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Die Gegenwart · 1868-12-01 · 25 (1.12.1868) · p. Seite 271

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
25 (1.12.1868)
Date
1868-12-01
Page
Seite 271 (sequence 9)
Language
German
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271 Bnlaqe zur „Gegenwatt" Nro. 25. Julius R. v. Golbfchmid als Candidat auf. Bei der schließ» lich vorgenommenen Probewahl wurden 71 Stimmzettel abgegeben und erschienen gewählt: Dr. Leopold Kompert (67) Julius R. v. Goldschmid (66), Adolf Neustadt (64), Sigwund Hirschler (60), Arminio Cohn (59) und Anton Bing (45) Stimmen. Die nächstmcisten Stimmen (38) erhielt H. Leopold AbeleS. MatterSdorf. Bor Kurzem verschied hier der als großer Talmudist weithin berühmte Rabbi Ahron Singer, dessen Charaktergröße von Juden und Christen allgemein anerkannt wurde. Paris. Herr Germain Halphen, früher Richter beim Handelsgerichte in Paris wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. London Hier wird eine neue große Synagoge gebaut, die den Namen „centräl branche Synagoge" erhalten soll. Dieselbe wird 23973 L (287.676 fl.) kosten. (Jsr.) Wilna. (Statistisches.) Die jüngste Volkszählung ergab hier eine Gefammtbevölkerung von 82000 Seelen. Darunter 2000 Deutsche, 33.000 Polen (Katholiken) 6000 Ruffen und ca 41000 Israeliten. Lunft un- Literatur. — Ueber unsere GlaubmSgenossin die Pianistin Gabriele Noel die an der hiesigen Bühne einige Male koncertirt hatte, referirt die hier erscheinende „Correspondenz" folgendermaaßen: Fräulein Joel verstand eS mit staunens» werthem Geschicke in den Geist deS Mendelssohn- Bartholdy'schen TonwerkeS zu dringen und demselben vermittelst wunderbar geformter Töne nach außen hin eine wvlgegliederte Verkörperung zu geben. Hätte die anmuthende Pianistin, deren Spiel gleich ihrer Erscheinung von dem hinreißenden Feuer einer orientalischen Inbrunst und Natürlichfeit durchdrungen ist, überhaupt eine ausschließliche Neigung für irgend einen Komponisten, so muffte ihre Wahl unbedingt auf Mendelssohn fallen. Fräulein Joel hält sich mit ihrer künstlerisches Anschauung mehr an die normale Richtung, als an excentrische Ausschreitungen. Dieselbe hat sich rasch zum Lieblinge de« Publikums emporgeschwungen, und deßhalb erschien ihre Absicht, ein selbstständiges Koncert zu veranstalten, ganz willkommen. — Die hebräische Literatur wird binnen kurzer Zeit mit einem neueu Werke bereichert werden. Ritter vr. S. Formigini, ein sowohl in der italienischen Literatur, als auch in der hebräischen Sprache ungemeiu erfahrener Gelehrter unternahm eine «äußerst schwere, kühne, bis jetzt noch nicht versuchte Urbersetzung, früher aber die Erklärung der göttlichen Konteöie von Dante Alighieri in hebräischer Sprache. Der. Corriere israelitico, dem wir diese Ankündignng entnehmen, verwendet sich in einem, an unsere GlaubenSgeuossen gerichteten Aufruf um Uuterstützung und Verbreitung wegm der Herausgabe dieses Werkes. Der Triester Obrrrabbiner. Herr Tedefchi hat sich im Namen des Herrn Autoran das Centralcomite der „Alliance Israelite universelle* mit dem Ansuchen gewendet, ihm die Erlaubniß zu erlheilen, demselben sein Werk zu widmen. DaS Centralcomite hat in einer höchst freundlicheu und ehrenden Zuschrift an den Herrn Oberrabbiner die Dedikation angenommen. Dieser Anzeige folgen noch einige wesentliche Punkte audem Vorworte, welche den Leser vorzüglich aber die Juden in Polen, Wallachei etc. auf die Wichtigkeit diese- WerkeS aufmerffam macht. Am Ende desselben folgt noch ein, vom unsterblichen Prof. S. Or. Luzzato aus Dante bei Gelegenheit seiner 600jährigen Geburtsfeier verfaffte-, kehr schöne- Sonnet in hebräischer Sprache, welches von der gesammten Gelehrtenwelt Europas mit größtem Beifalle aufgenomnommcn wurde. Auswärtige Abnehmer können dasselbe um o Frankbeziehen und sich deshalb au Herrn A. di S. Curiel Redakteur des Corriere Isr. nach Triest wenden. 6. L. Dom Lüchertische. Tempel-Gesänge für Chor- und Solostimmen, componirt von D. Rubin, RegenSchori und MusikinstitutSdirektor in Prag. CS ist der Gedanke, den altehrwürdigen CultnS der Israeliten, unbeschadet seiner erhabenen Einfachheit und innern Weihe mit den Forderungen und Erfahrungen deS musikalischen KnnststtebcnS der Neuzeit in angemeffener Verbindung zu bringen, ein ebenso schöner als glücklicher, und muß schon nach einem flüchtigen Durchblicke des vorliegen den Werkeconstatirt werden, daß die Verwirklichung dieser Idee dem Berfaffcr, der, nach seinen eigenen Worten sich durch die wahrhafte Begeisterung deS königlichen Psalmiften zur Veröffentlichung der vorliegenden Composition bestimmen ließ, ttefflich gelungen ist. Wir theilen auch vollkommen seine im Vorwort ausgesprochene Ansicht, daß die Tempelmusik „im befferen Sinne" erst in der Entwicklung begriffen ist und, daß der fromme Sinn und die wahre Religiosität diese, passendste Form des gottgefälligen Cnlrus täglich mehr und mehr zur Geltung bringen werden. Herr Rubin hat vorerst bei Abfassung seines verdienstlichen Werkes namentlich d:r richtigen Accentuation des Hebräischen die gehörige Aufmerksamkeit zugewendet. die darin aufgenommenen traditionellen Melodien und Recitative in ihrer Einfachheit restituirt und dieselben theilS rhytmisirt, theilS harmonisirt, den obsoleten, sogenanuntcn polnischen Gesang und den leider wohl in den meisten Synagogen noch üblichen schrillen Triller- und Coloraturgesang, als der musica sacra unwürdig, gar nicht beachtet; dabei sei erwähnt, daß der Chor an dem Gemeindcgesange sich zu betheiligen, während dem die Gemeinde bei Exekutirung eine- Chorals von Seite des Chors in stiller Andacht zu verharren hat. Von rein musikalischem Standpunkte auS betrachtet finden wir in diesem Werke in erfreulicher Weise den einfach, edel und feierlich gehaltenen declamatonschen Gesang von ebenso charakteristischen, erhebenden Choralstellen unterbrochen, deren correkte Harmonisierung und fließende Stimmrnführung den gewandten Kunsttheoretiker verräth, auch erscheint hier die vorsichtige Anwendung von Errungenschaften neuerer Polyphonie in gar keinem Widerspruche mit dem einfachen, ehrwürdigen Wesen diese- CultuS. Ja es hat hier der Verfasser ungeachtet des so eng begrenzten, nur auf Vocalensemble und Orgelbegleitung beschränkten Wirkungskreiseden Beweis geliefert, daß selbst gegenüber der starren Form der Ceremonie eine Vereinbarung derselben mit dem Postulate der neueren musikalischen Kunst bis zu einem gewiffen Grade nicht nur möglich, sondern auch für erstere förderlich ist. Zu dieser Erfahrung ist mau bekanntlich in der katholischen Kirchenmusik auf Grund der illustren Tonwerke der neueren großen Meister um so eher gelangt, als hier die enge Verbindung und Wechselwirkung der Instrumentalmusik diese» Streben wesentlich erleichtert. Nach dem hier kurz Angrdeuteten können wir nicht umhin diese» Werk einer nähern Beachtung und weiteren Verbreitung angelegentlichst zu empfeh len. Michel. Nachtrag. Menschen und Steine. Bon Marku» Freund, Oberlehrer in Blala. Immer wenn ich beim Lesen oder im Gespräche an die Mythe erinnert wurde, daß Drucalion und feine Gattin Pyrrha nach der Sündfluth*) auf Anrathen de» Orakel- Steine hinter sich warfen, woraus Menschen entstanden und. die Erde wieder bevölkerten, stutzte ich über den mir nie klar gewordenen Sinn dieser Fabel. Warum rieth ihnen da- *)J« Mterchume ist außer der btbl. Süudfinth »och vou ewige» andere» dl« Red«. Leaophoa (H. Gr. lib. M. p. 417. td. Lraadar) »ichtt der» fftnf a»s. uab Diodor Gtzllle» (Vtbl. llb. V) figt »och ciat sechste hi»r».

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