Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- I (1868)
- Issue
- 24 (22.10.1868)
- Date
- 1868-10-22
- Page
- Seite 258 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Absicht falsche Unterstellungen geben. Eie sehen in meiner Aeußening, cS sei ein tief zu beklagender Umstand, daß in Böhmen vorzug-nicisc Juden als Kämpfer deS DeutschthnmS sich hervardrängen und den Kampf mit vergiftenden Waffen führen," Cie sehen än die- - sen PaffuS ״nichtanderes, als einen leisen aber deutlichen Fin-, grrzeug an dir minder Kcrcchten minder Cknipulösen in den Reihen der Rationalen wo ein schwacher, fast wehrloser Kegncr zu sinden und zu bekämpfen sei." DaS ist eine Verdächtigung, die Ihnen nur durch persönkiitir t^ehäsiigkeit gegen mich diktirt worden sein kann. Diese Süehässigkeit siebt Jlme» selbstverständlich frei ׳, den Ausdruck derselben durch vrrlüniiidn ische llnlcrstcüungcn aber weise ick mit aller Strenge zurück. Wen» Sic. wie vorauszuschc» wäre, meiner langen öffentliche» Wirk- _J0H1fcit einige Ansmerksamtcit zugcwendet habe», so müsie» Sie wissen, daß ich als Schriftsteller und Redner immer imd überall für die volle Airichbcrechtignng der Inden gekämpft habe, und zwar in Zeiten, wo das noch schwierig war. und wo nian sich dadurch bei»» Publikum und bei den Regierungen Unannehmlichkeiten zuzog. Ich könnte Ihne» Beweise vorlegr», daß ich einerseits wegen mei- »er jndriifreundlichc.i Richtung oft bitter getadelt und heftig angegriffen worden bin. aber auch anderseits von notablen Jude» vielfach Zeichen dankbarer Anerkennung cnipfangru habe, und zwar nicht nur in Wien, sondern schon viel früher im Hamburg und in Frks. a. M- Ich bin überzeugt, daß kein Jude, wenn er nicht wie Cie von persönlicher Gehässigkeit gegen mich erfüllt ist. Ihrer Beschuldigung zustimme» wird, daß ich im Stande wäre, den Volks- Massen eine» Hingeizcig zu t^cwnltthate» gegen die Inden zu gebe». Aber jeder Jude, der einen richtige» klare» Blick für die bestehen, den Berhältniffc hat, erkennt die Thatsache, daß in der großen Masse der Bevolkrrnug. nicht nur BöbmcuS sondern aller Länder gegen die Juden noch hockst nnfremidliche Vornrthcile herrschen. Drßhalb anuß gerade der Jrcimd der Inden de» dringenden Rath gebe», daß ihre in der Deffentlickkeit ivirkcndcn ttlanbe»Sge»vssc» manches thnn und vieles untrrlasiru möchten, um diese feindliche» Vornrthrile verschwinden zu wachen, anstatt sic anfznrcizcn. Diesen Rath habe ich oft gegeben und iviederhole ihn auch Ihnen gegenüber und ich beziehe diese» Rath nickt bloß auf den nationalen Kampf für Böhmen, sonder» überhaupt auch ans den. kirchlichen Kampf in Oesterreich. Auch i» dieser Beziehung ist cS im Jntercffe der ganzen Judcnheit dringend zu rathen, daß sich die jüd. Publiziste» nicht mit Waffen des Spotts und der Verhöhnung als Kämpfer der christl. Kirchcnreform vordrängen, sondern, das Beispiel einer gefeierte» jnd. Aotabilität, nämlich des Hin. Ncichsraths Knranda nachahnirn möchten, welcher wiederholt erklärt hat. daß ihm die Eigenschaft als Israelit in der lirchlicheii Debatte ^',nrnckhallnng anserlcge». Eine ganz nackte Unwahrheit sprechen Eie aus, indem Sir behaupten, ick batte gesagt, daß in Rnmänic» polnische. ^Jnden sich als rräger de- Dentschtbunis gcrire»." Das haben Sic offenbar in irgend einem anderen Blatte gelesen. — Hiemit habe ick Jhiien. durch die Zusendung Jbres BlattcS z,1 erkenncil gegebencn Wunsch erfüllt und ans Ihre ..Erklärung" eine Antwort gegebc». die Ihne» hosscntlich gelingen wird. ftrflHJ cdiujclfrt. Hieinuf habrn 11 ir zu erwiedem: Die Entgegnung des H. Sd.ui'oUa ist uns vor allem dadurch eine sehr erfreuliche T hatfache, als durch dieselbe so tnancher verhindert wird, sich bei judenfeiudlicheu Bcslrebnn ge» zur Beschönigung derselbe» aus Herrn ׳Sckuselka als Autoriräl zu berusui. Wir b<zweifeln nickt und stellen es »och weniger i» Abrede, daß Herr Schnselka als Schrift steiler und Redner oft sich der Inden angenommen nnd von vielen ^nden Beweise d.s Dankes und der Anerkennung erhalten Hai; dock müssen wir nns gegen die Vorwürfe per sönlichei ׳-׳׳el.ässigkeit, Verläuindung imd absichtlicher Unterstellnng uiit gleicher Entschiedenheit verwahren wie H. Schn sclka, und erNäien, daß eS nicht eben unsere Schuld, wen» wir bei Herrrr Sckmsclka nicht immer aus dem Bergange-- ncn ans das Vorhandene schließen können. Die Acnßeinng. ״das; in Vöhmrn vorznadweise Jude» sich als Kämpfer," wie sic i» der. ,Envicder.iug d.S Hru. Schnsrlka angeführt ist. lautet nur um eine kleine, hier aber schwer wiegende Silbe anders als da, wo sic von Herr» Schriselka zuerst gebracht wird. Dort he'ßt cS ״und daß in Böhmen vorzugsweise die Jude» u. s. w." Wer etwa den sehr bedeutenden Unterschied im Wortlaute nicht erfassen sollte, den verweisen wir auf vr. R. H. Beckers bekannte Schulgrammatik der deutschen Sprache, 7. Ausgabe, S. 118 wo er sodann erkennen wird, wie wir ganz berechtigt zur Aeußrrung waren, daß anstatt der Einzelne» dieGesammtheit beschuldigt werde. Ebenso müssen wir unsere Äußerungen über Herrn Schusrlka bezüglich der Juden in Rumänien anfrecht halte». Herr Schnselka hat die Rcchtfcrtignng der rumänischen Regierung bezüglich ihres Vorgehens gegen die Inden wegen angeblichen Dcutschthums als plausibel anrrkönnt, derselben rumänischen Regierung, die ihre ersten feind-- seligen Maßnahmen gegen die Juden, wie uns ganz wohl erinnerlich ist, damit entschuldigte, daß sie nur ein unbefugt aus den Ländern des ehemaligen Königreichs Polen eingewandcrtrS jüdisches Gesindel ans ihrem Lande loS werden wolle. Somit zerfällt der Vorwurf der Bcrläumdung und absichtliche falsche Deutung ebenso in Nichts alSJier Vor« Wurf persönlicher Gehässigkeit bei dem Umstande, daß wir gar nicht die Ehre haben, Hern! vr. Schusrlka persönlich zu kennen. Vielmehr gestehen wir gerne, aus den Schrifteu deS Herrn vr. Schusrlka gar vieles gelernt zu haben, vieles selbst bezüglich der Rechte und Pflichten der verschiedenen Nationalitäten, was leider manchem unserer Glaubcnsgenossen zu vergessen schwerer wird als Herrn vr. Schnselka selbst. Ja, selbst sein jetziges Blatt ״die Reform" ist uns um ihrer guten fachwissciischastlichen, besonders ihrer historischen Ab- Handlung willen eine stets willkommene Lektüre. In der Ansicht, die jüdischen Journalisten »lögen ans Klugheit vorsich, tigcr sein u»d den Nationalitäten gegenüber w,e gegenüber der kalholischen Kirche sich der Mäßigung befleißen, stimmen wir ganz mit Herrn vr Schnselka überein, doch ist es überflüssig, -»wenn von ihm auch uns ein solcher Rath ertheilt wird, der wir bis jetzt nie mit einem Worte jemals den Bestrebungen der Nätionälcn oder der katholischen Kirche cntgegcngctrctcn sind, vielmehr wegen unserer in dieser Hinsicht ganz unparteiischer Haltung öfter schon Gegenstand der Verdächtigung gewesen. Darin hat Herr Schnselka ganz recht, daß Spott und Hohn für unsere Glaubensgenossen unter den Schriftstellern nicht die gehörigen Waffen sind, »m so weniger, als ein Theil des katholischen KlcruS seine eigenen Interessen nur all zu oft mit den Jntercsien der katholischcn Kirche, der alle Rücksicht gebührt, zu idcntifiziren strebt; und mit Freuden lassen wir auch das Beispiel deS hochverehrten NcichSrathcS—Kimuida gelten dock erinnern^ wir daran, daß auch Kuranda bei unberechtigten Übergriffen Klerikaler nnd bei Bcciiitiächtignngen der Rechte und der Ehre seiner Glaubensgenossen durch Klerikale keinen mäßigen Zuschauer abgegeben hat. Herrn Schnselka bitten wir aber schließlich, auch bei den Reaktionären unter den Klerikalen ein Wörtchen dafür eiiizulcgcn, daß auch sie ihre Stellung und ihren Einfluß nicht dazu gebrauchen mögen, um durch Wort und Schrift den Juden dem ungebildeten Theile deS Volkes Oesterreichs verhasst und verächtlich zu machen, sie viclinrhr dahin wirken, daß die vomHrn. Vr. Schnselka coststatievte Thatsachc ״daü^in der großen Masse der Bevölkerung -gegen die Inden noch höchst uinrcundliche Vorurtheile Herrschcn", endlich beseitigt werden. Prag 12. November (0.- K.) Die geehrten Leser dieses Blattes hatten schon einmal Gelegenheit einige Aufklärungen zu erhallen über diejenige Abtheilung der hicsigen Telmnd - Thora Schule, an welcher für NabbinatScandidatm die Gymnasiallchrgegcnftände vorgetragen werden. Während man sich aber damals mehr mit der Person eines der Vortragenden Lehrer an dieser Abtheilnng beschäftigt und den Gegensatz hervorgehoben hat, in welchem die demonstrativ zur Schau getragene irreligiöse Gesinnung desselben zur Bestimniniig der Anstalt selbst und der sic fi rquentircnde» Hörer steht — wollen wir heute die Nützlichkeit und Nolhwendigkeit dieser Abtheilung und