Hnmorcskc von Hcrrman» W-alde». Es war Pftngste» und Alles auf das Herrliciistc geschmückt. Der liebe Gott hatte de» Himmel neu anstreichen und austapezicren lasse», — die Gänge und Hallen desselben wären mit duftigen Blume», init Kräutern und Gnirlanden verziert, der Fußboden war mit grünem,- wohlriechendem .Nalmus bestreut, in den Nischen ruhten glückliche Seelen an ,Fontänen, ans denen sortwährend Milch und Honig stoß, und die Engel spielten auf Schalincicn und Geigen lustige Lieder. Die Himmclsbewohner wanderte» bunt durch einander und Arm in Arm auf und nieder; ich hörte de» lcßtvcrstorbcncn Papst im emsigen Gespräch mit dem Propheten Mahomed die neuesten Vorgänge des Madrider HofeS beleuchten, Nathan der Weise unterhielt sich mit Friedrich dem Großen. und die jungfräuliche Königin Elisabeth von England hatte eine Liebschaft init dem jüdischcn Dichter Daniel Lcsimann angcknüpft und wollte ihn ehlichen, Noch andere sondcrbarrc Gruppen waren zu sehen, — es war auch heute Gage- und Gerichtstag. — Der Finanzminister Necker führte oben seinen Titel fort, — aber einige Rothschilde, Oppenheim, Beer, Lohen rc., waren ihm als Gehilfen beigegeben worden, und sie verrichteten sämmtlich ihr Amt zur allgemeinen Zu- 26*