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Die Gegenwart · 1868-12-01 · 25 (1.12.1868) · p. Seite 267

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Journal
Die Gegenwart
Volume
I (1868)
Issue
25 (1.12.1868)
Date
1868-12-01
Page
Seite 267 (sequence 5)
Language
German
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in diesem Alter zur Vernunft und zum Verstände unfähig, ihr Denken ist phantasiren, ihr Schließen ist radotircn, und ihre ganze Beschäftigung ist träumen. Shd) und nach bildet sich der Körper aus, das Gehirn entwickelt sich, die Nerven bekommen Festigkeit und Stärke. Aber auch die Seele folgt dieser Ausbildung Schritt vor Schritt. Die Ideen werden geregelt, Uebcrlcgung und Nachdenken treten a1׳ die Stelle der Phantasie, und Grundsätze an die Stelle de: bilden Ge dankenrcihc. Am Höhepunkt seiner Entwickcluag angclaugt fängt der Körper an abzunehmcn, mir ihm die. Psyche. Das körperliche Leben ist wenigstens die negative Bedingung der Bildung und Vervollkommnung der Seele, das ist die harmonische Kultur und Acußcrung des Geistes, Gemüthes und Willens. Wie Gott, sagt der Talmud, das ganze Weltall erfüllt, so erfüllt die Seele den ganzen Körper. Wie Gott sicht, ohne gesehen zu werden, so die Seele. Wie Gott das All ernährt, so ernährt die Seele den ganzen Kör per. Wie Gott rein ist, so ist die Seele rein. Wie Gott im Verborgenen thront, so auch die Seele, (lierachoth lu a; Dura) den Abglanz der Seele, welcher sich in dem Gesichtsausdruckc der Menschen ^abspiegclt, ist der Mensch fcrr der Schöpfung, bewältiget die ׳Natur und ist den hieren furchtbar. Nur dann sagt Kawa dar Aba wagt sich das Thier am Menschen, wenn er seinen Adel vcrdunfeit (Sabbath 152 a Beracboth 67 a) der Grundsatz, der die ganze Sphäre der tugendhaften Sorge, für seinen Kör per bezeichnet, ist: ״Betrachte und behandle deinen Körper und das Erdcnlcben als Wirkung-- und UebungSsphärc eines vernünftig freien zur Moralität, Unsterblichkeit, und moralischen Glückseligkeit bestimmten Wesens. Das Erste, waö wir von dem Urheber der Natur erhalten haben, ist unser Dasein, mit diesem hat er uns auch! unsere Erhaltung zur Pflicht gemacht. Wer nicht glücklich! ist, ist aus dem Kreise der Natur gewichen, hat seinen Gott I vergessen, und nirgends wird er das Glück wieder finden, wenn er nicht zu denselben zurückkchrt, wenn er ans das! große Lebensgesctz nicht hört, welches spricht: lebe für dich! selbst nur dadurch und insoweit, als du dabei zugleich für; die deinen, und für das große Ganze lebest. Jede andere '! Handlung und Pflicht setzt hieniedcn das Dasein und Leben > voraus, cd setzt also auch jede andere Pflichterfüllung schon § jene der Selbsterhaltung voraus, und eben darum ist auch^ > —die-^Selbsterhattungs^ckeinr^Grmidpflicht, weil sic nur eine! Pflicht zum Mittel ist. Die Sclbstpflichten sind höher, als 1 andere Pflichten. (Horijoth 13 a) Die Pflicht für die Er- Haltung des irdischen Lebens gründet sich überhaupt aus die Anerkennung seines Werrhes. ״ .אל תהי רשע בשני עצמםMache dich nicht selbst zum Bösewicht." Das Erdenleben ist gleichsam die Jugend, das Erziehungshaus der Seele, wo sie auf einen gewissen im Rathe der Vorsehung bestimmten Grad ihren Verstand und Willen ansbilden, wo sie an der Ausführung des göttlichen Planes mit dem menschlichen Ge schlechte arbeiten und die Grundlage ihrer Wirksamkeit für ihr immerwährendes Dasein befestigen soll העולם הזה דומה ״ לפרוזדורdiese Welt gleichet einer Vorhalle." Dem Menscken ist ein sehr starker Lcbenstricb eingrpflanzt, die Pernunft, indem sie über die Stärke dieses Triebes nachdenkt, entdeckt die weise Absicht der Gottheit, die cs durch diese ' Einrichtung verhindern wollte, damit der Mensch wegen der mancherlei Mühjeligkeiten dieses Lebens dessen nicht gleich! überdrüssig werde, und es wegwcrfe, und in den mancherlei | Gefahren deSs lben nicht so leicht umkomme. שמר לך ושמר i ״ נפשך מאודHüte dich, und hüte dein Leben sehr." Der Arzt macht am Krankenbette täglich die Erfahrung, wie groß und wie gewaltig der Hang zum Leben ist. Der an Tuberculose siechende, Nächte hindurch vom Husten geplagte Kranke erträgt sein Leiden mit Geduld, wenn er nur den Trost vom Arzte hat, daß er wieder genese. Gott ist der Eigenthümer des Menschen, und sein Eigenthumsrecht gibt Gott nicht auf, so lange er dem Men, scheu das Leben lässt. כי לי בני ישראל עבדים עבד הם ולא ״ .עבדם לעבדםMir sind die Kinder Israels Diener." i Meine Diener bemerkt der Talmud und nicht Diener der Diener. Wer seine Kräfte einem zweiten vermicthet, darf nichts thnn, was seine Kräfte vermindern könnte (Choschen Mischpot 333, 5.) Lagt Jemand, blende mir mein Auge, haue mir ab meine Hand, zerbrich mir meinen Fuß. und du sollst vor aller dießfülligcn Schuld frei sein, so ist der andere, wenn er cS thut, dennoch schuldig(Baba Kama!>2a.) Der Körper ist nicht das Eigcnthum des Ich-, die Kräfte und Alles gehört Gott, und cs ist des Menschen Pflicht Gott sein Eigcnthum zu erhalte». Verletzt׳ wird diese Pflicht durch Verachtung dieses Lebens, durch einen solchen Wunsch des Todes, der von der Unzufriedenheit mit der göttlichen Weltrcgicrung cingegcbcn wird, durch jede Lebens weise, wodurch das Leben abgekürzt, oder in «Gefahr gesetzt wird, ohne daß dieses höhere Zwecke fördere, am gröbsten aber durch den Selbstmord, das ist durch jede Handlung die in der Absicht seinem Leben ein Ende zu machen unter nommcn wird. Die Scclcnzuftande und die Voraussetzungen in welchen und ans welchen sich der Entschluß zum Selbsti morde ansctzt, entwickelt, und in That ansschlägt, sind un moralische Zustände und falsche Voraussetzungen. Ter Selbst mord wird selten durch Krankheit bedingt, und außer eines vorhcrgcgangencn längere Zeit anhaltenden Wahnsinnes, ist selber schlechtweg unsittlich zu nennell. Wer ein lasterhaftes und verbrecherisches Leben, um entweder der weltlichen Ge rcchtigkeit oder den quälenden Vorwürfen seines Gewissens zu entgehen durch Selbstmord endigt, der endigt auf unj würdige Weise, unwürdig seines Daseins. I» der Leichen : kammcr am Sccirtische beweist cs sich nur allzuoft, daß j bei Selbstmörder» äußerst selten Spuren von Gehirnlrank 1 heilen vorhanden sind, und verfolgt man das Thun und Lassen eines Selbstmörders, so findet man, daß die ganze Einrichtung und Vorkehrung zum Selbstmorde eine geregelte, kalt berechnete war. < Schluß folgt.) lieber Schwemzuchi bei Juden. Die Erscheinung, daß selbst, seitdem im Jndenthume sich so Vieles zu lockern begonnen und mair oft über die heiligsten Satzungen zur Tagesordnung überging, minder wichtige Verordnungen fest gehalten werden, diese Erscheinung ist keine auffallende, es ist ja ein alter Spruch: רכל תמי במזל אפילו ס״ת שבהיכל auch der Inhalt der Thora wird nicht immer gleichmäßig nach der wirklichen Wcrthschätzung behandelt, sondern das Geringere oft den! Wichtigeren vorgezogen. Die Unkenntnis; hat nicht immer Thcil daran ׳/denn die Erscheinung ist zu allgemein nnd hat nicht blos bei den Unwissenden Eingang gefunden, cs war immer mehr Sache der Pietät als der Religiosität. Die Uebcrtretung der mosaischen Spcisegcsetzc und das Sichgütkichthnn an christlicher Tafel hat niemals so viel Entrüstung hcrvorgerufcn als die Schwcinzucht, die ein Lamento selbst bei den Spciscgcsetz- Uebenretenden hervorbrachtc. Dieser lncrativc Zweig des landwirthschaftlichen Betriebes wird nun auch von den jübischen Landwirthen nicht abgewicscn. Da ich aber die Bemerkung gemacht, daß man das Vcbot der Schweinzncht wieder nur als Sache des GcmüthcS—und bekanntlich hört, in Geldsachen die Gcmnthlichkeit auf — und nicht als wirk lich religiöse Satzungen auffasst, so erlaube ich mir in die sem ״Organ für die Interessen des JudcnthumS" ein Schreiden zu veröffentlichen, das ich über diesen Gegenstand vor Jahren an einen vielseitig gebildeten Landwirth gerichtet habe. .Ich gehe vorerst in Ihre Meinung ein, daß auf. Schweinzncht nichtandere« als der ausgesprochene Fluch unserer Lehrer ארור דאיש שינדל הזרים haftet, den Sic für nichts mehr als eine Extravaganz, eine Ehimäre halten. In der Voraussetzung, daß ich diesen Gegenstand mit einem biblisch gläubigen Israeliten, dem jede- Wort der heiligen Schrift eine ganze volle Wayrheit ist, bespreche: will ich

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