Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 25 (1.12.1868)
- Date
- 1868-12-01
- Page
- Seite 265 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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265 tute« gewiß in« Himmelreich bringen dürften. So stellt es sich in gradueller Weise heraus, welche geheimen Gänge die CultuSfteuern machen und, daß der rokhe Faden, gesponnen auS den Steuergeldern, die auf dem Altäre des CnltuS zu Gunsten gut versorgter Sekretäre, Muare, und Lehrer dargedracht werden, seinen Ausläufer in dem herrlichen Institute findet, das in dem Sortimente der Lehr- und Lernkräfte ein solches Knnterbunt liefert, daß man sich leicht der Hoffnüng hingeben kann, eines Tages werde man ein' Loch Gewahr werden, durch welches alle Gemeindegelder gefallen und spurlos verschwunden sein werden. Hab-n wir es wieder mit diesem institutlicheu Phänomen zu thun, das von der Commission zweifelsohne als die Oxforder Universität angesehen wird, so lassen wir den die Tendenz betreffenden Theil heute aus dem Auge und gehen daran mit der enwiS scharfschneidigen Lanzette an jenem Thrle des Gemeindekörpers zu fühlen, wo eine durch die T. % Schule verursachte Wunde zum Borscheine kommt auS dt: ein finanzielles Defizit trieft. Ohne in eine specielle Numerirrng der Einnahmen und Ausgaben*) der von der T. T. Coumission vorgelegten Rechnung einzngehen, oder uns gar um das Wie viel'? zu.kümmern, ist es heute unsere Aufgabe über das Defizit zu sprechen, das bereits zwei Sitzungen der Cul-uö» Repr. beschäftigte und zum Faeit hatte, daß circa 500 Gilden mehr verausgabt, nicht gerechtfertigt und nachträglich vv» der Repräsentanz genehmigt wurden. Müssen wir noch befalle dem Herrn Referenten I)r. Raudnitz für die Entdeckung des Defieits dankbar sein und seine *) Wir verweisen auf du Sitzung der E. R. in Nr. 23 dieser Blätter. I witzigen Einfälle, mit denen er seine Repräsentanz - Collegen unterhält, der G meinde aber immerhin durch seine nicht juridische Entscheidung Schmerzen verursacht, als Ausschmückung einer langw ilig u Sitzung gut heißen, so können uns doch : das Stillschweigen des Herrn Obmanns der X, X. Schule,! das er durch eine aller Logik entbehrende Entschuldigung zu breche» suchte, so wie die Bemerkungen eines Mitgliedes der Eommiffion. das in einer kurz gefassten Bertheidignng den Kassier durch dessen Privatcharakter für eine ungerechtfertigte j Mehrausgabe unverantwortlich macht, nicht gleichgiliig lassen, i wenn mau sieht, wie freigiebig die Herren der X. X. Eom-! Mission in den Sack der Gemeinde greifen, um. ohne eine! Erlaubnis eingeholt zu haben, die Hungrigen zu speisen, Der Herr Referent hat in Beherzigung des: Liebe deinen nächsten Repräsentanten wie dich selbst, dem Beriheidiger des Kassiers.durch einen aus dem Leben gegriffenen Witz, den er mit der Eresitanstall in B.'rbindung brachte, repli eirt und in wenigen Worte» gezeigt, daß er sich auf's Rechnen verst he'. ob er jedoch sich darauf verstehe, wie mit Gemeindegelder» gerechnet >v rd, m iß deßhalb in Zweifel gezogen werden, weiter das O ncit wohl eiugeseheu, zum Schluffe aber dasselbe zur nachträgliche» Annahme der Repräsentanz empfohlen hat. Wir haben von dem Referenten etwas Anderes erwartet und uns auch deßhalb, trotzdem wir schon der am 4. Oktober stattgefundenen Sitzung der Repräsentanz das Deficit entnommen, die Besprechung desselben Vorbehalten, um eben den Antrag de- Referenten und die Entscheid »ig der Repräsentanz abznwarte»; wir haben jedenfalls, nach dem Referate zu urtheilen, ein ganz anderes Resultat g hofft, das. um uns etwis deutlicher auszudrücken, für das Loli, das die T'lmud Xbora-Eommiffio» in die falls einige Tage des menschlichen Verkehrs entbehren zu können! dann begab er sich längs des verhi„gnißvollen Flusies bis in die i Nähe des Schlosses Abbas. Er schluderte längere Zeit am Ufer daher, die Sonne brennt in ihrer ga^en Gluth auf den Saud! und macht Feuer athmen die Wellen Ujleu dahin, - flüchtig und lautlos. Eine Barke wiegt sich in der Fluch, sic kann dem Strom nicht folgen, denn sie ist an einen Psiock gebunden. In der Nähe s des Fahrzeugs, unter dein Schatten einer Sitcnnore liegt ein Mann und schläft., Arfiel trat an ihn heran und grüßte. -D«r Mann crwiedertr leichthin den Gruß- und weudctesich^ als hätte ihn diese Beschäftigung zu sehr ermüdet aus die andere! Seite. .! „Ich miethe Dir" Deine Barke, guter Freund" redete ihn der! Kaufmann an. „Unnütz," brummte der Schiffer zwischen den Zähnen. „Warum?" „Ich und ineiu Kahn gehören bereits dem, der inich gemie. thet hat, und ich bin bezahlt, um hier zil bleiben den ganzen Tag, und die ganze Rächt wenn nöthig," > „Das ist brav von Dir" erwiderte Arsiel. — „Du bist nicht aus Bagdad, weil ich Dich nicht kenne" begann er nach einer Weile j wieder in etwas zutraulichem Tone. i „Rein," entgegnete der Mann im Grase, „ich bin der Eigenj thümer eines Seglers, welcher eine halbe Stunde stcomabwärts vor! Anker liegt und morgen den Weg na h dem Golf nmnit." Mehr war aus ihm in diesem Augenblicke nicht herauszubringen, die Unterhaltung ermüdete den Faulen augenschenlich. Desto ' höher wurde die Neugierde Arsiels erweckt, er glaubte hier einen i Anhaltspunkt für sein Vorhaben gefunden zu haben. Sr geduldete i sich eine Weile. Unweit vom Schläfer legte er sich ins Gea» und! zog aus seinem Bündel einen Krug init Wein, um einen derben Schluck zu thun. Das Gurgeln im Kruge brachte auf den Rachbar eine ganz andere Wirkung hervor, als das einförinige Plätschern deS Fluffes, an welches er zeitlebens gewöhnt war. Den Dberkorper erhebend, schielte er wie neugierig oach Arsiel bin. Adel verstand und nüthigte ihm den Krug i:. die Hend mit einem »"lick, der sagen wollte: Wir find allein. Der Muselmann konnte de^ erbotenen Trunk nicht widerstehen uno leerte, scheu um sich bliv^d, mit gierigen Zügen daS Gefäß. Die Vertraulichkeit war eingec^ \ V: den» A>siel war Mitwiffer seines religiösen Vergebens.' Der Vers», eher nützte nun seinen Vortheil aus, er bot . ihm Fleisch und Früch. te an. die dieser bereitwillig annahin, ivdem er seine lleberzeugung anssprach, daß Essen und Trinken die einzige nützliche.Beschästigung sei au solch einem laugen Tage deS Wartens. Die letzte» Reste der Mahlzeit wäre» noch nicht verzehrt, als ckich die Beiden schon dir besten Freunde nannten. „Wer hat Dich geniiethetfragte Arsiel, als er den Augenblick für günsiig erachtete. „Das Qberhanpt der Gläubigen! Er hat mir den Befehl gegeben »u«ch—bereit zu-halten. Rach dem Abeudgebet werden sein« Eunuchin drei Frauen bringen, welche er ch'egen Untreue zum Tode oernrtheilt hat; diese Drei werde» mir übergeben, damit ich sie da hinnnterlaffe." Dabei streckte er nüt einer Grimaffe die Rechte ans und machte eine Bewegung, als wollte er einen Stein ins Waffer fallen lasten. Arsiel schauderte. Der Andere, einmal in Redesiuß gebracht, fuhr fort: „Der Kalif kennt mich, er vertraut mir dieses wichtige Amt schon seit Fahren a», ich bin kein unbedeutender Mensch, Henker Todtengräber und Schiffer in einer Person." Dabei fiel er wieder in sein häßliches Lachen ein und dehnte de» Mund so. daß es schien, seine Dhren seien bloß durch eine lange Öffnung von einander getrennt. „lind D» Bruder, was führt Dich hierher?" fragte er Arfiel, wobei er ihm auf die Schulter klopfte. „Ich konune eben dieser llnglücklichen halber hierher, nicht aber um sie zu tödten wie Du, sondern um Eine von ihnen zu rette». Willst D» mir helfen, mein Freund?" Arsiel war sich bewußt, daß in dieser Frage die ganze Schwere seines Schicksals lag; denn seine Stimme zitterte merklich. Dai Klirren von simfzig Goldstücken, welche der Kaufmann in die Hand deS schrecklichen Mannes gleite» ließ, übertäubte das Bedenken, welches in ihm ansstieg und machte ihn. einmal auf Abwegen begriffen. öiin seltsamen Ansinnen willfährig. „Ich helfe Dir, Freund, wenn es meine Psticht nicht verletzt." sagte der gewissenhafte. Mau». (Schluß folgt., 25*