Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 24 (22.10.1868)
- Date
- 1868-10-22
- Page
- Seite 259 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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259 ihr Verhältniß zur eigentlichen Talmud - Thora - Schule in Betracht ziehe». Bor Allem wollen wir der Irblicken CnltuS Gem.-Nepräsentan; nicht »ndaukbar erscheinen, für da- Bestreben, denjenig n Candidaten, welche durch den Ruf dieseausgezeichneten und hervorragenden Talinudgclehrten Rabbi Jehuda Teweleauden fernste» Gegenden herbeigezogen wurden und wohl einige talmudische sonst aber gar keine oder nur sehr geringe allgemeine Vorbildung mitgebracht haben, wenig Gelegenheit zu bieten, sich wohl allgemeine Bildung anzueignen,aber doch was Hauptsache ist, sich im Talmud zu vervollkommnen. Diese anerkennenSwerthe Absicht bei Begründung dieser Gymnasial Abtheilung vorausgesetzt, müsfen wir umsomehr bedauern, daß die genannte Abtheilnng der ihr gegebenen Bestimmung durchaus nicht entspricht. Wir wollen" eS hier nicht untersuchen, wadiejenigen Candidaten, die sowohl durch ihre eifrige Beschäftigung mit ihren BerufSstudien. a>S auch durch ihre sonstige?eben-weise, den Ernst ihrer Absicht darthun, künftige Rabbiner zu werden, abhält, die Vorträge an dieser Abtheilnng zu besuchen, wer Gelegenheit hatte sich ein richtige- Urthcil über diese Abtheilnng der Anstalt zu bilden, wird um den wahren Grund dieser Erscheinung nicht lange verlegen sein — hier sei nur die Tbatsiiche constatirt, daß von Seite der genann» ten Candidaten diese Abtheilnng nicht besucht wird und daß wieder diejenigen Candidaten die an den Vorträgen dcrselden im vtlflossenen Semester Thcil genommen im Monate höchsten- 1 od r 2 mal, manche» Monat aber kein einzige- Mal die Vorträge de- Herrn Rabbiner- Tewelebesucht haben. Hierangeht nun folgerichtig h rvor, daß erstendie eigentlichen Candidaten gegründete Ursache haben müssen, ge» nannte Abtheilnng nicht zu besuchen und, daß 2. die Besueher derselben eigentlich keine Candidaten sind, obgleich sie sich für solche au-grbc», um einiger Benesicicn theilhaftig zu werden. Egeht-obcr auch ferner daraus hervor, daß zwischen der eigentlichen Talmud Thora und dieser Gymnasial Abtheilnng eben so wenig ein innerer oder äußerer Znsa.nmcnhang stattfindet, wie etwa zwischen einem Gymnasinm und einer theologischen Fakultät. Dieser durch Thatsuchen begründeten Ucbcrzengung, wird sich hoffentlich die Guneinderrpräsentanz nicht verschließen wollen und wird eö trotz de- Widerstrebengewisser?ente-endlich einschen, daß lsiec-der-eigeutliktr cheabsichsigte Zweck, in dieser Abtheilnng bloß einen integrircndcn Bcstandthril der Talmud - Thora Schule zu errichten, gänzlich verfehlt wurde, daß hier eigentlich zwei und von einander volls'ändig getrennte Anstalten bestehen u. z. die eine fitr wirkliche Nabbinatscandidatcn, die andere aber etwa eine Anstalt für junge Leute, die sich zwar Candidaten nenne», die aber nichtdesto weniger bloß da- Gymnasium in einer ihrem Alter entsprechenden kurzen Zeit absolviren wollen, um sich dann der M chicin oder der Juri-pimden; zuznwcndcn. Vom hnnianitürem Gesicht-punkte muß man eine solche Anstalt wie die letztere freudig bcgrüßen, doch'darf man sie nicht unter dem Aushängschilde der Talmud Thora errichten, um diese zu compromittire», und ctritt somit a» die löbliche Gemeinde Repräsentanz die Pflicht zu erklären, daß diese beiden Anstalten nulltmit einander gemeinschaftlich buben und dann jede unter dem ihr gebührenden Titel selbstständig für sich bestehen zn lassen. . Reichenau 6. November. (0-K.) Don einer ״Wochenschrift für politische, religiöse, nnd Culturintcresscn" erwartet gewiß Jeder, daß alle Ansichten, wenn sie nur nicht der Vernunft gerade in- Gesicht schlagen, darin gehört werden; wie würde» sonst die ״Jnteresfc», die zn hegen und zu pflegen da- Blatt sich zur Aufgabe gestellt, ihre Förderung finden? Freilich wenn csich bloS um rin Gezänke handelt, ist oft die Constatirung der That sache schon vom Nebel, geschweige die Duplik und Replik und die Leser verzichten gerne auf die Wiederholung und Wiederkaunng de- Scandal-. A deraber verhält eS sich Hei einem religiös vrinriv.ellen Fall, der doch__auLae1raaM. werden soll, da glaube ich, wäre die Redaetio-1, d. h. wenn sie die religiösen Interessen wirklich ernstlich wahren will, verpflichtet den -Ideenaustausch, so oft neue Lichtstreifen den Gegenstand beleuchten, fortznsetzc» und die Polemik nicht so schnell zu schließen. Die ״Neuzeit" bringt in Rro. 40 eine Abhandlung über ספק ממזר von Oberrabbiner Fasse!, der diese thalmudischc Verordnung eigenmächtig anfhcbt nnd eine jüdische Ehe mit einem Safek Mamser gestattet. Der Gegenstand ist für das Judenthum zn wichtig und die Dialektik de- Herrn OberrabbiuerS Fasse! zu sophistisch, um stillschweigend hierüber wegzugehen. Ich wendete mich daher an die ״Neuzeit," um den großen Schnitzer des H. Fasse! nachzuweiscn; doch die Redaktion hat diese Polemik, die doch in unserer Zeit ein politisches und religiöse- und cnltuellcS Interesse hat, bis zur Stunde ignorirt. Ich will damit Fei •e Klage gegen die fl^edaktion der ״Neuzeit" führen, c» ist vielmehr eine Entschuldigung, die Polemik, die in der Neuzeit begonnen, in der ״Gegenwart" nachträglich fortsctzen zu wo!« len. Hrn. Fasset- Prämisse auf die er seinen ריחו stützt, lautet: weil der Thalmnd erst die Ursache מעלה עשר ביוחסין wegen der Evidcnzhaltnng der Genealogie für den Safek Mamser angeführt und es nicht bei כם־לא דאיריית׳ יחימרא bewenden läßt, so muß nothwcndig ein Anderes zu Grunde liegen: dieser Grund ist aber nach H. Fasset, wie er ״fest in seinem Bewußtsein lebt" kein anderer als, weil damals ein Safek Mamser leicht eine Ehe schließen konnte mit einer ,שפוחד oder גדרת deshalb wurde ihm die Ehe mit einer I-, raclitin verboten; jetzt aber, wo der Safek Mamser schwer zu einer Heirath gelangen kann, fällt der Grund weg, daher ihm die Ehe mit einer Jüdin gestattet. Das soll keine Purimthora sein, daist in allem Ernste der Jdcengang de- OberrabbiuerS Fasset, den er vor aller Welt cntw ckelt. Ich will nicht den Grund, der nach Hxu. FassclS Einbildung fest genug ist, um in unserer Zeit über Sasel Mamser gänzlich wegznschen, nicht untersuche», od er haltbar sei; ich will auch nicht erst erwähnen, daß ein einzelner Rabbiner niemals dse Macht nnd Autorität hat, solche eingeleble thalmndische Satzungcn prinzipiell zu nmstaltcn. Wie würde eS im Judenthume an-schanen, wenn cjedem einzelnen Rabbiner qcstattet wäre, nach Belieben festgcstcllte Satzungen umzustoßen, vorschützend irgend ein Bewußtsein, dain ihm fest l bt; es würde bald heiße» כי כרפי עריך "ד־יר אלייך יהודה. ich will bloS zeigen, wie der Hr. Obr. Fasset eine falsche Prämifle ausgestellt und auf dieses Falinm auch einen ganz nnberechtigtcn דיהד ausgesprochen. H. Oorb. F. geht von der V׳ranssetznng an-, cs muß bei Safek Munsee ein anderer Grüyd vorhanden sein, weil der Tbalmud cs nicht b i der allgemeinen Regel סגיקא דאיייה׳ להימר׳ bewenden läßt, hat aber vcrgcss. n, daß diese allgemeine Regel bei Safek Mamscr ja gar nicht anwendbar sei, weil die Thora nur den •ודא bezeichnet. H. F. hak anch die analogen Stellen in Bechoroth 5)0 nnd. B. Mezia 7 verg-itzn, wo' eS heißt עש די ודאי אמד דחמוא »nd in de.׳ That isi man auch bei jedem Safek d r Pflicht zu verzchnten entbunden. Eaen dagilt anch bei ם־רת weil andem Wortlaut der Schrift da-Zweife,hakte ausgeschlossen ist. daher fällt die allgemeine Regel ספ־קא דאיריית׳ לד,׳מדי weg. Bei Safek Mainier ivürdc daher ohne die Ursache י,׳הסין anch thalmndiich die Ehe gestattet sein, weil hier ebenfalls die allgemeine R gel wegsällt. Bei dem vorliegenden Fall, wie er in Nro. iM der ״Nenzrit" erzählt wird, wenn es auch keine p in; piellc Entscheidnng wäre, könnte die Ehe doch gestattet werden u. zw. da hierüber keiir recht-giltige- Z-nzninoch vorliegt. sollte ein כיד diesen Ehemann, der noch am?.bei, ist, vernehmen; seine Aussage kann mir als erst jetzt abgegeben betrachtet werden, die aber nach rabbinisichen Gesetzen nicht im Stande ist, den lebenden Enkel als Mamser zu erklären. Dawäre die leichteste find gesetzlichste Lösung der Frige in diesem concreten Falle. ) LtnMlder. Wji/b.iur.